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Harald Birgfeld, Webseite seit 1987/ Website since 1987

 

da liegt mein Herz, Geschichten aus Niemandsland 2022 -2024 (im Entstehen)

z.B.: 100 Jahre „Kafka“, eine herrenlose Fundsache (neu)

 

Aufruf

 

zu Olympia – olympische Spiele!

 

 

Alle Veröffentlichungen,

online und im Buchhandel

 

Gedicht der Woche,

Lyrik, Prosa und Ingenieurarbeiten

 

 

Galeriebild der Woche und

Bildergalerie

 

 

 

 

 

Klappenbild.jpg

 

Im vorliegenden Band werden ca. 500 Strophen des Zyklus von 10.100 Strophen aus unterschiedlichsten Spannungsfeldern zwischen Menschen vorgestellt, vielleicht ein Versuch, eine Diagnose des Zustandes der Gesellschaft in einer eigenen Sprache zu geben.

 

 

 

 

 

 

Wir gerieten in den

Gürtel der Meteoriten

Lyrik.

 

10.000 Aufschläge

Band 14: Aufschläge 6502 - 6999

 

Harald Birgfeld

 

ca. 500 Strophen aus einem Zyklus von 10.000 Strophen als Versuch einer

Diagnose des Zustandes der Gesellschaft.

 

224 Seiten, Format A5

 

Harald Birgfeld

 

Online bestellen sowie im Buchhandel,

 

€ 12,99 inkl. MwSt.

 

Zum Buchshop

 

ISBN 9783734783111

 

Wir gerieten in den Gürtel der Meteoriten“ ist auch in den USA, Großbritannien und Kanada unter obiger ISBN und bei abweichenden Preisen bestell- und lieferbar.

 

Auch als E-Book

 

€ 7,49

 

Zum Buchshop

ISBN 9783738670837 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten).

 

Harald Birgfeld, von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb die meisten seiner Gedichte während der morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur Arbeit. Seine Texte entstanden fast immer bereits in endgültiger Form.

 

Copyright 2015 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald Birgfeld, e-mail:.  Harald.Birgfeld@t-online.de

 

 

23 Gedichtbände, 10.000 Strophen: Wir gerieten in den Gürtel der Meteoriten, 10.000 Aufschläge.

Zum jeweiligen Volltext: 

 

Bd.  1: Aufschläge       1 -  500

 

Bd.  2: Aufschläge    501 -   999

 

Bd.  3: Aufschläge 1000 - 1501, (1. Version)

 

Bd.  3: Aufschläge 1000 - 1501, (2. Version)

 

Bd.  4: Aufschläge 1502 - 2000

 

Bd.  5: Aufschläge 2001 - 2499

 

Bd.  6: Aufschläge 2500 - 3000

 

 

 

Bd.  7: Aufschläge 3001 - 3501

 

Bd.  8: Aufschläge 3502 - 3999

 

Bd.  9: Aufschläge 4000 - 4500

 

Bd. 10: Aufschläge 4501 - 5001

 

Bd. 11: Aufschläge 5002 - 5499

 

Bd. 12: Aufschläge 5500 - 6000, (1. Version)

 

Bd. 12: Aufschläge 5500 - 6000, (2. Version)

 

Bd. 13: Aufschläge 6001 - 6501

 

 

 

Bd. 14: Aufschläge 6502 - 6999

(online und im Buchhandel)

 

Bd. 15: Aufschläge 7000 - 7500

 

Bd. 16: Aufschläge 7501 - 8002

 

Bd. 17: Aufschläge 8003 - 8500

 

Bd. 18: Aufschläge 8501 - 9000

 

Bd. 19: Aufschläge 9001 - 9500

 

Bd. 20: Aufschläge 9501 - 9827

 

Bd. 21: Aufschläge 9828 - 10.100

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Aufschläge 6502 - 6504

Aufschläge 6505 - 6507

Aufschläge 6508 - 6510

Aufschläge 6511 - 6513

Aufschläge 6514 - 6516

Aufschläge 6517 - 6519

Aufschläge 6520 - 6522

Aufschläge 6523 - 6525

Aufschläge 6526 - 6528

Aufschläge 6529 - 6531

Aufschläge 6532 - 6534

Aufschläge 6535 - 6537

Aufschläge 6538 - 6540

Aufschläge 6541 - 6543

Aufschläge 6544 - 6546

Aufschläge 6547 - 6549

Aufschläge 6550 - 6552

Aufschläge 6553 - 6555

Aufschläge 6556 - 6558

Aufschläge 6559 - 6561

Aufschläge 6562 - 6564

Aufschläge 6565 - 6567

Aufschläge 6568 - 6570

Aufschläge 6571 - 6573

Aufschläge 6574 - 6576

Aufschläge 6577 - 6579

Aufschläge 6580 - 6582

Aufschläge 6583 - 6585

Aufschläge 6586 - 6588

Aufschläge 6589 - 6591

Aufschläge 6592 - 6594

Aufschläge 6595 - 6597

Aufschläge 6598 - 6600

Aufschläge 6601 - 6603

Aufschläge 6604 - 6606

Aufschläge 6607 - 6609

Aufschläge 6610 - 6612

Aufschläge 6613 - 6615

Aufschläge 6616 - 6618

Aufschläge 6619 - 6621

 

 

Aufschläge 6622 - 6624

Aufschläge 6625 - 6627

Aufschläge 6628 - 6630

Aufschläge 6631 - 6633

Aufschläge 6634 - 6636

Aufschläge 6637 - 6639

Aufschläge 6640 - 6642

Aufschläge 6643 - 6645

Aufschläge 6646 - 6648

Aufschläge 6649 - 6651

Aufschläge 6652 - 6645

Aufschläge 6655 - 6657

Aufschläge 6658 - 6660

Aufschläge 6661 - 6663

Aufschläge 6664 - 6666

Aufschläge 6667 - 6669

Aufschläge 6670 - 6672

Aufschläge 6673 - 6675

Aufschläge 6676 - 6678

Aufschläge 6679 - 6681

Aufschläge 6682 - 6684

Aufschläge 6685 - 6687

Aufschläge 6688 - 6690

Aufschläge 6691 - 6693

Aufschläge 6694 - 6696

Aufschläge 6697 - 6699

Aufschläge 6700 - 6702

Aufschläge 6703 - 6705

Aufschläge 6706 - 6708

Aufschläge 6709 - 6711

Aufschläge 6712 - 6714

Aufschläge 6715 - 6717

Aufschläge 6718 - 6720

Aufschläge 6721 - 6723

Aufschläge 6724 - 6726

Aufschläge 6727 - 6729

Aufschläge 6730 - 6732

Aufschläge 6733 - 6735

Aufschläge 6736 - 6738

Aufschläge 6739 - 6741

Aufschläge 6742 - 6744

Aufschläge 6745 - 6747

 

Aufschläge 6748 - 6750

Aufschläge 6751 - 6753

Aufschläge 6754 - 6756

Aufschläge 6757 - 6759

Aufschläge 6760 - 6762

Aufschläge 6763 - 6765

Aufschläge 6766 - 6768

Aufschläge 6769 - 6771

Aufschläge 6772 - 6774

Aufschläge 6775 - 6777

Aufschläge 6778 - 6780

Aufschläge 6781 - 6783

Aufschläge 6784 - 6786

Aufschläge 6787 - 6789

Aufschläge 6790 - 6792

Aufschläge 6793 - 6795

Aufschläge 6796 - 6798

Aufschläge 6799 - 6801

Aufschläge 6802 - 6804

Aufschläge 6805 - 6807

Aufschläge 6808 - 6810

Aufschläge 6811 - 6813

Aufschläge 6814 - 6816

Aufschläge 6817 - 6819

Aufschläge 6820 - 6822

Aufschläge 6823 - 6825

Aufschläge 6826 - 6828

Aufschläge 6829 - 6831

Aufschläge 6832 - 6834

Aufschläge 6835 - 6837

Aufschläge 6838 - 6840

Aufschläge 6841 - 6843

Aufschläge 6844 - 6846

Aufschläge 6847 - 6849

Aufschläge 6850 - 6852

Aufschläge 6853 - 6855

Aufschläge 6856 - 6858

Aufschläge 6859 - 6861

Aufschläge 6862 - 6864

Aufschläge 6865 - 6867

Aufschläge 6868 - 6870

Aufschläge 6871 - 6873

 

Aufschläge 6874 - 6876

Aufschläge 6877 - 6879

Aufschläge 6880 - 6882

Aufschläge 6883 - 6885

Aufschläge 6886 - 6888

Aufschläge 6889 - 6891

Aufschläge 6892 - 6894

Aufschläge 6895 - 6897

Aufschläge 6898 - 6900

Aufschläge 6901 - 6903

Aufschläge 6904 - 6906

Aufschläge 6907 - 6909

Aufschläge 6910 - 6912

Aufschläge 6913 - 6915

Aufschläge 6916 - 6918

Aufschläge 6919 - 6921

Aufschläge 6922 - 6924

Aufschläge 6925 - 6927

Aufschläge 6928 - 6930

Aufschläge 6931 - 6933

Aufschläge 6934 - 6936

Aufschläge 6937 - 6939

Aufschläge 6940 - 6942

Aufschläge 6943 - 6945

Aufschläge 6946 - 6948

Aufschläge 6949 - 6951

Aufschläge 6952 - 6954

Aufschläge 6955 - 6957

Aufschläge 6958 - 6960

Aufschläge 6961 - 6963

Aufschläge 6964 - 6966

Aufschläge 6967 - 6969

Aufschläge 6970 - 6972

Aufschläge 6973 - 6975

Aufschläge 6976 - 6978

Aufschläge 6979 - 6981

Aufschläge 6982 - 6984

Aufschläge 6985 - 6987

Aufschläge 6988 - 6990

Aufschläge 6991 - 6993

Aufschläge 6994 - 6996

Aufschläge 6997 - 6999

 

 


 

 

Aufschläge 6502 - 6504

 

Es lag kein

Diamant im Straßengraben,

Und die Scherbe, die dort blinkte,

Funkelte schon tagelang und würd mit jedem

Sonnenlicht, dass sich an seinen scharfen

Kanten brach, nach außen locken,

Und daneben lagen unter den verfallnen

Tagen, die noch gestern galten, dieses

Heer von zugedeckten

Splittern.

 

 

 

Es war in einer

Nacht, in der ich mich entschloss

Und ausging,

Und mit meinen

Händen konnte ich die

Sterne wählen, die ich sehen wollte,

Und ich war ganz sicher, dass von ihnen

Nicht ein einziger der

Mühe wert war,

Und auch umgekehrt

War ich mir selbst zu klein geworden,

Um von mir erwählt zu werden,

Und ich prüfte wirklich, ob das eigne

Leiden noch erkennbar wäre, oder immer nur das

Rücklicht anderer, die sich dorthin

Entfernten.

 

 

 

Man traute auch dem

Laserlicht nichts zu,

Und ganz genau genommen, war der

Strahl im Weltall überhaupt nicht sichtbar,

Und mein

Sehen trat aus meinen

Augen auf die

Schrecklichkeiten, die ja immer nur ein

Einzelner verübte,

Und es war ja hier auf

Erden jedes

Lichtbund so verschmutzt und unsichtbar, dass sich die

Blicke kreuzen mochten,

Überlagern konnten,

Ineinander fielen,

Ohne dass es jemand merkte.

 


 

 

Aufschläge 6505 - 6507

 

Ich stand wohl viel zu dicht am

Stamm der Birke,

Und die Rinde wuchs um mich,

Ich sah herab an mir auf

Felder weißer

Haut, die eingerissen war und aufgebrochen,

Und dahinter lag ein liebevolles Schwarz,

Ich dachte nicht an diese

Krone über mir und an die

Zweige, die nun preisgegeben waren jeder

Liebelei, sich jugendlich durch halb geschlossne

Hände ziehen ließen,

Und ich stand vor mir,

Und meine

Arme schlang ich um das

Holz,

Und meine Wange presste ich an harte

Kanten.

 

 

 

Eine andre Säule stand allein

Und war ein meterhohes

Kunstwerk, das ergoss vom höchsten

Scheitel Wasser auf die runde

Außenwand, dass es zu einem

Spiegel wurde, der nicht spiegelte,

Es lief ganz glatt herab,

Und ‚selbst beim

Baden wärest du nicht mehr mit dir allein’,

So sagtest du, und stündest unter einem

Regen, den du regeln könntest,

Der dich wärmte oder kühlte,

Und es müsste möglich sein, mit einem

Handgriff dich so gläsern zu gefrieren,

Und du sähest deinem

Eingefrieren selber zu.

 

 

 

Es war ja so, dass jede

Unschuld immer einen einzelnen betraf,

Und in dem

Kleiderschrank lag meine

Seele, die ich nächtlich auszog,

Und sie wurde mir in dieser letzten

Dunkelheit vom Mottenfraß zerstört,

Und nichts davon hatt ich bemerken können,

Und mein

Schlaf, danach, hielt lange an.

 


 

 

Aufschläge 6508 - 6510

 

Im Wald zerbrachen trockne

Zweige unter unsren Füßen,

Und es war gefährlich so zu wandern,

Und dein

Schatten ging dir nach und züngelte im

Abendrot und brannte lichterloh

Und streckte seine

Arme nach mir aus,

Und wirklich konnte ich dir gar nichts glauben,

Und es schien mir wahr, was dich so brennen machte,

Und es war dir völlig gleich,

Was hinter dir geschah.

 

 

 

An einer

Schnur, die zu mir niederhing,

Zog ich die

Lichtung auf,

Wir standen einem

Wald voll roter Dächer gegenüber,

Und dazwischen fehlte die Verbindung,

Und der eine

Schritt, den ich in diese

Richtung machte, ließ mich an die

Scheibe schlagen,

Und ein Taubentier, das von der andren

Seite kam, flog gegen Licht

Und brach sich das

Genick am Glas,

Und hier, bei mir, war nichts davon zu hören.

 

 

 

Dann sah ich in die

Tiefe, weil mein

Blick hineingefallen war,

Ich wollte ihn bewahren vor dem

Zwischenraum, dem

Schwindel und dem

Aufschlag,

Und man sagte mir, dass jeder

Stromschlag, der den Menschen träfe, ihm im ersten

Augenblick die Sehkraft rauben würde.

 


 

 

Aufschläge 6511 - 6513

 

Auf deiner

Stirn sah ich den roten Schönheitsfleck,

Der pochte unablässig,

Und dein Herz war hier zu Hause, weil es

Ausschau halten wollte,

Und den Menschen sagtest du und mir, dass hier dein

Drittes Auge säße,

Dass du so dem Herzen, das doch blind sei,

Von der

Sichtbarkeit berichten könntest,

Und dein Herz, das nach

Erkenntnis sucht, verstand in seiner

Dunkelheit von alledem kein

Wort.

 

 

 

Eine

Hand schob ihre

Fläche leicht und warm auf deinen

Rücken,

Und du konntest sie erkennen,

Und mir schenktest du die

Angst, ganz grundlos blind zu werden, zum

Geburtstag,

Und ich schaute hin zum

Gästetisch, der voller froher

Menschen war,

Die hatten auf den

Gabeln schon die

Blicke aller anderen

Und waren gut gesättigt,

Und ich leerte ihre

Mägen wieder,

Und sie sahen nur den

Inhalt, der sie fürchtete und ekelte,

Und nichts war an der

Speise irgendwie verändert,

Und es brannten unverzagt die

Kerzen.

 

 

 

Man wollte, dass ich von dem

Turm die Glocke läutete, das war sehr schwer,

Und meine

Kräfte reichten grade aus, sie zu bewegen,

Und ihr Klang erhob sich über unsre

Dächer und schwang in die

Steine,

Und man sprach mich an:

Der Turm, den ich ermauerte,

Wär über ein

Jahrhundert fertig,

Und man könnte nicht mehr länger auf den

Glöckner warten.

 


 

 

Aufschläge 6514 - 6516

 

Man operierte mich und fand in mir ein

Netz von weißen

Wurzeln, weit verzweigt,

Das wollte keinen

Schössling treiben,

Und es war ja einfach nicht genug,

Die nackten

Füße in die Erde einzugraben und zu warten,

Und mich band man gleich an einen

Stützpfahl,

Und die

Bindungsseile würden mit mir wachsen.

 

 

 

In der

Zeitung sah ich dann das

Bild des großen Hungers,

Und den

Mann, der seine tote

Frau nur leicht zur Seite legte,

Dem das

Kind auf seiner Schulter starb, mit einem

Kopf, schon todeskrank,

Und über eine

Straßenkreuzung wehte unbekümmert, von den

Wagen hin und her gerissen,

Eine leere Tüte,

Die stieg auf und wirbelte zurück

Und wurde überfahren,

Und ich ließ nicht ab von meinem neuen

Glauben, dessen

Zeichen wurden immer deutlicher.

 

 

 

In

Bilderbüchern fand man leere, weiße

Felder,

Und nur einer schnitt sie aus, um sie zu töten,

Weil er sah wie ihre

Nacktheit auch die

Blößen zeigte,

Und die eigne

Kleidung nützte gar nichts.

 


 

 

Aufschläge 6517 - 6519

 

Ich ging heraus aus meinem

Traum,

Du sagtest später, dass aus meinem

Munde eine Maus gelaufen wäre,

Und sie sei sofort in das

Gehege eines Gottes, den wir fütterten

Und den wir fürchteten, geschlüpft,

Und habe sich, so sagtest du, in dem

Gefieder tief versteckt,

Und meine Wirklichkeit war tags verletzt,

Ich musste mich vor

Spiegeln unter weißen

Tüchern hüten.

 

 

 

Man hatte einen

Himmelskörper ausgemacht,

Den grub man heimlich um und überließ

Besammaschinen die Befruchtung,

Und von uns aus sah man wegen der

Entfernung grade erst,

Wie sich der

Stern aus Staub und

Teilchen, die wir mit uns brachten,

Formte und gestaltete.

 

 

 

Mein Zimmer war bevölkert von den

Menschen, die hier wohnen wollten,

Und ich war enttäuscht

Und hätte niemandem erlaubt, zu kommen,

Und ein Sprecher fragte ganz bescheiden, ob ich eine

Heimat hätte, die ich über alles liebte,

Dorthin wollte man mich schaffen und mir

Ruhe gönnen,

Und kein einziger verlangte, dass ich aus dem

Spiegel treten sollte.

 


 

 

Aufschläge 6520 - 6522

 

Wenn ich heimisch wäre, hier bei dir

Und auch bei mir,

Wär ich daheim

Und sagte dir doch damals schon, dass ich der falsche

Flüchtling sei, der machte nur

Station, und hatte nichts, das er verlassen,

Nichts, dem er entkommen war,

Und niemand jagte ihn,

Und seine

Augen waren ständig auf der

Flucht.

 

 

 

Wenn ich heimisch wäre, hier bei dir

Und auch bei mir,

Dann wär ich nicht daheim

Und hätte nicht so unverzagt

Station gemacht,

Und einem

Flüchtling hattest du noch nie geholfen

Ohne dass er dich dafür verlassen musste,

Und ich sammelte schon heimlich

Drähte, kurze Seile, alles

Fluchtgeräte, die du kontrolliertest

Und mir nahmst,

Und meine

Augen blieben dir zum

Trost, als ich mich von dir wandte.

 

 

 

Wenn ich heimisch war,

War ich von mir verlassen,

Und ich dachte nicht an dich

Und würd mich irgendwann auf meiner

Flucht und ohne aufzuschauen,

Niederlassen,

Und wir würden miteinander leben,

So, wie gestern schon,

Und heute war es ähnlich,

Und auch morgen bliebe ich mit eingegrabnen

Armen stehen als

Vertriebener.

 


 

 

Aufschläge 6523 - 6525

 

Mit einem

Spaten stachst du auf mich ein

Und zieltest nach dem

Schädel, der lief fort,

Den würdest du auch so nicht treffen können,

Und du warfst das

Gartenwerkzeug hinterdrein,

Das war der erste

Schmerz, den ich als wahr empfand, obwohl

Du weit daneben trafst,

Und tatst mir leid,

Und ich hielt aus erneut, und

Hunger war die nächste

Folter, die du mir vor

Augen führtest, und du quältest einen

Anderen,

Und diesmal sähe ich noch alles hinter

Glas.

 

 

 

Hier bei uns beschäftigte man

Menschentiere, die ersetzten abgerichtete

Maschinen,

Und sie fühlten weniger als irgendein

Verschleißteil, dass sich ihretwegen

Aufrieb.

 

 

 

Mancher von den

Jungen glaubte auch, der

Frieden sei das unbekannte

Wurzelwerk, dass sich durch alle

Ritzen winde

Und dann grün

Und gelb

Und braun

Und weiß

Und rot zutage träte,

Und ich sagte ihnen,

Dass sie selbst in diesen

Ritzen säßen und den

Spalt mit größter Kraft geöffnet halten mussten,

Und das

Mondlicht war auch gut genug, die

Dankgebete und die

Todesschreie aufzunehmen und sie für die

Nachwelt in die

Räumlichkeiten abzustrahlen,

Und es bohrte sich die

Zeit mit ihrer Gegenwart in meiner

Nähe durch die Wand.

 


 

 

Aufschläge 6526 - 6528

 

Ich sah es gleich, dass du dir einig warst,

Und braune

Köpfe, die du aus dem

Lehmton modelliertest, hatten ihren

Eingang in der

Stirn,

Ich sprach dich an und traf sofort auf deine

Angst,

Und alles, was ich sagen könnte, wär geeignet,

Dich von dir zu trennen,

Und die Stirn ließ mich hinein

Und führte ohne

Unterbrechung gleich zum

Hinterkopf hinaus,

Und mitten drin standst du und drücktest deinen

Rücken flach zum

Schatten an die Tunnelwand.

 

 

 

Ich sah in deinem Mund den

Haken, der war angeschraubt

Und wäre dort, so sagtest du, schon von

Geburt an,

Und der Vater dieser

Zeugung seist du selbst im

Zorn,

Man sah den Haken nur in deinem

Lachen.

 

 

 

Meine Füße machten eine

Doppelspur aus roter

Farbe, weil ich unbemerkt hindurchgegangen war,

Und monochrom war der

Gedanke, der mir folgte,

Und ich trat so unversehrt aus deinem

Kopf,

Der war doch wirklich nur ein

Abguss einer Wirklichkeit, die lag

Zerbrochen auf der

Waage.

 


 

 

Aufschläge 6529 - 6531

Nach einem Film über Hiroshima (6. August 1945)

 

Unwahr ist der lange

Nagel, der in meiner Stirn sitzt,

Und man wies ihn nach als

Einzelheit, die unumgänglich war,

Auch schlug er mich nicht an die

Wand,

Er ragt noch immer aus dem

Hinterkopf und lässt sich dort berühren,

Und dies ist der

Schöntag, der, so sagt ein

Vatersohngedicht, die

Sonnenbombe fallen ließ auf unser Haupt,

Und nun sitz ich am

Straßenrand im eingebrannten

Schatten einer meiner Väter, und sein

Schrei glitt damals in die aufgeplatzte

Rinde eines Baumes, die zur neuen

Sonne schaute,

Und sein Schrei blieb unaufhörlich ohne ein

Geschlecht hier stehen.

 

 

 

 

 

Unwahr sind auch

Stoffemuster, die sich in die

Haut einstrahlten,

Und sie prägten sich auf

Menschendärme, Menschenlebern,

Und mein Weib hat jetzt das

Küchenkittelmuster, das ihr

Herz verkleidet hat, als

Strahlenkranz an jedes ihrer

Kinder weitergeben müssen.

 

 

 

 

 

Unwahr sind auch jene

Augen, die allein spazieren gingen,

Und sie lachten, als die

Köpfe falsch von ihnen dachten,

Und es war ja nicht ihr freier

Wille,

Und es blieb nicht

Zeit auch nur für einen Blick in leere

Augenhöhlen, die sogleich zerfallen waren,

Und es würden diese

Augen ohne

Tränen leben müssen,

Und es war ja niemand,

Der so schnell ein schwarzes

Laken vor den Giftball hatte werfen können,

Und es brodelte der

Fluss von aufgeplatzten

Menschenleibern und stand selbst in

Flammen.

 

*) Erschienen in der Anthologie, Deutsche Lyriker der Gegenwart,

Verlag, ars nova, 1988

 


 

 

Aufschläge 6532 - 6534

 

Das Morgenlicht brach grell ins

Fenster, und ich hatte kurz zuvor

Die Nacht zerrissen, die stand noch bis jetzt im

Vorhang,

Und ein kleines Vogeltier flog gegen diese

Scheibe und fiel tief in einen

Hof,

Ich hatte nichts gehört

Und sah ein wenig

Flüssigkeit dort draußen an dem Glas,

Die floss zusammen,

Und sie bildete nun einen milchig, weißen

Tropfen.

 

 

 

Drinnen steckte ich die Finger aus,

Und meine

Hände warfen scharfe

Schatten auf die Fensterbank,

Die glitten lautlos über meinen

Rücken, der dort lag,

Und niemals würde ich mich unter eigne

Gitterstäbe legen,

Und es war nur dieser

Wechsel zwischen kaltem Schatten

Und den warmen

Strahlen, der mich reizte.

 

 

 

Einen

Schritt trat ich zurück und hinter mich

Und sah mich vor dem

Fenster stehen,

Und ich war auch tief im

Hof mit meiner Hand

Und unter diesem

Vogeltier, das war noch warm,

Und auch als Rücken in der Fensterbank

Und war nicht freier als es dieser

Ausschnitt zeigte,

Und das

Grelllicht trieb mir feuchte

Fäden in die Augen,

Die verklebten etwas meine Wimpern,

Und ich wagte nicht am kleinsten

Schwarzstrich meiner

Arbeit zu radieren.

 


 

 

Aufschläge 6535 - 6537

 

Man zog aus einem

Holzhaus einen Balken, den man

Senkrecht stellte,

Und dies sei die Strafe:

Dass man jeden, der den

Balken so entferne, an denselben

Schlagen werde, dass er sterben müsse,

Und in meinem

Hause war ich doch allein

Und auch der einzige der Balken,

Und ich zündete mich an aus

Angst, dass ich verbrannte,

Und man sagte, das sei ebenso gerecht

Und ließ mich

Ungestraft.

 

 

 

Du warst in meine

Nacht am frühen Morgen eingebrochen,

Und du suchtest Hilfe,

Und ich bot dir weiße

Laken an,

Die waren dir zu dünn als Schutzwand,

Und die Nacht, in die du einbrachst,

Hatte wirklich eine viel zu schwache

Decke,

Und du sankst so schnell,

Dass du, bevor ich eine

Leiter fand, ein Seil, ein Handtuch oder

Irgendetwas, das ich bis zur

Einbruchstelle hätte werfen oder reichen können,

Schon ertrankst.

 

 

 

Neu war auch das unbeschriebne

Namensschild, das man an meine

Haustür schraubte,

Und man rief mich an

Und sprach durch ein

Gerät mit mir und sagte gleich,

Sobald man über die

Vergabe meines Namens

Klarheit habe,

Dürfte ich es wieder ganz

Entfernen.

 


 

 

Aufschläge 6538 - 6540

 

Die Straße, die ich ging, war öd und einsam,

Und es standen hier und da

Gesichter, die ich kannte,

Und mein Fuß trat wie versehentlich den Kieselstein,

Der flog auf unbedachter

Bahn weit über die Begrenzung,

Und es waren beides Nichtigkeiten, die ich den

Gesichtern zeigte:

Mich, so unwert wie ich war geliebt zu werden,

Und den Kiesel, dessen

Unschuld mich nicht rührte.

 

 

 

Bedachte ich genau die

Kämpfe, die ich,

Ohne mich zu rühren,

Ohne jede Waffe,

Ohne jedes laute Wort und

Ohne einen Menschen zu berühren,

Täglich kämpfte,

Ja, ich sprach sogar in einer andren

Sprache, die ich nicht verstand,

Bedachte ich genau die

Kämpfe, die ich täglich kämpfte,

Stand ich eigentlich den

Feinden, die erst morgen

Gegner waren,

Jetzt schon gegenüber,

 

 

 

Wenn mir schon die

Gegner fehlten, hätte ich von schönen

Siegen einen wenigstens erwählen dürfen,

Und es musste schließlich so sein, dass die

Niederlagen, die ich reichlich fand,

Die wahren

Siege waren,

Und ich sah in einer Straßenpfütze, dass sich

Jede Einzelheit der Wolkenbildung

Darin spiegelte,

Und auch der Vogelflug zog durch die

Wasseroberfläche, ohne sie zu

Ritzen.

 


 

 

Aufschläge 6541 - 6543

 

Von einer andren

Fressgewohnheit als vom

Töten und Getötet werden hattest du

Noch nichts gehört,

Dein

Gott lag mager auf dem

Drahtbett neben dir und nahm nichts an

Und hungerte und darbte,

Und er reiste heimlich durch die

Nacht und war versteckt in einem

Eimer, der war leicht zu tragen und war

Unauffällig leer und eilte ohne

Aufenthalt von einer

Mahlzeit zu der anderen und teilte

Speisen aus,

Die waren überall vorhanden.

 

 

 

Meine

Tage standen schon von

Anfang an auf Schienen,

Und ich blickte, wie die anderen nach vorn

Und achtete auf eine

Seitenspur, die würde mich vielleicht zu einem

Irrtum werden lassen,

Und in

Wahrheit stand ich ganz alleine vor dem schweren

Wagen, den ich mit den

Schultern ziehen musste,

Und ich saß darauf und sammelte von allem, was in meiner

Eile zu erreichen war, und steckte fest im

Sand,

Vielleicht, so dachte ich, fänd ich ein

Messer, das sollt mich aus meinen

Gurten schneiden können.

 

 

 

Hinter mir sang eine

Frauenstimme davon, dass sich alles

Wiederhole,

Und der

Mensch lebt in der

Wohnungsstille und zur gleichen

Zeit vor seiner eignen Tür,

Sein Klopfen mahne ihn dort drinnen,

Und er klopfe auch nach draußen

Und erschrecke nicht darüber.

 


 

 

Aufschläge 6544 - 6546

 

Lau und schön stand neben mir der

Sommerwind,

Und mein Verlangen war so wach,

Ich griff nach ihm und hielt ihn an der

Hand,

Durch meine

Lippen stach ein feiner

Draht, der wiederholte sich und legte eine

Naht um meinen Kopf,

Ich wurde ganz in mich

Verschlossen.

 

 

 

Der eine

Wunsch, den ich schon lange hatte,

Wurde mir erfüllt:

Bevor das Frühjahr anfing,

Und ich mochte denken, was ich wollte,

Immer war es schon vorhanden,

Und ich sah es als

Geschenk das erste Mal.

 

 

 

Viele

Menschen demonstrierten,

Und ich stand daneben,

Und ich wär auch nicht dabei,

Wär ich dabei gewesen,

Und ich richtete mich wirklich gegen mich,

Und die dort standen und zum

Himmel und zur Erde riefen,

Wussten nichts davon und auch nicht,

Wo sie standen,

Und sie meinten sich.

 


 

 

Aufschläge 6547 - 6549

 

Hinter deinen

Augen waren viele Wege deines

Gartens zugewachsen,

Und ich sprach mit dir darüber,

Und du suchtest außerhalb

Und konntest nichts entdecken,

Und ich kehrte heim

Und schaute heimlich um und neben meine eignen

Büsche und entdeckte dich,

Du warst auf einem nie benutzten

Pfad, der stieß direkt in meine

Augen.

 

 

 

Mittags sollten Gäste kommen,

Und die trafen ein

Und kamen doch nicht an

Und aßen viel und ließen ihre

Mahlzeit, die ich vorbereitet hatte, liegen,

Und ich durfte keine

Trauer tragen,

Nur um meinetwillen.

 

 

 

Eure

Kunst war schwer und ungewöhnlich,

Und ihr formtet

Himmelswolken um nach eurem

Willen,

Und den Wind, der euch dies

Handwerk wehrte,

Ließt ihr farbig werden,

Und er floh in

Scham schon, als man ihn entdeckte,

Und ein

Gegenkünstler spielte mit gefärbten

Winden, die er in bewegten

Bildern in das

Blau der

Tagesdecke stoßen ließ,

Dort gingen sie verloren.

 


 

 

Aufschläge 6550 - 6552

 

Es stehen deine

Haare in den unbewegten

Wassern deines Strandes,

Und der

Anschein einer

Strömung stellt sie etwas seitlich,

Und auf deinen roten

Schal fällt leicht ein einzelnes der

Gräser und liegt über Falten,

Und im Kiesbett deines

Nackens knirschen noch die unsichtbaren

Füße einer flachen Spur.

 

 

 

Deine

Landschaft war mir neu,

Und unbeschwert war jeder meiner

Schritte,

Und ich ging spazieren unter deinem

Langhaar, das begrenzte die

Lagune weißen Sandes,

Und du wartetest am

Ufer,

Und es bissen deine

Schneidezähne auf die Unterlippe in Erwartung,

Und ich traute mich nicht in die

Tiefe vor.

 

 

 

Später kam ich heim und hatte im

Gepäck nur den Verdacht,

Und hob die

Decke der geharkten Wege hoch

Und fand darunter eingetretne

Pfade, die verliefen völlig anders als man sah,

Und du bewegtest dich darauf

Und kanntest dich gut aus.

 


 

 

Aufschläge 6553 - 6555

 

Man plante jetzt schon, meine

Augen einst mit einem

Holzbrett zu verschließen,

Und man plante es bei allen,

Auch bei sich,

Und dieses Tuch in meinen

Händen, das ich ständig übers

Bild zog, kannte mehr als ich und sah, dass in dem

Rahmen eine

Jugend wechselte mit dem

Gesicht des Alters,

Ich jedoch verwechselte in einem fort,

Je länger ich drauf starrte, die

Vergangenheit mit der Vergangenheit,

Von der ich nichts zu sehen wünschte.

 

 

 

Lange schaute ich in mich

Und störte keinen, der dort saß und so

Nach draußen seine

Blicke werfen konnte,

Und man ließ mir meine

Zwiegespräche,

Und ich kämpfte in

Beredsamkeit mit mir,

Und hart war vieles hinzunehmen,

Das ich sagte.

 

 

 

Alle

Brüche meiner

Worte nähte ich mit

Draht, der lange hielt

Und der nicht rosten konnte,

Und im

Laufe meiner Jahre wuchsen viele

Regelrecht zusammen ,

Und ich konnte einiges an mir

Verstehen.

 


 

 

Aufschläge 6556 - 6558

 

Hinter meinen

Bergen kauerte das

Nichts, es war so wenig nichts,

Dass es sich über keinen

Bergkamm wagte,

Und ich stand am

Abhang, tief im Felsen,

Sah hinauf und hin zum

Gipfel, der sich zu mir beugte,

So sehr war ich nah und wollte doch nicht dort sein,

Und ich grub mich tiefer ein

Und hörte meinen eignen

Atem auf der andren

Seite.

 

 

 

Hier berief ich mich auf meine

Unschuld, die war weit entfernt auf

Reisen, und es gab da ein

Gesetz, das müsst man schätzen können,

Und in meinem

Nachtschrank stand die

Schachtel voller Wissen, die war leer und ohne

Boden,

Und ich fand es,

Wie ich es vermutet hatte.

 

 

 

Draußen, wo die

Räume sich vergrößerten je kleiner man sie sah,

Hier draußen gab es keinen

Rückflug, keine

Heimkehr, keinen

Stillstand,

Und das

Nichts wurd selbst zum

Handwerkszeug, das füllten wir mit unsrem

Umgang, der nicht enden konnte, auf.

 


 

 

Aufschläge 6559 - 6561

 

Du stehst hinter dir, mit deinem

Blick gezielt auf mich und nähst mit langen

Stichen meinen Rücken zu und rechnest lange, ob der

Wert, wenn er denn kleiner wird als

Eins, auch wirklich kleiner wird,

Und ob wir, so verschweißt mit deinem

Augenfaden insgesamt wohl weniger ergeben

Als wenn du in dir

Und ich in mir

Alleine blieben.

 

 

 

Über deine rechte runde

Schulter schob ich meinen

Mund,

Der nahm nicht

Abschied,

Und der Kuss wurd immer größer,

Und du ließt dich von mir lieben,

Und ich liebte eine andere an dir,

Und diese andere zerriss sich ihre

Kleider und ertrug den eignen Mann,

Der nahm sie nur, weil ich für ihn so

Unerreichbar war,

Und du an dir

Und ich an ihr

Und er an mir vergaben nichts,

Und wirklich, nichts geschah,

Was wir uns zu vergeben hatten.

 

 

 

Nun entdeckte ich das

Lichtseil, das durch meinen

Leib lief,

Und man hatte es dort heimlich eingefädelt,

Und es saß so fest und lief zugleich

So ungehindert durch durch mich

Und kam von Unbekannten,

Und ich hätte gern erfahren,

Wer ich war daran und auch

Wohin ich ging damit.

 


 

 

Aufschläge 6562 - 6564

 

Eigentlich war es verboten,

Mich zu zeigen,

Und ich zeigte mich und sah nach oben

Und den

Pfeilen zweier Entenvögel nach,

Die zogen schnell vorbei

Und schauten nicht nach mir,

Ich ging in eine unbekannte

Richtung, auch in sie zu schreiten war verboten,

Und es war noch niemand vor mir hier gewesen,

Und ich rief und musste meine

Antwort selber geben,

Das war meine Strafe.

 

 

 

So erzwang man mein Bekenntnis,

Und ich hob den

Zeigefinger in den Himmel,

Und ich wies in diese Richtung,

Und ich schimpfte nach dort oben,

Und was hinter meinen nahen

Wolken lag, blieb mir verborgen,

Und ein

Mütterlein gab mir für meine

Nacktheit einen Fingerhut, der war aus

Porzellan und bunt bemalt.

 

 

 

Später wurde ich ans

Telefon gerufen

Und erfuhr nicht, wer dort sprach,

Und hörte nur den

Vorwurf, dass ich mir im

Wege stand,

Das wäre nicht mehr zu ertragen,

Und es müsste einer von uns beiden weichen,

Und, mich zu entscheiden, bliebe kaum mehr

Zeit,

Man habe mich statt meiner, gegen meinen

Willen nun befreit,

Und nirgends würde ich mehr auf mich

Stoßen.

 


 

 

Aufschläge 6565 - 6567

 

Siehst du, dieses ist ein

Märchen, das geschah heut Morgen,

Und man gab mir alles, alles was ich wollte,

Und ich wollte viel und war so

Maßlos anspruchslos in meiner

Auswahl,

Und zuvor, als ich den

Glücksstein nicht zu fassen wusste,

War ich über alle Maßen anspruchsvoll

Und hatte nichts, obwohl ich

Alles hatte.

 

 

 

Diesen

Ring an meinem Finger trug zuvor ein andrer

Mensch, der sprach in einer andren

Sprache,

Und ich redete mit ihm

Und fragte ihn auf meine

Weise nach dem früheren

Besitzer und nach dem, was dessen

Hände angerichtet hätten,

Und ich musste das betretne

Schweigen deuten,

Und nur eines wurd gewiss,

Dass dieser Ring niemals zuvor von einer andren

Hand als dieser je getragen worden war.

 

 

 

Jemand hing der

Statue die Eisenfelge um den

Hals, die wurde dort zur königlichen

Krause,

Und man staunte über die

Verwandlung,

Und ich zeigte mich auch öffentlich

Und stellte mich ganz ohne

Rücksicht auf mich selber aus.

 


 

 

Aufschläge 6568 - 6570

 

Tags, so fiel mir ein, zog über uns hinweg das

Sternenzelt des Südens,

Und ich hätte fragen können, ob die

Himmelsbläue dort im

Südmeer wirklich schon um vier des

Morgens sichtbar würde,

Und die

Wolke Eskortierter zog an mir vorbei,

Und immer öfter hörte ich das

Rauschen aufgeregter Stimmen,

Und ich könnte mich mit einem

Aufschrei selbst daraus befrein,

Und schwieg statt dessen, schwieg zu mir,

Und schwieg mich aus, dort draußen,

Sah mich nicht

Und blieb auch übersehn von mir.

 

 

 

Der

Stützstock, den ich bei mir trug,

Weil mich das

Alter täglich einmal überraschte,

Und ich war noch jung,

Selbst dieser

Stab, den ich am Morgen aus der

Hecke schnitt, zerbrach am

Abend schon in Trockenheit.

 

 

 

Mein

Leben war so lückenlos und

Nirgends war ein

Ende, dass ich es nicht mehr ertrug,

Und neben mir bewohnten

Fremde meine Nachbarzimmer,

Und man zählte dort ganz systematisch

Alles, was sich zählen ließ,

Das wurde immer weniger,

Und was unzählbar wurde, strich man von der

Liste,

Und es war ganz gleich, ob diese

Anzahl starb, weil sie unendlich wurde

Oder einfach endete.

 


 

 

Aufschläge 6571 - 6573

 

Du hattest mich enteignet,

Das sei schlimmer als entleibt, so sagtest du,

Und eine

Namenlosigkeit zu tragen, sei ein

Tod auf Raten,

Und die erste Rate konntest du mir zeigen,

Und mein Eigen, das, was unangreifbar sei,

Wär auch schon fast in deiner

Hand:

Du sahst mich auf der Flucht

Und dir direkt in deine

Arme laufen.

 

 

 

Unser Haus war klein geworden,

Niemand konnte dort mehr sein,

Geheimnis wahren,

Alle Türen hatte man entfernt,

Und vorn am

Eingang hing ein

Schild mit Hinweis auf die absolute

Leere hier bei uns,

Und alle

Fenster waren eingeschlagen,

Und von außen schauten fremde

Menschen rein und kletterten an den

Fassaden und mit Leitern an die höchsten

Luken, um der

Leere nah zu sein.

 

 

 

Ich selbst saß auf dem

Hocker, der stand eng am Tisch,

Darunter lag mein

Wille, der war klein und ausgetrocknet,

Und ich trat versehentlich auf ihn,

Und fremd war mir das

Schweigen, das uns trennte,

Und hier oben durfte ich aus einer

Kiste einen Namen ziehen,

Der beschrieb das

Fach, in dem ich mich bei einer neuen

Suche wiederfinden sollte.

 


 

 

Aufschläge 6574 - 6576

 

Man rief nach mir, ein

Rufen, das ich ganz falsch deutete,

Man sagte:

„Du bist nun genesen, neu entstanden aus der

Krankheit,

Hinter dir liegt guter

Mut, der hat sich nun in Tapferkeit verwandelt,“

Und ich glaubte nur das eine,

Weil ich’s wusste:

„Wer entsteht, genest.“

 

 

 

In der

Heilung liegen oft die

Tränen, die ein

Tötungsmechanismus hinterlässt und den

Verdacht dazu, dass uns die

Trauer zwingt, die falschen

Dinge zu bedauern,

Und ich weinte offenbar um mich,

Und schmerzhaft musste ich mit eignen

Händen die vernähten

Wunden lecken.

 

 

 

Auf der

Treppe hingen große

Bilder aus der Altzeit, deren

Herkunft wir nicht wussten,

Und sie zeigten mich in allen

Lebensphasen,

Und auch einige, das war gewiss,

Sah ich darunter, die mich schon in meiner

Zukunft zeigten und bis hier

Verfolgten.

 


 

 

Aufschläge 6577 - 6579

 

Der

Bogen grellen Lichtes riss nicht ab,

Du sprachst von

Dingen, die vor meiner

Haustür standen, die ich anderen als

Abfall überließ,

Die kamen von weit her und suchten aus

Und wählten, kramten,

Und du sprachst zu mir von ihnen,

Und ich sollte ihnen alles, was ich hatte, überlassen,

Oder einfach liegen lassen, wo es war,

Und mit dir gehen,

Und du merktest nicht, dass ich ja selbst schon auf dem

Haufen lag und meine

Arme jedem

Sammler in die Arme legte

Und mich an sie klammerte,

Und deine Taschenlampe hatte einen

Viel zu schwachen Strahl bei deiner

Suche.

 

 

 

Am Hafen sah ich

Möwen fliegen und einander jagen,

Und ich sah den

Fluss und sah den Wind

Und sah in die Geräusche

Und sah alles, alles,

Und ich hörte keinen Laut,

So sehr erlebte ich im Leben,

Und als wirklich einmal deine

Augen schwiegen, deine

Ohren nichts erkannten,

Deine Hand dir deinen Mund verschloss,

Starb ich an dieser

Explosion der Stille.

 

 

 

Lange blieb ich nach dem

Sturz noch liegen,

Niemand hob mich auf,

Und keiner ahnte, dass hier eine

Rettung möglich war,

Und auch das

Vorjahrsstroh, an das ich lehnte,

War ganz feucht,

Es war ein Kind, das mir die

Spielzeugtrommel auf die

Knie und Schlegel in die

Hände drückte, dass ich mir den

Rhythmus schlagen konnte.

 


 

 

Aufschläge 6580 - 6582

 

Auf deinem

Kopf trugst du den kleinen roten Hut,

Man sah, dass dir die

Schönheit haften blieb,

Und deine kleinen

Schritte führten dich nicht fort,

Sie zeigten alles nur in immer neuer

Position,

Und nun gewahrte ich, wie deine ausgestreckten

Hände über deinem

Volk das Wort ergriffen,

Und das Volk gebar in seinem

Hunger wieder, wieder neuen Hunger,

Du jedoch entschiedst in deiner absoluten

Nähe über ihren

Tod, nicht über eines ihrer Leben,

Und wir anderen, auch ich,

Berührten, dicht gedrängt, das

Fenster, das uns von dir trennte,

Und es mochte jeden

Augenblick von unsrem

Ansturm brechen.

 

 

 

Auch die

Drähte, die uns aneinander reihten,

Konnten plötzlich reißen,

Und ich lebte neuerdings ganz ohne

Tagesinstrumente,

Und die

Zeit, die sich mir auftat, gestern noch das

Auge meiner Zukunft war,

Die setzte ich in meine

Stube,

Und sie lehrte mich ein

Kartenspiel in dem sich die

Erinnerung und die

Erwartung ohne Unterschied aus meinen

Händen auf den Holztisch werfen

Und verspielen ließen.

 

 

 

Deine

Tasche hing mit einem

Lederriemen an der Schulter,

Und du warfst so viel hinein, dass ich erstaunte,

Und auch andre kamen, die sich über ihre

Öffnung beugten,

Und sie legten große, schwere

Lasten ab,

Und als ich kam und nachsah, war die

Tasche leer und ohne Boden,

Und ich hätte nicht gewagt, die kleinste

Kleinigkeit

Hineinzuwerfen.

 


 

 

Aufschläge 6583 - 6585

 

Heute Morgen war ich voller

Zweifel, als ich ging,

Und unter mir bewegte sich ein

Weg, der mich nach vorne brachte,

Und mein Zweifel blieb,

Und als ich meine

Augen meinem Rücken lieh,

Entdeckte ich, dass eine tiefe

Spalte hinter mir den

Weg in seiner Mitte auseinander schob,

Und alles, was ich tat, blieb zweifelhaft:

Das Trinkglas, das ich anhob, war schon leer,

Bevor ich daraus trank,

Und Regen fiel aus blauem

Himmel, der benetzte meinen

Mantel nicht,

Und die

Passanten waren völlig nackt,

Und ihre Kleidung trugen sie,

Man sah es ganz genau,

Nach innen.

 

 

 

Ich verstand auch nicht, warum man

Wolken numerierte und mit

Drähten, die ich hier von unten aus bemerkte,

Aneinander nähte,

Und es spannte sich so schnell dies

Gitter über uns als

Himmelsbogen,

Der ging morgens auf

Und glühte nachts als tausendfaches

Fadenkreuz.

 

 

 

Sieh, in meiner

Wohnung lebte ich allein,

Und die, die mit mir lebten,

Waren nicht vorhanden,

Und mein

Mantel, der von dem ich grade sprach,

Schob immer seinen

Ärmel in die Tasche eines andren

Mantels oder hing sich ein in einen andren Ärmel,

Und er war doch ordentlich an der

Gard’robe aufgeräumt.

 


 

 

Aufschläge 6586 – 6588

 

Die

Mittagsstunde kam als stille

Wolke auf mich zu, die ich genoss,

Die

Ruhe hing in Bodennähe

Und war weit verbreitet,

Und die schwarzen

Punkte einer Tageszeitung fielen als ein

Ascheregen in die

Spur, die zu mir führte,

Ein betretner

Weg, den ich zurück würd gehen müssen,

Und die weißen

Beeren, die am

Bahndamm meiner Reise wuchsen,

Schossen als ein

Schneegestöber, an dem

Zug, in dem ich saß,

Vorbei.

 

 

 

Dieser

Tag war ganz genau wie jeder andere,

Und gestern war für mich schon heute Morgen

Oder wie man immer dieses

Wortspiel drehen wollte,

Und ich schrieb an dich die

Nachricht, die ich heut bekam,

Und sandte sie, weil ich mich nicht verstand,

Zurück an mich.

 

 

 

Ich wickelte ein

Farbenband um meine

Stirn,

Es färbte sehr,

Es drang mit seiner

Farbe unter meine Haut,

Verfärbte mich nun innerlich

Und einheitlich,

Ich kannte mich in mir bald nicht mehr aus,

Und alle Schnitte, die mich teilten,

Zeigten mich so völlig farbengleich im

Blut.

 


 

 

Aufschläge 6589 - 6591

 

In unsrem

Fenster hing ein winzig kleiner

Vogelkäfig, der bestand aus goldnem

Draht,

Das Vögelchen darin hat sich ein

Lied gesungen, das ich nicht vergessen kann,

Es sang von einem

Regentropfen, der an seinem

Fenster stand,

Der putzte sich sekundenlang die

Farben in der Sonne,

Stürzte dann, von Strahlen ausgebrannt, erloschen auf den

Fensterrahmen nieder und

Ertrank.

 

 

 

Das

Fest, das ihr so eifrig feiertet, war auch für mich,

Und auf der

Eintrittskarte, die ich mit mir brachte, stand mein

Name, der war leserlich,

Ihr hattet mich ja eingeladen,

Und es war kein Einziger zu sehen,

Keiner am Empfang und weit und breit kein

Gast,

Auch niemand der hier arrangierte,

Und es galt wohl alles, alles mir,

Und als ich ankam, tauchte man mich gleich in einen

Mantel einer Heiterkeit,

Der passte rundherum und überall

Und schloss mich völlig ein.

 

 

 

So stand ich auf dem

Dach und schwankte in dem

Wind,

Man konnte wirklich weiter sehen,

Wenn man höher stieg,

Und in dem

Schacht, den ich danach bestieg,

Sah ich, dass sich die

Tiefe auch unendlich dehnt

Und nirgends endet.

 


 

 

Aufschläge 6592 - 6594

 

In dem andren

Zimmer wurde man behandelt und geheilt,

Und hier, auf dieser

Seite wurde man gekränkt, verletzt

Und vorbereitet für den

Nebenraum,

Und irgendjemand rief mich an

Und fragte mich, ob ich verletzt sei,

Irgendwo, es sei ganz gleich, an welcher

Stelle,

Und ich zeigte wieder auf die blanken

Flecken meiner Haut mit der ich dauernd an die

Gitterstäbe stieß.

 

 

 

Jeder, hieß es, sollte an sie denken,

An die

Würde, die dem Menschen eigen sei,

Und du beschimpftest mich voll

Leidenschaft, die riss das

Pflaster von der rohen Öffnung

Und stieß tief hinein,

Und eine Würde, sagtest du,

Dürft keine andre stören

Und müsst teilbar sein in große und in kleine

Stücke.

 

 

 

Wir lebten auch mit einem

Völlig unbekannten Tier,

Und nur, weil niemand wusste,

Wie, wovon es leben, was es fressen, trinken mochte,

Blieb es uns am Leben,

Und wir überließen es sich ganz allein,

Und niemand sah es je,

Und keiner fragte irgendwann

Danach.

 


 

 

Aufschläge 6595 - 6597

 

Auf die

Stellung meiner Sonne nahm ich keine

Rücksicht,

Und ich ging zum

Marktplatz, der war leer,

Und hinter schrägen

Bäumen stand der

Wind mit leicht verschränkten Armen,

Und um diese hohe

Stunde lag sein Atem schlafend in den

Ästen,

Und es war kein

Mensch, kein Tier zu treffen, das war gut,

Und endlich hörte ich, wie sich die eignen

Schritte unabhängig von mir selber

Fortbewegten und an mir vorübergingen,

Und dies war der erste

Schritt, den ich ganz langsam zu mir

Machte.

 

 

 

Eine

Seitenstraße führte mich zu einem kleinen

Hafen,

Und ich roch die einzelnen

Erlebnisse,

Ich trank von dem

Gemisch aus Teer und Lindenblüten,

Und am Hafenbecken warf ich eines jener schwarzen

Netze über mich,

Und seine Fäden rissen nicht und hielten

Diesen großen

Fisch ganz fest am

Boden.

 

 

 

Später sah ich doch nach oben,

Wollte wissen, wie die

Sonne, unter der ich lebte, ihren

Tag begonnen hatte,

Und sie war schon längst vorbei gezogen,

Und es gab sehr viele

Leute, die die Stellung ihrer

Sonne nicht mehr wussten

Und auch nicht mehr danach

Fragten.

 


 

 

Aufschläge 6598 - 6600

 

Ein

Künstler saß den langen

Tag ganz eng am

Rande seiner Arbeit,

Und ich hatte ihm gesagt:

In einem

Mann lebt auch die Frau,

Und in der

Frau wird er einst sterben,

Und wir hielten unsretwegen unsre

Augen offen, um den

Tod gleich zu erkennen, der uns bergen sollte,

Und es war mein

Irrtum, denn die

Arbeit, die wir machten, hatte kein

Geschlecht und ungerecht war, was wir dachten,

Und es leben beide in dem Mann,

Der Mann, die Frau und umgekehrt

Auch er in ihr

Und sie in sich

Und er in sich,

Und was wir schufen war die reine

Kunst, die wir erkannten,

Und wir gingen auf sie zu.

 

 

 

Auch der lange

Draht, den du mit

Absicht in die Erde wachsen ließt,

Man sah ja nur den

Anfang, nicht das Ende,

Riss doch jeden, der von seiner

Länge wusste, mit sich in die

Tiefe bis ans

Ende.

 

 

 

Mir war eine ferne

Welt genug,

Sie saß in mir

Und ruhte sich dort aus

Und wartete auf den

Entdecker.

 


 

 

Aufschläge 6601 - 6603

 

Wir gingen auf dem

Weg,

Ich hatte in der Stadt den

Festtermin bekommen,

Und ich eilte,

Und du bliebst zurück,

Auch störten dich die

Zweige, die herüberhingen,

Und sie griffen nur nach dir,

Ich sah sie nicht,

Und deine Angst wurd größer,

Und sie hielt dich immer weiter hinter mir,

Und rückte dich nicht auf,

Und unter uns, das wusstest du,

Lief eine zweite

Straße, die war ohne jede

Schwierigkeit für dich,

Die würden wir am

Ende treffen,

Und du gingst von nun an keinen

Schritt mehr.

 

 

 

Aus den beiden

Fäden wollt ich eine

Schleife machen,

Die sollt nur zwei freie

Enden aneinander binden,

Weil sie sich im

Raum sonst nie getroffen hätten,

Und ich griff hier ein,

Und weit entfernt, soweit, dass man

Mir nicht berichten konnte,

Löste sich zur gleichen

Zeit der Faden aus der Schleife,

Die so lang gehalten hatte.

 

 

 

Man sprach von einem

Wert, der sei verborgen, tief vergraben,

Irgendwo versenkt im Wasser oder

Läge völlig offen, frei und unverhüllt,

Und ich war sicher, dass

Ich ihn in meinen leeren, ausgestreckten

Händen hielte und mit nichts von dort vertreiben

Oder sichtbar machen könnte.

 


 

 

Aufschläge 6604 – 6606

 

Ich sah das blaue

Eiskristall, es war der letzten

Nacht herausgebrochen, lag des

Tags nun noch im Weg

Und fesselte die

Augen, dass ich stehen bleiben musste,

Und von deinen Lippen hörte ich:

„Geh zu und lass das

Eis alleine wachsen,“

Und du zogst mich fort in warme Räume,

Und die

Bänder, die um meine

Augen lagen, tauten nicht und hinderten die

Blicke zwischen dir und mir zu wandern,

Und du sagtest noch, dies sei ein

Fall, der würde lange keine

Lösung finden.

 

 

 

Andrerseits schriebst du die

Lösung auf ein kleines

Stück des Zeitungsrandes,

Weil es dort noch frei war,

Und dir reichte dieser Platz,

Dann warfst du deine

Zeitung ungelesen fort und sagtest mir,

Die

Felder und die

Linien könnten so nicht mehr bestehen bleiben,

Und die neuen

Perspektiven lösten alles auf

Und zwangen dich und mich zu andrern

Dimensionen.

 

              

 

 

Ich suchte darauf hin in meiner

Nähe,

Und die Häuser weit dahinten

blieben in der Wahrheit unverändert gleich in ihrer

Größe und die andern Gegenstände auch,

Sie mochten noch so weit entfernt sein,

Und die

Schwierigkeit für mich war eigentlich, den

Reiter, der im Nebel auf mich zu kam, zu erkennen

Und ihn nicht für alles andere zu halten,

Als den

Reiter, den ich nicht erkannte.

 


 

 

Aufschläge 6607 - 6609

 

Über uns trug man die

Dächer ab,

Wir wussten nicht warum,

Und immer größer wurde eine

Blöße, der wir uns nicht mehr entziehen konnten,

Und es war ein

Unterschied, ob jemand kam und uns im

Freien antraf oder uns aus unsrer

Erde grub,

Und wir hier unten sammelten die

Nadeln, die man immer noch für den

Papiereinschlag der Blumen brauchte,

Steckten sie zunächst in die Papiertapete,

Und wir konnten sie nicht mehr

Für unsre Sicherheit benutzen,

Und man riss von außen immer heftiger an der

Verpackung.

 

 

 

In einem

Garten lag ein Boot, es zeigte mit dem

Kiel nach oben,

Und ich sah sofort die

Löcher, die im Boden waren,

Und ich fuhr mit diesem Boot die lange

Strecke in die Offenheit, die sich am

Himmel zeigte,

Und es kam, wie ich es schon befürchtet hatte,

Luft drang ein und ließ mich völlig

Untergehn in meiner kleinen

Freiheit,

Erst am Grunde angekommen stieg ich aus,

Das

Boot schlug um und blieb mit seinem

Kiel nach oben liegen,

Wo es lag.

 

 

 

Mir riss ein

Wind den Hut vom Kopf,

Die Öffnung traf uns beide,

Und ich griff ins

Haar, es fest zu halten,

Und der

Hut schlug sich die Hand

Vor seinen Mund,

Ich lief ihm nach,

Und er wich aus,

Der Wind wollt ganze

Arbeit machen,

Und es fiel ins

Wasser und schwamm nicht mehr auf,

Und alles, was ich dachte, warf ich hinterher

Und sah, wie es den

Wind beruhigte und friedlich stimmte

Und ihn sättigte,

Und dass er seine

Arbeit nun vollendet hatte.

 


 

 

Aufschläge 6610 - 6612

 

Wir litten unter einer

Bindungsenergie, die reichte über große

Strecken,

Und wir mochten uns, soweit es ging, entfernen

Und den anderen vergessen wollen,

Und es kam der

Zeitpunkt, der uns festhielt

Und uns zwang zurückzugehen, auf uns zu,

Und später fand man auch den

Grund für unsre

Umkehr, die sich dauernd wiederholte,

Und man hatte, noch in unserem

System, den

Überstern entdeckt,

Der stand seit langem zwischen uns

Und zog uns an

Und stieß uns ab in großen

Bögen.

 

 

 

Es war die

Hoffnung, die wir hatten,

Und es gab Beweise überall dafür,

Und um den

Giftpilz, der nicht enden wollte, dessen

Wachstum ebenfalls im

Grunde eine

Hoffnung war,

Um diesen Giftpilz zogen wir bis in die

Tiefe und bis in den

Himmel eine Mauer,

Und an vielen

Stellen setzte man ein

Schauglas ein.

 

 

 

Draußen sah man, dass die

Männer sich an einem freien, halben

Brückenende mühten,

Der stand über einer

Meeresenge,

Und es tastete hinüber, sich dort

Endlich auf der andren

Seite abzufangen,

Und dort drüben saß die

Künstlerin, die wartete schon auf den

Augenblick in der Berührung,

Und sie wusste nicht, dass die

Berechnung diesem Bogen ihren

Kopf und Körper nur als

Stütze geben konnte.

 


 

 

Aufschläge 6613 - 6615

 

Nun sah ich in der

Galerie ein

Eigenbild von dir,

Es zeigte dich vor einem

Stubenfenster,

Und der

Frost und Eiseskälte krochen grün

Und selbstverständlich durch das

Glas zu dir,

Sie überzogen auch die

Heizung, die sich unter einer

Fensterbank verbarg und krochen deinen

Wintermantel hoch

Und weiter hoch an deiner

Stirn und übers Haupthaar,

Und sie überzogen selbst den

Schatten, der vermochte nicht zu fliehen,

Und dein Blick war innerlich

Und suchte einen

Rest von Wärme,

Der stand außerhalb

Und fand den

Weg nicht ins

Gemälde.

 

 

 

Vor dem andren

Fenster saß die junge Frau,

Sie trug ihr langes

Haar ganz offen, das ergoss sich über das

Gesicht,

Und jede Einzelheit zerfloss mit diesem

Strom,

Es schmolzen

Mund und Nase,

Wange, Augen, Ohren in die

Hände, die darunter lagen,

Und sie retteten ja nichts,

Und trostlos war der Trost den ich ihr brachte,

Und ich kam verspätet über

Jahre.

 

 

 

Draußen, wo die

Giftgaskatastrophe wütete,

War niemand der

Gesichter sammelte,

Und jede

Materialstruktur, die sonst die

Schuld nachwies, blieb aus,

Auch war der

Schock für Maler hinter Glas so groß,

Dass ihre Scheiben barsten,

Jeder stand von einem

Atemzug zum andren vor der

Schreckwahl zwischen

Giftgas- und Erstickungstod.

 


 

 

Aufschläge 6616 - 6618

 

Ich war so froh und sah, dass meine

Wirklichkeit nun doch nicht wirklich war

Und suchte trotzdem nach

Beweisen,

Und ich hatte einen

Traum zum zweiten Mal geträumt,

Darin war ich ein

Mörder, der allein von seinem

Totschlag wusste,

Und man sagte mir im Schlaf:

„Du hast getötet,

Und du bist der einzige, der davon weiß,“

Und hinter einem übergroßen

Stein sollt auch das Opfer liegen,

Und ich ging nicht hin

Und sah nicht nach

Und floh davor

Und war mir ganz gewiss in meiner

Gräueltat und sprach zu mir im Wachen:

„Ja, du hast getötet,

Und…“

 

 

 

Plötzlich kamen lange

Tage ohne

Anfang, ohne Ende,

Und man schenkte mir die

Zeit, ich konnte damit machen, was ich wollte,

Und es trat nichts auf, das stören konnte,

Kein Bedürfnis kam nach

Essen, Trinken, einem Menschen,

Nicht nach

Räumlichkeiten, nicht nach Gegenständen,

Und es trug mich eine ungeheure

Leichtigkeit,

Die artete so aus in mir, dass ich nach einem

Spaten griff und ihre weißen

Wurzeln, die nichts taugten,

Abstach,

Und man fragte mich genüsslich,

Ob ich alles hatte haben können, was ein

Mensch braucht, wenn er nicht braucht,

Was er alles haben kann.

 

 

 

Drüben stand ein

Mann, der war in Arbeit,

Und er zog schon tagelang ein

Seil endlos aus großer Tiefe,

Und ich ging zu ihm und war im

Schrecken über ihn und schaute, so wie er, ins

Loch und sah das freie Ende,

Und er nahm mich wahr

Und machte mich sofort zum

Publikum für seine

Pantomime.

 


 

 

Aufschläge 6619 - 6621

 

Man fand dich hinter

Fernzuggleisen,

Und du warst so sonderbar verändert,

Aus den

Augen las ich eine

Sehnsucht, die war tief in dir,

Sie kehrte nicht zurück,

Erst die

Geräte, die wir an dich legten,

Brachten uns Gewissheit:

Nein, du hattest keinen

Leibesschaden,

Und du warst gesund

Und hattest alles wohlgeordnet,

Und du warst an diesem

Bahndamm nur erstickt an einer

Hoffnung.

 

 

 

Irgendjemand sagte auch:

„In mir sprach gestern eine

Stimme, die war deutlich,

Und ich hörte jedes Wort,“

Wir andren sahen uns betroffen an,

Und jeder, der hier stand,

Tat immer nur nach seiner innren

Stimme,

Und man schlug uns so als

Gruppenbild in Stein,

Und niemand von uns regte sich,

Wir lauschten wieder jahrelang auf

Worte aus der

Tiefe.

 

 

 

Nein, mein

Abschied sollte uns nicht trennen,

Und du gabst mir nach,

Wir gaben uns einander ein

Versprechen,

Und es sollte jeder vor dem

Abschied sich dem anderen

Noch einmal anvertrauen,

Und wir würden eine

Trennung machen,

Ohne uns zu trennen.

 


 

 

Aufschläge 6622 - 6624

 

Du sahst zu und ich,

Wir blickten beide auf das

Wellenheben, Wellensenken draußen auf dem

Meer,

Wir lernten uns dort draußen kennen, als die

Möwe aufstieg und der

Wellenkamm sich unter ihr mit anhob

Und nicht nachließ,

Und die

Wassertropfen hatten nicht Gelegenheit zu fallen,

So sehr stieg das Meer an,

Flug und Spiel und Flucht und Jagd erkannten wir als eins,

Auch bat ich hinter mir die

Frühlingsblume mir zu helfen gegen die zerstörte

Stadt und gegen ihre

Mauern, die ich nicht errichten wollte

Sondern ich tat alles,

Um sie einzureißen.

 

 

 

In den

Dünen waren schmale

Pfade zwischen scharfem

Gras, das war im

Sonnenlicht und gläsern grün,

Und in

Berührung brach es ab

Und stach und schnitt ins Fleisch,

Der Dünensand verriet sich unter meinen

Füßen aus zertretnen Gräsern, die sich unentwegt

Bewegten,

Und sie rieselten durch meine

Hände,

Und ich drückte meine

Wange gegen deine,

Und es blieb kein

Abdruck, alles floss nach unten,

Talwärts an der

Trichterwand,

Es reichte, mit dem

Finger irgendwo hineinzustoßen

Oder mit dem

Fingernagel diese

Haut zu ritzen.

 

 

 

In einer

Landung wurde auch der

Boden unter unsren Füßen fort gezogen,

Und wir fielen durch,

Und eigentlich wär es doch

Umgekehrt natürlich und verständlich,

Und ein

Aufschlag fand nicht statt.

 


 

 

Aufschläge 6625 - 6627

 

Hinter mir tat sich der

Boden auf und vor mir stand die

Leiter, die in eine unbekannte

Höhe reichte,

Und ich wusste nicht, wo sie mir enden würde,

Und ein

Rückweg von dort oben

Blieb auch ausgeschlossen,

Und der

Vorwurf, den ich hörte,

Wurde immer größer,

Ja, er türmte sich bis in die ersten

Sprossen,

Und ich warf ihn hinter mir gleich in die

Spalte,

Und die Leiter stieß ich um,

Und ausweglos sei alles, was ich ohne fremde

Hilfe machte,

Und ich hörte nicht darauf.

 

 

 

Den

Mantel, den ich trug, hatt ich mir

Selbst gewebt aus dünnen

Drähten,

Und er war die

Rüstung, die ich brauchte,

Und die spitzen

Enden, die sich manchmal daraus lösten,

Stachen mich,

Ich wollte auch den

Schmerz um mich herum ertragen,

Und ich ahnte, dass er seine eignen

Räumlichkeiten brauchte.

 

 

 

Manchmal machte ich

Geschenke,

Die nahm ich aus mir,

Von denen trennte ich mich schweren

Herzens,

Ich behandelte auch die

Empfänger so, als müsste ich sie strafen

Und war freundlich, herzlich,

Und ich überraschte sie

Und ging verloren.

 


 

 

Aufschläge 6628 - 6630

 

Ich saß vor einem

Wachslicht, das stand auf dem

Tisch,

Die kleine

Flamme leckte sich die

Zunge rot und gelb

Und langte hoch hinauf

Und riss entzwei und teilte sich,

Und brennend floss sie schließlich über ihren

Kerzenrand und schoss herab,

Und nie zuvor sah ich, dass eine

Flamme übersprang und ihre

Flüssigkeit zurückließ,

Und ich war nicht hergekommen,

Um in

Schmeichelei zu leben,

Um zu spielen mit den

Möglichkeiten, sondern die

Struktur wollt ich verändern,

Und es war mir recht, wenn

Blaues, kaltes Licht mich in dem

Eistanz überzog und weithin leuchten ließ

Und nichts erwärmte.

 

 

 

Wir gingen zu der

Hütte, die war neu mit gelbem

Stroh in Bündeln zu belegen,

Und wir kamen jährlich einmal,

Und es war nun gute

Zeit,

Der Mensch war jetzt viel undurchsichtiger

Ging er ganz ohne

Haut,

Und ich verbot es dir darum, dich zu entblößen,

Und ich war bereit, mit dir, so nackt wir werden konnten,

In die Spiegel einzutauchen,

Die bestanden aus der blanken

Oberfläche eines Schwermetalles,

Das war nicht erhitzt und trotzdem flüssig,

Und sie ließ uns einfach

Durch.

 

 

 

Die

Hintertür stand offen,

Ich ging unbedacht und ohne

Argwohn darauf zu,

Und kurz davor versagten meine

Beine,

Und ich fiel zu Boden,

Niemand hatte mir von dieser

Tür gesagt, dass sie ein

Hintereingang sei,

Und niemals wollte ich

Verrat an irgendjemandem begehen,

Und man hob mich an

Und trug mich um so schneller in das

Haus.

 


 

 

Aufschläge 6631 - 6633

 

Von draußen sah ich schon,

Es standen deine beiden

Stühle immer noch im Fenster,

Je zwei

Beine bohrten sich durchs Glas, die

Rückenlehnen hatten ihre

Hälse selbst entlassnen

Schreien nachgereckt,

Die stiegen weiter hoch, die

Hälse blieben starr gestreckt,

Und drinnen standen wir davor,

Es war ja nichts zum Niedersetzen,

Und der

Boden war zu schade,

Man entdeckte unter ihm die große Schleife,

Mochte sein, dass sie in

Wahrheit unterirdisch war.

 

 

 

Über deine

Tasse wuchs ein Pelz,

Ich trank daraus und fasste nach der

Schlange, Löffel, führte sie zum Mund,

Sie wand sich sehr in meinen Händen,

Und ich gab sie dir zurück

Und küsste nur die

Gabel, dort wo ihre

Zinken ineinander liefen,

Und du wurdest rot in dem

Gesicht,

Ich wollte dich nicht kränken.

 

 

 

Später schaltete ich eine

Lampe ein,

Man konnte so die

Nacht viel besser sehen,

Und sie stand als körpergroße

Schachtel in dem Raum,

Sie war ganz leicht und ließ sich

Heben und bewegen,

Und ich stellte sie für noch zwei

Stunden an die Wand,

Bis jetzt war nirgendwo ein

Einstieg,

Und ich würde lange mit ihr ringen müssen.

 


 

 

Aufschläge 6634 - 6636

 

Die

Gärten waren endlos satt,

Die

Gräser hingen schwer zu Boden,

Und im kleinen

Auenhain berührten sich die

Birkenzweige, stießen aneinander,

Und ich ging vorbei und suchte diese eine

Stelle, wo sich unterirdisch eine

Wärme sammeln sollte, wo sie sich

Vergraben haben sollte, ohne fremde Hilfe,

Und ich wollt sie sehen, mochte noch nicht glauben, dass sie

Anfassbar und vorzeigbar und übertragbar war

Und setzte meinen Spaten

Irgendwo und sinnlos in die Üppigkeit

Und stach so tief ich konnte,

Und mit beiden

Füßen balancierte ich auf dem

Metallrand.

 

 

 

Türen, die in unsrem Wege standen,

Schlossen hinter jedem automatisch,

Und sie schnitten die

Gedanken ab, dass ich mich umsah,

Und von vorne tastete ein

Lichtstrahl nach Entgegenkommenden,

Die lösten eine andere Mechanik aus,

Die knüpfte an an das

Gewebe schließender und ungeöffneter

Begebenheiten,

Und ich lehnte

Teller ab, die heimlich Durchgangstore hatten,

Löffel, die im Boden Fenster trugen,

Und auch Gabeln, die mit

Schwimmhaut überzogen waren.

 

 

 

Am Tage fiel ich auf die Knie und betete

Und sah mich um

Und wollte nicht entdeckt sein,

Und ich betete, dort, wo ich länger lebte, stärker

Als zu jener andren

Zeit, wo mir das Leben fern war,

Und versteckte mich in einem

Kleiderschrank, den konnte ich von

Innen schließen,

Und ich sah mich nicht.

 


 

 

Aufschläge 6637 - 6639

 

Ich setzte mich erschöpft zu einer

Gruppe Wartender, die hockten vor dem

Pappplakat, das demonstrierte uns von dort

So nah es konnte,

Und die

Leute sahen nichts, es war in

Wahrheit eigentlich ein übergroßer

Spiegel, ein Theater, das wir selber spielten,

Und ich lenkte mich ein wenig ab

Und bastelte an einer Puppenbühne, die sich keine

Sorgen machte um ein

Publikum,

Und eine Handlung würd ich schnell

Erfinden.

 

 

 

Wir wohnten in dem hohen

Haus und lebten dort als

Käfertiere in dem toten Baum,

Der uns ertrug und der uns jede nur erdenkliche

Geschäftigkeit erlaubte,

Und ich selbst nahm einen

Schleichweg bis in seine blätterlose

Krone, die ließ einen Ausblick zu,

Und zwischen diesem

Dach und hohen Wolken war ein

Zwischenraum, dass ich erstaunte.

 

 

 

Irgendwie geriet ich dann in eine

Festung, die war tief in ein

Gebirge eingesprengt,

Und an der stillsten

Stelle, weit im Innern,

Hörte man tagaus, tagein den

Herzschlag aus der Dunkelheit,

Der ließ nicht nach

Und kam aus diesen Felsen, ohne dass man ihn

Lokalisieren konnte.

 


 

 

Aufschläge 6640 - 6642

 

In meiner Not, denn irgendjemand

Schlug mit irgendetwas auf mich ein,

In meiner Not, fiel ich kopfüber an den

Holzzaun, der war auch ein Sichtschutz,

Und er half mir nicht und riss im

Aufprall etwas ein, das gab den

Ausblick frei auf eine völlig andre

Welt,

Ich sollte eine Antwort geben,

Sollte sagen, ob die Welt, die sich

Von sich aus angekündigt hatte,

Schon zu sehen sei,

Und was ich sah, war mir so nah,

Ich wagte nicht, es meinen

Peinigern zu zeigen,

Und die aufgedrückten Hölzer

Sprangen wieder zu.

 

 

 

Ich griff ganz seltsam ruhig in mein

Haar, das fand ich brüchig feucht,

Und mit den

Händen stieg auch der

Verdacht nach oben,

Und die

Kopfhaut würde schrecklich bluten, risse sie erst ein,

Und ungewollt bemerkte ich, dass kaum ein

Schmerz sich halten konnte,

Und mein

Weib war sehr geschickt mit

Garn und Nadel,

Und sie müsste mir den

Einriss nähen,

Und ihr

Einstich, würde ich ihr sagen,

Könnt nicht anders sein als der in reine

Seide.

 

 

 

Rot war meine

Hand,

Und ihren Abdruck hatte ich wohl zehnmal auf den

Teppich und das Tuch auf unsrem Tisch gesetzt,

Und immer wieder ließ

Unglauben mich ins Stempelkissen greifen,

Und die Farbe hinterließ von mir

Und von sonst niemandem, den

Fingerabdruck.

 


 

 

Aufschläge 6643 - 6645

 

Ich saß vor meinem

Fenster und bewachte einen

Regen, der stieg auf in dunkle

Wolkenfelder,

Und ich wachte über sein

Entrinnen, das nicht aufzuhalten war,

Und diesmal brach die

Erde auf und gab die

Wassertropfen frei,

Ich sah sie draußen sich in

Pfützen sammeln,

Und an mir vorbei begann die Flucht,

Ich ging zur

Tür und schaute nach und wollte wissen,

Ob man über mich genauso sinnlos wachte,

Ich erinnerte mich auch noch an ein

Vogelnest, das mochte nun wohl leerstehn.

 

 

 

Als ich meinen

Blindenstab nur für Sekunden in die

Erde stach, um meine

Hände frei zu haben, um nur einmal die

Gebärde eines Schauenden zu machen,

Als ich meinen

Blindenstock so blind vertraute, wuchs er an

Und war doch aus

Metall,

Die Wurzeln hatten sich sofort als

Draht im

Unterirdischen verschlungen,

Und sie waren nicht zu lösen,

Ich studierte sie genau

Und alles sah ich gut

Und sah auch, dass der

Stab sich gelb verfärbte,

Und er wurde mir zur

Richtschnur, der ich folgen musste,

Und ich hatte ihr zu trauen.

 

 

 

Deine

Sätze waren gut, so sagtest du zum

Beispiel, ob nicht meine

Lügen meine Wahrheit wären,

Und du hattest sie in deiner Tasche,

Und du klimpertest mit ihnen, dass ich hörte,

Wie sie sich an dir vermehrten,

Und sie mussten so ja aneinander schlagen

Und zerbrechen.

 


 

 

Aufschläge 6646 - 6648

 

Es war wohl eine große

Freude, die dich rührte,

Deine

Worte trugen kein Gesicht,

Sie waren viel zu hell beleuchtet,

Und dein

Lachen stolperte und überschlug sich

Und fiel beinah hin,

Und meine

Arme streckte ich nun aus nach dir

Und wollte alles retten, was so froh begonnen hatte,

Und ich spürte dieses

Stechen, das vom Herzen kam

Und sich in meine linke

Seite flüchtete,

Und neben mir erschien ein neuer Schmerz,

Viel größer als der meine,

Und er kümmerte sich nicht um mich,

Und seine

Augen waren ganz auf dich gerichtet.

 

 

 

Später las ich meine eignen

Worte in der Zeitung,

Und ich rief dort an und fragte nach

Und bat um

Auskunft, wann und wo es sich ereignet habe,

Und man sagte mir, genau vor meinem

Mund hätt man gegraben,

Und die

Worte seien wirklich schon zwei

Tage alt und trotzdem übermäßig gut erhalten,

Und man habe sie geputzt,

Und wollt sie nur in meinem

Sinn gebrauchen,

Und ich grub nun selbst,

Und ich entdeckte einen ganzen

Hügel ungesprochner Worte,

Der lag gar nicht tief

Und war verdeckt von einem dünnen

Sinn, der riss sofort entzwei.

 

 

 

Man gab mir recht

Und dieses

Recht an einen Handwerksmeister,

Der besaß das

Werkzeug, das war gut genug,

Es sichtbar zu gestalten,

Und ich war so froh

Und hörte eine alte Rede,

Danach war das

Recht ja immer schon ein

Todesurteil, das man einfach aus den

Händen gab

Und weiterreichte.

 


 

 

Aufschläge 6649 - 6651

 

Als ich heute früh erwachte,

Türmten sich an meinem Bett

Zerbrochnes Gut und Müll und

Fortgeworfnes Zeug, das mir noch sehr

Bekannt war,

Und ich sah nach dir

Und konnte nichts erklären,

Und du sagtest unter

Gähnen, auch die

Überreste meiner Träume hätten einen Sinn,

Ich würde ihn wohl zwischen diesen

Gegenständen finden,

Und ich müsste mich beeilen, denn die

Träume würden viel zu schnell verschwinden,

Und es schmolz der

Berg vor meinen

Augen, dass ich ihn vergaß.

 

 

 

Die

Hauswand war aus stumpfem

Klinkerstein, die zog sich neben dem

Spaziergang hin, ein rotes

Tuch, das sich in kleine

Felder teilte,

Und in mir entstand auf jedem

Rechteck die Erinnerung an einen

Tag, der nicht begann,

Ich dachte lange, lange nach,

Und spät am

Abend endete die Mauer erst,

Und zwischen allen

Steinen stand ich plötzlich vor dem

Eingang, der war schon

Verschlossen.

 

 

 

Auf der andren

Straßenseite brachen

Diebe in ein Fahrzeug ein,

Und sie entdeckten mich

Und kamen auf mich zu

Und schnitten mir, um meine

Aufmerksamkeit zu zerstören, die

Verbindungsdrähte durch,

Und später reparierte man vergeblich meinen

Schaden,

Und ich konnte mich an nichts erinnern.

 


 

 

Aufschläge 6652 - 6645

 

An dem

Wintermorgen goss sich wärmend gelb die frühe

Sonne in mein Zimmer,

Und die weiße

Kappe schmolz mir ab vom Kopf,

Ich stand im

Wachstum einer Wohligkeit, die an mir kletterte,

Ich wollte nichts mehr wissen von dem

Inhalt eines

Buches, dessen Zeilen überblendete die helle

Kraft,

Die Seiten waren plötzlich unbeschrieben,

Und so war es recht, denn alles, was bestehen wollte,

Musste existieren,

Und ich hatte auch gehört, dass man die

Liebe lernen musste,

Und sie war nicht leicht, nur weil sie uns

Beflügelte.

 

 

 

Sonst traf mich keine

Schuld, denn

Schuld war mir genauso wichtig wie die

Unschuld,

Und ich musste immer gegenwärtig sein, aus diesem

Grunde angeklagt zu werden,

Und ich suchte mir ein stilles

Plätzchen, nur für mich allein,

Und mühte mich in einer menschenvollen

Straße zwischen all den

Füßen Sauberkeit zu halten

Und verbot es mir, nach denen, die den

Abfall fallen ließen,

Aufzuschauen.

 

 

 

Früher warf ich jeden

Abfall fort und fühlte mich danach befreit,

Und heute musste ich die

Trennung vorbereiten,

Alles wurde liebevoll von mir sortiert und aufbereitet,

Und ich musste jedem

Teilchen die Erinnerung entwenden

Und mich richtig von ihm trennen,

Ehe ich mich fortwarf.

 


 

 

Aufschläge 6655 - 6657

 

Es war ein wunderbarer

Augenblick, als ich entdeckte, dass die

Kette, die mich jahrelang am

Hals geschnürt und festgehalten hatte, nicht aus

Eisen war,

Ich biss sie durch, riss sie in

Stücke,

Und sie wurde meine

Speise,

Und mein Lächeln spannte ich in stramme

Bänder, dass es blieb

Und sich nicht regen konnte,

Und die

Jahre, die vergangen waren, hatte ich in meinem

Magen,

Und ich wollte nichts davon verdauen.

 

 

 

Du maltest zwei

Gesichter ineinander,

Und es sollte, sagtest du, nur eines sein,

Vielleicht von einer

Frau, vielleicht von einem Mann,

Vielleicht auch jeweils nur die

Hälfte, die so ineinander fielen,

Und ich lief in meiner

Wohnung hin und her und stieß mich hart an

Gegenständer, die im

Wege standen,

Meine Frau erkannte dann, mich träfe die

Gefangenschaft des wilden

Tieres viel zu schwer, und ließ mich durch

Und auf die

Straße eilen,

Und die

Fährte führte in die Irre.

 

 

 

Es war ein kleiner

Wald in dem ich nachts ein

Lichtlein fand, das stand im

Raum, das war kaum größer als die

Kerzenflamme,

Es war rund und gläsern

Und nicht gegenständlich,

Und ich konnte es umgehen,

Und es sprach kein Wort,

Es konnte nur der

Schnittpunkt zweier Strahlen sein,

Die sich so günstig überlagerten,

Der eine musste mir entstammen,

Und der andere stand immer auf der andren

Seite.

 


 

 

Aufschläge 6658 - 6660

 

Weit entfernt sah ich mir zu,

Auf meinem

Kopfhaar standen blaue Flammen,

Und es war mir kalt,

Ein

Bote brachte eine

Nachricht von dort drüben,

Und ich sah ihn gut

Und sah auch, dass er nicht voran kam,

Dass er stecken blieb in irgendeiner

Zähigkeit, die lag im

Weg,

Ich schlug die

Hände vors Gesicht,

Ein

Zaun aus Eis fiel mir auf meine Augen,

Und er fing nicht an zu schmelzen,

Und das kalte

Gitter formte sich schon unter meiner

Haut,

Ich sollte doch, so sagte jemand, auch ein wenig

Unterhaltsam sein

Und nicht den andren alles überlassen.

 

 

 

Hier im

Wohnhaus ordnete sich eine

Ordnung von alleine,

Ich bemerkte nichts von ihr

Und wohnte dort sehr lange ohne

Unterbrechung,

Und als ich nach meinem

Suchen endlich heimfand,

Wollte man mir alles vorbereiten wie ich es

Wohl gerne hätte,

Und man schlug das

Wohnhaus ein und riss das

Dach von meinem

Kopf und legte es in einen fremden

Garten,

Und die

Balken starrten aus dem

Grätenfisch und stachen durch die

Schuppenhaut nach außen.

 

 

 

Man verstand nicht, dass ich vor dem

Essen aufstand, mich bedankte, ging

Und vor den

Augen aller so im

Mundraub lebte,

Und man konnte mich deswegen nicht

Bestrafen.

 


 

 

Aufschläge 6661 - 6663

 

Viel zu schnell vergaß ich viel zu viel,

Auch hielt ich nachts den

Mond für eine Sonne,

Und er schien mir hell genug,

Er zeigte alles, was es hier zu sehen gab,

Und warum sollt ich nicht zum

Nachtgetier gehören,

Und ich ging in einen

Wald,

Von einem

Ast zog ich die Rinde ab

Und aß die weiße Schicht dazwischen,

Nährte mich auf diese Weise,

Und ein

Nachtbild zeigte mir wie meine

Sinne sich nach außen stülpten,

Meine Ohren wurden groß,

Und meine Augen standen weit hervor,

Und an den

Händen wuchsen ganz natürlich lange

Krallen.

 

 

 

Heimlich machte ich auch tags die

Bilder,

Und es gab die

Technik, die den

Schall wie Licht fest hielt,

Ich sah genau, dass sich tagsüber große

Ohren bildeten

Und Zähne standen dort heraus,

Die fraßen unersättlich

Und ernährten sich von

Schwebeteilchen, die man sonst nicht sah,

Und ganze

Menschenscharen machten sich zum

Futter,

Und ich stand dazwischen

Und gab acht auf mich

Und nährte mich von den Geräuschen.

 

 

 

Gut war, dass ich alles viel zu schnell vergaß,

Und als ich mir begegnete, erkannte ich mich nicht

Und fragte mich nach einem

Unterschied von Sonne und dem Mond,

Der war fast völlig unbekannt

Und auch, warum man früher

Porzellan vor einer

Brauttür niederwarf, dass es zerbrach und polterte,

Konnt niemand mehr erklären.

 


 

 

Aufschläge 6664 - 6666

 

Ich las auf einem

Stein, der lag weit sichtbar auf der Wiese,

Und die

Schrift, vergoldet, blank:

„Vorübergehend tot,“ stand dort,

Mehr nicht, kein

Name und kein Hinweis,

Und es mochte schließlich sein,

Dass damit nicht die

Toten angesprochen waren,

Sondern jeder, der vorüber ging,

Ich war vielleicht auf

Urlaub hier und ahnte nichts davon

Und wanderte auf einem

Trampelpfad, der seitlich an der

Straße lief und ging auf der verkehrten

Seite.

 

 

 

Viele lagen schon in fremder

Erde,

Und sie sehnten sich in ihre

Heimat,

Und man konnte gar nichts für sie tun,

Und irgendwo ging immerzu

Die neu entstandne

Sprache ohne Vorankündigung verloren,

Und der

Winzling, der den letzten

Riesen tötete,

Wurd selbst zum Größten,

Der sich umsah nach den

Kleineren.

 

 

 

Einer eines ganzen

Volkes war noch übrig,

Und man ließ ihn sprechen,

Und er sprach in ein

Gerät, das alles, was er sagte, aufnahm,

Und er war ja unverstanden und erschöpfte sich

Und starb und hatte gleich zu

Anfang die Funktion des

Instrumentes heimlich ausgeschaltet,

Und man glaubte hinterher zu Recht, das

Schweigen, das man hörte,

Habe etwas zu bedeuten,

Und man lauschte

Angestrengt.

 


 

 

Aufschläge 6667 - 6669

 

Ich ritzte mir versehentlich die

Haut an einer winzig kleinen, scharfen

Kante,

Und es war ein zarter

Spalt, der sich sofort mit einer roten

Kordel gürtete,

Und auch die

Kinderlieder konnte ich erinnern,

Und es perlte schön das Blut,

Es hieß ja irgendwo in einem

Märchen, dass ein

Tropfen davon reichte, sich die

Seligkeiten zu erkaufen,

Und ich sah mich um und bot es an,

Und niemand zeigte irgendein

Intresse,

Und die dunklen

Perlen nahm ich ab

Und zog sie auf und warf sie in ein

Glas, das war gefüllt mit klarem

Wasser,

Und ich blickte ganz genau hinein,

Verfolgte auch die rosa

Fäden, die sich lösten,

Schwerelos dort schwebten

Und nicht niedersanken.

 

 

 

Draußen fand ich diese

Bilder wieder:

Haut und Borke,

Ritz und Spalte,

Blut und Harz und

Perle, Bernstein,

Und die

Kette hing nun doch um deinen Hals,

Du ließt sie dir nicht nehmen,

Und ich wollte deine schweren

Wunden reinigen und dann verbinden,

Und du wehrtest dich,

Und niemand dürfe diese

Spur, die endlich aus dir trete,

Keimfrei machen.

 

 

 

Du zeigtest den

Entwurf, ein

Umschlag, den du für ein

Bilderbuch verwenden wolltest,

Und im

Deckel war ein großes

Loch,

Und das begann, fing man zu lesen an,

Sich durch das ganze

Buch zu fressen,

Und im

Boden kehrte es sich um

Und schloss sich rückwärts wieder bis zum

Anfang,

Und es lebten viele im Exil

Und ahnten nichts davon.

 


 

 

Aufschläge 6670 – 6672

 

Ich sah hinaus ins

Nachtrund um mich her, ein

Vielweg stieß ins

Unermessliche, in fernste Zeiten,

Deren Schatten konnte ich nicht sehen,

Und ich stand doch mitten drin,

Und mir begegneten die

Samen meiner Gegenwart,

Die suchten nach dem

Unterschlupf.

 

 

 

Im

Augenfeld der Übermacht und Winzigkeit,

Die ich beträumte, blieb mein

Blick im

Spiel der Sterne, die mich um sich drehten, stehen,

Und es war nicht mehr als die

Sekunde der Entdeckung eines

Atems in der kalten Luft der Nacht.

 

 

 

Dann rührte mich das

Licht aus fernen Zeiten,

Und es gab mir Zuversicht,

Und es verlangte meinen ganzen

Mut und meine kleine

Tapferkeit,

Und ich bedachte, dass nach mir

Die anderen drüber lachen mochten,

Ohne mich gekannt zu haben.

 


 

 

Aufschläge 6673 - 6675

 

Ich trug nur einen

Schuh, den andren hatte ich zerstört,

Und draußen war es kalt,

Und Schnee lag überall,

Die schrägen

Dächer hielten krampfhaft fest an ihrer Last,

Ich ging hinaus und litt nach kurzer

Zeit schon große Schmerzen,

Dann erstarb mein

Fuß, mein Bein wurd hölzern bis zum Knie,

Ich hörte eine

Mutter, die mir zusah, ihrem

Kind erklären:

„So zerstört sich einer selbst, der eine andre

Schönheit sucht,

Er könnt auf einem seiner

Beine springen oder warum nimmt er keine

Krücke,“

Und: „Auf diese Weise wird er nichts Besonderes entdecken,“

Und ich wusste, dass es in den fernen

Ländern Liebeslieder gab,

Die würd ich nie verstehen können

Und doch gerne hören.

 

 

 

Wir hatten uns gefunden und entdeckt,

Und als du tot warst, hatte ich dir deine

Beine in den Baum gehängt,

Dich in den

Nasenlöchern und am

Mund gekitzelt und dein

Herz massiert, bis es mir fast davon gesprungen wäre,

Und nun leben wir so einfach

Voreinander.

 

 

 

Schönheit, sagte ich, sei nur ein

Gegenüber, nicht das

Gegenteil,

Und das du töten konntest,

War nichts wert,

Doch, dass du es nicht tatst wie ich

Und wie der schwere

Stein, der fest am Boden lag,

Das machte dich besonders,

Und wir fassten unsre

Hände, als die

Katastrophe über uns hereinbrach,

Und der

Stein war nur, wie wir erkannten, der

Verschluss gewesen,

Und er flog nun fort

Und legte sich woanders

Nieder.

 


 

 

Aufschläge 6676 - 6678

 

So stieß ich auf das

Unvollendete,

Und jemand sagte mir, dies sei ein

Teil der großen

Kunst, er sagte auch, dass jeder

Inhalt nur noch existiere wegen seiner

Unvollkommenheit, das wäre seine

Basis, ohne Gutes von dem Bösen oder

Schönes von dem Hässlichen zu trennen,

Und die Eisenschienen schwerer

Züge lagen so im Frost,

Dass Räder nicht drauf rollen konnten

Sondern dass sie Abstand hielten,

Und sie drehten sich im leeren

Zwischenraum, der war aus harter

Eisenkälte,

Und wir kamen nicht voran.

 

 

 

Aus den feinen

Nadeln hörte ich

Gespräche weit entfernter Menschen,

Und sie mochten wohl ein

Land erleben, wo man feinen

Nadeln die Gedanken übertrug,

Und hier vom

Fenster strich ein kühler

Windzug über meine Stirn,

Ich musste wirklich mehr an meine

Nähe als an meine

Ferne denken.

 

 

 

Irgendwo geschah ein

Diebstahl,

Und man hörte, dass der

Dieb sich selbst das eigne

Gut gestohlen hatte,

Und man wusste nicht warum

Und konnte ihn nicht strafen,

Und er schadete ja niemandem,

Und mir verriet er heimlich,

Dass er einen

Mord an seinem Körper plane,

Den er überleben wollte,

Und der

Diebstahl sei für ihn schon eine erste

Warnung, die er sich zu

Herzen nehme.

 


 

 

Aufschläge 6679 - 6681

 

Du sagtest gleich, dass

Worte Bilder sein,

Und jedes

Fremdwort sei gemalt aus

Farben, die wir kannten,

Und ich sprach mit dir und

Du mit mir und unsre

Worte mischten sich und es entstand ein

Wortgemälde,

Daran schafften wir zur gleichen

Zeit,

Es wusste keiner etwas von dem anderen,

Wir schufen völlig neue

Töne aus der Überlagerung,

Und ich erzählte,

Dass ich meinen

Körper in der letzten Nacht auf frischer

Zugeschneiter Wiese malen ließ,

Und alles wurde sichtbar unter hellem

Mondlicht,

Und ich malte ohne

Farben, nur mit

Schatten, die ich in den

Neuschnee drückte.

 

 

 

Es hing an deinem

Hals ein Kettchen, daran schaukelte ein kleines

Schnitzwerk, das warf seinen

Schatten auf die Haut,

Ich malte jedes

Wort getreu nach seinen

Buchstaben und achtete darauf, dass sich die

Kettchen zwischen ihnen

Nicht mehr lösen konnten.

 

 

 

So trug ich oft ein

Kettenhemd, ein

Wortgeflecht, dass sich in meinem

Kopf gebildet hatte,

Schnitt es von der

Mitte nach dem Muster einer

Wendeltreppe auf,

Die war nun unbeleuchtet,

Und ich tastete nach jeder

Stufe,

Und es führte mich ein unsichtbarer

Handlauf.

 


 

 

Aufschläge 6682 - 6684

 

Alles, was ich hörte, was ich sah und

Schlimmes, schlenderte an mir vorbei,

Und

Schreckliches bekriegte sich,

Ja, alles, was ich sah,

Ich sah auch wie das

Kind auf einem Kinderfest dem andren

Kind versehentlich die

Gabel in das Auge stieß,

Ja, alles, was ich sah und roch,

Und deine

Hände schmiegten sich, gesalbt, gepflegt als

Samthandschuh um mein

Gesicht und glitten ab als

Schlitten über meine Haut,

Ja, alles also, was ich sah und hörte,

Roch und fühlte, ohne es zu sehen,

Hinzuhören, ohne es zu riechen und zu fühlen,

Alles, alles war die

Poesie der Gegenwart,

Und voller

Gegenwart war ihre Poesie.

 

 

 

Dein

Frauenhaar hing tief in mein Gesicht,

Ich lag ja unter dir,

Und meine

Zunge spuckte heimlich diese dünnen

Fäden wieder aus,

Auch kämpfte ich mit mir, hineinzubeißen,

Und ich wagte nicht die

Fingermalerei von dir auf meiner

Stirn mit einem Schütteln zu

Verwischen.

 

 

 

In mir schwang die

Angst vor Nüchternheit,

Und irgendjemand zeigte mir ein

Bild, dass er nicht mehr vergessen konnte,

Drüben lag ein

Mensch am Feldrand,

Und sein Leib war offen,

Und die

Därme hingen weit heraus,

Ich fasste mir in meine eigne

Seite, die war warm und weich

Und heil,

Und einer wusste ganz genau, wie hoch die größte

Hitze in der Erde war,

Und die war nicht im Mittelpunkt.

 


 

 

Aufschläge 6685 - 6687

 

Ich sprang von einem

Felsen,

Und es war der

Anfang meiner Suche,

Und ich sprang ins Meer,

Es sollte mir dies eine

Mal nicht salzig sein,

Es sollte mir die

Liebste zeigen, wenn ich meine

Augen unter Wasser offen halten würde,

Und ich blieb mit einem

Fuß im Fischnetz hängen, dass ich mich in

Panik retten musste,

Und es war ganz leicht, so sagte man mir später,

Mich zu operieren,

Und ich hätte die

Narkose gut vertragen,

Und ich wusste auch,

Ich müsste noch einmal ins Meer,

Man wischte mir danach das

Salz von Lippen und der Stirn.

 

 

 

Einem

Freund erging es ähnlich,

Und er war sehr krank geworden

Und lag außerhalb;

Daheim in seinem eignen

Haus verliefen vielbefahrne

Schienen, die sich niemals kreuzten,

Und sie brachten immer nur die

Durchfahrt,

Und es war nicht möglich, jetzt von draußen

Weichen einzubauen,

So entfernt war er, mein Freund,

Und seine

Haustür kam als einziger

Besucher regelmäßig, täglich zweimal an sein

Krankenlager.

 

 

 

Als die

Sonne nicht mehr schien,

Und als die

Stadt zur Nacht mit ihrem

Licht sich an den Himmel wandte,

Sah ich wie das

Weiß der Möwenvögel, nun in

Eiskristallen, oben stand,

Und sie verglühten unvermutet,

Wenn sie in die langen

Hochgebäude unsichtbarer Schatten

Fielen.

 


 

 

Aufschläge 6688 - 6690

 

In meine

Hand geriet ein

Eiskristall, das schmolz sehr schnell,

Die

Decke über mir war wasserblau,

Und ohne jede

Wolke fielen aus dem

Stahl der Luft die leichten

Flocken Schnee,

Ich malte in die

Landschaft Wintervögel,

Und sie flogen auf mit völlig weißen

Federn,

Und sie zogen ihre

Kreise über mir,

Und niemals mehr würd ich den

Tiefschwarzvogel in die Bäume setzen,

Und die

Nachtlaternen waren sinnlos,

Wenn sie hoch in

Bäumen brannten und das

Licht nicht bis zum

Boden fand.

 

 

 

In dem

Zimmer wollte ich die

Schachtel öffnen,

Und der

Deckel brach mir ab, der

Inhalt fiel heraus und in die

Spalte, die sich öffneten, weit in die

Erde reichten,

Und ich hatte großes

Glück, dass ich mich noch an einem

Rand festhalten konnte

Und nicht mit versank.

 

 

 

Draußen sah ich kurz zurück,

Vielleicht, dass ich den letzten

Blick auf mein Zuhause werfen wollte,

Ahnte auch vielleicht, dass nichts und

Niemand nach mir winken würde,

Und mit einem

Stein schlug ich den Türgriff ab

Und steckte ihn in meine

Manteltasche und liebkoste ihn

Und wusste ganz genau,

Dass er nur aus

Metall war.

 


 

 

Aufschläge 6691 - 6693

 

Der neue

Mut verschärfte mir die Flügel,

Und als schneller

Vogel war ich auf der

Jagd nach dir und lauerte mit meinen

Augen hinter einer

Fensterscheibe, bis du kamst,

Und fiel mit drei, vier Schritten ein,

Und du erschrakst,

Und mir entwischte dieser kleine, bunte

Stein in einen Strauch,

Ich schoss ihm nach und spießte

Mich auf einen langen

Schlehdorn auf,

Der gab mich nicht mehr frei,

Von oben rieselte ein wenig

Atem, als ein leichter Schnee auf mich,

Das

Vögelchen verlor sein

Funkeln ganz.

 

 

 

In den engen

Zweigen fand ich Platz,

Der Schnee zog eine Decke über ihn,

Ich sah von außen auf die

Unterseite,

Und die

Sonne stand darauf und leuchtete durch alle

Wasser bis zu mir,

Ich konnte unter dieser

Decke nicht entkommen.

 

 

 

Du hattest meinen

Brief nicht angenommen,

Und er war in meine

Hand geschrieben,

Und ich gab sie dir,

Und es genügte offenbar für dich,

Dass du mir deine reichtest,

Die war unbeschrieben und verdeckte meine

Zeilen ganz beim Händedruck

Und ließ mich so verzweifelt

Unbegrüßt.

 


 

 

Aufschläge 6694 - 6696

 

Ich ging sonst immer aufrecht,

Und vor

Treppen, auch die abwärts führten,

Ängstigte mich nichts,

Und meine

Neugier wuchs, vor mir zu gehen

Und zu wissen, was wohl vor mir war,

So nahm ich mir das

Hundetier zum Beispiel,

Das ging Kopf voran treppabwärts,

Und ich machte es ihm nach,

Und wirklich war ich eher weiter vorn

Und früher vor mir dort, wohin ich wollte,

Als zu jeder andren Zeit,

Man ließ mich durch

Und machte Platz,

Es fragte niemand, warum ich auf allen

Vieren liefe,

Und ich dachte nach, ob sich die

Antwort darauf hätte finden lassen.

 

 

 

Das zweite

Bild war nur für meine

Ohren, die doch alles

Prüfen sollten, was sich meldete

Und die mir

Antwort geben konnten, wer dort redete

Und wo, vielleicht ja auch warum,

Und diesmal stand der

Schrei, der wahrheitlich geschehen war,

Nur noch im Raum,

Hing mit der ganzen

Schreckenblässe in den Wänden,

Und es waren meine Augen, die mir

Meldung machten,

Die hier alles hörten.

 

 

 

Aus der

Willenlosigkeit des

Augenblicks gewährte man mir einen

Wunsch,

Und ich bestand darauf, nur einmal mit den Augen eines

Nachbarbaumes sehn zu dürfen,

Und ich schwöre es und

Glaubte es mir selber, dass die

Welt, in die wir sehen, auch in

Wahrheit völlig anders ist, von

Baum zu Baum,

Die Bäume hielten sich für das, was ich als

Sonne sah, als Felsen, Flüsse oder

Gras,

Es war ein großes

Weltbild, das sich so

Unsichtbar hielt.

 


 

 

Aufschläge 6697 - 6699

 

Selbst im

Flug wärst du für

Niemanden mehr zu erreichen,

Und ich sah dir nach,

Sah dich weit über unsrer

Erde, abgekoppelt auf der neuen

Bahn, die zog dich schnell so weit in eine andre

Richtung, und ein

Punkt blieb nur für

Augenblicke sichtbar,

Dann war nichts mehr,

Und die absolute

Ruhe lag mit ihrer

Schwester, Leere, in demselben

Bett,

Sie trieben’s arg in meinem

Kopf, ich wischte mir die

Stirn und durft mir keine

Horizonte schaffen,

Und das

Sonnensegel, das ich weit in meinem

Rücken schleppte,

War in Wahrheit keine

Last,

Es zog mich nicht,

Und ich zog nicht an ihm.

 

 

 

Anderntags begegnete ich unvermutet einem

Ding, das sprach mich an

Und fragte mich nach meiner

Sprache, nach dem

Weg, der war nicht auszumachen,

Und es fragte dreimal und verstand mich nicht,

Und lange erst danach

Entschied ich mich zu einer

Umkehr,

Die verlief natürlich in der gleichen

Richtung,

Und ich traf auf nichts.

 

 

 

Die

Tage waren lang und kurz,

Und alles war nun möglich,

Und ein Werkzeug, das ich selten brauchte,

Wurde mir zum

Ausweis,

Und ich ließ mich häufig

Kontrollieren von mir selbst

Und ließ mich tagelang ganz sinnlos warten

Und beschwerte mich bei mir

Und schrieb auch, dass sich gar nichts von der

Stelle rührte, trotz der

Höchstgeschwindigkeit, mit der wir

Reisten.

 


 

 

Aufschläge 6700 - 6702

 

Ins Weiß der

Zimmerdecke wuchs ein Pilz,

Und dessen

Fäden strahlten aus und zogen sich bis an die

Wand,

Ich wohnte hier und hatte oft

Betrachter meiner Worte,

Und verschiedentlich erfuhren wir

Ein wenig aus dem

Wachstum,

Und ich sagte es fast als

Entschuldigung und gab die

Bindung an das Gegenständliche

Fast völlig auf und hatte zum

Verständnis eine

Taschenlampe, die schoss einen hellen

Lichtfleck an die Decke,

Und ich sagte auch, dass dieser Weg durch

Unruhe zur Ruhe führe.

 

 

 

So hörte ich zum

Beispiel aus dem

Instrument die Schwingungen der

Farben, umgesetzt in Töne,

Und es kam ein blasses

Kind, das setzte sich vor einen seiner

Fühler, wie ihn Käfertiere haben,

Und er tastete die fahlen

Wangen ab nach etwas Wärme,

Und es schwieg das Instrument auf seiner

Suche bis zu einem kümmerlichen

Krächzen, als der Fühler auf das leichte

Rot der Lippen stieß.

 

 

 

Ich selbst war kein

Erfinder,

Und ich hörte ohne

Ohren, sah auch ohne Augen,

Und der

Schwerpunkt meiner Masse hing ganz frei,

Ein

Schlegel in dem Glockenkörper, der auf

Anstoß wartete,

Und stritt mich um das

Amt des Glöckners.

 


 

 

Aufschläge 6703 - 6705

 

Jeder, der vorbeikam, sollte eines dieser

Fähnlein von dir tragen,

Jedes hing an einem

Stöckchen,

Und es stand ein

Zeichen drauf geschrieben, das dich anwies,

Und es kam ein

Kind gegangen, das trug stolz und ruhig eine fremde

Fahne vor sich her

Und ging auf deinen Stand zu,

Zeigte dir, was es zu tragen hatte,

Und es war nur diese eine Fahne,

Und das

Kind zerschnitt sie,

Zog sich daraus

Segel über seine Arme,

Und es flog davon.

 

 

 

Dein

Frühstückstisch war schon gedeckt,

Und alles war gerichtet,

Und du wachtest auf und saßt auf einem

Stuhl, der stand auf einem

Weg,

Du frorst dort draußen,

Und der Tisch stand quer,

Und jeder müsste hier an dir vorbei

Und viele kamen,

Und sie gingen auch an dir vorbei,

Und du erinnertest dich wirklich an die

Morgende davor.

 

 

 

Dann musstest du das

Haus verlassen,

Und es war dir fremd geblieben,

Und die

Nägel in den Wänden waren bilderlos

Und türenlos die Rahmen,

Und die

Wände hattest du entlassen,

Und das Dach war aufgestiegen, dass es

Einfach fort war,

Und der

Boden unter deinen Füßen sank

Und sank und sank

Und ließ dich nicht mit fallen,

Und die

Wünsche, die du hattest,

Blieben in dem

Zimmer liegen.

 


 

 

Aufschläge 6706 - 6708

 

Wir sprachen über unsre

Arbeit, die war ruhig,

Und das

Essen, das ich auf den

Löffel legte, fiel herab,

Es fiel direkt vor meinem Mund vom

Löffel, ohne dass ich es verhindern konnte,

Und die

Flüssignahrung, die mich dann am

Leben halten sollte,

Konnte ich nicht schlucken,

Und ich wusste nicht warum,

Dann wollte man die

Nahrung meinem Leib direkt

Zuführen, das verbot ich,

Ich weiß auch nicht mehr warum,

Und schließlich hielt ich meinen

Atem an und kämpfte einen schlimmen

Kampf, den ich sogleich verlor.

 

 

 

Dann dachte ich zu

Ende,

Und am

Ende fand ich einen

Frieden, der war sonderbar

Und gar nicht interessiert an mir

Und hielt sich ganz neutral

Und nahm mich nicht zur Kenntnis,

Und ich hatte mir den

Wanderstab als einziges gerettet,

Und der

Frieden ist in Wahrheit eine reiche

Armut,

Der konnt ich nichts abgewinnen.

 

 

 

Mit

Schrecken dachte ich zurück,

Man hatte mich kopfüber aufgehängt an meinen

Beinen,

Und es kam ein später

Wachmann, der die Runde machte,

Der schnitt mich dort wieder los

Und sprach von dem

Versehen, das ihm hätte auch passieren können,

Und dies war der wahre Schrecken,

Und ich floh in meinem

Zimmer eine ganze

Nacht, bis erste

Stadtlaternen plötzlich schwiegen.

 


 

 

Aufschläge 6709 - 6711

 

Draußen war es kalt,

Ich lehnte in dem

Hauseingang und wartete und blickte auf das

Straßenpflaster, das brach auf

Und große

Fenster öffneten sich dort,

Es war die

Hauswand, die am

Boden lag, die weiter lebte,

Und die Bilder, die du maltest,

Zeigten die gemordeten, die mordenden

Soldaten,

Und der

Arzt, der zwischen ihnen stand,

Hätt gern die

Glieder, die zerschossen und verstümmelt waren

Und verbrannt und abgerissen,

Hätte gerne heile

Glieder angewendet, ausgetauscht, verpflanzt

Und konnte gar nichts machen.

 

 

 

Am

Bahnhof hatte ich mich nicht entschieden,

Und es fuhren viele

Züge ab und weiter,

Und dem letzten lief ich nach

Und malte mir die

Reise in Gedanken aus

Und sah mich um, dort wo ich stand,

Und hatte meine Wagen abgekoppelt,

Und das

Führerhaus in mir war unbesetzt,

Und zwischen dem

Gepäck stand ein verschnürter

Rollstuhl,

Der war so nicht zu gebrauchen.

 

 

 

Es lag ein armer

Mensch am Weg,

Der war so nicht zu sehen,

Und man sah ihn nicht,

Es stieg der arme

Mensch dann über all die anderen hinweg

Und suchte weiter

Und war nicht zu finden

Unter ihnen.

 


 

 

Aufschläge 6712 - 6714

 

Vor mir saß ein

Mensch, den kannte ich schon lange,

Und ich fragte ihn nach seinem

Namen und auch nach der

Länge seines Lebens,

Die sei unterschiedlich

Und nicht einfach zu erklären,

Und ich hörte in mir eine

Kapsel brechen,

Und die Flüssigkeit trat aus

Und färbte mich von einem

Augenblick zum anderen

Und ließ mich plötzlich altern,

Und es saß vor mir ein

Mensch, der kannte mich schon lange,

Und er fragte mich nach meinem

Namen, und ich sagte gleich, die

Länge meines Lebens sei sehr unterschiedlich,

Und vor Jahren

Sei ich schon einmal so stark gealtert,

Und der

Irrtum läge schwer auf mir,

Und leider wusst ich niemanden,

Der mich noch kannte.

 

 

 

So entging ich knapp der

Strafe, die ich wohl verdiente,

Und sie musste sich vor mir zurückziehn,

Und ich ging nach

Hause und beschimpfte mich

Und warf mir mein Verhalten vor,

Das alles war noch lange nicht das gleiche,

Und entging so nicht der

Strafe und schuf mir

Gerechtigkeit.

 

 

 

Ich stand im

Schneefeld, das war vor mir völlig unberührt,

Und traf auf eine

Fußspur, mittendrin,

Die stammte nicht von mir

Und hatte keinen Anfang,

Und sie führte auch nicht fort,

Und ohne, dass ich diesen fremden

Menschen sah, sprach ich ihn an

Und grüßte ihn und gab ihm ab von meiner

Kleidung,

Und er blieb dort weiter stehen,

Und ich ließ ihn wieder sein.

 


 

 

Aufschläge 6715 - 6717

 

Aus einem technischen

Gerät in meiner Nähe

Drang ganz menschliche Musik,

Ich ging sofort dorthin

Und sah in jeden

Winkel und ins Instrument und

Hätte gern den

Mund gesehn, der diese

Lieder sang, aus dem sie leicht und

Unbeschwert getragen wurden,

Und der

Apparat war völlig überflüssig,

Und ich folgte dem Gesang,

Und als ich dich dann tröstete,

Ich sah ja, dass du weintest, glühten deine

Wangen vor Erregung,

Und ich hatte alle

Gurte abgelegt, trieb schwerelos davon,

Und du riefst mir nicht nach,

Und jeder wusste von dem

Horizont,

Den durften wir niemals berühren.

 

 

 

Wir richteten den

Tag der Armut ein,

Und man ging aus

Und schmückte alles, was man gern im

Wohlstand sehen würde,

Keiner traute sich an sich zu denken,

Und ich zog mich heimlich aus in meinem

Zimmer und besah die

Beulen, die der

Frost geschlagen hatte

Und verbrannte meine

Kleidung um der

Wärme willen.

 

 

 

Über mir stand eine

Wolke großer, schwarzer Vögel,

Und die

Tiere flogen schwer und schleppten ihren

Leib weit hinter ihren Flügeln,

Und sie kamen nicht voran

Und ließen sich im

Dämmerlicht auf etwas

Unsichtbarem nieder,

Das war auch am andren

Tag, als alles wieder hell war,

Nicht zu sehen.

 


 

 

Aufschläge 6718 - 6720

 

Wir maßen mit zwei

Stäben, ich mit meinem

Wanderstab die Wege, die ich gehen wollte,

Du mit deinem

Taktstock maßt die

Tongemälde, die du schufst,

Sie standen mir sekundenlang vor Augen,

Du sahst deutlich, dass ich auf sie zuging,

Sagtest auch, man könnte sie nicht näher

Sehen, als so nah, wie sie nun einmal wären,

Und wir fanden beide kein

Ergebnis,

Meine Maße blieben liegen,

Deine lösten sich schon im

Entstehen auf,

Und beide wussten wir nun um das

Maß der wesentlichen Dinge.

 

 

 

Man zeigte mir ein

Hochzeitsbild, das durfte ich behalten,

Und es war sehr ungerecht und war das

Blitzeis, das sich morgens auf die

Straße legte,

Und es würde niemand darauf gehen können,

Und ich schnitt das

Leben dieses Brautpaars,

Seiner Heimatdörfer und das, was die

Gäste sagten, tausendfach entzwei

Und schob die Schnipsel ineinander,

Fügte sie ganz neu zusammen

Und verklebte so den tagelangen

Augenblick, dass man drauf gehen konnte, ohne

Hinzuschlagen.

 

 

 

Später hörte ich, dass man ein

Lexikon erfunden hatte, dass beschrieb für neue

Menschen alle wesentlichen

Dinge, die es jemals gab

Und jemals geben konnte,

Und es war ein dünnes Heftchen,

Das verstanden nur die

Kinder.

 


 

 

Aufschläge 6721 - 6723

 

Die

Quelle meines Lichtes war nicht hell,

Sie war ein

Riesenstein, der stand am

Himmel, war ein fremder, runder Fels,

Der gab nur wieder, was an ihm

Vorbeigefallen wäre,

War ein

Kinderlied, das heute hohl in meinem

Zimmer abgesungen wurde,

Und sein

Motor sprang nicht an, es fehlten ja die

Kinderohren,

Und mein Herz war noch nicht alt genug dafür,

Und zweimal wöchentlich kam ich zu dir ans

Krankenlager,

Und in meiner Tasche steckten immer dieser lange

Kupfernagel und ein Hammer,

Und ich konnt mich jederzeit damit an eine

Holzwand nageln lassen,

Meine Stirn wär völlig machtlos gegen seine

Spitze.

 

 

 

Es gab tatsächlich schwarze

Strahlen, die wir nicht bemerkten,

Und ihr

Licht durcheilte unsre Augen,

Und ich fand die

Ähnlichkeit mit dir heraus

Und konnte dich doch nicht erkennen,

Und ich ging ja innerlich mit einem

Blindenstock,

Der ragte nicht nach draußen.

 

 

 

Manchmal öffnete ich eines andren

Menschen Kopf,

Und dachte, dass ich mich erinnern würde,

Und ich hatte recht und alles fiel mir ein,

Und jener andere erkannte mich nicht wieder,

Und ich intressierte nicht

Und blieb nur ein bewegtes

Leinwandbild,

Das konnte man vergessen und erinnern,

Aber nicht verändern.

 


 

 

Aufschläge 6724 - 6726

 

Es blieb noch so viel

Zeit, dass ich mich ohne

Eile aus dem Zimmer und in

Sicherheit hätt bringen können,

Und ich sah mich um und jede

Einzelheit genau, es war ein

Abschied ohne Wiederholung,

Und vor meinem

Fenster reckte sich der

Kirchturm in den Himmel, andachtsvolle

Hände, die sich aneinander legten und

Versteinert waren,

Und man hatte mich entsetzt verlassen und stand draußen,

Und in meinem

Zimmer brannte noch das Licht,

Ich konnte mich nicht mehr entscheiden,

Und ich winkte auf die

Straße.

 

 

 

Ich klingelte an deiner

Tür, die war schon auf und ließ mich ein,

Und alles schwieg dort drinnen,

Und ein

Fliegentier floh durch den offnen Spalt,

Du lagst verstreut in allen

Räumen,

Und es hätt doch auch ein Dieb…,

Ich stieß auf die totale

Leere überall,

Die ließ sich nicht von ihren

Plätzen stehlen.

 

 

 

Drüben las die

Frau in einem dicken Buch,

Sie blätterte nicht eine

Seite um und las

Und las

Und las

Und blickte auch nicht auf,

Und ich schob meinen

Kopf ganz dicht vor ihre Augen,

Und darin war alles leer,

Ich sah hindurch und einfach gegen eine

Rückwand hinter ihr.

 


 

 

Aufschläge 6727 - 6729

 

Wir erreichten, dass die

Gitter mit ins Weltall flogen,

Und sie zogen später als

Gedankensplitter nur noch in

Erinnerung durch unsre Köpfe,

Und in mir verhakten sich die

Einzelteile,

Und an meinem Himmel wuchs daraus ein

Netz, das wurde immer breiter,

Und ich fragte andere, die sahen auch nach oben,

Und erkannten nichts,

Es habe sich in ihnen aber wie in mir vollzogen,

Und wir standen eng an eng und gaben uns die Hände,

Und wir stützten uns im

Suchblick durch die

Räume über uns.

 

 

 

Vor mir stand ein leeres

Glas, das hatte einen Deckel,

Und ich sollte die

Entwicklung ganz genau beobachten,

Und nichts geschah darin,

Und meine

Theorie begründete sich nicht aufs

Wachstum, das wir doch nicht sehen konnten,

Sondern darauf, dass das

Licht und wirkliches Geschehen ohne

Rücksicht auf die Glaswand

Außerhalb entstand und mich sogar mit einschloss,

Und ich untersuchte gleich den

Boden unter meinen Füßen.

 

 

 

Man bat mich um die

Unterschrift, die wollt ich gerne geben,

Und man reichte mir

Papier, das war noch völlig leer,

Und grundlos wollte ich nicht meinen

Namen schreiben,

Und man sagte, ich sei dumm,

Und diesmal würde man sich freundlich zeigen,

Und man gab mir eine kilometerlange weiße

Wand, dort wäre sicher

Grund genug zu finden,

Und ich hätte viel, viel

Zeit.

 


 

 

Aufschläge 6730 - 6732

 

Briefe, die ich dir im

Leiden schrieb, enthielten selbst das

Leiden,

Und wie hätte ich dir helfen können,

Ohne auch zu leiden,

Ja, ich bin dir

Brief um Brief,

Und du sollst fleißig in mir lesen

Und beginnst im

Kopf, dort steht die

Überschrift, die gilt nur dir

Und will dich sehr willkommen heißen,

Und ich schieb dein

Stirnhaar rasch beiseite,

Es ist nass vom Schnee,

Es ist nur eine Geste, nur die kurze

Landung des Gefühls für dich,

Du greifst nach meiner

Hand und willst sie küssen,

Doch die steigt schon wieder auf

Und lässt das

Gletscherbrett zurück, die

Spur schmilzt gleich dahinter.

 

 

 

Im

Treppenhaus stehst du vor mir

Und schaust zurück, auf mich herab,

Ich blick nach oben,

Und von deiner

Stirn ergießt sich die

Lawine, die beginnt zu stürzen,

Und sie reißt auch dein

Gesicht herab, das fällt auf mich

Und schlägt sich blutig an dem

Mund, der will dich fangen,

Und ganz warm wird das

Ersticken.

 

 

 

Hinter mir tut sich das

Tieftal auf, es reizt hinein zu springen,

Und die Kleider reiß ich mir vom Leib,

Und vieles bleibt dran hängen,

Und ich werfe sie, so weit es geht hinaus,

Sie segeln langsam nieder in den

Treppenschacht und halten sich nicht auf in den

Etagen,

Und sie schlagen an und fallen wieder weiter,

Und sie sehen nicht zurück,

Und unten breiten sie sich mir zum

Sprungtuch aus,

Das wird nicht stramm gehalten,

Und es ruft nach oben.

 


 

 

Aufschläge 6733 - 6735

 

Überall stieß man auf die zertretenen

Gedanken, ausgestreut als

Granulat auf glatte Wege,

Und ich dachte mir, dass sich die

Eiszeit ganz unmerklich

Und ganz regelmäßig wiederholte,

Und dies sei ein Anfang,

Und im Eismeer schleppte man schon jahrelang

Die schwimmenden

Gebirge, zog sie aus der

Kollisionsfahrt, die sie auf die

Inseln machten,

Und im Weltall schob man schwere,

Die im Querkurs lagen, auch beiseite,

Stieß sie einfach an und ließ sie trudeln,

Und man kümmerte sich nicht um ihre neue

Bahn.

 

 

 

Wenn ich weinte, weinte ich nach innen,

Und die

Tränen standen mir im Auge,

Und es hätt ja einen wahren

Grund für meine Trauer geben können,

Und es sprangen mir die

Seufzer in den Mund,

Von dort ließ ich sie frei,

Sie stießen mit dem

Abgasfeuer über meinen

Rücken,

Und ich spürte einen angenehmen

Schauer.

 

 

 

Sonst war alles blank an mir,

Ich hielt auch die

Metalle, die mich schützten,

Immer sauber,

Und ich duldete auf meiner

Oberfläche keine

Fehler, das war leicht,

Sie konnten einfach nicht geschehen,

Und ich war mir mit den andren einig,

Und wir waren alle ehrlich.

 


 

 

Aufschläge 6736 - 6738

 

Nein, ich will dich nicht belasten,

Und ich lüge nicht

Und stelle alles neben dich

Und sage nichts

Und preise dir nichts an

Und wische mir, schweißnass, die

Hände in der Schürze ab

Und warte auf ein

Wort, dass du mir sprechen könntest,

Und du sprichst es nicht,

Und ich sprech nicht,

Und schwer belastet dich mein

Schweigen,

Und es steht noch immer alles unberührt

An deiner Seite,

Und du denkst die ganze

Zeit wohl nur an dich, an das

Was du gern sagen würdest,

Und du kannst es nicht,

Zu sehr hast du zu schaffen mit der

Kopflast,

Und ich sehe dich so balancieren,

Und ich helfe nicht.

 

 

 

Im

Nebenzimmer fährt die

Zeituhr in die Wand,

Sie bleibt dort stecken und verläuft sich nicht

Und steht nun still,

Und unter ihr hält sich dein

Weib ganz nah an ihren Leib die andre

Frau, die liebt es sehr,

Es hat ihr viel zu bieten,

Täglich legt es dir die neu gewonnene

Liebe in das

Krankenlager,

Und es ist ein falsches

Weib, das sich im Dunkeln unter deine

Decke schiebt,

Es kommt dir sehr entgegen in der

Dunkelheit.

 

 

 

Ich kann das alles nicht ertragen,

Und die

Doppelsterne werden nicht zu meinen

Zeiten ineinander stürzen,

Und die grüne

Sitzbank auf dem

Bahnhof hinkt

Und bietet sich als

Krüppel an,

Ihr fehlen auf den

Sitzen und im Rücken je zwei

Bretter.

 


 

 

Aufschläge 6739 - 6741

 

In meiner

Straße nagelte ein

Mann den waagerechten Maßstab an die

Hauswand,

Und ich ging daran vorbei

Und wusste nicht ob ich den

Maßstab messen sollte oder

Ob er mich vermaß

Und sah mich heimlich um nach diesem Mann,

Der war ein Straßenfeger,

Und er wusste nicht

Bescheid und fragte auch, ob er mir helfen könnte,

Und er mache hier nur seine Arbeit,

Und ich würde sicher schon in eins zwei

Tagen nicht mehr fragen, die

Vermessung wäre dann vorbei.

 

 

 

Morgens wollte ich von meinem

Baum hinunter steigen,

Und es lag noch

Frost in allen Ästen,

Meine Federn knarrten unerwartet,

Und es war unmöglich so zu fliegen,

Und ich war besorgt um mich,

Es mochte sein, dass sich der

Baum, wenn er erwachte, schüttelte,

Und noch war nicht die

Zeit des Gärtners angebrochen,

Der stand unbeweglich unter mir,

Und sicher würde er zuerst das

Totholz schneiden wollen,

Das war noch nicht zu erkennen.

 

 

 

Drüben sah ich eine

Morgenröte,

Die stand einfach auf und wurde größer, heller

Und verlor die Farbe,

Sie war schon vorhanden hinter einem

Schwarzband, als die

Nacht noch vor mir lag,

Und immer würde sie der

Innenpelz des Mantels sein

Und nur am Kragen sichtbar sein.

 


 

 

Aufschläge 6742 - 6744

 

Es war wohl, dass du mich nicht sahst,

Ich grüßte dich umsonst,

Wir standen an den

Enden einer Linie des Visiers,

Der Wind hob deine langen

Haare weit nach vorn

Und trug sie über deine Schultern,

Und die

Hände strecktest du in bittender,

Vielleicht auch flehender

Gebärde in den

Luftspalt, der war unsichtbar für mich,

Und sonst war alles leer auf unsrer

Straße, die war endlos,

Und sie mündete im

Kleinerwerden als ein

Bildrand, der versehentlich entstanden war,

Und du, du hattest einen

Stehplatz eingenommen,

Der war unbestritten.

 

 

 

Irgendjemand sang das

Nebellied und sprach vom grauen

Stein, der sich im

Dunst versteckt hielt, dessen

Buckel weit bis in die

Wolken reichte,

Und ich war ganz sicher,

Dass es lange dauern würde,

Dort heraus zu finden,

Und dein Lied war selbst die

Suche und war selbst der

Nebel,

Und der

Ausgang, der lag so vor mir.

 

 

 

Man sprengte in der

Heide einen hohen

Turm,

Der stand dort sinnlos und umsonst,

Und niemals war ein

Mensch an ihm hinaufgestiegen,

Und ich sägte mir die abgestürzte

Spitze ab und nahm sie mit

Und sah ihr lange ins

Gesicht,

Sie würde sicher mit mir sprechen

Und mich nach der

Aussicht fragen wollen.

 


 

 

Aufschläge 6745 - 6747

 

Die

Hungerterroristen aßen wieder,

Und die

Welt war immer noch voll Hunger,

Und man sandte

Kommissionen, die den

Sinn des Terrorismus untersuchen sollten,

Der lag sonst auf jeder

Straße,

Und man ging um ihn herum

Und glaubte nicht an seine

Wahrheit,

Und man fand auch einen

Keim, der war mit ihrem

Essen eingenommen worden,

Er war schwer herauszufinden,

Und die

Terroristen mussten ohne

Essen ihren Terror fristen,

Und sie starben bald.

 

 

 

Unsre

Fenster lagen auch zur

Straßenseite,

Und sie barsten plötzlich unter einem starken

Luftdruck,

Der entstand aus einer Explosion,

Und niemand wusste etwas,

Konnte etwas sagen,

Und mit meinen

Augen hielt ich die zerrissnen

Scheiben fest,

Sie blieben mit den Scherben, die sich grade lösten,

So im Raum gebannt und stehen,

Und es flog nichts mehr herum,

Und eigenartig war es nun für uns zu leben

Unter explodierten Fensterscheiben,

Die man explodieren sah,

Es kamen viele, sich den eingefrornen

Zustand einzuprägen.

 

 

 

Täglich war ja dreimal

Menschenleid geschehen,

Das sich schlimm ausnahm,

Ich fand auch einen langen

Riss, der über meine Seite lief,

Ich würde bis zum Sommer warten

Und ihn dann erst reparieren lassen,

Und ich hatte wirklich keine

Zeit mehr für dich übrig,

Und ich gab dir meine ganze

Zeit,

Du sagtest auch,

Ich stünde dauernd neben mir

Und sei zu dir ganz anders, als die anderen,

Und rühre an den Sprung,

Der zöge sich durch dich

Und sei von einer

Sprengung.

 


 

 

Aufschläge 6748 - 6750

 

So kann es sein, dass man sich selbst ins

Auge sieht,

Und zwischen mir und meinen

Augen ist ein dünner

Draht gespannt,

Und rührte ich an ihn, gäb er die

Blindenmelodie, die sagt:

„Macht Platz dem, der sich selber sieht,“

Und die ein Standpunkt ist, vielleicht der

Ausgangspunkt, um den ich mich so lange

Mit dir stritt, indem ich deine

Wahrheit nach Konkretem fragte,

Und ich zupf Zuhause mit dem

Finger einmal nur an der Verbindung,

Und die Resonanz zerreißt mich fast,

Es springt der

Faden aus der Schiene, schnellt zurück

Und schlägt mir Striemen ins

Gesicht

Und tätowiert mich dunkelrot.

 

 

 

Du zogst daraus den

Schluss, dass alles richtig wär, weil es sich ineinander

Fügte und vergaßt, wie käuflich eine

Liebe war,

Die passte in den Schoß,

Und sie verlangte nichts,

Und ich war ohne jede

Absicht und mir selbst genug

Und zwang dich nicht

Und gab auch keine

Antwort,

Und du weintest, ohne dass dich dein

Gesicht verriet.

 

 

 

In den Pausen lernte ich ein

Fingerspiel mit einem

Faden, der aus jedem

Knoten immer wieder völlig glatt heraus fiel,

Und ich dachte an das

Seil, das lange schon am

Fensterkreuz befestigt war und in die

Stube hing, und sah die

Schlaufe an dem Ende,

Die blieb lange ungelöst.

 


 

 

Aufschläge 6751 - 6753

 

Ich schlief im

Freien,

Und ein weit entfernter

Lichtpunkt, der noch hinter

Sternen stand, warf einen scharfen, weißen

Kegel auf mein Lager, hüllte mich in seine

Decke, die war maßlos dünn,

Ich fror und sah dem Unschlaf in die

Folterkammer, die stand offen,

Und ich dachte mich ins

Auge der Beleuchtung, so weit draußen, hinter meinem

Himmel, unter schwarzem

Samt voll weißer Löcher,

Sonst geschah mir nichts,

Und auf dem

Nachbarlager wälzte sich ein

Nebenmensch,

Und der vergnügte sich in der Verdauung,

Hielt die

Hände auf die strammen

Magenwände.

 

 

 

Niemand zwang dich zu

Konkretem,

Und man ließ dir deine

Wahrheit, mochten es auch zwei,

Vielleicht auch drei sein,

Und du fragtest mich und sahst,

Dass ich in meiner linken

Hand den grünen Leuchtstein trug,

Den hatte ich schon immer,

Und er sprach zu mir

Und war konkret

Und selbstverständlich.

 

 

 

Meine

Suche endete dann vor dem

Tor, das war geöffnet,

Und ich ging nicht mehr hinein,

Dahinter fand ich stets das

Ende meiner Spur

Und weiter ging es nicht,

Ich dachte auch, der

Mensch an meiner Seite wäre von

Geburt an Mensch,

Das stimmte aber nicht,

Er war erschüttert über meine Herkunft.

 


 

 

Aufschläge 6754 - 6756

 

Ich hätte dich nicht wiedersehen sollen,

Viel zu deutlich suchtest du mich in der

Menge,

Und ich stand dir ins

Gesicht geschrieben, das war blass und fahl,

Es hatte nur sekundenlang die

Anflugröte Herzenskranker, wenn du mich entdecktest,

Und ich kam dann doch

Und sah sofort die kleine

Möwe, mehr ein Spielzeug,

Die hing über dir im Seil,

Und das trug dich in einer flachen

Schale etwas über meiner Erde,

Und du beugtest dich herab bis an den

Rand und sprachst mir in das

Ohr,

Und du erflehtest deinen

Tod wie jener kleine weiße

Vogel, den erschoss ein

Jäger einst aus Langeweile,

Und ein

Lehrer ließ ihn präparieren.

 

 

 

Wir lehnten uns an junge

Birkenstämme,

Und der

Boden war sehr feucht und weich,

Und unser

Rückhalt gab ein wenig nach,

Ich wusste, dass die

Augen in die Kronen zeigten,

Die begannen sich zu drehen,

Und im

Gleichtakt sprangen sie leicht übers

Springseil steiler Sonnenstrahlen,

Alles das schlug mir so heftig ins

Gesicht,

Ich ließ mich gerne von dir quälen,

Und du rührtest keine

Hand, um mich zu streicheln,

Und wir rührten uns nicht an.

 

 

 

Ich wollte meine

Freiheit, aber ohne dich,

Und ich verzeichnete auf meiner

Mantelinnenseite jeden

Augenblick, den wir uns vorenthielten,

Und wir sagten einfach, später in der Freiheit,

Stünde dem nichts mehr entgegen,

Dass das Glück doch keine

Wurzeln habe.

 


 

 

Aufschläge 6757 - 6759

 

Es fing an einer unscheinbaren

Stelle an, das

Frühjahr war noch weit entfernt

Und schwer entflammbar,

Und ich sträubte mich ein wenig, dir in deiner

Krankheit zu begegnen,

Ich bemerkte alles nur durch einen

Zufall,

Und so ist es wenn die eigne

Haut taut, schmilzt,

Und wenn sich erstmals

Risse unter glatter

Oberfläche zeigen,

Und du sagtest auch zu mir:

„Geh hin, wenn dich die andre

Seite ruft

Und winke nicht nach drüben,“

Und ich reichte dir die

Worte, aufgeschrieben, an dein

Krankenlager, dass du sie erst nach mir lesen solltest,

Und der Tag würd’ dadurch doppelt kurz,

Auch würden deine

Fragen ohne Antwort bleiben.

 

 

 

Meine

Kunst blieb euch ganz fremd,

Es war auch so, dass ich sie liebte

Und zugleich für mich behielt,

Und sie war jung genug, mich ohne

Rückblick zu betrügen,

Und mein Zimmer war zu klein für mich und sie,

Und trotzdem schuf ich sie noch schöner,

Noch vollkommener,

Und fraß in meiner

Not den abgeschabten Mauerstein,

Der ließ mich überleben,

Und die Farben, die ich wählte,

Stammten wirklich nur von mir.

 

 

 

Ich streckte meine

Hand, soweit ich konnte, aus, den

Himmel aufzureißen,

Und die

Wolkenfelder schob ich fort vom Blau,

Und immer wieder schnitten diese

Kopfmaschinen ihre weißen

Streifen ein,

Es dauerte mir viel zu lang, bis sie

Vernarbten.

 


 

 

Aufschläge 6760 - 6762

 

Meine

Wahrheit war ganz anders als die

Wahrheit, und ich litt darunter,

Und ich floh in die

Gelassenheit und kleidete mich gelb

Und gab mich willenlos

Und achtete darauf,

Mich überhaupt nicht hinzugeben,

Und in meinem

Zimmer stand die Nachtlaterne von der

Straße,

Und die zündete sich automatisch an

Und brannte bis zum frühen Morgen,

Und sie blieb mir fremd in ihrem

Eigensinn, den konnte ich selbst so in meinen

Händen gar nicht lenken.

 

 

 

Aus dem

Tagebuch las man mir vor,

Ich sprach zu mir und achtete auf jedes

Wort und ging mit mir an meiner

Hand und mit dem

Schlüssel auf den Lippen an den

Stahlschrank,

Darin hatte ich in meiner Jugend einen

Urwald eingeschlossen,

Und wir gingen nun gemeinsam um die

Schwarzen, glatten Stämme,

Und sie waren unverändert,

Und mit unsren

Füßen stießen wir ins Laubwerk,

Daher kamen die Geräusche,

Und wir mussten über große

Kissen steigen.

 

 

 

Ich sah mich häufig um, der

Flur war lang und viele

Türen gingen von ihm ab,

Sie waren nicht zu öffnen,

Und am Ende traf ich auf die

Freiheit,

Die ließ mich nicht frei,

An dieser

Stelle schlug das Meer direkt an blanke

Klippen.

 


 

 

Aufschläge 6763 - 6765

 

Meine

Sorge wuchs,

Ich formte einen

Stahldraht in die dritte Dimension,

Er wurde immer weicher,

Und er würde brechen,

Und ich sah auf ihn, bewegte ihn nicht mehr,

Ein Drahtbruch brächte mich zurück in eine ebne

Fläche,

Und ich sah mich um, es hatte keinen Sinn,

Es fiel mir schwer, das

Wohnhaus so verkommen zu verlassen,

Irgendjemand würde doch versehentlich,

Vielleicht ganz automatisch,

Nach mir greifen,

Und ich würde auseinanderfallen,

Und von außen war nichts zu bemerken,

Und ich blieb so still ich konnte,

Rührte mich nicht von der Stelle,

Und ich fror den mürben

Zustand ein.

 

 

 

Ungerecht war auch, dass sich die

Federdrähte überhaupt nicht biegen ließen,

Und in meiner

Hand zog ich die Spule auf,

Die spannte sich mit

Kraftgewalt nach außen,

Und ich warnte mich, die

Hand würd explodieren.

 

 

 

Bei einem

Unfall schnellte einem

Mann ein Baustahl in die Stirn

Und trat aus seinem

Hinterkopf heraus,

Man konnte diesen Mann auf wunderbare

Weise ohne jeden Umstand retten,

Und man zog den

Draht aus seiner Wunde,

Und es blieb kein Schaden,

Und ich streich noch immer mit den

Fingerspitzen über meine

Stirn und taste langsam bis nach hinten

Über meinen Schädel.

 


 

 

Aufschläge 6766 - 6768

 

Dort, wo einer ist,

Sind zwei, erzählte uns ein altes

Märchen, das ich nicht verstand, die

Kinder lauschten aufmerksam

Und fanden sich zurecht und neben sich den

Anderen,

Und ich stand auf, ging fort,

Und draußen rief ich leise nach dem

Zweiten, der blieb still,

Ich warf den

Stein in einen See, nur um ein einziges

Geräusch zu haben, das entstand,

Und einen zweiten warf ich in den

Himmel, der schlug dort nicht auf

Und blieb verschwunden,

Und vor unsrer

Erde stand wohl niemand, der uns kannte,

Und wir standen alle fest im Raum

Ich stieß so an ein

Gitter, das mich von mir trennte.

 

 

 

Deine

Wut erschreckte mich,

Du hattest einen

Tod an deiner Seite, der gehorchte dir aufs

Wort,

Du drohtest, ihn auf mich zu hetzen,

Und du teiltest mich auf diese

Weise,

Und du würdest mit der einen

Hälfte sterben wollen,

Und die andere, so wolltest du es,

Sollte für dich bleiben.

 

 

 

Du kamst ein zweites

Mal hierher zu dir, du saßt dort auf der

Gegenseite,

Und du trugst den weiten, stumpfen, roten, roten

Mantel, der fiel lässig über euch,

Mich blendete die Farbe,

Und ich schämte mich für mich

Und hätte gerne meine eigne

Haut von euch zurück erhalten.

 


 

 

Aufschläge 6769 - 6771

 

Obwohl wir in demselben

Flugzeug saßen, sagtest du zu mir:

„Uns bringen die

Geschwindigkeiten auseinander,

Sind mit umgekehrtem Zeichen,“

Und du würdest dich mit mir

So schnell es eben ging entfernen

Und auch ich von dir,

Und in den

Sitzen hielten uns die Gurte fest,

Ich konnte dir nicht glauben,

Und du zeigtest mir an deinem

Arm die Zeigeruhr, die lief entgegen meinem

Sinn,

Der Abstand wurde sichtbar größer,

Und du selbst befandst dich unter einer

Glocke ganz aus Glas,

Und die berührte ich mit meinem

Kopf, als der sich zu dir neigen wollte,

Und ich wagte nicht, sie anzuheben,

Und du winktest mir von drinnen ab.

 

 

 

Trotzdem blieben wir im

Wort und wollten uns verstehen,

Und wir lernten jeder eine andre

Spiegelschrift, die blieb verkehrt

Und kam nicht an die

Oberfläche,

Und selbst dort entdeckten wir, dass alle

Spiegel nur an einer Fläche reflektierten,

Und die andere blieb stumpf und braun,

Sie gab an den verletzten Stellen

Aussichtsfenster frei.

 

 

 

Du gingst durch meinen

Raum, der war ganz leer für dich,

Du gingst durch mich hindurch

Und straftest mich und wolltest mich verletzen,

Und du sagtest:

„Quäl dich nicht um mich,

Ich komm zurück

Und kehre immer wieder über dich

Und werde meine

Fährverbindung lange aufrecht halten.“

 


 

 

Aufschläge 6772 - 6774

 

Es ergab sich so, dass du den

Himmel suchtest,

Und du spieltest auf dem

Instrument vertraute Lieder und auch neue

Melodien,

Und meine Ohren hörten dort heraus die

Erde unter meinen Füßen,

Und das konnte nicht das

Gegenteil von deinen zarten Klängen sein,

Und neben mir erzählte eine andre

Frau, dass sie von all dem nichts verstünde,

Und sie sinke immer tiefer ein,

Und ob ich ihr nicht helfen wollte,

Und ich stünd doch neben ihr,

Sie griff nach meinem

Arm, hielt sich dran fest und hörte nicht das

Instrument, an dem ich hing,

Und ich sah nur die

Frau, die darauf spielte,

Und wie fern sie war.

 

 

 

Die

Heimfahrt war beschwerlich,

Ich bedachte immerzu die

Einsamkeit der Füße, die mich trugen,

Und sie hörten nichts

Und sahen nichts

Und ahnten nichts

Und waren angewiesen auf die

Führung eines Unbekannten,

Und sie sollten zuverlässig sein,

Und einfach wäre es gewesen, in der

Wüste laut zu schreien:

„Lasst doch

Milde walten zwischen einem

Sandkorn und dem anderen.“

 

 

 

Mit Beginn der Dämmerung zog eine

Aluminiumscheibe über unsren Horizont,

Es mochte wohl der

Mond sein,

Mochte aber auch die eigne

Helligkeit in einem fernen

Spiegel sein,

Die grade aufging.

 


 

 

Aufschläge 6775 - 6777

 

Ich verzehrte deine

Worte, ja, du sprachst sehr viel,

Ich zeigte dir den

Lichtblitz, der daraus entstand, ein

Strahlen, das aus meinen

Augen funkelte und übersprang auf

Gegenstände, dass ich sehr erschrak bei der

Entladung, die sich wiederholte,

Und ich aß

Und aß

Und aß,

Und aus dem

Fenster schaute ich auf eine

Koppel, die lag schräg am

Abhang,

Und es standen dort vereinzelt

Schafe,

Und ich malte sie mir in

Gedanken,

Und ich ekelte mich vor dem

Wiederkäuen,

Und sie waren friedlich,

Und ich sah, dass man am andren

Tag von ihnen eines schlachtete,

Und Schlächter und die Helfer tranken von dem

Blut des Tieres, das war fest verschnürt

Und zuckte nur,

Und seine

Augen sahen das Geschehen.

 

 

 

Einmal schnitt ich mich versehentlich mit einer

Scherbe in den Hals,

Es schoss ein

Blutstrahl seitlich fort,

Der schlug an eine

Glaswand, die war sonst nicht dort,

Und draußen stand ein

Arzt, der half mir nur mit

Zeichen, anders, musste ich verstehen,

War mir nicht zu helfen,

Und ich sah die Schwierigkeit,

Die hatte ich niemals zuvor

Bemerkt.

 

 

 

Ich achtete darauf, nicht auszulaufen,

Und man hörte immer wieder,

Dass sich jemand selbst aus seinem

Glas verschüttete,

Versehentlich und auch mit

Absicht.

 


 

 

Aufschläge 6778 - 6780

 

Dies war kein

Traum,

Ich schreckte hoch im

Schlaf und sah vier Zeiger auf der

Nachtischuhr, zwei standen still

Und zwei, so sah ich ganz genau,

Bewegten sich entgegen,

Eine Zeit lief vor, die andere zurück,

Ich konnte mich nicht wecken,

Und die

Nacht schritt fort in beide Richtungen,

Ich stand in ihrer Mitte,

Und es war kein Traum, es trennten sich nun auch die

Stunden voneinander,

Und der letzte

Abend und der neue Morgen

Rückten näher und entzogen sich zugleich,

Ich fand auch keinen

Platz mehr in dem

Nagelbalken, der war überall

Und dicht besät mit eingeschlagnen

Nägeln.

 

 

 

Unser

Fest war längst vorbei, die

Säle waren ohne Gäste,

Und der

Nachtwind wehte nun die schweren

Und die sommerleichten

Vorhangstoffen durch die Räume,

Und man musste darauf achten,

Dass sie einen nicht ummantelten

Und einem nicht die

Stille in die Kehle drückten,

Und in manchem

Winkel saß ein

Lachen noch so fest,

Man hätte daran kratzen müssen,

Um es zu entfernen.

 

 

 

Irgendjemand warf noch eine

Münze in den

Suppentopf, das war nicht zu verstehen,

Und es guckte jeder tief in seinen

Teller,

Und wir horchten alle auf ein leises

Klirren beim Verteilen unsrer

Speise.

 


 

 

Aufschläge 6781 - 6783

 

Du warst in deinen

Augen tätowiert,

Du sagtest auch, das

Weiß in deinen Augen böte sich von selber dafür an,

Du fandst es gut,

Es störte dich auch nicht, dass du es

Eigentlich nur über einen

Spiegel sehen konntest,

Und du hattest eine fremde

Formel zwischen

Ornamente schreiben lassen,

Die gäb eines Tages Aufschluss,

Und ich dachte an das lange

Pendel, das schwang ewig hin und her,

Und unter ihm bewegte sich die

Erde als ein Langsamläufer,

Das sah jeder, der auf seiner

Stelle stehen blieb,

Ich dachte auch an deine

Augenlider, die verschlossen deinen Mund,

Und ich fand schwer den

Weg, sonst käme ich dahinter.

 

 

 

Du erzähltest mir ganz frei von deinen

Ängsten,

Und sie waren eigentlich, so glaubte ich, die

Freiheit selbst für dich,

Ich konnte mich darauf nicht konzentrieren,

Und du spürtest augenblicklich, dass du wieder

Siegen würdest,

Und ich sah nur deine

Haare, die noch nass ins Becken hingen,

Und es war dir ihre

Wäsche so unendlich wichtig.

 

 

 

Als ich an die

Füllmaschine kam, war ich so völlig leer,

Und meine Sprache fiel aus mir heraus

Und lag verborgen auf dem Boden,

Und ich wusste kaum noch, dass ich im

Spaziergang einfach durch geschlossne

Fenster und durch nie betretne

Stuben bis hierher gelangt war.

 


 

 

Aufschläge 6784 - 6786

 

Es war nicht leicht, dich zu verstehen,

Und du sprachst nur noch in

Farben, die du wechseltest,

Und Rot, zum Beispiel, sei dein

Dank, den du auf diese

Weise weitergäbest,

Und wir hörten über uns und über allen

Wolken die Maschinen stehen,

Und es dröhnte, pfiff ihr

Antrieb bis hierher,

Es wär, so sagtest du, auch eine

Sprache ohne Worte,

Und wir hätten keine Wahl

Und müssten die verstehen,

Und du hattest alles dies zu mir in

Gelb und Grün und Blau,

Ich weiß nicht mehr in was gesprochen,

Ja,

Und ich verstand dich immer mehr,

Und eine

Trauerfarbe konnte schwarz sein oder weiß,

Vielleicht auch anders.

 

 

 

Früher dachte ich, das Rot darunter,

Unter einem roten Kleid,

Dass es sich immer wieder zeigen müsste,

Dass es fort und fort erscheinen würde,

Und du hattest eine fahle

Haut, die drunter lag,

Und sie entzündete sich erst

Als ich sie übergoss und

Feuer daran legte,

Und die Scham stieg dir in deine

Fingerspitzen,

Und die

Hände drücktest du ganz fest auf deine Brüste,

Und sie schoben sich zur Seite,

Und ich malte alles, was ich sah, aus

Stein, das war sehr schwer und dauerte

Viel länger als mein Leben währte.

 

 

 

Zwischen tausenden von

Schwellen unter Eilzuggleisen lag ein weißer

Schnee, der war vielfach und mehrfach angeschraubt,

Es war ein

Panzerplattenband, das zog sich weit, weit in die

Länge,

Und es endete als

Goldband, das schlang sich um deinen

Hals, und grelle

Sonne fackelte darauf.

 


 

 

Aufschläge 6787 - 6789

 

In deiner

Kunst, sagst du, gibt’s keine halben

Schritte,

Und du seist ein

Teilstück einer

Gleichung, die ergibt auf einer

Seite nichts,

Du seist das Stürzen in ein

Loch, das niemals endet,

Und vor einem

Aufschlag hast du keine Angst,

Ich stehe neben dir, begegne immer wieder dieser einen

Stimme, die mir sagt:

„Du weißt als einziger, dass du ein

Mörder bist,

Es ahnt sonst keiner,

Und du kannst nicht leugnen,“

Und ich weiß von keinem Mord,

Von keiner Schuld,

Die tausendfache Tötung, die ich zuließ,

War zu allen

Zeiten nur in mir und musste auch geschehen,

Und ich lebe wirklich mit den

Taten ganz allein.

 

 

 

Jemand fragte, ob ich mich vor

Tieren fürchtete, weil ich sie miede,

Und ich hatte eigentlich nur nicht die

Kleidung, auf dem

Neuplaneten auszusteigen

Und mich umzusehen,

Und es schien mir zu gefährlich so,

Und öde war es, was sich bot,

Und niemand zwang mich,

Und ich selbst war erst am

Anfang meiner

Reise, die zu Ende ging.

 

 

 

Tags versteckte ich die

Sonnensegel, die mir wuchsen,

Und sie waren superdünn und spannten, ausgebreitet,

Über eine große Fläche,

Und ich hielt sie nur dem

Abendstern entgegen,

Der verbrauchte sehr viel seiner

Kräfte nur für mich,

Und ich verlangte es von ihm,

Und er war schuld, wenn

Wolken sich dazwischen schoben.

 


 

 

Aufschläge 6790 - 6792

 

Ich stand auf einem

See, der tief im Eis verborgen lag,

Ich war allein und rief nach mir

Und meinen

Namen laut zum Ufer

Und erfuhr den

Stillstand der Geräusche,

Und es war die

Lichtung, die sich plötzlich auftat,

Und der

Sonnenstrahl, der darein fiel, gefror und

Mückentiere sah ich tanzen,

Unter mir steckte mancher

Fisch mit seinem Vorderkörper in der

Oberfläche, die war klar und durchsichtig,

Ich ging so über eingefrorne

Köpfe, über aufgerissne Mäuler,

Stand direkt im stummen Schrei,

Der hob nicht ab von dieser harten

Decke.

 

 

 

Heute wollte ich dir

Blumen bringen,

Und ich saß vor einer dünnen

Fensterscheibe, darauf hielt der

Frost die Hände,

Und ich dürfte nur die

Eisgewächse für dich nehmen,

Wenn es mir gelänge, sie so fortzuschaffen,

Und es war der

Stillstand überhaupt,

Den hätte ich doch nie anrühren können,

Ohne eine leiseste

Bewegung.

 

 

 

Später stand ich dann vor dir,

Du klagtest, dass in deiner

Nähe niemand musiziere,

Und das war nicht wahr,

Wir alle standen hier, um dich zu hören, deine

Lieder anzuschauen,

Und ich selbst schuf einen

Frauenakt aus deinen Melodien,

Die standen völlig still für mich

Und waren sehr geduldig unter meinen

Händen.

 


 

 

Aufschläge 6793 - 6795

 

…muss

Gutes tun,

…muss

Böses tun,

…muss etwas tun, um es zu tun, das

Heute kümmert sich sonst nicht um mich

Und geht mir wieder fort, als hätte es mich nicht erreicht,

Und gestern war es schon ein

Unglück, als es mir im

Fenster stand und ließ mich völlig sein,

Ließ mich zurück;

Die

Zimmerwände fielen auseinander,

Und ich stand in einem neuen

Raum, der auch nicht größer war,

Nur noch ein wenig leerer,

Und die

Wände fielen nochmals um,

Ein nächster

Raum erwuchs sofort,

Ich baute

Sprossen in die Tiefe,

Als ich die hinunterstieg, kam ich ans

Wasser dieses Beckens,

Und die

Sprossen spiegelten sich in der

Oberfläche,

Und es könnte sein, dass sie in

Wahrheit noch viel tiefer führten.

 

 

 

Die jungen

Mädchen gingen auf ein Fest,

Es war kein

Grund zu feiern,

Und sie malten einen großen, roten

Reifen auf den Boden

Und daneben einen grünen

Und sie feierten in beiden einfach

Neben sich und unter sich

Und teilten sich die

Freude auf in diese beiden

Eingebundenheiten.

 

 

 

Immer sah ich auf den

Boden,

Und es gab so viele

Leute, die erzählten von verlornem Gut

Und lachten über mich

Und sagten, ich verstünde überhaupt nicht

Was es hieße,

Etwas gänzlich zu verlieren.

 


 

 

Aufschläge 6796 - 6798

 

Man begann das

Weltall zu bewaffnen,

Und es war nicht so, dass man die

Arsenale nach dort oben hängte,

Sondern diesmal griff das

Weltall selber zu und gürtete sich mit dem

Feuerdorn, den könnte es von nun an,

Ohne noch zu fragen,

Jedermann ins Auge werfen,

Und es sah schon heimlich von der

Erde fort auf andere Gestirne,

Und es war der erste wahre

Riese, der nach langer

Zeit entstanden war,

Und wir, die immer noch daheim den

Garten hegten und bepflanzten und ihn pflegten,

Hatten in den Reihen unsrer Beete

Dünne Scheiben reinen Quarzes ausgesät,

Der würde uns zu

Stäben wachsen und uns helfen, jede

Schwingung ganz genau zu

Messen.

 

 

 

Die neuen

Häuser standen dicht gedrängt

Und aufeinander,

Und ich fand mich nicht zurecht,

Und hier bei uns, so wiederholte eine

Stimme pausenlos,

Kann niemand auch nur einen

Augenblick verloren gehen,

Und wir bringen jeden an sein

Ziel,

Ich hätte wirklich nur die

Hand zu heben brauchen,

Und man hätte mich entdeckt.

 

 

 

Meine eigne

Frau wurd schwanger,

Und ich fragte sie so leise wie ich konnte,

Und sie hatte eine gute

Auswahl unter den Maschinen

Und sprach laut darüber,

Und das

Kind, das man dann in sie setzte,

Hatten sie gezeugt,

Und meine

Hände fielen mir zu Boden,

Und ich sah an mir herab und schwor bei meinem

Leben meinen Tod,

Der konnte auch nicht anders sein

Und auch ganz sinnlos.

 


 

 

Aufschläge 6799 - 6801

 

Ich grüßte dich, aus einem

Nichts gabst du die Hand,

Und alles andere blieb unsichtbar,

Und immerhin, so sagtest du,

Hätt ich ein wenig

Sichtbarkeit erzwungen,

Und ich glaubte dir,

Du würdest dich freiwillig niemals

Sichtbar zeigen,

Und es war ja nur,

Das mir nun endlich dein

Portrait gelingen sollte,

Und ich hoffte immer noch,

Du würdest unvermittelt an der

Haustür klingeln und um

Einlass bitten,

Dass ich jeden

Pinselstrich an dir erfahren könnte,

Und du würdest ja in deiner

Sichtbarkeit viel deutlicher erscheinen

Als so hinter dir.

 

 

 

Nächstens ging ich auf die andre

Seite eines Fensterglases,

Das stand groß und senkrecht in dem

Zimmer,

Und ich glaubte nicht mehr, was ich diesseits

Dadurch sehen konnte,

Und es mochte sein

Dass alles anders war,

Käm ich dahinter.

 

 

 

Andrerseits vernahm ich auch des

Nachts das leise

Summer über unsren Häusern,

Und es stand ja gar nichts

Zwischen uns und allen Sternen,

Und es hieß, dass diese

Leinwand echter sei als eine eigne

Haut,

Ich hatte niemals über alle

Einzelheiten unter meinem

Menschsein nachgedacht.

 


 

 

Aufschläge 6802 - 6804

 

Du sprachst von einer

Tänzerin, die füllte mehrfach ihren Raum

Und wurde immer offener,

Sie tanzte neben sich

Und fing sich ein,

Und sie verschmolz zum

Schluss mit sich,

Und auf dem

Holztisch waren

Wassertropfen nahe beieinander,

Und sie liefen nicht zusammen,

Und der Regen lachte über ihre Sturheit,

Und bei ihm war alles eins und

Teilte sich doch dauernd, sprang auf

Fensterscheiben und verspottete den

Wind, der blieb davor,

Und eine Frau, die mit mir lebte,

Wartete auf die Gelegenheit zu fragen,

Und die Frage stand im Raum,

Und ich, ich konnte nicht daran vorbei.

 

 

 

Alle die dich kannten, fragte man,

Sie sollten dich bekennen,

Und sie stimmten überein

Und hatten deinen

Namen nie gehört, der war so fremd, so unnahbar,

Und deine

Schwelle war auch ihre Grenze,

Und dahinter fing das Neuland an,

Das wurde nur von dir betreten.

 

 

 

Täglich sandte ich den

Menschen meine Schreiben,

Und es waren

Tausende, die lagen zugestellt

Und aufgestapelt hinter jedem Eingang,

Und man wartete, dass ihre

Texte über einen

Bildschirm laufen würden, um sie auch zu lesen,

Und ich zeigte meine

Hand, die das geschrieben hatte, als

Radierung,

Das war viel zu wenig.

 


 

 

Aufschläge 6805 - 6807

 

Eine Antwort kam von dir,

Ich hatte mich in ihr getäuscht,

Ich hatte etwas anderes erwartet,

Hatte nichts, als die Bestätigung gewollt,

Und als wir über unsre

Straße gingen, fielst du neben mir zu

Boden,

Und es war ja nur ein leichter Sturz,

Und trotzdem brachst du völlig auseinander,

Und es sprang das

Porzellan in tausend Scherben,

Die vermochte niemand mehr zu überblicken,

Und es ging so schnell,

Kaum, dass ich ausgesprochen hatte, war auch schon der

Stolperstein im Weg,

Das Unglück hielt sich fest an meiner

Hand.

 

 

 

Man legte morgens eine

Macht auf meinen Tisch,

Die war mir nicht geschenkt,

Ich hätte sie, so sagte man, erworben,

Doch ich rührte sie nicht an,

Es war darin verborgen diese

Lust an Angst, das hinderte mich sehr,

Und meine

Macht würd ständig wachsen,

Und ich sah nicht hin und sie nicht an,

Und wusste wirklich nichts

Davon.

 

 

 

Ich trank den weißen

Tee, der war nur Wasser,

Und er schmeckte nicht,

Und meinen

Durstbrand konnte ich damit nicht löschen,

Und du sprachst am

Telefon von deiner

Liebe, die ich nicht erfüllte,

Und ich sagte, dass du mir den

Tee auf die Entfernung doch nicht würzen

Und nicht süßen könntest,

Und wir litten beide unter einem bitteren

Geschmack.

 


 

 

Aufschläge 6808 - 6810

 

Ich lebte mit zwei Frauen,

Und nur eine lebte eng mit mir zusammen,

Und sie musste, um bei mir zu sein,

Die andere beiseite drängen,

Und die andere an meiner

Seite sah man nur durch mich,

Sie sprach aus mir

Und hatte auch Gestalt in mir

Und mahnte mich und drängte mich,

Und sah ich sie in Wahrheit,

Lag ich eng an ihr

Und drängte sie beiseite,

Von der andren Frau fand ich nicht eine

Spur in ihr und nicht von mir,

War ausradiert in ihrer Nähe,

Und ich floh in einen

Nebenraum, der war die Stille selbst

Und schwieg mich an im

Neubeginn,

Und an den Wänden standen die zwei

Frauen, die mit mir zusammen lebten.

 

 

 

Soviel war gewiss, dass in den

Steinen Urgespräche hörbar waren,

Und man zwang mich eine

Scherbensammlung zu sortieren

Und so zu verkleben, dass sich

Ganzes zeigen würde,

Und ich war ein

Meister,

Und zum

Ende schlug ich drei verschiedene

Gestalten und Figuren daraus vor,

Die hatte man noch nie gesehen,

Hatte nie davon gehört,

Und ratlos waren wir im

Scherbenspiel.

 

 

 

Mit der

Zeit wurd ich ganz wahllos,

Und es reichte mir, nur einen

Arm, nur einen Kopf, ein

Wort nur aufzuspüren, zu erhaschen,

Und der

Rest blieb unberührt von mir,

Das führte die

Besitzer auf die

Fährte der Verbrechen,

Und man klagte mich des

Todes an,

Den konnte ich sonst nirgends finden,

Und es wäre doch vielleicht ein

Anfang.

 


 

 

Aufschläge 6811 - 6813

 

Ich war ja hier, um

Neues zu entdecken, nicht um das

Bekannte zu bestätigen,

Und von den

Menschen, die in Flügeltüren lebten,

Mochte ich nicht mehr berichten,

Und ich sprach mit dir

Und hörte dir auch etwas zu,

Bis du ganz plötzlich,

Wohl um mich zu überzeugen, dein

Gesicht nach beiden

Seiten aufschlugst,

Und ich sah in einen dreiflügligen

Spiegel, dreimal sah ich nun in dein

Gesicht, das war darin so völlig anders,

Und du standst ja nicht davor, nur ich,

Und fand mich so verändert zwischen dir

Und wollte auch davon erzählen,

Und du winktest ab und standst in voller

Blüte.

 

 

 

Niemand glaubte meinem

Wissen,

Und es war doch nur natürlich,

Und ich selbst war dieser

Zufall, der es mir bestätigte

Und richtig werden ließ,

An mir erfuhr ich alles über mich,

Das war nicht anders möglich,

Und ich trug mich immerzu bei mir, der

Schatz wär niemals und durch gar nichts

Zu ersetzen.

 

 

 

Über unser

Wohnhaus baute ich mir eine

Brücke, die wurd anfangs steil,

Ich konnte auch nur einen

Zugang schaffen,

Und den

Abgang ließ ich einfach offen,

Jeder durfte dort hinauf

Und musste sich am

Ende selbst bewachen.

 


 

 

Aufschläge 6814 - 6816

 

Auf meinem

Nachtleib stand der Schweiß,

Und er brach aus aus einer schweren

Innenwolke, die verdeckte mich,

Und hier am

Hals, von meiner Stirn

Und in den

Oberschenkeln liefen kleine

Rinnsale herab,

Ich griff nach dir und riss dich wach,

Du standst nicht unter diesem Himmel,

Und du warst verwirrt, du sagtest gleich,

Die Briefe, die ich dir sonst sandte,

Hättest du ja nie gelesen und

Sie lägen irgendwo im Tal,

Es wäre doch noch so viel Zeit,

Und nun, so schien es, sei es fast zu spät,

Ich war geschwächt und brach vom

Bett in eine Schüssel,

Und es war umsonst, die

Unterbrechung hatte stattgefunden,

Und ich sah den

Seidenfaden, der lief noch vorbei an meinen

Augen,

Und ich hoffte nur,

Du würdest nicht dagegen stoßen.

 

 

 

Anderntags ersetzte man die

Angst, die wir erlitten hatten, durch ein

Kinderlied, das klang uns fremd,

Wir hatten es noch nie gesungen, nie gehört,

Und hätten es doch nun, in unsrer

Kindheit, kennen müssen.

 

 

 

Auch der

Weg, der mich zu meiner

Arbeit führte, war verhängt mit großen

Pappen, die beweglich von der

Decke reichten,

Und sie rührten beinah an den

Boden,

Und so lange ging ich nun schon

Durch sie durch,

Es kamen immer wieder neue,

Und ich wusste ganz genau,

Dass hinter jeder einzelnen, die letzte hing,

Die sich nur wiederholte.

 


 

 

Aufschläge 6817 - 6819

 

Dies fiel mir wieder ein und war gewiss,

Man konnte den an mir geschehnen

Mord kein zweites Mal verüben,

Und ich wies dich ab,

Und andre sahen, wie umsonst du warst,

Und sähest du den schwachen

Holzzaun um mein Zimmer,

Den Bewuchs daran,

Du gäbest wirklich auf

Und ließest mich so leblos

Wie du mich gelassen hast,

Und drüben steht eine

Mann, der dreht mit seiner

Hand ein Bohrgestänge,

Das reicht in die Erde,

Und er hofft umsonst

Und wird doch nie auf

Feuer stoßen.

 

 

 

Ich wollte dich auch nicht verletzen,

Und die

Explosion in mir ging bis an meine

Außenwände,

Und du spürtest sicher, wie ich innerlich zerriss,

Du konntest aber, was du fühltest,

Nur nicht deuten,

Und ich selbst war mit dem

Grubenunglück zu beschäftigt

Und versuchte eine

Rettung, die ich eigentlich nicht wollte.

 

 

 

Wo ich stand, rieb sich der

Boden sehr schnell ab,

Und der

Verschleiß war groß,

Und meine Freunde waren aufgerieben

Noch bevor ich ihre

Freundschaft finden konnte,

Und du gingst ganz langsam fort von meiner

Tür und sahst durch dich hindurch zurück,

Ob ich dir folgen würde,

Und du setztest

Fuß vor Fuß auf eine

Rasenkante als ein Kinderspiel

Und balanciertest mit den

Armen, das war gar nicht nötig.

 


 

 

Aufschläge 6820 - 6822

 

Die erste warme Sonne kam,

Sie war mir neu,

Und nie im Leben hatte ich sie je gesehen,

Und sie stand so nah

Und war mir gar nicht fern,

Sie schmolz im

Handumdrehn mein tiefgefrornes Innerstes,

Und meine

Werte büßten ihre Formen ein

Und liefen aus,

Und lächerlich wurd nun mein Rufen,

Etwa nach der Pünktlichkeit

Und irgendeiner Ordnung,

Sie bedrohten mich nicht mehr

Und waren plötzlich nichtig, hässlich,

Und man schenkte mir ein

Wohnschloss, das sei nur für mich,

Und jeden Dienst, den ich erwünschte,

Würde man mir dort erweisen,

Und ich nahm es an und fand es auch,

Wie ihr es mir beschrieben hattet,

Und man ließ mich gänzlich sein,

Ich durfte mein

Büro auch in die Häuslichkeit verlegen,

Und ich sah wohl über zwanzig

Jahre niemanden von

Leib zu Leib,

Die Sonne wärmte mich

Tagaus, tagein ganz unerträglich.

 

 

 

Dann wurde meine

Luft zum Atmen dünn,

Ich rief das erste Mal um Hilfe,

Und es tat sich nichts,

In mir war niemand

Darauf vorbereitet.

 

 

 

Danach verweigerte ich meinen

Dienst, aus Trotz,

Du sahst darin die

Laune eines unerzognen Kindes,

Und ich schwor mir, dass ich eines

Tages doch erwachsen würde,

Und dann müsste ich mir immerzu gehorchen,

Und der Tag, auf den ich hoffte, kam und ging vorbei,

Es war kein Unterschied.

 


 

 

Aufschläge 6823 - 6825

 

Ich kannte dies

Geräusch in meinem Rücken,

Und es fiel ein

Stückchen Gegenwart in eine

Schüssel, die war nicht von mir

Und ging mich gar nichts an

Und konnte mich auch nicht erschrecken,

Und die Zeitgefäße andrer Leute

Hält man besser auseinander als die eigenen,

Und mein Gefühl, es war ein

Wort, das sich an mir niemals mit

Leben füllte,

Mein Gefühl hing übermütig mit der aufgeknöpften

Bluse aus dem Fenster,

Und ich schämte mich für seine

Offenheit, für seine Neugier,

Und es gaffte anderen von oben in die

Köpfe,

Ich erkannte auch dort drüben in dem

Kirchturm, wie sich flache

Hände im Gebet zum Himmel richteten,

In diesem

Augenblick war ich der schwarze

Punkt,

Der machte auf der großen Fläche einen

Anfang.

 

 

 

Jemand zeigte mir ein anderes

Gebüsch, das stand noch herrlicher in

Blüte, und ich staunte,

Dass man sich in mich versetzen konnte

Und mich irgendwo verstand,

Und selbst nahm dieser Andere die

Blütendüfte gar nicht wahr, und hatte meine

Überschwänglichkeit, so sagte er, vermutet,

Und er habe schließlich recht behalten,

Und es war ein rosa

Blütenmeer, darin begann das

Sonnenfeuer grad zu züngeln,

Und ich stellte mich hinein.

 

 

 

Vor dem

Spiegel sah ich mir mit einem

Fernglas in die Augen,

Und ich sah mich hinten, nun vergrößert,

Wie ich an

Kalenderblättern schrieb,

Die waren nicht für mich,

Ich reichte sie mir gleich

Nach draußen.

 


 

 

Aufschläge 6826 - 6828

 

Man holte aus dem freien

Raum, dem Orbit, kleine

Kapseln, um sie selbst zu essen,

Und man konnte jede

Farbe wählen,

Jede Kapsel schloss in sich das

Weltall ein und übertrug auf diese

Weise absolutes Leben,

Und das

Leben selbst, fand man, wurde dadurch kürzer,

Und der eine

Tag, den man nun nur noch lebte, kannte keine

Nacht, die war auf einer andren

Seite, oder wie man sagte, war das

Leben viel zu weit für eine

Nacht geworden,

Und ich wusste auch von mir,

Dass irgendwann einmal die

Zeit für mich gestanden hatte,

Und ich konnte damals keine

Gründe dafür finden,

Und seitdem hing ich ganz sonderbar an der

Erinnerung.

 

 

 

Die

Wolke morgenfrüher

Krähen fiel in einen Winterbaum,

Und der hielt aus,

Er wurde ja belaubt zu einer

Zeit, in der sich sonst kein

Blatt an ihm befand,

Und doch traf hier ein absoluter

Stillstand auf den anderen,

Die konnten nichts bewegen.

 

 

 

Einmal fand ich mich am

Boden liegen,

Mit dem rechten

Ohr behorchte ich die

Erde,

Und mein Herzschlag wurde deutlich,

Und die Strömung unter mir war nur ein

Zufall, den vermochte ich nicht

Aufzuklären.

 


 

 

Aufschläge 6829 - 6831

 

Gestern führte mich der

Weg ganz eng an deinem

Haus vorbei,

Die Tür war weit geöffnet,

Und ich sah hinein,

Du wusstest nichts von mir

Und riefst mich laut mit meinem

Namen, dass ich tief erschrak,

Fast wäre ich gekommen,

Und es war ein,

Zufall, der mich gar nicht meinte,

Und ich meldete mich heute bei dir an, die

Fremdheit mochte nicht mehr länger fremd sein,

Und ich kam und fand dich ebenmäßig schön

Und selten,

Und als Erstes fragtest du mich nach dem

Namen, den hätt ich bis jetzt vergessen, dir zu sagen,

Und ich ging mit dir ums

Haus, dabei erfand ich plötzlich einen

Irrtum, der lag ganz auf meiner

Seite,

Und du ließt mich frei.

 

 

 

In deinem

Tagebuch las ich den

Tag deiner Begegnung nach,

Und alles, was du schriebst war folgendes:

Im

Augenblick, da ich die

Haustür öffnete, stand wenig weit entfernt ein

Uhrenzeiger in dem Sand,

Und der bewegte sich in eine

Richtung,

Und es gab in seiner

Nähe keine Zeit, die

Sonne zündete an ihm den dunklen

Schatten, der fiel nur durch

Zufall auf die Erde.

 

 

 

Später schlich ich mich noch einmal heim,

Ich wohnte lange schon allein

Und wollte mich nicht stören

Und fand eine neue

Stelle in der Mauer,

Die schlug ich um meinetwillen auf

Und schuf mir meinen eignen

Eingang.

 


 

 

Aufschläge 6832 - 6834

 

Jemand hatte seinen

Blick zum Himmel dort am

Himmel liegen lassen,

Und ich holte ihn herunter,

Und das Telefon an meinem

Schreibtisch schwieg,

Es rief mich niemand an,

Es war wohl völlig gleich, wer wessen

Blicke sandte oder einbehielt,

Und gestern Abend

Wollte ich dich noch ein letztes

Mal begleiten, heim begleiten,

Und es sollte unser

Abschied sein,

Und deine

Augen standen vor dem Untergang,

Und ich war voller Angst,

Und ich beschwor die

Straße, sich nur dieses eine

Mal für mich zu spalten,

Und es tat sich nichts,

Ich sagte nur:

„Mach’s gut,“ und kippte leblos in die

Seitenstraße, die war gütig,

Und ich fiel ganz steif auf meinen

Rücken.

 

 

 

Links und rechts von meinem

Und auch andren Wegen hatte man in sich verklebte

Gläserwände aufgestellt,

Nun könnte niemand mehr entkommen,

Und sie federten die

Fluchtversuche einfach ab,

Und ich war ja so dumm

Und dachte auch noch jetzt,

Sie wären nur zu meinem Schutz,

Man könnte nun nicht mehr

Direkt an mich gelangen,

Und ich fühlte mich auch wohl

Dahinter.

 

 

 

Dann gabst du auf an mir,

Und schon am nächsten

Tag erkannte ich,

Dass du mich aufgegeben hattest,

Und es waren viele außer mir,

Die sprachen selten über sich

Und sagten auch, die

Suche sei von nun an völlig sinnlos,

Und das

Trudeln um die eigne Achse wär aus

Zufall

Und es hielte lange, lange an.

 


 

 

Aufschläge 6835 - 6837

 

Die

Tageszeitung, die ich kaufte,

War schon eingerissen,

Und die

Texte standen auf dem Kopf,

Die Bilder lagen lose in den Seiten,

Und es passte nichts mehr zueinander,

Und die

Zeilen, die ich las, verloren ihren

Inhalt,

Und dies war der

Grund, dass ich sie ganz zerriss,

Und ihre

Fetzen klebte ich mir auf den

Leib, bedeckte so die ganze Haut,

In dem

Gesicht befestigte ich mir

Reihen dünner

Perlenketten,

Und ich stellte mich in einer

Halle aus

Und war so gut gewappnet.

 

 

 

Anderntags zog man das

Leinen ab, ich war darin vom

Kopf bis hin zum Sockel eingeschlagen,

Und man feierte das erste

Mal damit:

„Enthüllung eines wahren Lebens,“

Und ich ging auch unter alle

Leute,

Und man fasste meinen Körper an

Und las an mir

Und fragte nach geheimem

Kunstgenuss,

Den wollte man gern mit mir teilen.

 

 

 

In mir war ein

Automat, der funktionierte völlig einwandfrei,

Und hätte man ihn nur sekundenlang entdeckt,

Würd niemand mir mehr glauben,

Und der

Mensch, der mich so sah, erlebte eine

Liebe, die konnt er sich nicht erklären,

Und er suchte emsig nach dem

Schaltknopf.

 


 

 

Aufschläge 6838 - 6840

 

Du maltest an dem

Bild,

Und es war blau in blau,

Es zeigte einen

Schacht, der lief nach hinten,

Und in der

Entfernung war ein Licht, das sich in diesem

Abstand selbst erlebte,

Und du sagtest einfach,

Dass ich dich nun suchen dürfte,

Und ich rief hinein und schrie nach dir,

Und meine

Rufe krochen eng am

Lichtschacht und verloren sich dahinter in der

Tiefe,

Und der Hundeschlitten, der dich zog,

Auf dem du lagst, der alle

Qual der letzten Stunden trug, die ich in deinem

Tagebuch ganz einfach nachgelesen hatte, dieser

Schlitten brach vor mir ins

Eis und stürzte in den Spalt,

Und ich warf mich an seinen

Rand und sah dich, sah die

Tiere völlig leblos in den

Seilen hängen und die

Last vor blauer

Lichtwand pendeln,

Und du hattest mich umsonst

Herbeigerufen.

 

 

 

Weiter hinten zündete sich jemand eine

Zigarette an,

Zuvor war in der Nacht nichts auszumachen,

Und nun sah ich dieses

Leben schrecklich nah,

Es war nichts weiter als ein rötlich gelber

Ausschnitt,

Der verstarb sogleich im

Schirm der hochgehaltnen

Hand.

 

 

 

Immer wieder flammte mir vor den geschlossnen

Augen dieser Lichtfleck auf,

Es war die grelle

Leuchte, die ich mit den

Händen auszublenden suchte,

Und sie blieb zurück im

Raum,

Du warst schon fortgegangen,

Und ich sah dich trotzdem wiederkommen,

Und du gingst und kamst

Und kamst nicht fort von dieser

Stelle.

 


 

 

Aufschläge 6841 - 6843

 

Ich war in mir der

Automat,

Ich liebte und ich liebte nicht

Und ging und kam

Und tat’s und tat es nicht,

Und jemand rief in mich hinein,

Und er berief sich auf die

Menschlichkeit,

Und man verstünde es, wenn ich doch einmal

Hassen könnte,

Und ich hätte es getan,

Und nirgends fand ich einen Grund,

Ich hätte einmal lieben sollen,

Ja, ich hätte mich dabei zerstören dürfen,

Und ihr spracht mit mir, ich stand daneben,

Und ich sah, wie sich die

Menschlichkeit als räuberischer

Flugball über Netze schlagen ließ

Und blieb doch schließlich darin hängen.

 

 

 

Vieles, was ich hörte, fraß ich auf,

Und keine Antwort kam,

Ich dachte an den Arzt, den Heiler, der aus

Mitleid tötete, und an den anderen,

Der blieb dadurch am

Leben,

Und ich hütete mich, öffentlich nach einem

Grund zu fragen

Und besuchte einen

Friedhof, den hatt ich mir selbst geschaffen,

Tief in mir,

Und andersfarbner Sonnenschein lag auf den warmen

Gräbern.

 

 

 

Zwischen

Weisheit und der

Liebe ging ein schweres Pendel,

Das wurd dem, der einmal nur den

Kopf hineinhielt, gleich zum

Fallbeil.

 


 

 

Aufschläge 6844 - 6846

 

Jedes deiner

Worte hatte einen eignen Mund,

Sie griffen an,

Und sie verbissen sich an mir,

Du sagtest auch, du hättest es nicht so gemeint,

Das war der

Würgebiss in meine Kehle,

Und ich schlug sie alle ab

Und stieß dich weit zurück

Und hatte diese kurze Ruhe, bis das

Pendel auf dem

Rückweg war, das hielt genau auf mich,

Ich öffnete die

Tür in meinem Rücken, floh hinein

Und lehnte mich dagegen,

Und der Schlag, den ich erwartete,

Entartete zu einem zarten Klopfen,

Und der Schlüssel steckte fest,

Ich schloss dich aus,

Und rückwärts stieg ich auf in einen

Turm, der war im

Aufgang angefüllt mit deinen

Selbstportraits,

Die endeten nicht vor dem Ausstieg,

Und sie zeigten dich auch immer wieder

Völlig anders.

 

 

 

Dann stürzte die

Libelle mitten in dem

Lichtflug ab,

Sie fiel auf Sand,

Und sie bewegte sich nicht mehr,

Sie konnte ihre

Flügel wirklich nicht an ihren Körper legen,

Und ich hob sie auf, sie war schon ausgetrocknet,

Und am

Himmel zog der große

Haken wilder Gänsevögel,

Und das

Rauschen ihres

Fluges drang bis her zu mir,

Und ihre

Eigenart berührte meine

Hand, die schlug ganz kläglich aus

Und flatterte vergeblich.

 

 

 

Im gewölbten blanken

Chrom sah ich mich wieder,

Und ich dachte auch, wie wahr ist wohl dies

Zerrbild,

Und ich konnte doch nicht die

Gesichter all der

Menschen, die ich mir zum

Spiegel machte,

Groß befragen.

 


 

 

Aufschläge 6847 - 6849

 

In meine

Hände maltest du mir bunte Ornamente,

Und dies seien

Zeichen für den Krieg,

Nein, das verstand ich nicht,

Ich war ein

Bäcker, der war immer übervoll mit

Mehl bepudert,

Und ich war ein

Nachtarbeiter, der schlief tags,

Auch malte ich mir meine eigenen

Gemälde in das weiße Pulver,

Und ich liebte sie,

Ich konnte sie so leicht verwischen,

Und das

Backwerk wusste nichts davon,

Und auch, wer davon aß, war ahnungslos,

Nein, ich verstand die bunten

Ornamente wirklich nicht.

 

 

 

Ins Kirchenfenster setztet ihr die neuen

Scheiben ein,

Ich sah euch lange zu,

Ihr hattet alles bestens vorbereitet,

Und der

Raum, die Wände, tauchten in ein schwaches

Rotlicht,

Und ich dachte an den

Unglücksberg,

An ihm war die

Maschine aufgeschlagen und zerstört,

Und dieser

Berg des Unglücks lag nun aufgebahrt

Vor mir.

 

 

 

Meine heiße

Stirn verlangte Kühlung,

Und ich zögerte vor einer

Eiswand,

Und ich hätte sie so gern berührt,

Und wusste doch, dass meine

Haut daran verkleben würde,

Oder dass ich würde warten müssen,

Bis das

Eis sich meinen

Kopf erobert hätte.

 


 

 

Aufschläge 6850 - 6852

 

Noch hingen alle

Blicke fest im

Augenbaum und reiften,

Täglich ging ich hin und prüfte,

Irgendwo entsprang ein

Quell dem jungen Zweig,

Den ließ ich dort gewähren,

Und es war der

Zipfel eines Traumes aus der

Jugendzeit, der reichte bis hierher,

Im Gras darunter quälte sich ein

Taubentier, dem wuchsen

Wucherungen an den Krallen,

Und ich konnte ihm nicht helfen,

Und im

Hintergrund stand zur Erinnerung das

Pappbild eines leprakranken

Jungen, der litt Hunger und verzweifelte,

Und über mir im

Baum tat sich sonst nichts,

Und täglich kontrollierte ich genau

Und dachte auch, ein

Arzt sollt kommen und sich um die

Wurzeln kümmern,

Und ich stand so fest und hatte kein

Vertrauen,

Und man hatte sich doch schon einmal

Um mich bemüht,

Und damals war ich unter diesen

Früchten.

 

 

 

Wir hörten ein

Konzert in einem

Zimmer voller Galionsfiguren, die noch an den

Rümpfen der gesunknen Schiffe saßen,

Und sie lagen tief im

Meer,

Der ganze Saal stand bis zu seinem

Ende völlig unter Wasser,

Und man schmeckte von dem Salz,

Das stand auf unsren Lippen.

 

 

 

In dem

Flur, den ich nach oben ging, lag eine schwere

Kette, daran hielten sich die

Wartenden,

Und mich, der nichts in

Händen hatte, ließen sie vorbei,

Und immer wieder müsse man,

So sagten sie, mit

Leuten leben, so wie mich.

 


 

 

Aufschläge 6853 - 6855

 

Am

Horizont, der hinter diesem

Tag entsteht, geht Schweigen auf,

Ich bin der fremde

Mensch, der in dem Reisebus verschleppt wird,

Und ich zahlte noch dafür,

Und über meine

Eintrittskarte sollt ich lachen,

Sie wurd mir zum

Fahrstuhl, dessen Seile rissen,

Niemand reservierte diesen

Platz, er war nur mir bestimmt

Und hätte jeden andren aufgenommen,

Und die

Fahrgeräusche kann ich mir erklären

Und auch den Zusammenhang, warum ein

Fahrzeug fährt,

Und ich verstehe diesen komplizierten

Lenkvorgang genau und sehe doch nur

Einzelteile, die sich nicht

Zusammenfügen lassen,

Und ich bin ein

Fachmonteur, der richtet nichts mehr aus,

Der schnallte sich aus

Sorge um sein Leben an.

 

 

 

Vor jedem stand ein kleines

Glas, wir stießen an,

Es mochte sein, dass es ein

Abschied war, vielleicht auch,

Dass wir uns grad kennenlernten,

Und ich trank in einem

Zug und glaubte, dass man das von mir erwartete,

Und das Getränk stand mir in meiner Kehle,

Und ich flammte auf,

In euer Lachen drängte sich ein wenig

Mitleid, und aus einer Ecke lugte auch ein wenig

Liebe,

Beides war von hier nicht zu erreichen.

 

 

 

Ich wollte dir begegnen,

Und du wichst den

Blicken nicht mehr aus,

Und dass du schließlich lächeltest, ließ meinen ganzen

Mut zusammenbrechen,

Und ich hatte dir noch nicht einmal die

Hälfte anvertraut.

 


 

 

Aufschläge 6856 - 6858

 

Du sagtest so zu mir:

„Sitz still am

Tisch, das Leben kommt zu dir,

Du brauchst dich nicht darum zu kümmern,“

Und ich saß und

Wartete, es tat sich nichts,

Ich schrieb es auf,

Dann sprach ich in ein

Suchgerät, das hatte keine Antwort,

Und ich dachte auch, vielleicht

Hätt ich mich ja geirrt im

Sitzplatz oder in dem Tisch

Und dachte auch,

Du hättest mich belogen,

Und ich sah zu dir, du warst im

Spiegel, so wie ich,

Und aus dem

Tischholz hattest du den

Wellengang geschnitzt,

Der lag bei dir auf einem Meer, die

Späne waren längst als

Fische, Vögel, Wolken und als

Boote abgetrieben,

Und du selbst warst auf dem

Sprung in eine andere

Ebene.

 

 

 

Wir machten eine

Tagesreise mit dem

Fahrzeug, die begann im dichten Nebel,

Und ich sah nicht, dass sich

Irgendetwas außerhalb bewegte,

Und wir stiegen drei, vier

Stunden später wieder aus,

Es war die gleiche Straße,

Und der

Anfang war das Ende, ohne jeden Unterschied

Und war auch umkehrbar,

Und alle waren sehr betroffen.

 

 

 

Danach war es so, dass das, was ich erlebte,

Vor mir lag,

Ich kannte es genau, bevor es mir geschah,

Es konnte nicht ein zweites

Mal danach geschehen.

 


 

 

Aufschläge 6859 - 6861

 

Wir sprachen über uns,

Du hattest damals in den

Baumstamm, der war jung wie wir, das

Herz geschnitzt,

Und nun war es in all den

Jahren über dich gewachsen,

Und es schlug so hoch,

Du konntest nichts dafür,

Es auch mit nichts erreichen,

Und du weißt, ich ritzte auch ein

Herz in jenen Stamm,

Wir sahen uns bei unsrer Arbeit an,

Und mir begegnete es heut

Lebendig wieder und es schlug,

So eingeschnitten, wie es war, in einer andren

Brust,

Es hatte sich für mich gelohnt,

Es war etwas daraus entstanden,

Das war frei

Und hatte mich auch nicht

Zurückerkannt.

 

 

 

Später, als ich über die

Verwandlung sprach, wurd ich nach

Einzelheiten ausgefragt,

Und an der

Kleinigkeit, ich hatte sie die vielen

Jahre übersehen,

Wurde ich entdeckt,

Es war, dass mir das

Herz mein Blut nun immer häufiger ins

Freie presste, und das

Harz lief viel zu langsam

Aus der Wunde ab.

 

 

 

Außerdem verlangte niemand meine Abkehr,

Und die Himmel waren ein

Besitz, die schoben sich als

Lieblingstiere auf die Füße,

Und sie wärmten oder kühlten mich

Und waren angenehm

Und blieben immer

Unter mir.

 


 

 

Aufschläge 6862 - 6864

 

Ein

Apfel hing im Baum,

Ich hatte ihn mir gestern angesehen,

Als der

Mund an ihm entstand und aus ihm wuchs,

Es war ein wohlgeformter, fast schon roter

Mund, der reifte noch,

Und heute kam ich dann zurück,

Man hatte diesen

Mund brutal herausgebissen,

Und der

Abdruck war noch frisch,

Und eine glatte

Beißspur unbekannter Zähne

War so tief ins Fleisch gestoßen,

Und ich hatte eine

Kriegsuhr erstmals von der einen

Und danach von einer andren

Seite miterleben müssen.

 

 

 

Durch meine

Hände liefen Bänder schöner Farben,

Und ich sah an einer

Längswand zweiunddreißig Mädchenbilder,

Davon war das eine immer schöner

Als das andere,

Und jedes andere so schön wie keines,

Und man nahm mir meine Bänder,

Und ich gab sie her und schlug durch ihre

Mitte, dort, wo sie sich überlagerten, den

Nagel,

Und es war die

Kreuzigung der Farben, die traf mich direkt ins

Blut,

Die Mädchen zuckten in den

Rahmen.

 

 

 

Dein

Lieblingsinstrument zerbrach,

Es war ja ungeschickt von dir,

Es über eine

Treppe mitzunehmen,

Und du hättest niemals darauf spielen dürfen,

Sagtest du dir jetzt, so sehr standst du im

Schmerz,

Und es war nur die

Schuld der Treppe,

Sie war viel zu roh

Und viel zu schnell

Treppauf, treppab gelaufen.

 


 

 

Aufschläge 6865 - 6867

 

In deinem

Land wusch man noch liebevoll die

Füße Fremder,

Und es röteten sich von der

Nässe alte Narben, und in dem

Gesicht erkannten wir die eingelassnen

Zeichen einer Schrift und andre wieder,

Und in dem

Spaziergang drückten mich

Gedanken, bis ich stehen blieb und schwankte,

Und ich zwang mich, zu vergessen,

Nur um fortzukommen,

Und ich sah mich auf dem

Bahnsteig neben einem

Eilzug laufen, der fuhr grade ein

Und müsste ohnehin gleich stehen bleiben,

Und es rollte

Tür um Tür, nun immer langsamer, vorbei,

Es würde schließlich irgendeine

Halten.

 

 

 

In deinem

Ohr sah ich ein Goldgehänge,

Das bedeutete dir wenig,

Und du konntest es auch selbst nur vor dem

Spiegel sehen,

Trotzdem ließ es dich vergessen,

Und bei deinem

Ausgang spürtest du dir

Arme wachsen an dem Kopf,

Der war weit über dir

Und schwebte frei.

 

 

 

Durch das

Fenster drangen zwei, drei

Lichtkristalle, die auf meinen

Mantel fielen,

Und sie brannten Löcher in den Stoff,

Doch der verschloss sich gleich nach ihnen wieder völlig,

Und ich wartete auf einen

Schmerz, der kommen, durch den

Mantel fallen musste,

Und zu meinem

Glück ging ganz genau in diesem

Augenblick die

Sonne unter.

 


 

 

Aufschläge 6868 - 6870

 

Ein

Richter sprach das Urteil,

Danach war das

Tier wertvoller als der Mensch,

Und dessen Leben gab man auf;

Es schob sich über unsre

Erde eine andre Haut, die war voll

Hindernisse,

Und es richtete der neue

Mensch sich ein zu überleben,

Und sich selbst verbot er jenen

Spiegel, der vergrößerte und den, der alles

Gleich verkehrt herum und auf den

Kopf gestellt erscheinen ließ,

Und er verbot sich selbst auch den, der

Doppelseitig reflektierte, weil die

Bilder sich darin nie deckten,

Und erlaubt war nur das

Glas, das spiegelte und doch den

Durchblick freigab,

Und die

Frauen zogen ihre Männer fort von ihren

Schößen, dass sie ihren

Mund nicht fänden,

Und sie waren krank vor

Eifersucht auf sich,

Und ihre

Männer waren nur ganz langsam zu

Bewegen.

 

 

 

Ich fand in deinem

Zimmer wenig Platz,

Und erst die fremde

Sprache, die ihr spracht,

Die ich nicht erkannte, riss die

Wände ein, dass ich verloren ging

Und lange nach mir suchte,

Und ihr hattet keinen, der hier

Übersetzte.

 

 

 

 

Tagelang lag weißer

Nebel über unsren Schienen,

Und es mochte sein,

Dass man von außerhalb mit einem

Zugriff hinter diesen

Vorhang schauen konnte,

Und ich suchte ihn

Von mir aus zu erreichen,

Und nur einmal stieß ich eine

Fensterscheibe dabei ein,

Die

Scherben fielen gleich nach draußen,

Und ich lebte in sehr großer

Höhe.


 

 

Aufschläge 6871 - 6873

 

Als

Läufer auf dem Baum hing ich kopfüber im

Geäst und sah nach unten,

Und es war nicht meine

Angst hinabzufallen sondern

Dass man nach mir werfen würde,

Und ich hatte ja den

Tisch schon ausgemacht, von dem ich hätte

Essen und auch trinken können,

Der lag hinter einem

Stubenfenster,

Und davor stand jemand, der die

Frühstücksbrote zählte, um sie aufzuteilen,

Und es blieb nichts für mich übrig,

Ich ging leer aus,

Es hätte nichts genützt, wenn ich in meiner

Kunst auch über jene

Fensterscheiben noch so sicher

Laufen würde.

 

 

Später stand ich vor der

Borke eines Baumes,

Und ich malte eine

Einzelheit daraus auf das Papier,

Ich hätte diesen

Auftrag auch vergeben können,

Aber niemand wusste außer mir von dem

Gesicht darin, das wollt ich finden,

Und auf manchem

Dachfirst hockten Augenzeugen, die zu mir

Herüber sahen.

 

 

In dem

Zimmer lagen Reste eines goldnen

Tuches, daraus schnitt ich kleine

Streifen und auch Punkte, die

Verklebte ich an mir als Lichtblick,

Und die

Menschen kamen nah an mich heran

Und rührten auch an meine Haut,

Doch die blieb unberührbar,

Und das Gold war nichts als

Blendung, das verschwieg ich

Niemandem.

 


 

 

Aufschläge 6874 - 6876

 

Mein

Fahrzeug zwang mich, auf dem

Korridor zu halten,

Vor mir war die

Straße aufgebrochen, ja, die

Spalten hatten seitlich Steine angehäuft,

Die waren hingespült und

Winde legten sich darüber,

Und die

Stadt, vor mir stand schemenhaft im fensterlosen

Rotstein, das war die

Versteinerung, die streckte ihre Wurzeln bis hierher,

Die warfen diesen Fahrweg auf,

Ich schrieb auch Briefe, die ich sammeln musste,

Weil kein Bote kam,

Und Lichtsignale, welche die Maschine für mich sandte,

Blieben ohne Antwort von dort drüben,

Und ich kam nicht mehr voran.

 

 

 

Hinter mir befand sich jemand, der ein rotes

Dreieck trug, das löste sich mit einer

Seite völlig an dem Menschen auf,

Er wollte sich nicht jede

Blöße nehmen lassen, sagte er,

Und mir erschien es grade umgekehrt,

So weit war er entfernt, und sein

Geheimnis sprang mit einem

Satz bis her zu mir,

Ich wollte es nicht haben,

Und ich wehrte mich umsonst,

Der andere berief es nicht.

 

 

 

Dann dachte ich zurück, soweit ich konnte,

Und es reichte nur bis jetzt,

Vor meiner

Tür geschah das Grubenunglück,

Und die

Gänge waren eingefallen,

In der absoluten

Ruhe hörte man das Knirschen,

Und man wusste nicht, woher es kam,

Und ich war glücklich dran,

In meinem Zimmer brannte unentwegt die

Lampe, die hielt mich am Leben

Und versorgte mich mit Licht.

 


 

 

Aufschläge 6877 - 6879

 

Ich saß an einem

Tisch, der schwer im Fieber lag,

Und niemand wusste etwas über seine

Krankheit,

Und ich war doch täglich hier gewesen,

Und ich musste ihn verlassen,

Und es kamen andere,

Die schlugen vor, ihn zu verbrennen,

Und ich stimmte zu,

In mir war nichts, das an ihm hing,

Und wenn ich damals

Tränen auf das Holz hatt fallen lassen, die dort

Löcher hinterließen,

Mochte er mir nun verzeihn,

Ich wollte auch die

Augenblicke nicht bereuen, als ich über ihm den

Sack Verzweiflung öffnete und mich auf ihn geworfen hatte,

Auch das darauf abgetropfte

Wachs von meiner Tagekerze,

Welches ohnehin schon weich war,

Sammelte ich nicht mehr ein

Und ließ den unbegabten

Feuerwerker seine Arbeit machen,

Diesmal brannte ich von innen aus,

Ich war in schlechten

Händen.

 

 

 

In den nächsten

Tagen sollte sich die Erde kräuseln,

Und man wusste wenig über diesen Zustand,

Es war nur bekannt, dass er sich jährlich wiederholte,

Wäre es an mir geschehen, hätte ich den

Grund genau gewusst,

Auch wär der

Abstand zwischen dem Erscheinen

Viel, viel kleiner.

 

 

 

Als ich an das

Tor nach draußen kam, erschrak ich sehr,

Es war aus

Eisenstäben und versperrte gänzlich diesen

Durchgang,

Und auf beiden

Seiten war ein Druckknopf, den man kurz bedienen musste,

Und das

Scherengitter schob sich völlig ineinander,

Und sofort entstand die

Sehnsucht, es zu schließen,

Dieser

Vorgang war kaum abzuwarten.

 


 

 

Aufschläge 6880 - 6882

 

Es ist ein

Zufall, dass wir Fliegentiere sehen können,

Und ein

Zufall ist es, dass uns nur das

Licht die Sichtbarkeit verspricht,

Und in der letzten

Nacht erwachte ich vom Telefon,

Ich nahm den

Hörer ab und niemand sprach,

Und so sprachst du zu mir,

Und nicht einmal dein

Atem war zu hören,

Und ein zweites

Mal in dieser Nacht nahm ich nur ab,

Dann unterbrach ich die Verbindung,

Und nun hattest du mich ganz,

Mich schlug der Schlaf danach,

Und meine Hilferufe rissen mir die

Lippen auf, der

Traum erlautete und drang nach draußen,

Und die

Marionette öffnete den Mund,

Und es war nun an mir zu reden,

Und die falschen Ohren, die mich hörten,

Nahmen gar nichts wahr,

Ich hatte auch gesehen, dass der

Schnee, der gestern noch auf

Zweigen saß, nun angetaut und abgerutscht,

Nach unten hing und dort gefror

Und festgehalten wurde,

Überall war unser

Schnee an Ästen hochgeflogen,

Keiner achtete darauf.

 

 

 

Als ich kam, sah ich dich nackend auf der

Heizung hocken, deinem

Morgenmantel wolltest du nicht trauen,

Und die Wand, in der der

Haken saß, an dem er hing,

Gab keine Wärme ab,

Du würdest dich in ihm erschrecken,

Und dein

Blick ließ nicht von ihm.

 

 

 

Du triebst auch den

Gedankenmissbrauch an dir selbst,

Der stand bei mir schon lange unter

Eigenstrafe.

 


 

 

Aufschläge 6883 - 6885

 

Du warst verletzt, zwei

Stöcke stützten dich, zum

Atmen lehntest du dich an die Holzwand,

Früher hättest du darüber niemals nachgedacht,

Zu deinen

Füßen fiel ein

Eiskristall aus einem winterlichen

Baumgeäst in eine kleine Straßenwunde,

Du beneidetest die um die Kühlung,

Über dir hing noch der

Himmel voll davon,

Und irgendetwas, irgendeiner trank dich aus,

Ich sah dir aus der Ferne zu, die

Lieder, die du leise sangst, erreichten nicht mein

Ohr,

Auch war’s von dem, was du dir sagen wolltest, viel zu wenig,

Und du wendetest dich immer wieder an die

Stützen, deine

Lehnwand, an die

Eiskristalle und die Straßenwunde,

Das war nicht genug.

 

 

 

Auf dem

Weg stand neuerdings das kleine Warnschild,

Und dahinter lag ein blanker

Strahl, der tödlich war,

Sonst gab es nichts,

Es wäre alles meine Schuld,

Der kleine Diebstahl, den ich machte,

War zum

Schluss nur das Versagen anderer, befand man,

Und es wäre wirklich nichts.

 

 

 

Meine

Freiheit stand ganz plötzlich außerhalb,

Ich musste immer erst die

Haustür hinter mir verschließen,

Und die Freiheit, die ich für mich meinte,

Lag in meinem Mittelpunkt,

Ich selbst war ihre

Eingangstür.

 


 

 

Aufschläge 6886 - 6888

 

Ich sah den

Duft der Blüte, die war noch versteckt in einer

Knospe,

Und aus kalter

Erde stach das erste Grün,

Und ich besah mir alles aus der Nähe,

Einfach war es nicht für mich, sich abzuwenden,

Und du wendetest dich einfach ab,

Dem

Wind erlaubtest du noch immer, dir ins

Haar zu greifen,

Und die

Kleider lagen eng an dir von ihm,

Du hieltst dich mit den

Augen irgendwo in einer Ferne fest,

Mir war es recht, dass du mir

Unrecht tatst,

Ich konnte nichts damit beginnen,

Auch der

Mantel, den du offen trugst, schlug um,

Ich staunte, dass die dunklen Stoffe sich in

Seide,

Samt und

Blech, das dünn gehämmert war, in ihrer tiefen

Schwärze voller

Wehmut voneinander unterschieden,

Ohne diesen

Wind stündst du in deinem schwarzen

Kleid in Trauer da.

 

 

 

Das

Warnschild stand noch immer hoch,

Ich sah mir seinen

Rücken an,

Dort war kein

Hinweis auf die

Vorderseitentödlichkeit,

Ich ließ ein ganzes

Jahr vergehen zwischen dir und mir,

Und wir verloren wohl am meisten in den ersten

Tagen an

Entfernung.

 

 

 

Ich hätte gern gefragt und nachgesehen,

Doch du hättest es bemerkt,

Und meine beiden

Helfer hielten sich in einem ganz bestimmten

Abstand zu dir auf,

So konnte ich dich gut in mir

Vermessen.

 


 

 

Aufschläge 6889 - 6891

 

Drüben auf dem

Nachbargleis begann der

Fernzug seine Reise,

Und der

Dachschnee fiel am

Ende als ein weißer Schleier auf die

Schienen,

Ich war mitgefahren, stand im letzten

Fenster,

Und was hinter mir verwirbelte, war die

Erinnerung, die machte Platz für die

Erleichterung, die breitete sich endlos aus und

Blieb mir für die ganze

Fahrt als weiße Fahne auf den

Fersen, bis zum Schluss, dann holte sie mich

Wieder ein,

Ich saß ja auf der andren

Bahnsteigseite unter den

Zurückgebliebenen.

 

 

 

In meinem

Mund erfuhr ich von dem

Mädchen, das war in der

Liebe tödlich krank

Und stand auf einem Fenstersims,

Man holte es zurück und stritt mit ihm,

Weil es verboten wäre, was es tat,

Und diese

Krankheit war so schlimm,

Es sprang vom nächsten

Hochhaus ohne jede Sicht in dichtes

Treiben weißen Schnees,

Sein Fallen mochte bis zum

Aufschlag nicht beendet sein

Und war nicht abzusehen

Und blieb ungewiss.

 

 

 

Man rief mir nach, ich hätte

Einzugreifen und ergriff mich fest,

Ich sollte wenigstens den

Mund auf kalte Schienen legen,

Die fand aber niemand unter hohem

Schnee,

Und später hatte man mich dann vergessen,

Als ich schmolz und unbemerkt

Verlief.

 


 

 

Aufschläge 6892 - 6894

 

Wer dich nicht kannte, konnte mich nicht kennen,

Was du redetest, sprachst du durch meinen

Mund,

Ich sprach für dich,

Die Schlote reichten weit bis in die Wolken,

Und man konnte nicht den

Rauch von den Naturgebilden unterscheiden,

Hinter mir stand die

Maschine,

Und ihr

Stampfen wurde mir zum Herzschlag,

So schlug außerhalb mein Puls,

Und meine

Arbeit lehnte irgendjemand ab,

Er konnte keine

Mehrheit dafür finden,

Und die andren hatten einen

Gipfelstürmer vorzuweisen,

Der stand wohlgerüstet und trainiert am

Fuß des Berges,

Und ich saß hier oben ganz allein

Und brauchte wirklich keine Hilfe,

Und ich sollte immerzu

Getrost sein.

 

 

 

Meinen

Heimweg machte ich umsonst,

Und nirgends lagst du auf der Lauer,

Und an einer

Straßenlampe lehntest du und rauchtest eine

Zigarette, die war wichtiger als alles andere,

Du überhörtest meine

Schritte ganz absichtlich,

Und du sahst mir auch nicht nach,

Ich mochte mich, so oft ich wollte, nach dir

Umschaun.

 

 

 

In der

Tageszeitung war ein seltner

Vogel abgebildet, den sah man im

Flug,

Ich schnitt ihn sorgfältig heraus und gab ihm seine

Freiheit,

Das war immer noch ein wenig mehr

Als wäre er am

Leben.

 


 

 

Aufschläge 6895 - 6897

 

Ich dachte dabei auch an dich,

Ich hatte in das

Fensterglas gegriffen, weil dahinter eine

Landschaft stand,

Und es zerbrach sofort,

Die schöne Aussicht lag zersplittert auf dem

Boden,

Und ich war verwirrt, die

Scherben waren alle in den

Raum, in dem ich mich befand gefallen,

Und auf ihnen sah ich gleich das

Mosaik der Landschaft durcheinander liegen,

Drittens hatte sich die

Freiheit zwischen meinem

Daumen und dem Zeigefinger

Eingeschnitten,

Und ich blutete,

Doch tropfte dieses

Blut nicht bis nach unten

Sondern es verging im

Fallen,

Und es blieben außer meinen

Schmerzen keine Spuren, auch das

Tuch, mit dem ich alles überdeckte, blieb

Ganz rein.

 

 

 

Später sah ich, dass der

Riss an meinen Fingern, hier nur ihren

Anfang nahm,

Und wo ich ging und stand, schnitt er sich in den

Grund,

Und es verlief wohl unter jeder

Oberfläche, denn ich konnte ihm mit meinen

Augen folgen,

Alle andren sahen nur die

Wunde,

Und die endete für sie an mir

Und fand nicht ihr

Intresse.

 

 

 

Irgendjemand schlug aus einem

Hinterhalt nach mir,

Mit einem

Stock, vielleicht sogar mit einer Stange,

Doch er traf nicht gut,

Er brach mir nur ein kleines

Stückchen Glas aus meinem

Schädel, das verwirbelte ein wenig

Und blieb neben mir im freien

Raum und fiel nicht auf den

Boden,

Ja, ich konnte es ergreifen

Und für mich verwahren,

Und es war ein leichter

Unfall, der fand täglich statt.

 


 

 

Aufschläge 6898 - 6900

 

Du fragtest mich nach den

Geräuschen aus der Nachbarschaft und sagtest,

Dass ich mir nun alles merken müsste,

Und du kämest wieder, um mich auszufragen,

Und ich lebte doch allein,

Das konntest du nicht übersehen haben,

Und ich sah mich um,

Es lebte niemand um mich her,

Ich war auf dich gut vorbereitet,

Und die nächsten Tage saß ich nur und lauschte

Und schrieb die

Geräusche, die ich nicht erklären konnte auf,

Sie passten gut in dieses Bild,

Vom Strand her holte ich mir trocknen

Sand in meine Zimmer,

Den ließ ich mir unablässig

Durch die

Finger laufen.

 

 

 

Als ich aus dem

Hause ging, war ich zu langsam,

Und es fiel dir auf,

Du spottetest, dass ich doch alles,

Was es nicht zu sehen gäbe,

So genau betrachten müsste,

Ja, es fiel mir selber auf,

Und meine

Eile war mir schmerzlich,

Und es regnete aus allen

Ecken plötzlich dieser

Abschiedshagel auf mich ein,

Der schlug mir weiße

Körner ins Gesicht

Und auf die Hände,

Und ich floh vor dieser

Wahrheit und stand völlig still

Und gab dir recht.

 

 

 

Durch die

Landschaft zogen sich die schnurgeraden

Linien superschneller Reisezüge,

Denen wuchs, weil sie wohl in dem

Wetter lebten,

Dieses enggeschmiegte, blanke

Fell,

Das konnte man nur dann entdecken, wenn sie hielten

Und man mit den

Fingern gegen ihre

Richtung fuhr.

 


 

 

Aufschläge 6901 - 6903

 

Zwischen jedem

Stockwerk hing im

Treppenhaus ein Netz,

Ein Selbstmord sollte dadurch sinnlos werden,

Und die Haken, die die

Netze hielten, waren durchgerostet

Und verblutet,

Und es kam hier niemand mehr auf den

Gedanken, sich zu töten,

Und ich sah es so:

Den schlanken

Pfeil, den ich mir noch nach altem

Vorbild angefertigt hatte,

Schoss ich von dem

Bogen ab und traf im

Zufall den Planeten, der zersprang,

Und seine

Brocken fielen nicht auf mich herab,

Sie blieben in der Bahn, der

Pfeil darin kam nicht voran,

Er steckte nur als

Stock tief unter ihnen

Und kam nicht zu mir zurück,

Es ging so viel verloren,

Das ich hatte nicht bedenken können.

 

 

 

Alle Straßen führten hin zum

Platz, der war der Mittelpunkt,

Dort stand die übergroße

Schachtel,

Und auf ihren

Innenseiten trug sie große

Kunstgemälde, die man sonst nicht sah,

Es waren

Worte eines unsichtbaren und vorhandnen

Phantasiegebildes,

Und man zweifelte daran,

Obwohl man alles wusste.

 

 

 

Ich schlief auf dem Gerüst,

Und unten standen

Menschen, die mich riefen,

Und ich wachte auf

Und konnte mich nicht zeigen,

Irgendjemand hatte mich im

Tiefschlaf angeschnallt,

Und meine Rufe gingen unter,

Und man hatte mich gewarnt

Und riss nun alles ab

Und fand mich nicht

Und ließ mich in der

Höhe einfach liegen.

 


 

 

Aufschläge 6904 - 6906

 

Der

Wind ließ mich in Ruhe

Und sprach nun mit trocknen

Blättern in der Hecke,

Auf der

Erde stieß mein

Fuß versehentlich an einen kleinen

Ring aus Goldmetall,

Der hob sich ab und flog in steilem

Bogen an den Lichtmast,

Der erklang im Aufprall, eine

Glocke, die nur einen Anschlag hatte,

In der letzten Dunkelheit, erinnerte ich mich,

Wurd in den hohen

Bäumen jedes Nachtgeräusch mit einem

Löffel umgefüllt,

Es mochten aufgeschreckte

Taubentiere sein, die meinen

Kopf durchirrten,

Und ich zählte auch die kaltgestellten

Flaschen, die man meinetwegen öffnen wollte,

Und an meiner

Seite redete mir die

Studentin voll Begeisterung vom

Tod der Krankenhauspatientin,

Der war nachweisbar gewesen,

Und er stimmte überein mit jeder Theorie,

Das Mädchen sagte auch, dies sei ihr erstes

Sterben.

 

 

 

Ein neuer Frühling kam,

Ich sah mir eure

Bilder an, sie grünten,

Und es würde kaum noch dauern bis zur

Blüte,

Irgendwann müsst ich die

Netzte meines Denkens flicken,

Überall drang Wasser ein, das mich

Gefährdete.

 

 

 

Zweimal schenkte ich dir Blumen,

Und es waren nur Versuche,

Und ich sah, dass sie nicht in der

Vase blieben, sondern sich entwurzelt über

Tische, Stühle auf den

Boden fallen ließen,

Und die

Stengel bohrten sich hindurch,

Ich wagte es kein

Drittes Mal.

 


 

 

Aufschläge 6907 - 6909

 

Aus einem

Rauchpilz fielen

Ascheteilchen auf den

Mantel, der war dunkelblau,

Ich hatte mir zuvor die durchsichtigen

Wände meines

Zimmers zugeklebt mit einzelnem

Papier, das war als

Stein auf Stein gemauert,

Und es reichte nicht,

Ich selbst war immer noch berührbar,

Und das Zimmer war sehr klein,

Als

Wohnraum viel zu eng zum Leben,

Und ich nahm die

Blätter wieder ab

Und heftete sie mir auf meinen nackten

Leib,

Sie schmiegten sich als

Federn eng an mich,

Mit meinen

Armen machte ich die

Flugbewegung großer

Vogeltiere.

 

 

 

Anderntags vergaß ich meine

Arbeit und schrieb den

Bericht an eine

Zeitung, darin sprach ich von dem

Meisterwerk,

Das sah sonst keiner,

Und ein

Fischer wurde dargestellt,

Der fuhr mit seinem

Boot auf einem See, man sah, die

Oberfläche war aus Glas,

Das hielt ihn fest, und

Boot und See und Fischer waren aus demselben

Guss,

Und sie verharrten völlig,

Und die

Landschaft wuchs allmählich um die

Lauschenden,

Und der

Betrachter achtete auf alles, was er

Hörte.

 

 

 

Wir stiegen in ein

Fahrzeug, um zu fliehen,

Und, wenn wir den

Platz erst hinter uns gelassen hätten,

Würde keine

Not und keine Angst

Und keine Freude und kein

Mensch mehr bleiben,

Und es blieb der

Fluchtgrund, den wir mit uns nahmen,

Hier zurück.

 


 

 

Aufschläge 6910 - 6912

 

Vor den

Häusern trat ich an das Ufer,

Irgendjemand sprach zu mir von

Inseln, die dort draußen lägen,

Und sie täten wohl,

Ich mochte es kaum glauben,

Und ich dachte an den blankpolierten

Nussbaumschrank in einem

Zimmer, das mich kürzlich aufgenommen hatte,

Darauf ruhte eine halb ovale Wasserkugel,

In der höchsten

Kappe war ein wenig

Luft als Blase eingeschlossen,

Als ich warten musste, sah ich dort hinein

Und fand mich auf der

Oberfläche abgebildet, eine

Spiegelei in Flüssigkeit,

Und damals sprach mich gleich danach die

Unbekannte an, sie hätte mich sofort erkannt,

Ich sollte unbedingt berichten, wie es mir

Ergangen wäre an dem

Sandstrand vor der Häuserreihe.

 

 

 

Leere

Schiffe liefen aus dem Hafen,

Irgendwo erwartete man mich,

Und ich ging fort und sprach dann einen

Mann an, doch der wusste nichts

Und sagte auch, er könne mir nicht raten,

Und ich freute mich

Und hätte nicht gedacht, so schnell

Und so viel

Glück zu haben.

 

 

 

Eine

Frau begegnete mir auf der Straße,

Und sie schob ganz vorsichtig und langsam einen

Kinderwagen, der war schwer zu lenken,

Und sie lehnte meine Hilfe ab,

Ich sah versehentlich hinein

Und blickte durch das klare

Wasser, das sie fuhr, bis auf den

Boden, darin war kein

Grund.

 


 

 

Aufschläge 6913 - 6915

 

Ich verließ die Stadt,

Und eine neue

Jahreszeit brach an,

Ich suchte nach dem

Baum, darunter würden, sagte man,

Gesichter liegen, deren

Atem sollte von den

Düften junger Mädchen und von

Sinnen ihrer

Fröhlichkeit und Leichtigkeit durchzogen sein,

Man sagte auch, man sähe alles nicht sofort,

Und aus den

Zweigen blinzelte ein Auge,

Auf der

Erde fand ich einen Mund,

Und junges

Grüngras legte sich als Stirnhaar auf die Seite,

Von der

Segelyacht, die ich verlassen hatte,

Rief man mir noch nach, die

Lustfahrt hätte jäh ein

Ende hinter mir gefunden,

Und mit eingeknickten Masten ging das

Stadtbild in den Wellen unter,

Meine Hände griffen wie nach Halt

Um ihre Stämme.

 

 

 

Alles musste ich beachten,

Und ich sah mich um,

Die eignen

Augen hockten überall,

Dann küsste ich die

Erde, die mich trug,

Weit unter mir, das wusste ich genau,

Würd mich kein Stein mehr tragen,

Und auch hier lief ich Gefahr,

Und auch den

Lippen blieb ein Sandrest liegen,

Der mich irritierte.

 

 

 

Hinter einer

Hütte brannte irgendetwas ab,

Ein blaues

Lichtgas schnellte mit den Flammen hoch

Und stieg so völlig senkrecht in die Sonne,

Das war ganz umsonst.

 


 

 

Aufschläge 6916 - 6918

 

Als es

Abend war, bemerktest du den

Tag, der nun vorüber war,

Und ich erinnerte dich an das junge

Mädchen, das vom

Hochhaus in das dichte

Treiben weißen Schnees gesprungen war,

Und morgen früh und überhaupt von nun an

Würde ich zu jedem

Dachrand sehen, das wär völlig sinnlos,

Manchmal war ich auch hinaufgegangen,

Hatte mich dort umgesehen,

Und es war ja nichts gewesen, bis auf jenes eine

Mal, das war dann viel zu spät,

Und morgen früh würdest du bestimmt

Auf deinen heißen Kaffee achten,

Und ich ging noch diese

Nacht aus unsrem Haus,

Warf lange, dicke

Seile übers Dach und die verankerte ich draußen in der

Erde.

 

 

 

Vor dem

Fenster standen Arbeitsmänner, die ein

Netz in ihren Händen hielten,

Und sie spannten es in eine

Häusernische,

Und dahinter lag kein

Fenster, wie vor mir,

Es war auch keine

Öffnung in der Wand,

Es war nur dieser eine

Zugang möglich.

 

 

 

Als du warten musstest, drehtest du im

Spiel den Schuh an deinem Fuß,

Der saß sehr fest,

Du prüftest ihn von allen Seiten,

Deine Finger hattest du gepflegt und deine

Hände hieltst du ordentlich,

Dann zupftest du dein

Kleid zurecht,

Ich wagte nicht dich anzusprechen,

Viel zu sehr warst du mit dir beschäftigt,

Und die Wartezeit war dir zu kurz.

 


 

 

Aufschläge 6919 - 6921

 

Draußen vor dem

Reisefenster stand die

Landschaft auf und eilte sich, an mir

Vorbei zu kommen,

Namensschilder rissen ein

Und blieben im

Vorbeiflug mit den

Fetzen in den Augen hängen,

Weit entfernt verharrte

Ganz unwirklich ausgeschnitten dieses

Tier, das ich aus Büchern kannte,

Und die Freifahrtlampen zündeten sich eigne, grüne

Sterne an,

In meiner Landebahn hatt ich den

Ausblick nur zur Seite,

Und was vor mir lag und wo die

Haut blieb, die man mir vom Körper zog,

Konnt ich nicht sagen,

Ja, es schien auch so, als stünd der

Ankunft irgendetwas noch im Wege.

 

 

 

Erst sah ich entgegen meiner

Fahrt und dann ihr hinterher ,

Es war kein Unterschied,

Auch waren alle Tage namenlos,

In

Wahrheit drehte sich dieselbe

Helligkeit ganz ohne jede

Unterbrechung um die Erde,

Und sie kam erneut

Und kam und blieb auf diese Weise,

Und es war nur allzu gut verständlich,

Dass der

Schwarze Punkt in meinem

Kopf verbleiben musste.

 

 

 

Was mich nicht verließ, war meine

Gegenwart,

Ich mochte noch so schnell sein,

Und ich war vor mir an jedem

Ort und kam mir stets

Entgegen.

 


 

 

Aufschläge 6922 - 6924

 

Die

Besichtigung des Turmes wurde abgebrochen,

Und auf halber

Höhe klaffte oben in dem Dach das große

Loch, das wollte uns den eignen

Himmel zeigen,

Wie erschraken und zugleich zog uns die

Tiefe an,

Wir mussten heftig mit den

Flügeln schlagen um nicht abzustürzen,

Und der

Weg zurück war sonderbar, die

Stufenhöhe hatte sich verändert,

Und sie war viel tiefer als zuvor,

Ich galt hier nichts und ging voran

Und führte die mir folgten,

Auch vorbei an einem Totenschädel,

Eben noch, beim Aufstieg war er heil gewesen,

Und er blutete ein wenig,

Und ich zog den

Handschuh aus und warf ihn über die

Verletzung,

Und ich selbst trug einen

Hut.

 

 

 

Früher lief ich oben auf der

Mauer, die war niedrig,

Und man hatte neuerdings die ganze

Oberkante mit Zement bestrichen,

Darin steckten aufrecht

Flaschenscherben,

Und man konnte nicht mehr auf die

Weite über allen

Köpfen achten ohne dass man sich

Verletzte.

 

 

 

Drüben standen lange

Spieße in der Erde,

Und sie zeigten gegen unsre Richtung,

Und sie konnten, ohne sich zu rühren

Tödlich sein,

Und man zog einen

Schutzzaun eng um sie herum,

Und unser aller

Wege führte auf sie zu, direkt zu ihnen,

Gegen ihre

Richtung.

 


 

 

Aufschläge 6925 - 6927

 

Ich setzte in das

Lachen einer jungen

Frau das Tageslicht,

Ihr saht mir alle zu und achtetet genau auf jeden

Handgriff, den ich machte,

Und ich zündete die

Kerze an, mit einem

Bügel konnte man sie auf- und niederschieben,

Alles fiel in diese Helligkeit,

Und aus der Glaskaraffe trat ein roter

Schatten Eigenlicht, das ließ ich auch aus meinen

Fingern fallen, die ich nah genug der

Flamme überließ, der

Schmerz stand auf der abgewandten Seite,

Und es blieb bei diesem einen

Lachen, das nicht endete,

Ins offne

Fenster stieg ein

Hahnenschrei, der ging auf einem

Tellerrand spazieren,

Alle saßen wir in einem warmen Zimmer,

Jeder hing mit seinem

Mund dem Rotlicht an,

Es stand noch lange in der

Kerze, in den

Fingern, in den

Augen, auf dem

Tellerrand und war ganz unter uns,

Man konnte es nicht fangen.

 

 

 

Flach war meine

Landschaft, und die

Berge, die ich schuf, verhöhnten mich mit

Meeresrauschen,

Und die

Ebene, nach der ich

Ausschau hielt, verspottete mich mit dem

Echo, das ich nicht erwartete,

Und meine

Hände waren warm und wären gern das

Nest für einen Suchenden geworden,

Hätte ich sie nur ein wenig

Öffnen dürfen.

 

 

 

Erst im nächsten

Augenblick erkanntet ihr das Unglück,

Und an meiner Haut war doch kein Haken,

Und ihr wart nun einverstanden, mich zu lassen, wie ich war,

Und Freunde konntet ihr an mir nicht finden.

 


 

 

Aufschläge 6928 - 6930

 

Im

Richtstrahl meiner Taschenlampe

Drehte sich ein großer Ball,

Es blieb für ihn an jeder

Stelle, die der Lichtstrahl traf, die gleiche

Helligkeit,

Ich zählte meine

Tage ganz umsonst, als ich noch auf ihm lebte,

Auch die

Nächte waren stationär im

Raum, und nur die

Erde wechselte darunter weg,

Es kam mir das

Gespräch mit euch gelegen,

Und ich sah, dass ihr euch um die

Fliegentiere kümmertet, die mich so störten,

Und ihr hörtet meiner

Wahrheit zu und ließt nichts aus den Augen,

Und es war euch wert, dabei zu sein,

Ihr lachtet auch, als ich die

Sonnenfinsternis, die über alle

Kontinente lief, in Tage unterteilte und von ihrem

Aufgang sprach und von dem

Untergang.

 

 

 

Unter

Wasser konnten wir durch unsre

Technik miteinander reden,

Und es war die Eigenart in den

Gesprächen, dass wir uns nicht sahen,

Und uns alles ganz genau

beschreiben mussten, um uns zu verstehen,

Und wir sahen auch, in welcher

Höhe wir uns grad befanden,

Und es wäre ohne

Sinn gewesen, hinzusehen.

 

 

 

Jede

Nachricht drang durch alle Wände,

Und ich hatte eine

Angst, die kümmerte sich nur um mich,

Es könnte sich doch alles auch nach draußen wenden,

Und man würde um mich wissen,

Ohne mich zu kennen.

 


 

 

Aufschläge 6931 - 6933

 

Im

Vorhof lag ein Kernholz,

Das war schwer zu spalten,

Und ich hatte es geschont, es lehnte an der

Hauswand,

Und ich sah es täglich an und

Immerzu erinnerte es mich an seine

Teilung, und, vom Wetter ausgelöst,

Begann dann doch der

Riss, der wuchs von seiner Oberfläche,

Und ich konnte nichts dagegen tun

Und musste warten,

Und ich wusste auch, ein

Fachmann hätte längst in beide

Seiten das gewellte Eisenblech getrieben,

Und es hätte keine Spaltung zugelassen,

Andrerseits würd ich von mir kein

Sterbenswort verraten,

Und ich deckte über alles meine

Tagesjacke,

Und ich gab mich wieder etwas mehr dem

Wetter preis.

 

 

 

Ich konnte auch nicht wissen,

Ob ihr mich verstehen würdet,

Und der

Tag war mir bis hier ganz wirr gewesen,

Und ich strich aus ihm die

Unverständlichkeit heraus bis zur Unkenntlichkeit,

Das war verboten,

Und ich musste

Buch darüber führen, über jede Änderung,

Und das war auch verboten.

 

 

 

Dann erzähltet ihr von einem

Bild, das hing in einem meiner Zimmer,

Dass es euch so gut gefallen habe,

Und ihr spracht von einer seltnen

Wirklichkeit, wie man sie nirgends findet,

Und ihr wart so grausam, weil ich selber

Ichbild war und stand vor euch und hing auch

Lebend an der Wand daneben.

 


 

 

Aufschläge 6934 - 6936

 

Von unten her, ich meine durch den

Boden, über meine

Füße, zittert und vibriert an mich das

Herz der lebenden Maschine,

Und es schlägt und stampft und lässt nicht ab,

Und horche ich nach innen, stolpre ich gleich über

Stiche in der Brust,

Und drüben sehe ich ein

Nest in Blüte,

Und den

Vogel steckte man auf einen langen

Draht, der schwingt im Wind,

Die Liebe, die ich hatte, wurde angeschraubt

Und funktioniert nun einwandfrei, getrennt von mir,

Ich bin entlassen, und die

Macht, die ich einst mit mir brachte,

Ziehe ich an einem kurzen

Faden hinterher,

Sie hakt, so gut es geht, an

Ecken und an Kanten,

Und sie wehrt sich gegen meine

Gängelei.

 

 

 

Hätte ich die

Wanduhr aufgezogen, hätte ich

Beständigkeit geschaffen,

Doch statt dessen war die

Zeit nun vor die Tür gefallen,

Und sie schlug in einem fort,

Man brauchte sich nicht mehr um sie zu

Kümmern.

 

 

 

Gestern las ich ein

Gedicht, es war ein

Waldweg, der euch von der Straße führte,

Und das

Unterholz wurd immer dichter,

Und ich ging voran und sah mich selten um,

Und einer nach dem anderen von euch

Ging mir verloren, und die

Worte, die ich bis zum

Ende zu euch sprach und die ihr trugt,

Las ich von diesem

Waldweg auf, ich konnte mich nicht um euch

Kümmern.

 


 

 

Aufschläge 6937 - 6939

 

Es tat sich eine

Frage auf nach dem Ersatz, denn heute war

Karfreitag,

Und ein

Sänger übte für den Abend,

Und wir hörten, wie er sang:

„Es ist vollbracht,“

Und ich blieb auf der

Kellertreppe stehen, beugte meine

Knie und sah mich um nach dem

Ersatz und dachte an den

Sänger, der saß in der Badewanne,

Und man plante irgendwo die

Urnen ausgesuchter Menschen in ein

Satellitenfenster zu verkaufen,

Dort war

Platz für schier unendlich viele,

Und ich flehte innerlich darum,

Dass mich die

Klarheit selbst in dieser dunklen

Nacht auf meiner Kellertreppe

Überkomme.

 

 

 

Über allem stand das

Zelt,

Ich weiß ja, früher musste man es anders deuten,

Und man quälte heute nicht mit Essig,

Und man stieß die

Seite nicht mehr auf,

Das trieb mich in die Flucht,

Ich kreuzigte die

Dankbarkeit, das machte nichts mehr aus,

Ich kniete auch auf

Schienen zwischen Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen,

Die im

Notfall nicht mehr halten konnten.

 

 

 

Mit dem

Rücken lehnte ich mich an den

Baum,

Es roch an ihm so trauersüß,

Ich drehte mich herum und sah das rote

Harz um einen eingeschlagnen

Nagel quellen,

Nein, ich wagte nicht den

Blick zu heben,

Und ich fand ja alles,

Wie man es erzählte

Und wie es beschrieben stand, im

Buch.

 


 

 

Aufschläge 6940 - 6942

 

Weiß ist dein

Gesicht, du schadest dir in Vielem,

Und als ich dich damals liebte,

Nahm ich dir das Herz ab,

Und ich schnitt es ein in eine

Rinde und verließ dich,

Und danach, als ich durch

Zufall wieder kam, erschrak ich, weil es

Groß gewachsen war,

Es saß inzwischen viel zu hoch,

Du selbst erreichtest es nicht mehr,

Und neben dir las ich ein Schild:

„Lass dich in meinem Schatten nieder,“

Das verstand ich nicht,

Und heute bringe ich dir Salz und Brot,

Das wirfst du mir nun nach,

Ach, ich vergaß das Trinken,

Und ich stieß nicht mit dir an,

Ich dachte auch, der

Platz, den ich für mich alleine brauchte,

Engt doch immer einen andren ein,

Und du verstandst dich anders:

Wenn du gingst,

Wurd immer etwas frei.

 

 

 

Ich schlug die

Seite eines Bilderbuches auf,

Es stellten sich die winzigen

Figuren automatisch

Hoch und räumlich voreinander, ein

Theater, das sich nicht bewegte,

Und es blieb ganz stumm,

Und oft ging ich an mir vorbei,

Ich stand als

Bettler überall im Wege,

Und ich gab mir nichts

Und horchte auch nicht auf die

Litanei.

 

 

 

Heute zog ich mir das

Geld aus einer Wand,

Sie gab davon so viel ich wollte,

Und es sah mir niemand zu,

Und tausend

Augen starrten mir aus tausend roten Lampen nach,

Bis ich mich wieder ausgegeben hatte,

Dann wurd ich erneut

Verteilt.

 


 

 

Aufschläge 6943 - 6945

 

Dort, wo ich die

Augen suchte, waren goldne Tupfer,

Und ich war verwirrt,

Ich drehte einen roten

Faden in der Hand, der

Strammte sich und ließ sich zupfen, dass ein

Ton erklang,

Dann sah ich noch einmal zu dir,

Du wolltest mich begrüßen,

Und die

Hände, die du reichtest, waren überspannt mit

Seide, die entstand im hohen Alter, oder war es

Pergamentpapier,

Ich fühlte mich gereizt, darauf zu schreiben,

Und ich sollte lieber darin lesen, sagtest du,

Es wär ein

Gottesdienst wie jeder andere,

Und meine

Angst wurd heiß, ich wich zurück, der

Faden schnellte mir davon und hinterließ die

Blutspur auf den Fingern,

Und ich las nun doch.

 

 

 

Auf der andren

Straßenseite stand der

Turm des Gotteshauses hoch hinauf in Flammen,

Und ein

Mann, den ich von dieser Seite sah, sprang in den

Fluss, in dem er gleich versank,

Ich sah noch, dass er an die

Beine etwas angebunden hatte,

Und der

Turm schlug um zur Seite und fiel hinterher,

Es war für mich nicht einmal der

Zusammenhang ersichtlich.

 

 

 

Erst im freien

Feld kam ich zu mir

Und hatte lange fahren und dann lange gehen müssen

Bis zu dieser Stelle,

Und sie war in meinem

Zimmer,

Und ich legte mich und wartete

Und hörte nacheinander drei der Explosionen,

Und die vierte blieb so weit zurück,

Dass sie mich nicht

Erreichte.

 


 

 

Aufschläge 6946 - 6948

 

Den

Vogeltieren nützte keine Bäckerstube,

Und sie flogen dir davon und pickten unter einer

Parkbank in dem Sand,

Ich war gewiss, du würdest immer noch die

Wohnung haben unter deinem eignen Tisch

Und hatte mich geirrt, der

Platz darunter war verlassen,

Und ich ging zum

See, der lag inmitten unsrer Stadt,

Die weißen

Entenvögel, die dort schwammen,

Maltest du besessen auf ein weißes

Blatt Papier, die

Tiere hoben sich nur sehr schwer davon ab,

Man konnte dich mit nichts belehren,

Und ich selbst saß immer wieder vor dem

Spiegel, dem hatt ich vor

Jahren schon die Augen ausgestochen,

Und ich wusste nicht, auf wessen

Seite nun das Recht stand.

 

 

 

Irgendjemand gab mir eine spitze

Eisennadel in die Hand,

Ich kannte mich nicht aus und stach damit

In alles Mögliche und ritzte tiefe

Spuren, weil ich es nicht besser wusste,

Und den

Himmel, der gleich über mir begann,

Zerkratzte ich und durfte wirklich

Machen, was ich wollte.

 

 

 

Als ich heimkam,

Wurde ich von mir empfangen,

Und es war auf beiden

Seiten keine Freude und kein gegenseitiges

Willkommen,

Und das einzige, was ich bemerkte, was mir

Hoffnung ließ, war, dass ich zwischen

Mir und mir nicht unterscheiden konnte,

Und von beiden war auch einer aus dem andren

Projiziert.

 


 

 

Aufschläge 6949 - 6951

 

Wir saßen im

Konzert und lauschten auf ein

Instrument, das spielte weit entfernt,

Es musste außerhalb des Raumes sein,

Du sprachst zu mir ein falsches Wort,

Dies war die erste

Feindberührung, die wir miteinander hatten,

Später ließ ich eine schwarze

Fahne schneidern, die zog ich dann auf

Und ließ sie über unsren Köpfen flattern,

Hoch entrückt wurd sie zum

Blindpunkt, der durch unsre Augen zog,

Sie hob sich auch an weißen Tagen

Nicht mehr ab vom Hintergrund,

Und aus der

Zeitung lasen wir von schwarzen Fahnen,

Die entstanden auch aus andren Gründen

Und aus andren Stoffen und verwehten schneller

Oder zogen endlos über alles hin.

 

 

 

Wir konnten die

Berührung mit der Erde nicht verhindern,

Und für unsre

Füße, ja ich sag es so, für meine

Füße würd es niemals eine

Bodenfreiheit geben,

Auch die

Zeit, als ich auf meinen Händen ging, ging ich in

Wahrheit nur mit umgekehrtem

Zeichen, das war keine Wahrheit,

Und in meinem

Kopf stand Schwindel auf.

 

 

 

In der

Gartenkolonie zog jemand

Fähnlein auf,

Sie hatten nur die

Größe seiner Hände,

Und sie ragten nicht einmal bis in die

Schulterhöhe,

Und es zeigte mir der

Mensch wie sehr er über diesen

Dingen stehe und sie sich vor Augen halte,

Und er sähe nichts von alledem.

 


 

 

Aufschläge 6952 - 6954

 

In dem

Schlafsaal standen statt der

Schlafenden, die handgemalten Bilder,

Draußen drängten sich die

Obdachlosen vor dem Eingang,

Und du wusstest nichts mit ihnen anzufangen,

Und in diesem

Augenblick riss deine goldne Kette,

Und sie hing als

Zeichen deiner Weiblichkeit um deinen Hals,

Du spürtest nur ihr leises

Tasten über deine Brust, als sie herabfiel,

Und sie musste sich ja irgendwo

Gefangen halten,

Sicher ging sie nicht verloren,

Dann erlebtest du auf deiner

Haut dies ganz besondere

Gefühl ein zweites und als

Schauer gleich danach ein drittes Mal,

Es ging so schnell,

Du horchtest laut nach innen,

Und du wehrtest niemandem,

Und alles waren

Linien einer Front:

Die Bilder und die Obdachlosen, du im

Raum, an dir das

Tasten einer unbedachten

Hand.

 

 

 

Deine

Kleidung nässte durch,

Du gingst im feinen

Regen, der drang in die Wolle,

Und er machte dir die

Haut so schwer, die

Schritte wurden vorsichtiger, langsamer,

Und dein Gesicht erblühte und du richtetest es auf das

Steingrau über dir,

Das ließ sich auf dir nieder,

Und du liebtest alles, was um dich geschah,

Es war ein

Bild, das wurde grad lebendig,

Und ich hängte es nicht um.

 

 

 

Es war ein

Wettlauf der Gedanken zwischen uns,

Den sollten andere entscheiden,

Eines gab ich zu von vornherein,

Und alles was ich dachte, ging entgegen jedem

Sinn,

Ich konnte davon gar nichts wissen,

Und du warst zu jeder

Zeit genauso weit wie ich.

 


 

 

Aufschläge 6955 - 6957

 

Du verlebtest deine

Zeit in einer Schachtel,

Die verließt du nur, um umzusteigen in die andere,

Die wurde dann dein neues

Heim,

Sie hatten immer rechte

Winkel und sechs Seiten,

Und, als ich dich aus den

Augen ließ, mich umsah

Und nach andren schaute, fand ich überall die rechten

Winkel und genau sechs Seiten um mich her,

Und ich zog aus und musste erst in eine andre

Schachtel steigen,

Die um schloss die alte, war viel größer

Und ganz anders,

Und es war mir nicht genug,

Und ich bestieg die nächste

Und die übernächste,

Und ich weiß nun, dass ich wohl nach

Innen hätte gehen müssen, um herauszukommen,

Und es war nicht möglich.

 

 

 

Als ich durch das

Zimmer ging, stand mir die

Tür im Weg,

Ich sah um sie herum,

Es war nichts hinter ihr als das, wohin ich gehen wollte,

Und ich hätte sie umgehen können,

Und ich rätselte

Und ging dann durch sie durch

Und schloss sie hinter mir,

Ich sah das

Wellenkräuseln ungenau,

Es kam vom leisen

Wind, den musste ich wohl übersehen haben.

 

 

 

Man warnte mich, ich sollte ja die

Feuchtigkeit beachten,

Und ich sah im

Bad, dass es schon viel zu spät war,

Dass die

Fernzuggleise, die sonst blank und spurlos über meinen

Körper liefen, nun im

Rotrost lagen,

Und es würde lange dauern, sie mir

Auszuheilen.

 


 

 

Aufschläge 6958 - 6960

 

Der

Anker glitt mir aus der Hand,

Und es war an der falschen

Stelle wo er niederfiel,

Und unter mir bemerkte niemand etwas,

Und die

Kette, die ihn sicherte, war durchgerissen,

Und ich sah ihm trotzdem nach, ein schwarzer

Punkt, der mir im

Blickfeld stand wich aus

Und ließ sich nicht erkennen,

Und mein

Schreien käme viel zu spät,

Ich dachte in demselben

Augenblick an die Verlorenen, die

Tausendfach in allen

Meeren trieben,

Und sie waren unsichtbare, durchsichtige

Todessammler,

Und erst heute Morgen legte sich ein

Spinnweb über mein

Gesicht, das klebte überall,

Der

Augenaufschlag, den ich hier erwartete,

Würd nicht mehr kommen.

 

 

 

Es hieß ja auch, dass man das

Leben nur solange glaubte, wie der

Herzschlag spürbar war,

Und das war falsch, weil es auch

Herzen gab, die schlugen außerhalb,

Das Leben selbst kam ohne

Herz aus,

Und man musste neue, andere

Gesetze schreiben.

 

 

 

Gerade, als ich gehen wollte, führtet ihr mich an ein

Häuschen,

Und ich durfte durch ein

Fenster schauen,

Und ich musste mich erst an die

Dunkelheit gewöhnen,

Dann erkannte ich darin den

Weg, den ich bis hier gegangen war,

Er reichte ganz zurück bis an den

Anfang, der blieb innerhalb und lag doch hinter mir,

Das war nicht zu verstehen,

Und ich kam aus eigner

Kraft nicht fort von diesem

Fenster.

 


 

 

Aufschläge 6961 - 6963

 

Wir wussten, dass in dieser

Muschel eine Perle wuchs,

Der

Tisch war schon gedeckt,

Und alle

Teller standen umgekehrt,

Man hätte so davon nicht essen können,

Und es hätte auch gereicht, zu wissen,

Ob darunter etwas lag,

Für mich war alles leicht,

Ich saß an einem

Platz und hielt den

Regenschirm gespannt und über mich,

Die silbergraue

Stange stand ganz senkrecht und berührte meine

Stirn, ich hatte die

Parade abzugeben,

Außerdem war unter meinem

Teller aus dem Tisch gesägt,

Ich war ganz ohne Sorge,

Ja, das

Meer mocht kommen und sich über uns ergießen,

Ich war, wie ich sah, gut vorbereitet

Und gut ausgerüstet,

Und ich saß mir gegenüber,

Und ich lachte über mich,

Das durfte mich nicht kümmern.

 

 

 

Stille stand in meinem

Rücken,

Und sie legte mir das

Kinn auf meine Schulter,

Und es hatte keinen

Sinn, mich umzudrehen,

Und sie blieb eng hinter mir,

Auch wenn sie vor mir stehen würde,

Könnte ich ihr nicht entweichen,

Beides durfte mich nicht kümmern,

Und sie sprach mit mir.

 

 

 

Ich sah ein

Dach, das war fast ebenerdig,

Und darunter, sagte man, befände sich ein

Haus,

Den

Eingang gäb es nicht, man wohnte nur darin,

Und nie wär jemand eingezogen,

Und es zog nie jemand aus,

Es war nur, dass man davon sprach

Und dass man sich auf diese

Weise um das

Dachhaus kümmerte und es

Bewahrte.

 


 

 

Aufschläge 6964 - 6966

 

Die

Landschaft wuchs um mich herum,

Die weit entfernten

Horizonte steckten mir im Haar, das

Holzboot, das mich trug, ein

Kahn, der eilig anfing, fuhr nun immer schwerer,

Und der See, auf dem er fuhr, verdickte sich zu

Glas an seiner Oberfläche, die mich festhielt,

Ich war aufgefordert, auszusteigen,

Unbeweglich lag das

Boot,

Und mir blieb weiter nichts, als noch das

Netz heraufzuziehen,

Und ich hoffte auf den ganz besondren Wind,

Die

Tiere, die im

Wasser lebten, schwammen nah an diese durchsichtige

Decke, die war wirklich hart

Und würde mich wohl tragen,

Und ich spürte Lust, am

Boden eine Planke

Einzuschlagen.

 

 

 

Du maltest ein geschliffenes

Gefäß, das lud weit aus und war aus dünnstem

Glas und sehr, sehr zart,

Ich hatte diesen

Küstenstreifen mit dem

Dünengras noch nie an dir gesehen,

Und es stand kein

Halm im Wind,

Es war nichts in

Bewegung.

 

 

 

Vor mir lag ein kleiner

Stein, den trat ich mit dem Fuß,

Er stieg ein wenig auf, schlug an

Und sprang noch einmal vor,

Dann blieb er, nah zum

Absturz an der Kante liegen,

Und ich ging zu ihm und sagte, dass er seine

Augen erst dann öffnen dürfte,

Wenn ich es erlaubte,

Und verließ ihn.

 


 

 

Aufschläge 6967 - 6969

 

Du stehst nun auf dem

Höhepunkt der Brücke,

Und die Enden sind von hier aus gut zu sehen,

Kommen auf dich zu

Und ziehen sich, soweit es irgend geht,

Zurück,

Von deinen

Füßen weißt du nichts,

Und ihre Augen bleiben blind für dich,

Zwei Schnüre, die am Boden liegen,

Die du gern zusammenknüpfen würdest,

Kämest du dort an, doch sie entweichen deinen

Fingern,

Jemand zieht sie stramm, wenn du sie nur berührst,

Es ist die

Augenblicksmusik in deinen Ohren,

Die entsteht in kleinen

Überräumen, die du schluckst,

Den

Kopf hast du verkehrt herum im Rumpf,

Weil es dir wichtig ist, den

Blick zu heben.

 

 

 

Vor mir ist ein eisernes

Geländer, das ragt über mich hinaus

Und soll mich hindern oder schützen,

Und ich weiß nicht, wen ich fragen soll,

Und gleich dahinter ist es ganz genau so wie bei mir,

Nur dass ich vor mir auf der andren

Seite stehe.

 

 

 

Zwischen meinen

Fingern halte ich die

Enden eines Tuches,

Das entnahm ich einem

Bild mit einem Weib, das liegt im eignen Blut,

Ein Kind hat es geboren,

Und das Blut und auch das Tuch sind reine

Wahrheit, die ich finde,

Und ich kann sie nicht erklären.

 


 

 

Aufschläge 6970 - 6972

 

Vor mir lag ein

Mensch, der war aus Marmor,

Und er lebte noch,

Sein flacher

Atem ebbte in den Raum,

Ich war allein mit ihm, die

Farben seines Steines schimmerten im

Licht, sonst konnte ich nichts

Lebendes an ihm entdecken

Und, was ich an ihm begriff, war hart und glatt,

In deinem Zimmer hingen

Referenzen, die ich nicht verstand,

Du hättest mir nichts zu beweisen brauchen,

Und den roten

Steinblock durfte ich nicht anerkennen,

Jeder sah doch, dass er nicht verdauen konnte,

Und ich wollte nichts von

Liebe hören,

Davon gab es mir zu viele ganz verschiedne

Arten.

 

 

 

Vor der

Eingangstür war eine automatische

Kontrolle,

Und man sah in einen

Spiegel, der vor einem andren stand

Und hinter ihm der nächste

Und danach der übernächste und so fort,

Und wer gefallen wollte, musste durch die

Reihe dieser Spiegel fallen ohne

Aufenthalt,

Das konnte nicht gelingen,

Und schon ab dem zweiten

Spiegel blieb man

Unbekannt.

 

 

 

Man schickte mir ein

Bild, das selbst war ein

Gerücht,

Und ich erkannte es sofort

Und ließ mich nicht drauf ein,

Das war genauso falsch, als hätte ich mit ihm geredet,

Und es ging um mich dabei,

Ich sei, so sagte man, am

Leben,

Und es war doch wirklich etwas

Anderes.

 


 

 

Aufschläge 6973 - 6975

 

Hinter deiner vorgehaltnen

Hand wuchs nasses Moos,

An mir erstarrten die

Gedanken, farbige

Kristalle blühten aus und stachen,

Nadelten sich ihre eigene Geometrie,

Und stieße man an sie und würden sie zerbrechen,

Käme auch der Stillstand,

Meine

Lippen hätt ich gern ins Moos gedrückt

Und leise Worte in den grünen

Schwamm gesprochen,

Doch davor war meine Hand,

Und eine

Klingel ging so schrill und läutete in einem fort,

Ich würde mich, wenn ich es könnte, unterbrechen,

Und ich wusste nicht womit und wie und nicht,

Was deine

Hand mir noch verbarg,

Es mochte sein, dass die auf meiner

Schulter lag.

 

 

 

Über unsren

Dächer spannten sich die graden

Linien großer Strahlenstraßen,

Und man sah sie auch des Tags,

Sie liefen hinter hohen

Wolken erst zusammen

Und sie existierten völlig ohne uns,

Und sie verschoben sich

Und boten sich nur selten

Und aus einem

Zufall zum Betreten an.

 

 

 

An einem

Baum erkannte ich sofort die

Wetterseite,

Meine Kompassnadel richtete sich danach aus,

Ich meinte auch, dass alles andere sich um den

Baumstamm drehte,

Und der

Boden unter ihm bewegte sich als Scheibe,

Und ich stand darauf.

 


 

 

Aufschläge 6976 - 6978

 

Vor mir, auf dem

Weg, fand ich die halbe

Eierschale aus dem Vogelnest,

Und ich gestand den

Unterschied, der zwischen

Hoffen und der Angst lag,

Und ich legte sorgsam diesen

Rest beiseite,

Ja, er war noch feucht und klebte mir am

Finger,

Durch die

Öffnung reichte man den

Fahrschein, den ich nehmen musste,

Weil er mir gehörte und mich auswies,

Und ich steckte ihn in irgendeine

Tasche, dass ich dauernd an ihn denken musste,

Gleich am

Ausgang warf ich ihn dann fort,

Ich hatte großes Glück, das

Eisen, das mich brennen sollte, war erkaltet,

Und man ließ mich laufen.

 

 

 

Jeder dachte an das

Gleiche, wenn ich einen

Stein aufhob und damit werfen wollte,

Und man ging aus seiner

Flugbahn, die war abzusehen,

Und ich zog die

Hand zurück auf seinen

Platz hier auf der Erde,

Und man sah zu mir und auf den Stein

Und höchstens noch auf meinen

Fuß, und nichts tat sich.

 

 

 

Man sandte eine

Nachricht aus der andren

Stadt zu mir und hatte einen

Faden ohne Unterbrechung abgewickelt,

Und der reichte von dem fremden

Haus bis her zu mir,

Ich musste nun das

Ende zwischen meinen Fingern halten

Und man las mir vor und garantierte für die

Unversehrtheit der Verbindung.

 


 

 

Aufschläge 6979 - 6981

 

Der

Tag ist viel, viel tiefer als die

Nacht,

Ein saitendünner, hart gestrammter

Draht führt dort hinab,

Den rühr ich an und zupfe einen

Klangton, der läuft ab darauf

Und schwirrt noch lange in der

Luft,

Die Luft steht fest in meinem Ohr,

Ein

Möwenschrei fällt mir darein, er ist sehr nah,

Und weit entfernt in

Meereswellen stehen schwarze

Fischerboote, die schiebt irgendetwas weiter fort,

Sie werden sich am

Band in weiter

Ferne stoßen, das ist fest und hält die

Arme weit geöffnet.

 

 

 

Mit dem

Fahrzeug steh ich an der Küste, alle

Fenster sind geöffnet, dass ich hier nichts unterbreche,

Und der

Wind trägt etwas Sand herein

Und schmirgelt an dem Blech,

Ich höre ein

Signal von draußen, das will mich verdrängen,

Und es warnt mich auch,

Es ist der

Ruf der jungen Fische, die sich andern nicht

Bemerkbar machen können,

Und an meiner

Angel lass ich sie nicht hängen

Sondern löse sie und werfe sie

Zurück.

 

 

 

Über mir steht lautlos dieser weiße

Vogel in der Luft,

Er hält nur seinen

Kopf ein wenig schräge,

Seine Flügel stoßen fast an meine,

Und wir meiden uns,

Ich denke auch, dass man den

Aufwind, den wir brauchen, nicht erzwingen

Und nicht einfach in die andre

Richtung lenken kann.

 


 

 

Aufschläge 6982 - 6984

 

Von unten schimmerte der halbe

Mond durch meinen Schreibtisch,

Ich beschrieb dir so die einfache

Natürlichkeit,

Sie war für mich alleine gültig, sie war

Immer an dem rechten Platz,

Dir stand der

Mond, der mir zu Füßen lag, im

Nacken,

Und du wandtest dich nicht um,

Es wären zwei, so sagtest du,

Wenn hinter dir noch einer stünde,

Und du hattest Recht,

Es standen hunderttausend

Monde zur Verfügung,

Und es ging so mit der

Sonne, mit den Sternen

Und mit jeder

Wahrheit und mit jeder Lüge.

 

 

 

Alle

Wege meines Gartens wollte ich am

Sonntag harken,

Und die Linien, die ich ziehen würde,

Müsste ich verdammen, wegen ihrer

Parallelität und weil die

Erde, die darunter lag, ganz andre

Linien furchte, als sie zeigte.

 

 

 

Drüben sah ich, wie ein

Mensch durch Sand ging,

Und er sank ein wenig ein und ging schnell weiter,

Und ich schöpfte

Hoffnung, trat in seine Spuren und blieb stehen,

Und ich würde sicher irgendwann versinken,

Und es wartete ein anderer schon hinter mir,

Der wartete vor mir

Auf mein

Verschwinden.

 


 

 

Aufschläge 6985 - 6987

 

Man gab mir dieses

Werkzeug, das war groß und schwer,

Ich hätte meinen

Hunger unterdrücken können, aber das gestattete man nicht,

Die Essbestecke wären grade richtig,

Und ich sah, dass um mich her die ungemachten

Menschen standen,

Und sie sahen mir in Neugier zu,

Ich schnitzte eine

Rinne in den Tisch, dass sich darin die

Flüssigkeit als erstes sammeln sollte,

Das verstand man gut,

Dann sprang ich auf die

Platte und schlug sie im

Mittelfeld heraus und setzte mich hernach zu

Tisch,

Die mich gezwungen hatten,

Mussten mir servieren, mich bedienen,

Und sie löffelten aus meiner

Mitte.

 

 

 

Zwischen deinen

Gästen stand ein

Tier, das größer war als selbst der

Größte unter uns,

Ich wich zurück,

Und auf der

Flucht traf ich auf dich,

Du sagtest gleich, ich sei dein

Gast und könne machen, was ich wollte,

Es sei ganz gewiss umsonst.

 

 

 

Über mir schlug eine

Glocke,

Und sie klang so groß und weit,

Sie hing gewiss in einem Turm,

Das hatte ich zuvor nicht wissen können,

Und ich suchte außerhalb der Stube,

Und ich fand die

Vibration der Töne, die umarmte ich

Und schlug mich an

Und klang so groß und weit ich konnte.

 


 

 

Aufschläge 6988 - 6990

 

Im

Wald stand

Sonnenluft um jede Nadel und um jedes Blatt,

Und über mir zersprangen

Tannenzapfen in der Hitze,

Dieses

Leihhaus hatte grad geöffnet,

Und ich war der Erste,

Rührte an die Gegenstände,

Und es fehlte mir nun völlig der

Entschluss zu kaufen,

Leider gab ich mich in Zahlung,

Den

Erlös ließ ich auf weichen Boden fallen,

Bis zum

Abend mochte sich der

Tag noch wenden.

 

 

 

Später lebte ich im

Wasser und gewöhnte mich an die

Verzerrung,

Und ich staunte über alle, die zurückgeblieben waren,

Die kein

Zerrbild hatten.

 

 

 

Meine

Hände wuchsen aus, dass es nicht reichte,

Auf dem

Holztisch lag ein Moritatenbuch,

Das schob die

Mädchenliebe und das Morden ineinander,

Und ich blutete an vielen Enden,

Spott bestieg mich,

Und in meine

Augen fielen Tränen fremder

Leute.

 


 

 

Aufschläge 6991 - 6993

 

Eigentlich beschloss ich den

Bericht zu schreiben,

Und ich setzte vor die

Augen mattes, trübes Glas,

Ich wollte mich so besser

Konzentrieren können,

Und es hakten sich auch die

Gedanken ineinander,

Und sie wurden viel zu stark,

Ein

Riss schoss durch das Glas

Und ließ es auseinander fallen,

Ich gab auf und fügte mich in meine

Nichtanwendbarkeit,

Die wurde nun zur

Denkgewohnheit.

 

 

 

Als ich fortging, wollte ich den

Mantel überziehen,

Den trug ich schon jahrelang,

Und heute war er mir zu eng,

In einer

Nacht war er mir viel zu klein geworden,

Dass er nicht mehr passte,

Und ich hatte abzuwarten,

Dass er sich besinnen

Und sich wieder fügen würde.

 

 

 

Drüben standen viele

Retter, die bemühten sich vergeblich,

Und ich konnte keinen

Unfall, keine Katastrophe, keinerlei

Notwendigkeit entdecken,

Und ich bot mich trotzdem an,

Man lobte mich und sagte gleich,

Für das, was kommen würde,

Wäre ich zu spät,

Und ganz umsonst sei mein

Bemühen, das was schon passiert sei,

Nachzumessen.

 


 

 

Aufschläge 6994 - 6996

 

Ich wollte mich nicht dauernd richten lassen

Und versuchte einem

Dauerurteil zu entgehen,

Wollte, dass der

Spruch von gestern, den man über mich gesprochen hatte,

Nicht zum Tragen kam,

Man sollte ihn nicht fällen können,

Und ich packte mich in

Ekel ein, das mochte trennen,

Andrerseits begegneten mir die

Bedürftigen, die fühlten sich zu mir gezogen,

Die

Vollstreckung war durch sie so schrecklich

Nah.

 

 

 

Ich wollte mich nicht opfern für ein

Bild, das andre von mir hatten,

Und mein

Sterben hätte nur bestätigt,

Was sie lang vermuteten,

Es war das seltne, teure

Tongebilde, das zum Schluss doch noch in

Scherben brach,

Und über meinen

Rücken, sagte mir ein Freund, lief dieses feine

Netz von kaum mehr wahrnehmbaren

Rissen der Fayence.

 

 

 

Ich war auch fern von meiner

Lebensliebe und stand außerhalb,

Es war sehr schwierig und sehr ungewohnt die

Dinge, die hier gültig waren, zu erfassen,

Und es war der kleinste Teil von einer

Liebe, die dem Leben galt,

Ich trat ihr nicht entgegen.

 


 

 

Aufschläge 6997 - 6999

 

Sonst berichtete man nichts, als dass der

Heilige noch immer vor dem

Haus des Nachbarn kniete,

Und man hatte einen großen

Spiegel vor ihm angebracht,

Der stand ein wenig schräg und hob den

Mann weit über sich,

Er trug um seinen

Hals den Rettungsring, wie man ihn

Kindern gab, mit einem aufgeblähten

Schwimmtier an der Seite,

Ich ging ruhelos durch

Straßen, die verwuchsen immer enger,

Und ich rührte schon im

Gehen mit den Händen links und rechts an

Häusermauern,

Oben, schien es, stießen sie zusammen,

Und ich sah zu meinen

Füßen in die Pfütze, die es mir

Bewies.

 

 

 

Weiter vorne kam die kleine

Brücke, die ich überschreiten musste,

Und sie würde wieder, wenn ich in der

Mitte stünde, über mir

Zusammenschlagen und versinken,

Ich stand am

Geländer, das hier anfing, und entschloss mich nicht,

Man hielt mich auch für dumm,

Weil ich noch zögerte,

Und ging an mir vorbei

Und war so

Beispielhaft.

 

 

 

Drüben, das war auf dem

Dachfirst jenes Hauses, stand ein Pferd,

Und auf ihm saß ein Reiter,

Beide waren aus Metall

Und zierten dieses Dach,

Ich war der einzige und führte

Buch bei Tag und Nacht von dem

Vorhandensein,

Ich hatte den Verdacht in mir zu prüfen,

Der war sich der

Sache völlig sicher.