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Harald Birgfeld, Webseite seit 1987/ Website since 1987

 

Aufruf

 

zu Olympia – olympische Spiele!

 

 

 

Die Entdeckung der eigenen Zeit, 2019

 

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Inhaltsverzeichnis

 

Wir gerieten in den

Gürtel der Meteoriten

 

Lyrik.

10.000 Aufschläge

Band 15: Aufschläge 7000 - 7500

 
Harald Birgfeld

ISBN 3-937264-26-4

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten).

 

Harald Birgfeld, von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb seine Gedichte während der morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur Arbeit.  Seine Texte entstanden fast immer bereits in endgültiger Form.

 

Copyright 2007 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

 

Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald Birgfeld, über e-mail:            Harald.Birgfeld@t-online.de

 

 

23 Gedichtbände, 10.000 Strophen: Wir gerieten in den Gürtel der Meteoriten, 10.000 Aufschläge.

Zum jeweiligen Volltext: 

 

Bd.  1: Aufschläge       1 -  500

 

Bd.  2: Aufschläge    501 -   999

 

Bd.  3: Aufschläge 1000 - 1501, (1. Version)

 

Bd.  3: Aufschläge 1000 - 1501, (2. Version)

 

Bd.  4: Aufschläge 1502 - 2000

 

Bd.  5: Aufschläge 2001 - 2499

 

Bd.  6: Aufschläge 2500 - 3000

 

 

 

Bd.  7: Aufschläge 3001 - 3501

 

Bd.  8: Aufschläge 3502 - 3999

 

Bd.  9: Aufschläge 4000 - 4500

 

Bd. 10: Aufschläge 4501 - 5001

 

Bd. 11: Aufschläge 5002 - 5499

 

Bd. 12: Aufschläge 5500 - 6000, (1. Version)

 

Bd. 12: Aufschläge 5500 - 6000, (2. Version)

 

Bd. 13: Aufschläge 6001 - 6501

 

 

 

Bd. 14: Aufschläge 6502 - 6999

(online und im Buchhandel)

 

Bd. 15: Aufschläge 7000 - 7500

 

Bd. 16: Aufschläge 7501 - 8002

 

Bd. 17: Aufschläge 8003 - 8500

 

Bd. 18: Aufschläge 8501 - 9000

 

Bd. 19: Aufschläge 9001 - 9500

 

Bd. 20: Aufschläge 9501 - 9827

 

Bd. 21: Aufschläge 9828 - 10.100

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Aufschläge 7000 - 7002

Aufschläge 7003 – 7005

Aufschläge 7006 – 7008

Aufschläge 7009 – 7011

Aufschläge 7012 – 7014

Aufschläge 7015 – 7017

Aufschläge 7018 – 7020

Aufschläge 7021 – 7023

Aufschläge 7024 – 7026

Aufschläge 7027 – 7029

Aufschläge 7030 – 7032

Aufschläge 7033 – 7035

Aufschläge 7036 – 7038

Aufschläge 7039 – 7041

Aufschläge 7042 – 7044

Aufschläge 7045 – 7047

Aufschläge 7048 – 7050

Aufschläge 7051 – 7053

Aufschläge 7054 – 7056

Aufschläge 7057 – 7059

Aufschläge 7060 – 7062

Aufschläge 7063 – 7065

Aufschläge 7066 – 7068

Aufschläge 7069 – 7071

Aufschläge 7072 – 7074

Aufschläge 7075 – 7077

Aufschläge 7078 – 7080

Aufschläge 7081 – 7083

Aufschläge 7084 – 7086

Aufschläge 7087 – 7089

Aufschläge 7090 – 7092

Aufschläge 7093 – 7095

Aufschläge 7096 – 7098

Aufschläge 7099 – 7101

Aufschläge 7102 – 7104

Aufschläge 7105 – 7107

Aufschläge 7108 – 7110

Aufschläge 7111 – 7113

Aufschläge 7114 – 7116

Aufschläge 7117 – 7119

Aufschläge 7120 – 7122

Aufschläge 7123 - 7125

Aufschläge 7126 – 7128

 

 

Aufschläge 7129 – 7131

Aufschläge 7132 – 7134

Aufschläge 7135 – 7137

Aufschläge 7138 – 7140

Aufschläge 7141 – 7143

Aufschläge 7144 – 7146

Aufschläge 7147 – 7149

Aufschläge 7150 – 7152

Aufschläge 7153 – 7155

Aufschläge 7156 – 7158

Aufschläge 7159 – 7161

Aufschläge 7162 – 7164

Aufschläge 7165 – 7167

Aufschläge 7168 – 7170

Aufschläge 7171 – 7173

Aufschläge 7174 – 7176

Aufschläge 7177 – 7179

Aufschläge 7180 – 7182

Aufschläge 7183 – 7185

Aufschläge 7186 – 7188

Aufschläge 7189 – 7191

Aufschläge 7192 – 7194

Aufschläge 7195 – 7197

Aufschläge 7198 – 7200

Aufschläge 7201 – 7203

Aufschläge 7204 – 7206

Aufschläge 7207 – 7209

Aufschläge 7210 – 7212

Aufschläge 7213 – 7215

Aufschläge 7216 – 7218

Aufschläge 7219 – 7221

Aufschläge 7222 – 7224

Aufschläge 7225 – 7227

Aufschläge 7228 – 7230

Aufschläge 7231 – 7233

Aufschläge 7234 – 7236

Aufschläge 7237 – 7239

Aufschläge 7240 – 7242

Aufschläge 7243 – 7245

Aufschläge 7246 – 7248

Aufschläge 7249 – 7251

Aufschläge 7252 – 7254

Aufschläge 7255 – 7257

 

Aufschläge 7258 – 7260

Aufschläge 7261 – 7263

Aufschläge 7264 – 7266

Aufschläge 7267 – 7269

Aufschläge 7270 – 7272

Aufschläge 7273 – 7275

Aufschläge 7276 – 7278

Aufschläge 7279 – 7281

Aufschläge 7282 – 7284

Aufschläge 7285 – 7287

Aufschläge 7288 – 7290

Aufschläge 7291 – 7293

Aufschläge 7294 – 7296

Aufschläge 7297 – 7299

Aufschläge 7300 – 7302

Aufschläge 7303 – 7305

Aufschläge 7306 – 7308

Aufschläge 7309 – 7311

Aufschläge 7312 – 7314

Aufschläge 7315 – 7317

Aufschläge 7318 – 7320

Aufschläge 7321 – 7323

Aufschläge 7324 – 7326

Aufschläge 7327 – 7329

Aufschläge 7330 – 7332

Aufschläge 7333 – 7335

Aufschläge 7336 – 7338

Aufschläge 7339 – 7341

Aufschläge 7342 – 7344

Aufschläge 7345 – 7347

Aufschläge 7348 – 7350

Aufschläge 7351 – 7353

Aufschläge 7354 – 7356

Aufschläge 7357 – 7359

Aufschläge 7360 – 7362

Aufschläge 7363 – 7365

Aufschläge 7366 – 7368

Aufschläge 7369 – 7371

Aufschläge 7372 – 7374

Aufschläge 7375 – 7377

Aufschläge 7378 – 7380

Aufschläge 7381 – 7383

Aufschläge 7384 – 7386

 

Aufschläge 7387 – 7389

Aufschläge 7390 – 7392

Aufschläge 7393 – 7395

Aufschläge 7396 – 7398

Aufschläge 7399 – 7401

Aufschläge 7402 – 7404

Aufschläge 7405 – 7407

Aufschläge 7408 – 7410

Aufschläge 7411 – 7413

Aufschläge 7414 – 7416

Aufschläge 7417 – 7419

Aufschläge 7420 – 7422

Aufschläge 7423 – 7425

Aufschläge 7426 – 7428

Aufschläge 7429 – 7431

Aufschläge 7432 – 7434

Aufschläge 7435 – 7437

Aufschläge 7438 – 7440

Aufschläge 7441 – 7443

Aufschläge 7444 – 7446

Aufschläge 7447 – 7449

Aufschläge 7450 – 7452

Aufschläge 7453 – 7455

Aufschläge 7456 – 7458

Aufschläge 7459 – 7461

Aufschläge 7462 – 7464

Aufschläge 7465 – 7467

Aufschläge 7468 – 7470

Aufschläge 7471 – 7473

Aufschläge 7474 – 7476

Aufschläge 7477 – 7479

Aufschläge 7480 – 7482

Aufschläge 7483 – 7485

Aufschläge 7486 – 7488

Aufschläge 7489 – 7491

Aufschläge 7492 – 7494

Aufschläge 7495 – 7497

Aufschläge 7498 – 7500

 

 

Aufschläge 7000 - 7002

 

Klettere nach oben, klage an

Und klage uns,

Denn unermesslich ist dein Schmerz,

So klettere nach oben,

Höre unsre Klagelieder an,

Sie machen schließlich schmerzfrei,

Und sieh hinter dich und finde

Schatten, die sind nicht mehr dunkel sondern

Licht und bunt gekleidet,

Ja, sie fielen von dir ab

Und gehen ihrer eignen Wege,

Und der tiefe

Schmerz lässt sich nicht einfach wiederholen,

Und ich hörte, dass die

Herzverletzten große Narben in sich trügen,

Die versorgt kein Blut.

 

 

 

Nachts, das sah ich nun, als ich mich

Wieder zu dir legen wollte,

Weil du mir begehrenswert erschienst

Und weil du mir entgegen kamst,

Ja, nachts schob ich die

Säule hellen Lichtes mit dem

Bettgestell in eine große

Höhle, die entstand im

Zimmer, das war viel zu klein

Und weitete sich unermesslich aus für diesen Zweck,

Des Nachts erstarrtest du und ließt sich

Andre zu dir wenden

Und ich musste auf dich warten,

Und der

Lichtstrahl, der dich trug,

Fuhr viel zu langsam wieder ein.

 

 

 

Unter uns befanden sich auch

Puppenmenschen, die erfand man, um uns zu bevölkern,

Und ich lebte all die

Jahre unentdeckt und wechselte den

Standpunkt häufig,

Und ich hüte mich noch heute sorgfältig

Vor jeder

Art Verletzung.

 


 

Aufschläge 7003 – 7005

 

Man schrieb das

Jahr, das diesem folgen würde,

Und du hattest mir noch nichts erzählt

Von deinem und von deinem Leben,

Heute wusste ich davon,

Ich würde es erfahren in dem

Jahr, das diesem folgen würde,

In den

Bildern deutetest du alles an

Und ich entdeckte, wie geschickt du die

Gesichter deiner Zukunft zu verstecken wusstest,

Ganz natürlich fehlte ihnen die

Lebendigkeit,

Es war ja lang noch nicht das

Jahr, das diesem folgen würde,

Und ich stand am Ende,

So, wie du dich gabst,

Würd ich dich nicht aus einem

Kaufhauskatalog erwerben wollen.

 

 

 

Einmal dachte ich zurück soweit ich konnte,

Machte vieles ungeschehen

Und befinde mich nun hier,

Und habe die

Erlaubnis über meine Zukunft nachzudenken,

Die geschieht gewiss,

Und ich spiel darin keine Rolle,

Und ich spüre einen

Ruck, weil man an diesen

Reisezug ganz unvermutet neue

Wagen hängt,

Die kann ich zwar nicht sehen,

Doch ich weiß, dass sie mich etwas

Angehn.

 

 

 

Gestern schlug ich mit der

Spielzeugpeitsche einen

Kreisel aus der Jugend,

Und ich sag es nur, weil mir die

Dummheit meiner Handlung heute auffiel

Als ich aus dem Kreisel kletterte,

Der stand noch in der letzten

Drehung aufrecht,

Und es wurde

Zeit für mich.

 


 

Aufschläge 7006 – 7008

 

Manchmal wurd es dir zu viel,

Und vieles wurde viel zu schwer für dich,

An deinen

Armen zog ein Auftrieb, der dich oben hielt,

Die

Schwimmbewegung deiner

Beine war ganz ungeübt,

Und auch umsonst stießt du das

Eine und das andre Mal in Tiefen wo der

Boden fehlte,

Und dein

Anruf wurde falsch von mir verstanden,

Ich benahm mich in der

Hilfestellung, die du abriefst, völlig ungelenk,

Du wusstest nicht, dass ich die

Angst vor offnem

Wasser niemals überwinden würde,

Und ich sah auch nicht genau,

Was unter deiner

Oberfläche stand.

 

 

 

Im

Bahnhofseingang lag ein junger Mensch,

Und andre beugten sich zu ihm,

Man legte ihm den eignen

Kopf in seinen Nacken und die

Arme unter seine Füße, dass das

Blut so besser zirkulieren könnte,

Seinen weißen

Blindenstock warf man zur

Seite, weil jetzt andre für ihn sahen,

Das war besser,

Und man dachte, dass man ihn mit etwas

Glück würd retten können.

 

 

 

Draußen trafen

Sommervögel ein,

Das freute mich, ich zog zu ihnen auf, weil eine kleine

Freude größer war als keine Freude,

Und sie waren aus der

Nähe nicht die Gäste aus dem Vorjahr,

An die Alten konnte man sich kaum erinnern,

Und ich spräche eine längst vergangne

Nestzeit an,

Die wäre wirklich zweimal abgetan.

 


 

Aufschläge 7009 – 7011

 

Hätt ich nicht auf dich gewartet,

Wär mein Raum jetzt leer,

Du siehst auch, dass der

Regen später fiel, denn unter mir ist trocknes

Straßenpflaster, das biet ich dir als Beweis,

Du aber blickst hinauf zur

Wolke wilder Tauben,

Und ich kann es nicht verstehen, wie sie

Antwort geben sollen,

Woher willst du wissen, dass sie dort schon flogen,

Als ich ankam.

 

 

 

In der

Jugend fesselte ich einen

Baumstamm an sich selbst,

Ich hatte dafür auch ein

Urteil fällen müssen,

Und das Seil fand ich auf einer Straße,

Damals nahm ich es als

Fingerzeig, das war erlaubt,

Und alles war gerecht und richtig,

Und ich lebe heute völlig anders

Und notiere alle

Nachtgeräusche, die ich auf der

Tagesbrücke höre, und zur

Tarnung geh ich aus mit einem

Blindenstock, den hänge ich mir auch im

Gehen lose an den Arm, weil ich mir sicher bin,

Dass mir wohl niemand in so später

Nacht begegnen wird,

Und die, die mich verfolgen,

Lassen sich nicht täuschen.

 

 

 

Ich musste mich als

Diener unter Dienenden verkleiden,

Und ich lebte so die

Tage und die Nächte und so fort

Und war in

Wirklichkeit ein

Diener unter Dienenden,

Der brauchte sich nicht zu verkleiden,

Den erkannte man sofort,

Und Dienende hätt man mit ihrer eignen

List niemals betrügen können.

 


 

Aufschläge 7012 – 7014

 

Ich konnte gehen, wann ich wollte

Und wohin ich wollte,

Und ich lebte völlig in der

Symmetrie,

Wuchs ich nach oben, ging es auch gleich in die

Tiefe,

Wenn ich aß, begann schon die Verdauung,

Dachte ich, traf mich sofort die

Flüchtigkeit,

Und war ich höflich, nutzte ich mich schamlos aus,

Die

Freiheit, die ich eingoss, floss aus einem

Bodenriss als Sklaverei ins Tischholz,

Und der

Rand, der dann entstand, war kaum noch zu entfernen,

Und ich liebte schließlich den

Verzicht so sehr wie die

Erfüllung.

 

 

 

Täglich legte man mir

Zahlen in den Schoß, die ich sortierte,

Und man goss mich ein in eine neue

Nachricht, legte gleich darüber eine neuere,

Und es entstanden viel zu viele Schichten,

Und nur einmal, als ich mich in einem schwarzen

Kasten nicht zurechtfand,

Wurde alles zum

Erlebnis und ich selbst zum

Mittelpunkt des Weltgeschehens,

Das erzählte ich und oft genug und immer wieder neu

Dem kleinen Zimmervogel,

Der war jung und lernte grad das

Singen.

 

 

 

Nachts erkannte man kaum die

Kanäle unsrer Stadt,

Ich orientierte mich nach

Spiegelungen heller Punkte und nach ihrem

Flackern auf den kurzen Wellen,

Alles sah ich von dem

Fenster meines Zimmers aus,

Mit meinen

Füßen war ich auf der Straße,

Die

Kanäle zogen sich durch

Riesenaugen,

Und ich stand ganz dicht vor ihnen.

 


 

Aufschläge 7015 – 7017

 

Von meiner

Langeweile riss ich wahllos ein Kalenderblatt

Und schaute, ob ich einen dieser

Sprüche darauf finden würde,

Aber es war leer,

Ich rollte eine Perle, die war wertlos,

Hin und her in meiner Hand,

Die schlug an meinen Fingerring,

In dem schoss eine ganz geheime

Rohrpost rund, die hatte keinen Ausgang,

Und ich kannte den

Empfänger nicht,

Und drüben stand die

Frau vor einem Sprechgerät

Und sang ein

Klagelied aus ihrer fernen Heimat,

Und der

Text blieb unverständlich,

Und es nützte nichts, dass sie ihn wiederholte,

Und ich dachte, wenn man nur noch seine

Freiheit zu verlieren hätte,

Hätte man doch nichts mehr zu verlieren,

Und die

Freiheit wäre nicht mehr abzureißen.

 

 

 

Andre trugen

Fahnen, die an Stangen hingen,

Und auf ihren Spitzen steckten mörderische

Spieße, die ganz nutzlos in den

Himmel stachen,

Und erst später, als der

Aufmarsch längst vorüber war,

Entdeckte ich die Wunden über mir,

Es tropfte

Blut aus einer langen Straße,

Die war ganz unmöglich zu betreten,

Und sie war der

Fußweg unsrer Köpfe.

 

 

 

Außerdem besaß ich einen kleinen

Namensstempel,

Damit war es einfach, einen

Abschied nicht gleich zu vollenden,

Und ich stempelte die eigne

Hoffnung immer wieder auf ein winziges

Papier, das ließ ich nur für mich dort

Liegen.

 


 

Aufschläge 7018 – 7020

 

Ich lebte in

Bescheidenheit und wich mir aus

Und las nichts über mich, weil es mich intressierte,

Und ich wollte mich bezwingen,

Und die zweifache Natur wurd immer deutlicher,

Die Kunst ging mir verloren,

Und ich hatte alle

Hände voll zu tun und schwankte zwischen mir und mir

Und wusste nicht mehr, wem ich galt,

Die

Frau an meiner Seite riss mich aus dem Schlaf,

Sie spürte instinktiv

Gefahr in ihrer Nähe,

Und ich war nicht dankbar,

Und es ging ja wirklich nicht um sie,

Ich fragte nicht ein

Wort und suchte vor dem

Bett nach Resten.

 

 

 

Als ich mich zum

Essen an den Holztisch setzte, fand ich einen

Brief, der war ganz unbeschrieben,

Lag auf meinem Platz, und er galt mir,

Ich las ihn bis zum

Ende und verfiel in eine Starre,

Dass ich mich dort sitzen lassen musste,

Und ich staunte, dass mich diese

Kleinigkeit so treffen konnte,

Und ich aß woanders.

 

 

 

Neben mir saß dieser

Mann in einem festen Kunststoffmantel,

Und ich hörte dessen

Stoffe aneinander reiben, wenn er sich bewegte,

Es entstand darin ein

Rhythmus, der mir auffiel,

Und ich sprach ihn an, um ihn zu fragen,

Doch er war in Angst, denn dieser

Mantel würde unter einer ganz bestimmten

Wärme, die er noch nicht kannte, in sich selbst

Zerfallen und im letzten

Augenblick geräuschlos werden.

 


 

Aufschläge 7021 – 7023

 

So sah ich dieses

Frühjahr mit zwei Augen,

Und die

Bilder lagen ineinander,

Dass ich glaubte, mich zu irren,

Und vor unsrem

Haus stand eine Birke, der das zarte

Grün noch fehlte,

Andrerseits wuchs es schon unter jeder

Knospe, und der ganze

Baum erstrahlte bis tief in die Nacht,

Die wurde nicht mehr schwarz,

Sie nahm das

Blattgrün an wie alles ringsumher.

 

 

 

Die

Frau in meiner Nähe ließ mich sein

Und wandte ihren

Blick nie mehr auf mich, dass ich erschrak,

Ich weinte über mich und kroch in einen

Schrank, damit mich niemand sah,

Und ihre

Augen hatte ich gegessen und verschlungen,

Und sie sah mich aus den

Händen an,

Die hatte ich mir vors

Gesicht geschlagen.

 

 

 

Es war auch so, dass meine

Augen es erlernten,

Bilder, die sie nur am Rand erkannten,

Ganz genau zu sehen,

Und ich sah ja nicht dorthin,

Ich sah daran vorbei und achtete nur auf das

Äußere Geschehen meines Blickfelds,

Das entzog sich später raffiniert in einen

Raum direkt vor meinen Augen,

Und es machte mich zu seinem

Mittelpunkt.

 


 

Aufschläge 7024 – 7026

 

Es dauerte sehr lange,

Und die

Fahrt, die ich mir vornahm, nahm an einem

Kreis, den ich mit einem

Stock in weichen Boden schrieb, den Anfang,

Und sie endete in einer

Wüste, die war leer,

Und leicht war es für mich nun die

Bedeutung zu erkennen,

Und sie sollte Zuflucht sein,

Ich war der

Flüchtling, der in seiner neuen Heimat stand,

Es folgte niemand, niemand war vor mir,

Und meine

Spur lag unentdeckt noch unter meinen Füßen,

Und ich sah:

Was an mir endete, blieb

Unvollendet.

 

 

 

Aus dem

Fenster fiel ein Blatt Papier,

Das sollte mir nun weiterhelfen, weil die

Stimme, die mir etwas sagen wollte,

Unterwegs verloren ging,

Sie hatte nirgends Spuren hinterlassen,

Und das

Echo, das man kannte, traf nicht jedes

Ohr.

 

 

 

Ich sollte ein

Vermächtnis hinterlassen,

Und ich hatte wirklich keine Zeit,

Und würd ich stehen bleiben, keilte sich ein

Abstand ein,

Der trennte mich von mir,

Der bräche mich wohlmöglich auseinander,

Und ich schrieb in

Hast, dass ich voll

Zugeständnis sei und sehr darunter litte.

 


 

Aufschläge 7027 – 7029

 

Ich gab dir einen

Gruß auf deinen Weg,

Darüber lachtest du,

Es gab ja keinen mehr,

An den du ihn entrichten konntest,

Und die Luft um dich drang ein in dich und mich

Und kannte keinen Unterschied,

Und später, als du fort warst, blieben die

Gedanken an die Leere hier bei mir,

So konnte ich dir etwas helfen.

 

 

 

Als ich aufsah lag ich bäuchlings vor der hellen

Wand,

Und die war nicht aus

Stein und nicht aus Mauerwerk, es war ein

Strahlenvorhang, der stand senkrecht bis in eine

Ferne,

Mit den Blicken, die das

Ende suchten, rief ich laut:

„Was soll ich tun,

Ich habe ja bereits getan

Was ich noch machen soll

Und kann nur machen, was ich tat,

Und hätt das Ende gerne abgesehen,“

Das, so wusste ich genau,

Lag nicht dort oben sondern dicht vor mir,

Und mit dem

Kopf stieß ich an seine Kante.

 

 

 

Jemand lebte lange

Zeit im Hohn,

Zu mir sprach er:

„Grüß mir den

Atem, den du liebst, und halte ihn nicht fest,

Und lass ihn frei für mich,“

Ich dachte auch, dass ich wohl sterben müsste,

Bliebe er bei mir

Und stand auf einem

Salzsee, der war ausgetrocknet,

Und vor mir, auf einem

Schreibtisch lag die Bilderkarte, die bewies, dass dieser

See tatsächlich existierte.

 


 

Aufschläge 7030 – 7032

 

Wenn ich rückwärts schaute, sah ich mich auf einer

Oberfläche, die war stramm gespannt als

Tuch, und sie verdeckte eine

Wahrheit, die war schlecht zu sehen,

Und das Tuch, das federte, warf jeden

Sprung und jeden Fall zurück,

Dass man sich kaum getraute,

Und ich schrieb ins

Tagebuch, das lag nun auch zurück,

Ich schrieb, dass ich den

Wahnsinn der vor mir Getöteten,

Nun übernommen hätte,

Und er wäre mit der

Welle über mich gekommen,

Die war durch ein

Meeresbeben ausgelöst

Und hatte lange angedauert.

 

 

 

Man brachte mich in dieses überweiße

Zimmer, dass ich ganz allein mit meinem

Leiden sei, das war nicht schlimm, weil mich die gleiche

Farbe quälte,

Und sie löste sich nun auf,

Und über meinem

Schlafbett hing ein

Werbespruch, der mahnte mich zur

Ruhe und empfahl:

„Leg du dein Herz beiseite, aus dem

Längsschnitt über deiner Brust

Tropft reichlich Blut,

Das reicht für zwei.“

 

 

 

Zwischen meinem

Raum und dem dahinter fielen meine

Worte an die Glaswand,

Und dort sah ich

Menschen leben,

Und sie sahen mich und trieben so geräuschlos in der

Schwebe, dass wir nicht mehr aufeinander hörten,

Und es war die Perversion gemalter

Und bewegter Bilder hinter

Glas.

 


 

Aufschläge 7033 – 7035

 

Keines von den

Bildern ließ mich aus,

Wir lebten in der

Zeit, die nur in Bildern sprach, die

Worte wurden blätterarm,

Man schlug sich auf und andere

Und sah hinein

Und schlug sich wieder zu und legte sich beiseite,

Und für illustrierte Leben zahlte man den

Reichtum aus,

So wurde man verdient,

Man bildete auch farbig

Lippen ab, die spitzten sich ein wenig wie zum

Kuss und, wie die andren sagten,

Formulierten sie den

Richterspruch, den hing man auf in

Galerien.

 

 

 

Hinter meinem

Wohnhaus fing ein Wäldchen an,

Das war sehr klein und lebte von den

Pinselstrichen, die die

Stämme, Äste, Blätter strukturierten,

Und ich selbst trug beim

Betreten eine Sichtschutzbrille.

 

 

 

Über mir begann die

Hörigkeit, die schlug sich auf die

Erde nieder,

Und ich rechnete mir die

Entfernung aus, die nötig wäre, um die

Luft, das Wasser, um das Feuer und die

Erde zu vergessen,

Und der Abstand reichte bis zu mir,

Und in die

Falle war ich nur geraten, weil dies doch ihr

Wesen war.

 


 

Aufschläge 7036 – 7038

 

Ich begann die

Briefe neu zu lesen, und ich las der

Reihe nach, wie du es damals dachtest,

Nichts von dem war eingetreten,

Deine

Wünsche lagen eingeschlagen zu Papier

Und waren ungeöffnet, jede

Zeile blieb versiegelt,

Und ich las nun alles rückwärts noch einmal, dass ich zum

Anfang fand, dort stieg ich in das

Bergwerk ein, ich übersah es seinerzeit,

Erst jetzt entdecke ich den

Einstiegstunnel,

Der war menschenleer und endete in tiefer

Dunkelheit,

Du hattest mir nichts hinterlassen,

Und ich staunte über deinen

Einsatz, der war ohne Schranken,

Heute hörte man nur

Wassertropfen, die in Seitengängen aus der

Decke fielen.

 

 

 

In dem

Wohnhaus wuchs der

Ruhepilz und breitete sich aus,

Ich ging in eine

Bodenkammer und durchbohrte dort die

Decke, dass ich unter mir ins

Zimmer, das ich grad verlassen hatte, gucken konnte,

Und es war noch immer leer,

Ich richtete mich ein, die

Ruhe würde sich verraten wollen, wenn ich

Wiederkommen würde,

Und ich wartete.

 

 

 

Ständig hörte ich die fremde

Stimme über mir, sie kündigte

Stationen an und brachte einen

Hinweis, eine

Möglichkeit, sich zu verhalten,

Etwas nicht zu tun,

Sie ignorierte meine

Existenz und dass ich als

Gefangner mitfuhr.

 


 

Aufschläge 7039 – 7041

 

Du erklärtest allen, die

Natur sei voller Unschuld,

Und sie werde schuldig nur durch uns,

Auch schweige sie zu allem, was an ihr geschehe,

Und du sagtest auch,

Dass wir uns selbst beringten, wenn wir an dem

Waldrand stünden und nach innen lauschten

Und dann außen auf ein

Echo warteten,

Und ganz unnötig wusstest du, dass dieser

Baum schon damals, als das große

Töten stattfand, wuchs und seine

Augen offen hatte,

Ganz umsonst gemahntest du

Und blicktest in die falsche

Richtung.

 

 

 

Die

Natur ist ohne Kunstherz,

Und sie lebt ganz ohne die

Gerechtigkeit,

Und damals, als du Bilder maltest,

Nahmst du amputierte Glieder,

Und du stelltest sie gewaltlos in die

Malerei,

Ich fand auf diese

Weise auch heraus, aus wie viel fremden

Teilen ich bestand.

 

 

 

Manchmal brach ich ein in meiner eignen

Sprache,

Und es war der

Untergang in einer Eigentötung,

Und du riefst mir nach, ich sollte meine

Augen offen halten, dass ich heil nach

Hause kommen würde,

Und die

Worte steckten mir im

Halse.

 


 

Aufschläge 7042 – 7044

 

Mein

Wohnhaus hatte ich verlassen,

Und ich sah zurück,

Es mochte sein, und ich stand still,

Es mochte sein, dass dies mein letzter

Rückblick war,

Ich blickte in die

Runde, ob wohl jemand neben mir erwuchs,

Den ich nicht sehen konnte,

Später sollte man von mir nicht sagen können:

„Jahrelang stand er daneben und bemerkte nichts,“

Auch wollte ich nicht, dass man sagen würde:

„Das ist einer dieser Richter, die auf fremder

Unschuld wohnten,“

Und an meinem

Handgelenk befand sich immer noch der abgeschlossne

Ring von der Gefangnenkette,

Und ich zog den

Ärmel meines Mantels über ihn.

 

 

 

Ich war zu wahr zu mir, dass ich mir glaubte,

Und gab alles auf,

Man hatte mir den

Tag schon lange prophezeit,

Und würd ich jemals wiederkommen,

Müsste es ein

Tag vor diesem sein,

Der war bereits vorbei.

 

 

 

Die junge

Frau nahm keinen

Platz an meiner Seite, setzte sich nicht neben mich,

Sie sah mich schreiben,

Und sie hatte, wie ich aus ihr las, die

Angst, ich würde sie verbrauchen,

Und ich schrieb sie auf,

Und nichts von ihr blieb übrig,

Und sie hatte es bemerkt

Und brach noch in derselben

Nacht in meine Stube ein

Und holte sich zurück.

 


 

Aufschläge 7045 – 7047

 

Nichts erfasst der Mensch, der

Tropfen löst sich kugelrund vom

Wasserhahn, ich halte meinen Finger unter ihn

Und bringe ihm das

Ende, das ist glaubhaft,

Und die

Tänzer in dem aufgeblähten

Bauch des Pferdes sieht man nicht,

Man sieht sie einfach nicht, man sieht sie nicht,

Und niemand traut sich mit dem

Messer den Kadaver aufzustechen.

 

 

 

In der Stadt, lief ich mit meinem

Körper gegen ein Relief, das war aus dünner

Bronze und so hoch als große Hauswand,

Und ich war mit meiner

Schulter angestoßen, dass ich niederfiel,

Ich schlug auf schmale

Bretter, die das ganze stützten, und der

Wind fiel in das stramm gespannte Segel,

Und das Kunstwerk fuhr mit mir davon,

Es hatte mit der

Abfahrt bis auf den Zusammenstoß

Gewartet.

 

 

 

Jemand sprach mich an und wollte

Kieselsteine von mir haben, um den

Heimweg zu verschönern,

Ja, er wollte sie erst waschen und dann

Links und rechts die

Zufahrt damit zieren,

Und ich hatte nichts, was ich ihm hätte geben können,

Und er sagte gleich, dass er nur wenig brauche,

Und es sei genug und wusch vor meinen

Augen alles aus,

Das nahm er mit und war zufrieden.

 


 

Aufschläge 7048 – 7050

 

Spät am

Abend sandtest du mir deine

Grenze in mein Haus,

Sie ist ein schmaler

Brief, den ich zu öffnen hab,

Ich hätte heute Morgen noch gesagt:

„Mir bleibt ja keine

Wahl, denn dieser Tag, den du gern

Ungeschehen machen möchtest, hat begonnen,“

Aber nun weiß ich mir keinen Rat, die

Grenzverletzung wird mich töten, wenn ich sie gestatte,

Und vor mir erlaube ich dem

Bildschirm, dass er hinter seine eigne

Wand tritt, mir von dort berichtet,

Und es dauert lange, lange,

Und ich höre keine Zeichen mehr

Und gebe auf.

 

 

 

Drei der

Seiten meines

Zimmers haben einen falschen Platz,

Es ist die Frage nach dem

Zwischenraum ganz unrichtig gestellt

Und ist an einem

Sitzstuhl zu erkennen, der steht dreifach hier:

Er selbst, sein

Schatten, der erst auf den Boden und dann weiter über eine

Rückwand fällt,

Und drittens bildet er sich ab in einem Spiegel,

Und die Existenzen liegen in der rechten

Hand, die ruht auf einem Lampenschalter

Und kann frei entscheiden.

 

 

 

Später höre ich dich lesen,

Und du sprichst von einem

Nagelschild, mit dem du kämpfen willst,

Und keiner, der dir zuhört, wagt zu lachen,

Weil man noch nicht weiß, wie es auf deiner

Seite wirklich aussieht,

Und ich stehe hinter dir

Und könnte sagen, dass dort alles leer ist,

Dass du gar nicht

Existierst.

 


 

Aufschläge 7051 – 7053

 

Du redetest zu viel

Und machtest alles käuflich,

Und der

Helm auf deinem Kopf war

Erde, die man über eine Unschuld häufte,

Weil sie ohnehin nur unter einem

Schutzschirm leben konnte,

Und du hörtest die

Musik darunter, die war ganz aus

Leichtmetall und fiel auf dich;

Ein räuberischer

Mörder, der an dir vorbeiging und sich auswies:

„Ich hab eine lange Strafe abgebüßt, weil ich in

Tötung lebte,“

Konnte dich nicht irritieren, deine

Gleichgewichte waren angeschraubt

Und standen fest.

 

 

 

Etwas weiter drüben ging ich in ein

Gotteshaus, das nenne ich nur so, damit ich weiß,

Wovon ich spreche,

Und in Wahrheit war es eine große

Kuppel, die im Echo lebte,

Und man schwieg darin,

Und als ich eintraf, war es so, dass ich noch aus dem

Raum der Kuppel stehlen konnte, was sich in der

Deckenwölbung selbst gefangen hielt

Und sinnlos an die Rundung prallte,

Und hier durfte niemand reden,

Nur zu hören war erlaubt.

 

 

 

Schmerzlos musste alles sein,

Und schlimme

Dinge wurden aufgeführt in einem

Katalog, den hatte jeder vor sich liegen,

Um darin zu blättern und um nachzuschaun,

Und meine rechte Hand war diese

Nacht am Armstumpf eines völlig fremden

Menschen angenäht,

Es hatte alles seine Richtigkeit,

Und in dem Katalog war nichts zu

Finden.

 


 

Aufschläge 7054 – 7056

 

Ich stand in einem

Wartezimmer und es stach ein leuchtend roter

Sonnenstrahl herein, der schnitt die

Schwebeteilchen aus dem Raum, dass sie nun

Deutlich wurden,

Und man rief mich auf, weil ich nun an der

Reihe war, ich sollte diesen Strahl bewachen und sofort die

Meldung machen, wenn ein

Teilchen ausschied oder eines neu hinzu kam,

Und ich war der falsche

Wachmann, weil ich außerhalb der

Straße meine Augen offen hielt, und lange, meinte man,

Müsst ich noch auf die

Heilung warten.

 

 

 

Man hatte mir vom

Nebenraum erzählt und ihn beschrieben,

Und er wäre später nur für mich,

Und bis man ihn errichten konnte, würde viel

Verständnis nötig sein,

Er musste, weil er nur für mich sei, ohne

Wände sein und sollte hier in dieser

Höhe an dem Hochhaus hängen

Und mich wirklich isolieren.

 

 

 

Vor meine

Sonne hielt ich eine grüne Scheibe,

Und sie schien hindurch und spielte selbst ein

Spiel,

Und ihrerseits nahm sie nur einmal eine

Hand vor ihre Augen,

Und die

Scheibe wurde unnütz.

 


 

Aufschläge 7057 – 7059

 

Man lockte mich mit einer

Alltagsforderung, ich öffnete die

Tür zum Eingang,

Die fiel hinter mir unsichtbar in die

Mauer,

Und ich stand in einem

Turm mit einer Wendeltreppe, die galt mir,

Ich stieg hinauf und hatte kein Verständnis,

Meine Blicke suchten schon im Voraus um die Kurve,

Und es war nichts abzusehen,

Und ich war es leid,

Die

Fische, die hernieder fielen aus dem blauen

Himmel, sagte man, entließe nur ein

Wirbelsturm weit über uns,

Der hatte sie zuvor dem

Meeresarm entrissen,

Und ich wurde es noch einmal leid, ein

Bild zu sehen,

Das bestand aus falsch herum gesetzten

Buchstaben, aus lückenhaftem Text,

Ich sah, die Grenze des Erträglichen war nicht gerade,

Wie ich immer dachte.

 

 

 

Dann sah ich ein

Blatt Papier am Boden liegen, das war nicht mehr weiß,

Und irgendjemand hatte irgendetwas unterschrieben,

Und ich dachte an die

Selbstbefriedigung, die lag in jeder Unterschrift,

Und zwischen braunem

Samtstoff lag ein loser roter Seidenfaden,

Den sah ich mir voller Misstraun an und wollte ihn entziffern,

Und ich las an ihm.

 

 

 

Hinter einer

Glasvitrine standen Taubenvögel,

Und ich sah hinein und auch hindurch

Und achtete auf eine

Stimme der Vitrine, die war schwach und schwankte,

Und ich dachte an das

Glas, das es zerbrechen konnte und auch an die

Malerin davor, der sah ich auf die

Finger und ins Werk,

Die Tiere standen vor dem Abflug,

Und kein Träger kam,

Mir etwas abzunehmen.

 


 

Aufschläge 7060 – 7062

 

Blütenweißer

Wasserfall der Rispen schlägt auf

Steine deines Gartens,

Meine

Hand verfärbt sich unter einem

Tropfen Bittermilch des Löwenzahns,

Aus deinen

Brüsten trat einst andrer Saft

Und stand in kleinen Quellen,

Damals nährtest du ein Kind,

Und heute wirfst du deine langen

Haare über deine Stirn in einen

Frühling, um sie besser auszukämmen

Und den

Sonnentanz in deinem Nacken zu genießen,

Und es fällt das

Blatt von deinem Mund, weil es sich dort, in dieser

Stellung, nicht mehr halten konnte.

 

 

 

Kurz vor dir verwandelt sich mein

Kuss in Bitterkeit des Ginsters,

Dass ich mich erinnern soll,

Ich falle nicht zurück,

Es ist, ich weiß nicht was, und warte auf den neuen

Wandel, der schlägt diese

Wolke um in eine Lust, mich an dem

Gelbbusch zu vergreifen,

Deine Zähne bleiben völlig rein

Und in der Reihe,

Und du siehst mir zu und wartest.

 

 

 

Ich weiß von deinem

Leben, dort auf dem Balkon,

Du siehst, du hörst, du riechst ganz anders als die

Menschen, die weit über dir in unbekannten

Höhen wohnen und die

Füße nie auf diese Erde setzen,

Und sie gehen, sehen, riechen, hören,

Soviel weiß man, alles umgekehrt.

 


 

Aufschläge 7063 – 7065

 

Heute, als ich nicht mehr daran dachte, sprang ein

Ball ganz plötzlich auf mich zu,

Ich musste reagieren

Und ihn fangen oder schlagen oder laufen lassen,

Und ich dachte, dass es wohl derselbe

Ball von gestern war, denn der ging mir verloren,

Weil ich ihm nicht nachsah, als er sich im

Fliegen abhob,

Ich saß immer noch im

Baum, inmitten Blüten wilder Kirschen,

Und ich führte ein Journal von ihrem

Aufbruch an bis zum Zerfall,

Dann würde ich mich wieder zeigen,

Doch auch dieser

Ball ging mir verloren.

 

 

 

Tags darauf war es ganz anders, weil ein rotes

Blütenblättermeer in einer

Flut anstieg und dann sofort verebbte,

Und in einer

Gabel saß in hohen Ästen jener

Zufall, der mich gestern so bedrängte,

Und nun langte ich nicht mehr hinauf,

Ich hatte das Journal beendet.

 

 

 

Irgendjemand machte ohne

Worte eine Häusermalerei an großen

Wänden, die erklang in unsrer Straße als ein

Echo das sich dauernd wiederholte,

Und man könnte

Glockenläuten darin hören, wenn man es nicht

Besser wüsste.

 


 

Aufschläge 7066 – 7068

 

Man hatte diesen

Neutag ausgerufen, das war gut,

Ich sah mich um und fand den kleinen

Blumenstrauß verwelkt,

Den hatte ich ganz frisch vor wenigen

Minuten in das Glas gestellt,

Ich fand auch einen

Kletterer mit nackten Füßen im Gebirge,

Der stieg schnell empor,

Man sagte mir, dass hier der

Stein ganz weich sei und man hinterlasse seine

Spuren, und es wäre gut so,

Und ich hatte nur gesehen, dass die

Höhe ständig zunahm, wie zum

Trost warf ich dir Münzen über mörderische

Spalten zu, in deinen Schoß,

Du saßt dort drüben auf dem

Nadelkamm,

Ich wagte nicht daran zu denken, dass die

Felsen unter dir schon endeten,

Und du stiegst weiter auf.

 

 

 

In der

Haustür standen Männer, die verglichen die

Maschinen,

Und ich ahnte nicht, wovon sie sprachen,

Und sie setzten sich am

Ende völlig falsch zusammen,

Und man fragte mich und wies auf einen kleinen

Vogel über uns, der zog dort seine Kreise:

„Ob ich gläubig wäre,“

Und ich sah zu meinen

Füßen graue Krähenvögel an dem Felsvorsprung im

Aufwind stehen,

Und sie waren unbegreiflich nahe.

 

 

 

Drüben stürzten

Bäume um, die hatten ihre

Wurzeln nur auf nacktem Fels,

Das erste kleine Echo, das auch nicht aus diesen

Bergen kam, ja dieses erste kleine

Echo packte sie am Stamm

Und brachte sie zu Fall.

 


 

Aufschläge 7069 – 7071

 

Über mich rollt schwer und scharf der

Knall des Überschalls,

Und tief im Feld steht hoch ein Einzelbaum

Im gelben Grün der jungen Triebe,

Weit darüber schiebt sich eine Lerche

Mit den kurzen Flügelschlägen ihrem hohen

Lied beständig näher, unterbricht den

Flug und fällt ins Nichts,

Man will mich etwas fragen, und ich weiß nicht was,

Und mit den

Worten springt ein Erdtier dicht an mir vorbei,

Es sieht mich gut, und es verharrt ganz kurz,

Dann laufen alle

Farben wieder ineinander.

 

 

 

Vor mir liegt das

Tagebuch auf meinem Tisch,

Ich seh es an, und es zerreißt sich, ohne meine

Hilfe in sehr schmale Streifen,

Die befestigt irgendjemand irgendwie als

Vorhang vor dem Ausgang,

Und es ist jetzt schwer geworden

Nachzulesen, was der Vortag brachte,

Und fürs Heute müsste ich dort erst

Hindurch.

 

 

 

Wenig

Zubehör liegt draußen, und man sagt, die

Silberfolie soll die

Vogeltiere von der Jungsaat scheuchen,

Und es kann nicht sein,

Denn tausendfach gestaltet und zerknittert

Spannt sich ein metallner Himmel über uns

Und alles,

Und die Diebe haben gar kein Mitleid,

Und mit langen Stangen brechen sie noch

Glasvitrinen auf und sehen doch auch so hinein

Und könnten sich von deren Leere nur mit ihren

Augen, die nichts sehen,

Überzeugen.

 


 

Aufschläge 7072 – 7074

 

Man schrieb die ideale

Landschaft aus und hängte die

Entwürfe in die Galerie,

Und ich hing unter ihnen,

Und es schmerzte nicht, man nahm auch

Rücksicht auf die Menschlichkeit, die haftete an mir,

Und andre hatten außerordentlich Verständnis,

Und sie streuten, von dem

Eingang kommend, einen

Sandweg, eine schmale Spur bis hin zu mir,

Und jeder der Besucher setzte seinen

Fuß ein wenig nur daneben,

Und man ahnte gleich das knirschende Geräusch,

Das wollte man vermeiden.

 

 

 

Unter unsrer

Auswahl war auch die Entscheidung,

Irgendeiner musste sie noch treffen,

Und man ging von Saal zu Saal,

Ich selbst vertrieb mich aus dem

Wohnhaus, das befand sich noch am Anfang,

Und zur

Zeit befand ich mich ganz nah und unter einem

Zimmer mit der Nummer

Dreizehntausend.

 

 

 

Fremde

Menschen kamen zur Besichtigung,

Man durfte sie nicht fragen,

Und ich fragte doch und drang auf eine Antwort,

Und man drängte sich um mich und sprach von einer

Neuerung, die andrerseits verwirrte,

Und man hob die Kinder hoch, damit sie mehr

Und besser sehen konnten,

Und man ging davon,

Und nicht einmal die

Fragen schrieb man auf

Für später

 


 

Aufschläge 7075 – 7077

 

Die

Sonne fiel ins

Zimmer und beleuchtete die goldne

Schlangenhaut, es war kein Tier in ihr, ihr

Schweigen stand im Raum, und niemand hörte zu,

Sie wand sich und gebärdete sich lebend,

Rollte lautlos hin und her im warmen Licht,

Und irgendjemand müsste sich wohl damit gürten,

Sie um seine Nacktheit legen,

Und ich wollte es nicht sein und war es nicht,

Und auf dem

Boden lagen Silbertropfen ihres ausgespritzten

Giftes.

 

 

 

In dem

Großraum spielten in verschiednen

Nischen gleiche Instrumente gleiche Melodien,

Man hörte alles falsch,

Von beiden Seiten kam der Eindruck,

Und man konnte sich nicht wehren,

Und so sperrte ich in meinem

Kopf die Räume zu und legte schwere

Balken der Gedanken vor die Tür,

Und die verrieten mir,

Dass außerhalb der

Frieden brannte.

 

 

 

Es fiel ein

Tanzkostüm auf einen Stuhl,

Das war so leicht, ich blies es mit dem

Atem hoch,

Es schwebte über mir, die

Tänzerin entstand ganz neu darin und tanzte ihre

Farben,

Alles handelte vom weißen Blut, von schwarzem

Eifer und dem roten Willen,

Und es reichte meine

Zeit nicht aus.

 


 

Aufschläge 7078 – 7080

 

Das Unterholz war dicht,

Und meine

Haare hielten sich ganz fest darin,

Wenn ich sie überstrich, sie glätten wollte,

Unterschied ich sie nicht mehr von

Nadeln oder Blättern trockner Bäume,

Unter mir lag Trümmerschutt,

Hier war von einem

Augenblick zum anderen das

Kirchendach herabgestürzt, ich ging auf den

Verschütteten, auf Lockenschöpfen und auf Grauhaar, meine

Sohlen brannten,

Und das Kirchenschiff, in dem ich stand,

Frohlockte über einen freien Himmel,

Und ich konnte mich nicht mehr entscheiden,

Meine Flügel klebten fest als

Teer auf sie hernieder tropfte.

 

 

 

Draußen zündete ein

Mensch die Flamme an und dankte,

Und es sprang ein

Funke auf die Steine,

Und es war nicht einer unbehauen,

Und man sah auch zwischen den

Reliefs die Abfahrtzeiten, die man mit dem

Meißel damals eingeschlagen hatte,

Und ich war verspätet,

Und das Lesen hatte ich verlernt

Und stand armselig über mir.

 

 

 

Mir blieb nur das

Problem, mich mitzuteilen,

Und ich fragte dich,

Du riefst mir zu, es wäre nicht genug,

Und andre lachten über unsren großen Abstand,

Du standst zwischen mir und mir,

Und ich stand zwischen dir und dir,

Wir waren uns sehr nahe, und das

Pfingstfest klopfte an,

Wir wussten vorher,

Dass es kommen würde.

 


 

Aufschläge 7081 – 7083

 

Ich sandte meine

Ohren aus, die lauschten an dem

Stein, der sprach vom Wasser,

Das hätt ihn hierher gebracht,

Und nirgends sah ich einen

Fluss und keine Küste,

Und der

Stein sprach, dass es gestern schon gewesen sei,

Und damals hätte es mich nicht gegeben,

Und ich stünde auf dem

Boden eines Meeres,

Alles ginge viel zu schnell,

Es fiel ihm auch noch ein, dass er zuvor zum

Baustein eines Gotteshauses auserkoren war,

Das mochte nun geschehen,

Und ich richtete ihn aus, dass seine

Stirn in Richtung seines Glaubens zeigte,

Darum bat er mich und dankte,

Alles andre läge nicht in seiner

Hand.

 

 

 

Hinter deinem

Wohnhaus würdest du dir einen Garten bauen wollen,

Und du schriebst mir einfach, dass du in die hinterste

Gelegenheit den Teich gestalten möchtest,

Und du wolltest nur verstehen lernen,

Dass man in die Tiefe eines

Wassers schauen musste, um den

Himmel zu begrenzen.

 

 

 

Diesmal hatte ich mich vorbereitet,

Und der

Regen würde nicht umsonst an meine

Fenster schlagen,

Und ich lag in meinem

Bett und wachte, über alles spannte sich ein großes

Zelt, der Regen würde darauf treffen

Und mich warnen, denn das

Wohnhaus würde mich nicht

Ewig schützen können.

 


 

Aufschläge 7084 – 7086

 

Gestern schrieb ich dir vom

Himmel, der war zu begrenzen,

Ich vergaß dabei die

Dunkelheit, sie ist ein Teil von ihm,

Und über meinen Tisch weht eine leichte

Fahne Maiglöckchenduft, die schwebt ganz ohne

Schatten,

Und der Blütenstaub der Kiefer wäre ihr ganz ähnlich,

Meinte man nicht, dass man alles besser wüsste.

 

 

 

Meine Sorge ist, dass ich mich teilen müsste,

Und was wüsste ich von mir, dem anderen,

Wir träfen uns vielleicht als

Fremde wieder,

Und die

Schwarzschrift bricht, wenn man zu lange darauf starrt,

In eine Farbe auf,

Sie wird ein wenig rot,

Und auf der andren

Straßenseite gehe ich von mir getrennt,

Und schmerzlich ist es, zuzuschauen,

Meine

Arme reichen nicht hinüber,

Und die

Straße, die dazwischen liegt,

Wird viel zu schnell befahren, ist besetzt

Und duldet keine Unterbrechung.

 

 

 

Von der

Wasseroberfläche steigen Schwäne auf,

Sie brauchen lange, um sich abzuheben,

Und ich kenne das

Geräusch, das ihre Schwingen machen,

Wenn ich bete, spreche ich genau die gleichen

Worte, und die

Tiere fliegen tief, tief über mich hinweg,

Man wird mich sicherlich erhören.

 


 

Aufschläge 7087 – 7089

 

Zwei

Vogeltiere saßen an der Tränke, warmer

Wind umspülte meinen Nacken,

Vor mir fiel ein kleiner

Wasserfall ein wenig aus dem

Garten über einen Kunststein,

Und ein feiner

Regen blühte auf zum Diamanten,

Aus dem

Baumdach über mir, beträumten mich die

Blütenblätter,

Jedes, jedes, jedes war für sich,

Und irgendwo lag unter einem

Stein, ganz nah, vielleicht auch weit entfernt, ein

Gruß, der war für mich bestimmt,

Ich musste warten und geduldig sein,

Und dieses Flüsschen litt ganz einfach unter

Erdenschwere, die es abwärts rinnen ließ.

 

 

 

Die

Luft, in die ich atmete, verlief in Strudeln,

Auf der Oberfläche drehten sich die

Tagesreste, und der eigne

Abfall kam nicht von der Stelle,

Und ich pflanzte endlich

Gärten der Geräusche darin an,

Die würden zart beginnen,

Und in ihren Wurzeln würden sich die

Netze knüpfen.

 

 

 

Zwischen allem standen bronzene

Figuren,

Und ich fand ein freches

Mädchen unter ihnen, das sprach mich gleich an, vom

Künstler habe es auch einen

Namen mitbekommen, der sei in dem Sockel eingeschlagen,

Und ich sollte suchen,

Und ich fand nur eine

Ordnungsnummer, die las ich nicht vor,

Ich schämte mich und ging in seinem

Rücken fort,

Es konnte mich nicht sehen.

 


 

Aufschläge 7090 – 7092

 

Du trugst ein

Stachelhalsband unter einem hingehauchten

Tuch, das deinen Körper weit umschlang,

Und es versteckte eine Dornenreihe,

Und es roch an dir der

Regen dieser Nacht,

Die Äste waren grün bemoost

Und feucht und glatt,

Dies war der

Treffpunkt, den wir ausgemacht,

Den wir vereinbart hatten,

Und du warst bewaffnet gegen dich,

Und meine

Arme waren mir umsonst gewachsen.

 

 

 

Der

Regen hatte aufgehört, die

Seufzer schliefen langsam ein,

Die

Schlafnacht trieb in schwüler

Hitze durch die Zimmer,

Der erwachsnen Frau entglitt das

Stofftier,

Und ich lehnte mich an ein Geländer,

Das gab endlos nach

Und ließ mich doch nicht fallen.

 

 

 

Wir luden

Freunde ein, die aßen

Abendbrot mit uns,

Und einer sprach vom roten

Licht und einem Leuchtstaub der Verheißung,

Die läg über dieser Runde,

Und wir tranken nichts als Tee

Und aßen Brot,

Ja, wir betrafen uns einander,

Und ich hatte meine

Ungeduld bekundet, die mich lähmte,

Und ich wurd von euch

Gefüttert.

 


 

Aufschläge 7093 – 7095

 

Gestern fiel ich in ein

Schlangennest, man nahm mich freundlich auf,

Ich fand den

Frauenleib, von dem ich träumte, unter einem kühlen

Kleid, das locker hing und weit,

So schloss

Verrat die Treue doch nicht aus, ein

Kuss sprang mir blitzschnell auf meine Wange,

Und sein Gift war süß, es drang durch meine Haut

Und legte sich auf meine Zunge,

Und ich würde niemals mehr dem

Blinden in die Augen sehen wollen,

Meine

Spucke schäumte hinter den geschlossnen

Lippen.

 

 

 

Mit dem

Eisen schlug ich in das

Holz, dass ich erschrak,

Ich sah erst jetzt, was vor mir lag,

Vielleicht sollt ich es spalten oder mit dem

Eisen vor den Trockenrissen schützen,

Oder sollte ich vielleicht ein

Schnitzer werden, der die Sache falsch begann,

Und aus den hundert Bildern wählte ich das eine aus,

Das dir sehr ähnlich war,

Du stauntest über meine Meinung und dein

Lächeln blieb im Ansatz stecken.

 

 

 

Früh am

Morgen schnitt ich Flieder ab,

Der

Regen saß noch auf den Blättern,

Und ich kletterte von einer Leiter in den Baum

Und schnitt

Und schnitt

Und schnitt, und las am andren

Tag von einer Katastrophe, die das

Meeresbeben an dem fernen

Küstenstreifen unter hunderttausend

Menschen angerichtet hatte.

 


 

Aufschläge 7096 – 7098

 

Das

Frühjahr war vorbei und du entdecktest es im

Nachhinein,

Nun erst wärst du geboren,

Von den

Schmerzen in dem Mutterleib hätt man dir nichts erzählt,

Und jahrelang war jede

Einzelheit an dir vorbeigerannt,

Und alle Menschen, die du lange kanntest,

Waren auferstanden,

Und du schautest voll

Erwachen in die Welt, die war dir neu,

Und jemand drehte an Geräten, und man sprach von

Dingen, die du nie gesehen hattest,

Sicher waren sie entstanden, als du noch mit ihnen

Lebtest.

 

 

 

Als du dich in deiner neuen

Sonne sahst, erhobst du dich,

Ich sprang herzu und schnitt die

Drähte, die dich in der Fassung hielten, durch

Und feilte auch die spitzen

Reste nieder bis auf deine Haut,

Es sollte dich nichts mehr erinnern an die

Gegenwart, die solltest du als erstes liegen lassen,

Meine Augen schweiften ab von dir,

Ich gab es zu, sie schweiften allzu oft im

Nacken junger Mädchen, die an mir vorüber gingen,

Ihre spitzen

Füße rissen mich mit fort.

 

 

 

Im

Stadtbild, ganz in meiner Nähe, stand ein junger

Brunnen,

Täglich sah ich ihn und saß auf seinem Rand,

Ich freute mich, wenn ich mich dort entdeckte, über die

Begegnung,

Und zu meinem

Liebweib sprach ich über mich

Und gab nicht zu, dass ich mit meinem

Rücken viel zu nah am

Schachtrand stand.

 


 

Aufschläge 7099 – 7101

 

Du lebtest immer in der

Freiheit und du merktest nichts davon,

Und neben dir schlug jemand einen

Sklavenleib aus Stein, den

Kopf jedoch beließ er unbehaun,

Das war die

Ohnmacht, die der Künstler nicht aus ihren

Augen schauen ließ,

Und ich in meiner Sklaverei genieße jede

Freiheit, die ich habe,

Und als ich in

Freiheit lebte, lebte ich in

Sklaverei und streckte meine

Hand nach einer gelben

Traube aus, die wuchs an dem

Goldregenbaum in seinem Gift.

 

 

 

Man rief dich auf, du warst im letzten

Jahr verstorben,

Und man hatte dich geehrt

Und wollte dich noch einmal ehren,

Und ich stand im

Garten auf dem Rasen, der war sauber,

Und man hatte eigentlich die

Samen dieses Grases auf den

Menschenleib gestreut und ihn verklebt,

Er war bei guter Pflege aufgelaufen,

Und er grünte nun in allen Farben.

 

 

 

Drüben sollte ich mich an der

Pforte melden und mit einem

Messingreifen klopfen,

Und ich sah genau, dass hinter dieser

Pforte, die ein

Rahmen hielt, sich weiter nichts befand,

Es stand dort kein Gebäude,

Und es war kein Mensch zu sehen,

Und man sagte mir, dies wäre eine

Sache des Vertrauens,

Und ich ging und klopfte an,

Es war natürlich ganz umsonst,

Und auf der andren

Seite fühlte sich nicht einer

Angesprochen.

 

(2011:Aufschlag 7101, Frankfurter Bibliothek der Klassikerausgabe …)

 


 

Aufschläge 7102 – 7104

 

Die

Tischuhr steht auf einem Buch,

Ich sehe über meine

Schulter zu dem Tisch,

Und ich verstehe nichts von dem

Zusammenhang, der zwischen

Uhr, dem Buch und mir und einem

Rückwärtsblick zum Tisch besteht,

Daneben liegt das braune

Hundetier im Sonnenfleck und ist der

Schlüssel, den ich suche:

Ich entdecke zwischen

Zeit und Denkgewohnheit, Eigenheit und Suche keinen

Unterschied,

Und auch der Stahldraht, der mir in meinen

Reifen stach, weil ihn die Straße freigab, lebt in der

Berechtigung,

Man bog ihn längst beiseite.

 

 

 

Aus dem

Nachbargarten dringen

Bilder bis in meine Stube,

Und sie existieren hier,

Ich schließe alle

Fenster, und sie bleiben,

Und ich gehe fort,

Sie folgen mir, sind überall

Und werden schließlich schwächer,

Diesmal waren sie noch ohne

Farben, das wird sich bald ändern,

Und Geräusche hören mich nicht mehr.

 

 

 

In einem

Schreibgerät saß eine

Prüfungskommission, die lebte in der Dunkelheit,

Und sie erfasste alles, was zu schreiben war

Und klagte nie,

Sie war nicht festzustellen und erfüllte ihren

Auftrag ganz unmerklich und

Vollkommen.

 


 

Aufschläge 7105 – 7107

 

Es hing ein

Bügel an der Wand, der war aus Draht,

Man hatte ihn geformt, um

Kleider aufzuhängen,

Er war leer und schaukelte sich in ein

Gleichgewicht,

Wie sollte ich ihn je erreichen,

Und ich stieß ihn immer wieder vor dem

Stillstand an und wagte nicht, mich zu entfernen,

In den kurzen

Pausen schrieb ich den Bericht, dass man in meinem

Rücken schon von meiner Not erführe,

Und ich dachte an das

Gleichgewicht, an den Bericht und an die

Leute hinter mir,

Von denen wusste ich nicht einmal,

Ob sie wirklich existierten.

 

 

 

Eine

Lösung fiel mir ein, die

Schrauben, die uns fest am

Boden auf dem Sockel hielten,

Konnte ich entfernen,

Und ich ging zunächst alleine fort,

Es war ein

Fallen und ein Stürzen über unbekannte Dinge,

Und von euch, die ich nicht löste, blieb mir kaum mehr die

Erinnerung, so schnell war ich so weit gekommen und

Entfernt.

 

 

 

Ich musste

Gegenstände pflegen, das verstand ich gut,

Und machte meine

Arbeit, wie man es verlangte,

Und nur einmal, als ich mich zu sehr vor meiner

Pflege fürchtete, erteilte ich mir

Hausverbot,

Das galt solang ich lebte,

Und ich hielt mich streng daran

Und ließ mich nie mehr sehen,

Und ich lebte oft in dem

Verbot und merkte nichts davon.

 


 

Aufschläge 7108 – 7110

 

„Buschwindröschen, weiß und rosa,

Nun weiß ich genau, wozu ich fähig bin,“

Und werf mich in den

Sand zu ihren Füßen, küsse unsre Erde,

Unterbreche das Gespräch

Und male mir das Himmelsblau, wahrhaftig, wie es ist,

Es taucht sich selber ein in eine

Morgenröte,

Heute Abend ziehe ich es dort heraus,

Und zwischendurch gieß ich den

Eimer gelber Farbe über alles hin,

Darunter, weiß ich, schwimmt ein kleines

Körnchen Gold,

Wird blendend blinken,

Und ich werde warten bis heut Abend.

 

 

 

Es war nicht dieses

Selbstgefühl der Macht, das mich erhob,

Es war der mürbe

Stoff, der meinen Blick durchließ,

Dahinter sah ich einen

Fluss, der über scharfe Grate in die Tiefe fiel,

Ich hörte auf die

Stimme dieses Wassers, das mich warnte

Und mir zeigte, wie mich

Einsamkeit erschrecken könnte,

Und ich sah zu einem

Fressnapf, der stand auf dem

Boden und versorgte unser Tier,

Ich fand ihn noch gefüllt mit

Nahrung.

 

 

 

Abends traf ich mich mit fremden

Leuten, denen gab ich meine

Kleidung, dass ich nackt vor ihnen stand,

Man lobte meine Bravheit,

Und man fragte, ob ich von der

Brücke springen würde,

Unter mir der

Fluss sei völlig unbefahren,

Und kein Schleppkahn und kein

Boot sei weit und breit,

Ich sollte einzig das

Geländer überwinden,

Alles andre stünde mir dann frei.

 


 

Aufschläge 7111 – 7113

 

Ich hatte ganz vergessen, dir von meiner

Erdbeerfrucht zu schreiben,

Von dem

Saft, den ich erträumte, lange vor dem ersten

Biss ins warme Fleisch, der lag in meinen

Ohren,

Und es war ein ganzes

Feld noch nicht geerntet,

Und es lag und reifte unter blauer Sonne,

Und dies war kein Urteil, das mir jemand vortrug,

Sondern frei war ich mit allen

Sinnen.

 

 

 

Hinter mir brach dann dieselbe

Sonne durch das

Grünglas hoher Blätter,

Und sie selbst hielt sich verborgen,

Über ihrer eignen

Helligkeit stieg, weißer noch, ein

Strahlenbündel auf,

Das zierte diese Bäume, setzte ihren

Kronen eine eigne

Krone auf.

 

 

 

Dein

Vorwurf traf mich deshalb schwer,

Das

Quälen hatte doch schon längst ein

Ende, jede Qual bei weitem überschritten,

Und du folgtest mir,

Und du bespucktest meine

Fußspur einzeln, so verhasst war dir der

Duft von frischen

Erdbeerfrüchten,

Und ich konnte diese

Schuld nicht mehr ertragen,

Und ich hinterließ mit jedem

Schritt den neuen Abdruck,

Der, so sagtest du, entstünde absichtlich von mir,

Um dich noch weiterhin zu quälen.

 


 

Aufschläge 7114 – 7116

 

Durch die

Farbschnur trennte man den

Straßenbau vom Sommergarten,

Rot wuchs

Mohn aus schwarzem Gras,

Und ich blieb unbeteiligt, weil man mich auf diese

Weise hintergangen hatte,

Rotes Mohnblatt konnte ich mit roter

Kreide nicht beschriften,

Und es blieb kaum Zeit,

Die ersten langen Stiele fielen in die

Bauarbeiten,

Und die Blumen ließen ihre

Röcke aufgeschlitzt zu Boden sinken,

Und es war ein

Zwischenfall, der schien mir nur belanglos,

Und er zwang mich zur Bescheidenheit.

 

 

 

Du hattest einen

Eisenbügel ganz verbogen,

Und er zeigte in die falsche Richtung,

In der Zeitung las ich von dem

Unfall zwischen einer

Mähmaschine und dem Menschen, der war fest im

Kornfeld eingeschlafen,

Und ich bog die

Demut an der schwächsten Stelle hin und her,

Das hatte ich mit

Kupferdrähten oft gemacht,

Ich wusste auch, wie sehr manch

Kerkermeister an dem Häftling hing,

Und trotzdem war ihm keine der

Erniedrigungen groß genug.

 

 

 

Ich schwieg aus

Höflichkeit und sah mich um in diesem

Haus,

Es war ein großes Haus, das lud mich ein,

Ich fand nicht einen

Hinweis auf die Kunst, so dass die

Angst, die Kunst könnt mir zur Falle werden,

Größer wurde,

Und die

Türen hielt man fest verschlossen,

Und die Gäste müssten jeden

Augenblick, so sagte man, erscheinen,

Und man fragte auch, ob ich mit Etwas

Vorbereitet wäre.

 


 

Aufschläge 7117 – 7119

 

Es las mich eine

Frau, die lag in einem Krankenhaus

Und fand mich ganz normal,

Und anderswo las mich ein

Mann, weil er mich töten wollte,

Das fand ich normal,

Und alle andren, die mich lasen, lasen mich

Normalerweise,

Und sie sprachen meinen

Tod im Leben aus,

Ich aber blätterte die Seite um,

Das kostete mich noch ein

Jahr.

 

 

 

Im

Schlaf, vielleicht, es mochte sein, dass ich erwacht war,

Fasste ich mich an,

Die eigne Hand wurd nun zur fremden

Hand in eigner Hand,

Ich wachte auf, dass mich der

Schlaf so überraschte,

Und ich fand nun doppelt

Glück, ja zweifach Glück,

Und alles schrieb ich auf in dieser Nacht

Und grub die Worte ein in dem Papier,

Das fand ich später nicht mehr wieder.

 

 

 

Sonst war ich verspätet,

Und es fiel nicht auf,

Ich hatte keine

Eigenliebe wie die anderen

Und lebte ohne Regeln,

Alles was mich band, erreichte mich von außen,

Und ich hielt mich daran fest so gut ich konnte,

Trotzdem fiel mir manches losgelassne

Seil in meinen Schoß,

Es wäre ohne jeden

Sinn, würd ich nach

Gründen dafür suchen.

 


 

Aufschläge 7120 – 7122

 

Heute wohnen wir in

Kugelhäusern, die sich irgendwie bewegen,

Und sie rollen unsichtbar und unbeweglich

Über alles hin,

Ich wusste wirklich nicht bis jetzt,

Dass in die andren Häuser, neben mir, das

Leben überspringen konnte,

Und die Kapsel riss entzwei,

Ich hörte aus der

Nachbarkapsel eine frohe

Stimme Lieder singen,

Sie war ganz allein, besang die runden Wände,

Und sie sah mich plötzlich vor sich stehn,

Und sie erschrak und schwieg und hatte nie den

Riss aus einer fremden Kapsel miterlebt,

Hier drang nun

Leben ein und aus,

Und lange sprach ich schon mit dir.

 

 

 

Hinter mir band man ein

Bündel langer Rohre fest zusammen,

Und sie hingen an dem

Seil, das drehte sich ganz ruhig,

Und ich sah durch sie hindurch

Und sah mit einem

Aufschrei in die Sonne,

Der würd schon nach

Augenblicken auf ihr landen und verbrennen,

Und das Bündel drehte sich

Gefährlich langsam frei vor meinem Himmel.

 

 

 

Jemand störte mich und fragte nach

Reserveteilen,

Und es war im

Grunde eine Falle, die mich, weil ich sie erkannte,

Gleich in Panik trieb,

Ich gab mich aus Versehen selber her

Und wurde so verwendet wie ich war,

Und schlimm, schlimm, schlimm war mein

Verständnis für die

Leute, die so handelten.

 


 

Aufschläge 7123 - 7125

 

Meine

Worte, sage ich, sind wahr, nur deshalb kann ich sie

Begreifen mit den Händen,

Und sie liegen hier,

Ich kann sie wägen, und ich fülle sie in

Kleinen oder großen Mengen ab,

Sie sind auch transportabel und verschiebbar,

Meine Worte existieren von alleine,

Und ich nehme mir davon so viel ich brauche,

Überall sind sie das

Fußbett, das ich hinterlasse,

Und sie liegen auf dem

Weg, den ich begehe,

Und im Garten zimmere ich mir aus

Hölzern eine Nackenstütze,

Dort hinein leg ich den Kopf.

 

 

 

Du schriebst auf geschriebnen

Büchern Ungeschriebenes

Und schriebst auf

Katalogen, Prüfberichten, Übersichten,

Und es stieg der

Wert von jedem einzelnen ins Unermessliche,

Man machte neue

Listen, um sie alle zu erfassen, die du so erfasstest,

Um die alten Listen zu ersetzen,

Die bedeuteten dagegen gar nichts.

 

 

 

Jedes meiner

Worte war zugleich ein Unwort,

Liebe war Besitz und

Speise war Verderben,

Hunger, Strafe und Verbannung waren

Bündel, die zum Himmel stachen und nie rosten würden,

Rost, so sagte jemand, sei

Betrug von Anfang an,

Er sitze jedem unter jedem Fingernagel,

Und es bliebe nur die

Mühsal ihrer Pflege, die sei eine

Lüge.

 


 

Aufschläge 7126 – 7128

 

Fensteraussicht und zwei Fensterflügel,

Und ich sehe die

Entfernung meines Raumes, eines

Raumes, den ich selber einnehm, mit dem

Kopf in Wolken,

Mit dem Kopf in Kronen hoher Bäume,

Mit dem Kopf auf meinen Schultern,

Und ich frage nach dem

Zeitvergleich, der kann nicht gegenständlich sein,

Und doppelt leben ist nicht zweifach leben,

Und was danach kommt, vermag ich nicht zu sagen,

Könnte sein, dass einem

Tod ein zweiter folgt,

Vielleicht sogar ein weiterer.

 

 

 

Man wollte mir in einer

Wohnung das Museum zeigen,

Das sei so bei jedem

Menschen, jeder habe sein Museum,

Und man ging mit mir zu mir,

Ich wollte gar nichts glauben,

Und in meinem eignen

Zimmer war nichts mehr vertraut, die

Möbel waren fortgeschafft,

Wir stießen auf drei

Stühle, die in einer Reihe standen,

Und auf jedem ihrer

Sitze brannte Feuer, das ein wenig rauchte,

Und es legte niemand nach, das

Feuer ging nicht aus, die

Stühle konnten nicht verbrennen,

Und es war ein kaltes

Feuer, das dort loderte.

 

 

 

Ich sah mich trotzdem um,

Ich wollte ja nichts glauben,

Und vielleicht befand ich mich zur Zeit in einem

Dreifachbild, das brauchte ich nur

Aufzuklappen oder zuzuklappen,

Ja, vielleicht sollt ich nur einfach darin

Weiterleben.

 


 

Aufschläge 7129 – 7131

 

Im

Wald sang eine Nachtigall,

Zu ihren

Füßen lehnte sich ein

Maler an den Baumstamm,

Und er sammelte die

Melodien, die über ihm entstanden, auf,

Sie waren

Hölzer, die er unter einem kleinen

Nachtlicht gleich bemalte,

Nicht ein einziges war wie das andere,

Er dachte an sein

Triptychon, das stand in einem Atelier,

Das war sein eignes Werk,

Und es beschrieb das

Recht, und die Gerechtigkeit und in dem

Mittelteil das Urteil,

Jetzt in dieser

Nacht erschien ein Mond und spiegelte die eigne

Blässe in dem

Rotblech, Weißblech, Blaublech wider,

Die benutzte er darin als Fenster.

 

 

 

Einsam wurde es als der

Gesang verstummte,

Morgentau schlug sich in einem

Glasbruch nieder, dass ich mit dem

Finger diesen Hauch für mich erspüren konnte,

Und es war in jedem

Fall zu wenig, viel zu wenig,

Und die Stadt, der ich zu dienen hatte, wurde eng

Und gab auch nachts nichts mehr.

 

 

 

Unter weißer

Sonne ging ich an denselben Platz,

Wo nachts die

Nachtigall gesungen hatte,

Es versammelten sich hier weit über hundert

Menschen, die erkannten in der

Malerei das Nachtgeschehen,

Und sie sprachen über

Tat und Wahrheit und versuchten ein

Verbrechen aufzuklären,

Und mit mir, das sagte man mir gleich, hätt diese

Untersuchung nichts zu tun,

 


 

Aufschläge 7132 – 7134

 

Wir mussten alle warten,

Und ein sanfter

Wind, vielleicht auch eine unnachahmliche

Bewegung deines Kopfes, hob die langen

Haare hoch und schlug sie zu mir hin, ergoss sie über mein

Gesicht und in den offnen Mund,

Du warst entsetzt,

Es war doch wirklich weiter nichts passiert,

Und zwischen uns verschoben sich die

Wolkenfelder nur unmerklich,

Beide sahen wir dorthin