Home   Archiv   Ausstellungen   Autor   Besucher   Impressum/Copyright   Künstlerportrait   Literaturgutachten  

Presse/Literatur   Presse/Ingenieurarbeiten   Vita

 

Aufruf

zu Olympia – olympische Spiele!

 

 

 

Olympische-Ringe.jpg

 

Olympia braucht eine geistige Fackel!

Hiermit erkläre ich „Lyrik“ zur alle anderen überstrahlenden ersten Disziplin.

Als erster Anwärter des ersten Wettbewerbes schlage ich dem Olympischen Komitee das Gedicht vor:

Aleppo mon amour.

Tragt diesen Gedanken weiter, bis er das Komitee erreicht!!

Harald Birgfeld, Heitersheim, 3. November 2017

 

 

Aleppo mon amour

 

Es steht ein viel zu langes Video im Internet,

Das heißt „Aleppo mon amour“, und es ist gänzlich

Ohne Ton.

Ich kenne nur die Kriegsberichterstattungen aus

Nachrichten und meiner Tageszeitung

Und erfahre so von kellerbrechenden Granaten und von

Bomben, die sich selbst in neue Bomben sprengen.

 

Diese Stadt war eine Stadt, und wer sich dort

Bekämpft, weiß niemand mehr.

An Flucht ist nicht zu denken.

Auf dem Video sieht man die Krater in den

Häuserwänden, wenn sie denn noch stehen.

Gleich dahinter lauern Heckenschützen

Auf dem ersten Rang.

Darunter wachen und bewachen auch die

Wenigen, die überleben.

 

Drüben an der Hauswand steht ein junger

Mann, der plötzlich das Gewehr aus seinen

Händen fallen lassen muss, weil ihn die Kraft verlässt.

Im Niederstürzen tränken sich sein Hemd

Und seine Jeans mit Blut.

 

 

 

Er liegt sekundenlang, dann springt aus einer

Kellerwand die junge Frau, versucht ihn

Aufzufangen, und erkennt sofort wie wenig

Hilfe sie ihm bringen kann, in Angst umschlingt sie

Seinen Kopf.

Sie ist mit schwarzem Tuch

Verschleiert angekommen,

Doch jetzt reißt sie das mit einer

Einzigen Bewegung ganz vom Leib und gibt ihm

Ihre Brust.

 

Die Straße ist von Menschen leer.

Verzweifelt hebt sie seinen Kopf auf ihren Schoß.

 

Die Berge Schutt und das Zerstörte rundherum

Erwachsen in Reliefs zu Heiligtümern, und die

Stille dieses Videos zerschneidet jedes Schweigen,

Dass ich Schüsse, Schreie, Kinderschluchzen,

Explosionen und Sirenen höre.

 

Köpfe in den Häuserlöchern harren in

Bewegungslosigkeit, und Läufe der Gewehre werden

Eingezogen.

 

 

 

Jeder hier erkennt nun Liebende, die

Abschied nehmen.

 

Sie legt ihn behutsam auf die Straße und den

Schleier als ein Bündel unter seinen Kopf,

Sieht sich dann um und schaut zum Himmel.

Ruhe um sie her wird nochmals still.

Von oben droht ihr nichts, und

Häuserwände schwanken nicht.

 

Sie kommt ganz langsam hoch,

Hebt in der Blöße ihres

Oberkörpers das Gewehr vom

Boden auf, und schwenkt es in die Richtung

Wo der Schuss gefallen war.

 

Sie zielt, als ob es Absicht ist,

Zu lange und zu ungenau.

Sie fällt.

 

Drei Männer, die den Schutt als Deckung nehmen,

Und die weiße Helme tragen,

Wollen helfen.

Mit geübten Griffen ziehen sie den

Schwerverletzten unter ihrem Körper fort.

Sie drehen sie noch einmal zur Kontrolle

Auf den Rücken,

Doch es bleibt vergebens.

 

 

 

Harald Birgfeld aus: Großes Liebestestament

Copyright 2017 beim Autor, Harald Birgfeld.