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Harald Birgfeld, Webseite seit 1987/ Website since 1987

 

Aufruf

zu Olympia – olympische Spiele!

 

 

 

Neu: Die Entdeckung der eigenen Zeit, 2018 (im Entstehen)

 

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Lyrik, Prosa und Ingenieurarbeiten

 

 

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Cover Ausschnitt.jpg

 

Der vorliegende Gedichtband spannt in

37 Liebesgedichten den Bogen von Freundlichkeit und Harmonie und Liebe und Verständnis z.B.

in „Naturgetränke aller Art“, bis zu Lust auf Eigenglück wie in „Liebestestament“.

 

 

Liebestestament

 

Lyrik, 2015

 

Harald Birgfeld

Jetzt „Liebestestament“ direkt online bestellen sowie im Buchhandel, 44 Seiten, Format A5.

 

€ 4,99 inkl. MwSt.

 

Zum Buchshop

ISBN 9783738645101

 

„Liebestestament“ ist auch in den USA, Großbritannien und Kanada unter obiger ISBN und bei abweichenden Preisen bestell- und lieferbar.

 

Auch als E-Book

 

€ 3,49

 

Zum Buchshop

ISBN 9783739259994

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Copyright, Urheberrecht 2015 beim Autor, Herausgeber, Redakteur: Harald Birgfeld,

e-mail: Harald.Birgfeld@t-online.de

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten)

 

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Augenblick der Zauberei

 

Baum der Träume

 

Das Sprungbrett ihrer Zunge

Die beiden Fackeln in Dessous

Die Mulde deiner Hand

Die süßen Qualen unsrer Liebe

Du in deiner Welt

Du warst nur blind

 

Eine süße Frucht

Eine süße Vorsicht

Endstation der langen Suche

Es geht mir wirklich gut

Es ist das Bett so weich

 

Hinterher

 

 

 

Ich hatte auch ein Spiel erdacht

Ich sog süßen Honig deiner Blüten

Ich war allein

Ich, dein Pflücker

Im Mittagslicht

Im Torkelflug des Schmetterlings

 

Lass nicht los

Liebesinsel

Liebestestament

Liebesvogel

 

Mein Unbesitz

Meine Fee

Mir knöpfte sie die Bluse auf

 

Nach dem Picken eines Täubchens

Naturgetränke aller Art

 

 

 

Rosen voller Eifersucht

Rosenblüten kamen dir so nah

 

Suche nach verlorner Zeit

 

Tradition

 

Viel Blumenwerk und rosa Seide

Voller Lebensfreude

Von einer Andersartigkeit

Vor dem Schlaf im Schlaf

 

Wabenbau und Honigernte

Wie dich lohnen

 

Zeit genug

Zwei Vasen

 

 

 

 

Die Mulde deiner Hand

 

Ich schrieb ein kleines Buch.

Darin bekam der Kuss Bedeutung.

Nicht, dass man nun denkt,

Das Buch ist klein und daher

Schmilzt ein Kuss zum

Handkuss, den man heutzutage kaum

Zu geben wagt,

Obwohl ich leidenschaftlich gern die

Mulde deiner Hand mit Küssen

Fülle,

Nein, mein Kuss ist kleinster

Abstand zwischen deinen Lippen

Und den meinen,

Ist Versprechen und vielleicht

Erfüllung.

 

 

 

 

 

Die beiden Fackeln in Dessous

 

Wir gingen langsam auf das

Auto zu.

Mit meinem kleinen linken Finger

Hatte ich den Daumen ihrer

Rechten Hand berührt.

Ich hätte lieber meine ganze

Hand in ihre eingetaucht,

Darein gefaltet.

 

 

 

Ich war größer, und von oben sah ich

Auf die beiden Fackeln in Dessous,

Umrahmt mit kleinen Spitzen.

Meine Finger hätte ich mir gern daran

Verbrannt

 

 

 

 

Nach dem Picken eines Täubchens

 

Sie lehnte, nach dem

Picken eines Täubchens aus dem

Glas, die Hand als glatte

Feder auf den Tisch und dann, fast wie

Versehentlich, mir auf den Arm.

 

 

 

Flog dann ein Stückchen hügelan

Mir auf die Schulter,

Drehte leicht die rosa Mulde ihrer Hand

Als Trinkgefäß ganz dicht an meinen

Mund zum

Trunk daraus und

Kuss darein.

 

 

 

 

Mir knöpfte sie die Bluse auf

 

Mir knöpfte sie die Bluse auf,

Dass ich erschrak vor Glück.

 

 

 

Sie aber kühlte sich mit rotem

Wein, den sie darauf vergoss

Und sagte gurrend, dass es doch

Verschwendung sei,

Nur wegen dieses kleinen Unfalls,

Ihn nicht abzutrinken.

 

 

 

 

Im Mittagslicht

 

Deine Wohnung lag der meinen gegenüber,

Auf der andren Häuserseite.

Unsre Fensterflügel hätten sich im

Kuss berühren können.

Dafür liebte ich dich

Umso mehr.

 

 

 

 

Im Mittagslicht sah ich jedoch wie du

Dort drüben dich entkleidetest und einem

Fremden Mann in seine Arme sankst.

Du grüßtest noch mit deinen

Augenwinkeln, dass mir leere Blässe in die

Glieder schoss.

Danach verdeckte euch ein

Säulengang.

Du sagtest später:

„Das bedeutet nichts, das war ein alter

Freund von früher, der hat sich an mich

Erinnert“.

 

 

 

 

Viel Blumenwerk und rosa Seide

 

Sie versprach mir einen Gabentisch

Nach hitzelangem Sommertag.

Sie nannte keinen Grund dafür und ließ mich

Warten.

 

 

 

Als ein Glöckchen schellte, ging ich in ihr

Zimmer, das im Sonnenuntergang und

Strahlenwarm beleuchtet war.

Sie lag dort rücklings auf dem

Tisch, war gänzlich unbekleidet, nur

Drapiert mit drei der kleinsten,

Artigsten Verhüllungen, die jeder schnelle

Atem hätte in die Lüfte heben können.

Um sie her, fast wie zum Wärmen nah,

Viel Blumenwerk

Und rosa Seide.

 

 

 

Mein Gesicht war über ihr und sie sah mir die

Freude an:

„Es liegt nun alles auf dem Tisch der

Gaben“.

 

 

 

Rosenblüten kamen dir so nah

 

Du drücktest deinen zarten Frauenrücken,

Den nur leicht ein Hemdchen schützte,

In den Rosenstrauch.

Der nahm dich in die Arme, und ich

Fühlte deinen Schmerz.

Dein Lächeln zeigte auch ein wenig

Zweifel.

 

 

 

Rosenblüten kamen dir so nah,

Als wärest du ihr Stamm,

Und deine braunen, langen Locken

Legtest du vorsichtig unter sie.

Sie wuchsen dir aus

Kopf und Stirn.

 

 

 

Du standst im

Blütenrausch als du mir sagtest:

„Ja, ich liebe Liebe, die mich

Schmerzt und die mich

Fest in ihren Armen hält“.

 

 

 

Endstation der langen Suche

 

Mein Leben war bisher das

Atmen eines Leidenlosen und zugleich des

Unermüdlich Suchenden,

In meiner Stadtbahn hielt ich immer wieder

Ausschau nach vielleicht der Einen,

Vorsichtig und unaufdringlich,

Doch mir galt kein Blick zurück.

Dann eines Tages endlich spürte ich im

Tunnel Augen auf mir ruhn

Und blickte ins Gesicht der Frau,

Die ich noch nie gesehen hatte,

Deren Anblick mir jedoch sofort vertraut

Und Endstation der langen Suche war.

 

 

 

Ich wusste immer schon, dass wir uns

Unverhofft begegnen würden.

Sie war lautlos, fast nicht mehr

Vorhanden als sie hauchte:

„Tut mir leid“.

Ich war mit meinem Mund nah an ihr

Ohr gekommen:

„Tut mir leid und was“?

„Das mich was zwang dich anzusehen“.

Dabei senkte sie den Blick.

 

 

 

 

Es kam ein Halt, in dem ich

Platz für andre machen musste,

Sah sie für Sekunden nicht.

Dann war sie fort.

 

Die Fahrzeugbremse war für andre Not gedacht.

 

Ich traf sie niemals wieder.

 

 

 

Du warst nur blind

 

Ich fasste Mut und sprach sie an

Und kam auch gleich auf uns:

„Wir gingen damals auseinander,

Konnten trotzdem miteinander reden,

Das war viel“.

Sie war sehr schnell:

„Daran erinner ich mich nicht.

Wir haben uns danach nicht mehr getroffen“.

Ich erneut:

„Das mag gewesen sein.

Ich traf bei dir jedoch auf unverhofftes Glück.

Wir hatten uns gesucht und

Stimmten überein und waren uns in vielem gleich.

Ich hätte dich nie missen wollen.

Doch ich war wie du gebunden,

Und ich gab deshalb nicht nach“.

Sie sagte sanft:

„Du hattest die Gelegenheit bei mir,

Die hast du nicht genutzt“.

 

 

 

Mir fiel jetzt vieles wieder ein:

„Du legtest damals deinen Kopf in meinen Schoß.

Das war Beweis der größten

Liebe einer Frau zu mir in meinem Leben.

Ich verleugnete vor mir mein

Eignes Leben und gestand

Dir einmal meine Liebe ein, nur einmal,

Mehr erlaubte ich mir nicht.

Das weißt du doch genau.

Nein, nein ich will mich nicht beklagen“.

Sie darauf:

„Das hast du nie getan,

Du warst nur blind mir gegenüber.

Ja, ich wollte dich erschießen,

Mit der Waffe meines Vaters“.

Ich war traurig als ich sagte:

„Schließlich wolltest du ein Kind von mir,

Das konnte ich nicht wagen“.

Sie fast wie erschöpft:

„Heut bin ich innerlich ergraut

Und ausgetrocknet“.

Da tat weh.

 

 

 

Ich wagte nicht sie in den

Arm zu nehmen, sagte aber:

„Du siehst freier aus als je,

Bist voll erblüht“.

Sie strafte mich gleich Lügen:

„Du alleine hättest eine

Frau aus mir gemacht“.

Dann stand sie auf und ging

Und sah nicht mehr zurück.

 

 

 

Eine süße Frucht

 

Mit Engelshaar bezogen, gleich der

Haut des Pfirsichs,

Blass und rosa schimmernd,

Waren deine Wangen eingerahmt von

Dunkelbraunen Wendellocken, die ein

Ohr verdeckten und dir

Auf die Schultern und den Rücken fielen.

Eine süße Frucht, die meine

Augen zum Verweilen

Anhielt.

 

 

 

Damals suchten wir im Vorstand

Personal und ich stand dir als erster

Vor.

So frisch und neu war die

Verlockung, dass ich glücklich war,

Als du nach deinem Vortrag sagtest,

Dass dich dein Verlobter vor dem

Haus mit seinem Wagen, gleich nach dem

Gespräch zurück nach

Hause bringen würde.

 

 

 

 

Suche nach verlorner Zeit

 

Ich war bei Proust mit den Gedanken,

Dachte wie unendlich filigran er die

Zerbrechlichkeit des Äußeren, der

Angeborenen und anerzogenen Ästhetik,

Seines Sinns von Schönheit,

Seinen Wunsch nach höchstem Anspruch

Auf die Männer und die Frauen, die ihm

Nahe waren, übertrug.

 

 

 

 

Die Schlichtesten und Einfachsten

Der Frauen gaben sich ihm hin,

Die Edelsten jedoch verwarfen ihn.

Er dachte, das läg an dem

Stand, in dem er sich befand.

 

 

 

Beschreibungen der Zeiten seines Krankenlagers

Oder stundenlanger Blicke auf das Meer mit

Sonnenuntergängen, den unendlich vielen

Farbabstufungen des Wassers, Himmels

Und der Landschaft, ja der Räume

Die ihn tags und nachts behüteten,

Verrieten immer wieder seine

Ausgedehnte Suche nach verlorner Zeit,

Die er in jedem und in jeder Schönen,

Deren Armen und Bewegungen,

Dem eignen Aufschrei des Begehrens

Und auf jedem noch so fein geschmückten

Frauenhals, auf nackter Frauenhand

Und über alle Maßen feinbesticktem Überhang

Zu finden und dann

Festzuhalten hoffte.

 

 

 

Rosen voller Eifersucht

 

Sie hatte rosa Malven auf dem

Tisch.

Dazwischen himmelblauen Korn.

Der wuchs im Weizenfeld,

Vielleicht fand man ihn auch am

Wegesrand davor.

 

 

 

 

Ihr Herz hing an der Form der

Blüten, nicht an deren Kelch,

Der jeden Blick in seine

Tiefe zog.

Nur für Sekunden, wenn es niemand

Sah, gab sie der einen und der andren

Blüte einen Kuss.

 

 

 

Sie hielt dabei die Fenster mit den

Händen abgedeckt, weil draußen ihre

Rosen voller Eifersucht es

Sehen könnten.

Denen hatte sie die einzig wahre,

Ewig lange Liebe

Zugesichert.

 

 

 

Die süßen Qualen unsrer Liebe

 

Wir hatten uns verliebt und

Liebten uns einander, und wir

Sprachen ohne Vorbehalt darüber,

Aber, ich war außer mir, als du die

Augen zu mir aufschlugst und mir

Lächelnd sagtest:

„Ja, ich liebe dich und einen anderen“.

 

 

 

 

Du wolltest daraus kein Geheimnis machen,

Zeigtest Glücklichsein und wolltest deine

Lieben mit mir teilen.

Das verstand ich nicht und wollte dich und deine

Wurzeln aus mir reißen.

 

 

 

Das verstandst du gut und legtest mir

Trotzdem den Finger auf den Mund:

„Vielleicht empfindest du ja auch wie ich

Die süßen Qualen unsrer Liebe,

Die sind wunderbar.

Ich will sie immer nur mit dir,

Mit dir allein und sonst mit

Keinem teilen“.

 

 

 

Ich hatte auch ein Spiel erdacht

 

Die braunen Lockenhaare

Hingen lang bis tief auf deinen

Rücken.

Manchmal trugst du sie zum

Zopf geflochten, dann ganz offen

Über Schultern, Hals und wieder in den

Rücken.

Als ich dich besuchte, hattest du ein

Spiel erdacht.

Die Haare lagen dir, in deiner

Rückenlage, auf der Brust und über deinen

Leib verteilt.

Ich dürfte dich erst dann berühren,

Wenn ich sie, Mikadostäbchen gleich,

Von dir zur Seite brächte,

Ohne, dass du meine Hände oder Finger

Auf dir, an dir spüren, sehen oder fühlen

Konntest.

 

 

 

So verging ein langer Abend,

Nichts geschah.

Dann kam die Dämmerung, die ließ dich

Ruhig schlafen.

Ich jedoch sah lange schon zuvor den

Bernsteinkamm an deiner Seite liegen,

Den rieb ich als Zauberstab an einem

Ledersofa, das stand neben mir und hob damit

Die Haare, magisch angezogen,

Bündelweise erst nach links und dann nach rechts

An deine Seite.

Zwei ließ ich, wie zum Beweis gleich einer

Miniaturverhüllung deiner Weiblichkeit, auf deinen

Brüsten liegen.

 

 

 

Dann erwachtest du und sagtest gleich:

„Du hast mich wirklich sanft entkleidet,

Das war gut.

Ich hab dir hinter meinen Augen zugeschaut.

Ich hab dich nicht gespürt,

Du hast mich nicht berührt, nicht mit den

Händen und nicht mit den Fingern,

Und ich hab sie nicht an mir und nicht auf mir gesehen.“

 

Darauf sagte ich zu dir:

„Ich habe Zeit gehabt und nachgedacht

Und dabei etwas nicht ganz Neues neu erdacht,

Das nenn ich ‚Wolkenspiel und Regen‘,

Wo wir uns, wie seinerzeit im

Djin Ping Meh, ganz eng

Begegnen werden“.

 

 

 

Ich sog süßen Honig deiner Blüten

 

Auf der andren Straßenseite

Stand ein Baum in Blüte.

Es war später Abend, und die

Junikäfer und die Fledermaus

Umflogen ihn.

 

 

 

 

Ich dachte an den Duft, den deine

Haare leicht verteilten, wenn ich dicht

Genug an ihnen war.

 

 

 

 

Im Traum, den ich mir wünschte,

Wurdest du zum Baum,

Und ich sog süßen Honig deiner Blüten ein.

Es war ganz leicht, auf einem

Zweig zu landen, aber du bliebst

Fern.

Du wusstest nicht, dass ich dich

Suchte.

 

 

 

Von einer Andersartigkeit

 

Du wolltest mich, nicht meine

Liebe.

 

 

 

 

Weil ich dich nicht ohne

Liebe lieben konnte,

Warst du ehrlich, und ich

Dankte dir.

 

 

 

Du hattest andere Gefühle,

Und im Aufwind deiner

Ehrlichkeit entdecktest du dich

Neu, und sprachst von einer Andersartigkeit

An dir, die würde mich viel

Mehr als alles was ich bisher an dir kannte,

Aber fremd berühren.

 

 

 

Wie dich lohnen

 

„Halt, du willst mich lieben?

Gestern war die Zeit dafür

Doch heute nicht.

Du weißt warum?

Vielleicht auch nicht.

 

 

 

 

Und heute möchte ich, dass du mich

Liebst und einfach in die Arme nimmst

Und weiter nichts.

Du nimmst mich an,

Ich fühl mich wohl und denke auch

An dich.

 

 

 

Gefiele ich dir mehr,

Wenn ich dich dafür lohnen würde?

Ich vergaß, ganz aus Versehen

Und ganz unabsichtlich,

Wie dich lohnen und

Womit?“

 

 

 

Lass nicht los

 

Wir gingen Hand in Hand am

Berghang, und ich sah, wie eine

Nebelwand von unten in die

Höhe kroch, sich plötzlich um uns legte,

Dass wir unsre Hände nicht mehr

Sehen konnten.

„Lass nicht los“,

Rief ich dir zu und hatte Angst

Um uns.

Die kam ganz plötzlich und sie hatte

Nichts mit dir zu tun.

Ich ließ dich aber langsam los

Und machte einen Schritt

Zurück.

 

 

 

 

Der Nebel blieb und hüllte uns in

Eiseskälte, dass mein Herz gefror.

 

Du hattest ein Gespür dafür, und als es

Heller wurde, sah ich dich schon weit entfernt

Auf unsrem Weg ins Tal.

 

 

 

Es hatte keinen Sinn

Dir noch zu folgen, und ich winkte dir

Nicht nach, als du dich noch ein

Letztes Mal zurück

Und zu mir drehtest.

 

 

 

Es ist das Bett so weich

 

Als wir in den Bergen waren

Und am sommerlichen Nachmittag

Auf abgemähter Wiese lagen,

Eng an eng,

Zog ein Gewitter auf, das

Wasserwarmen Regen mit sich brachte.

 

 

 

 

Unsre Lagerstatt wurd mir zum ungemachten Bett,

Das uns jetzt scheinbar nicht mehr wollte,

Deshalb drängte ich dich aufzustehen:

„Lass uns gehen, schnell“.

Du aber strecktest dich und recktest deine

Glieder unter mir:

„Es ist das Bett so weich für mich,

Und ich bin deine erste Frau,

Hast du gesagt und auch, dass du mich

Liebst.“

 

 

 

„Das stimmt, ich liebe dich“.

„Ich lieb dich auch.

Und dies Gewitter, dieser Regen, der mich

Warm in seinen Armen

Hält und nimmt wie du,

Ist mir ein Haus, in dem ich gerne

Und für alle Zeiten mit dir wohnen

Und für immer

Leben möchte“.

 

 

 

Ich war allein

 

Als ich heimkam, lagen auf dem

Tisch zwei Rosenblütenblätter,

Weißlich gelb der Ansatz

Und dann im Verlauf

Burgunderrot.

Ich schob sie zueinander und es

Wurden kleine Schiffchen, die in

Eintracht übers Meer des

Kirschbaumtisches segelten.

 

 

 

 

Ich war allein und wäre gern

Mit dir in einen Sturm geraten,

Nein, viel lieber an entferntem

Inselparadies gestrandet, so wie heute,

Als die fremde, junge Frau sich aus

Versehen an mich lehnte.

 

 

 

Ihre üppig langen, blonden Haare und ihr

Blassgesicht verschmolzen augenblicklich

Zu dem gelben Sand, dem leichte Wellen ihres Lächelns

Und die Freiheit ihres Kleides

Küste gaben.

 

 

 

Zwei Vasen

 

Lange musste ich in deiner

Wohnung auf dich warten.

Abendliche Stille wurde still.

 

Auf einem fein geflammten Tisch aus dunklem Holz

Gewahrte ich zwei

Schwesterlich und nahe beieinander

Abgestellte weiße, porzellangemachte Vasen.

Eine schlank, gefüllt mit Bauernrosen.

Der Geruch von aufgebrochner Erde und von

Erntedank, wie ich ihn gerne trank,

Ging von ihr aus, hing vorsichtig im Raum.

 

 

 

Die andere, vom Vasenboden rund und hüftenfraulich

Im Verlauf zum züchtig hochgeschnürten Vasenhals,

Ließ mich das üppig Ausgeschwungene,

Ganz ohne jede Blumenpracht

Und nur an sich, und nur von mir,

Bewundern.

 

 

 

Als du schließlich in dein Zimmer kamst

Und ich dich ansah,

Unsre Augen sich begegneten,

Entschiedst du über mich:

„Du bist nicht so wie sonst.

Dein Blick geht unter meine

Haut.

Was findest du an mir“?

 

 

 

Ich, dein Pflücker

 

Du saßt auf einer Schaukel,

Die hing meterlang im Park von einem

Baum herab, war viel zu lang für

Kinder.

Schwung, den du dir gabst, entführte dich

Erst weit nach oben, dann im

Sturz zu mir herab, und mit der Neigung

Deines Körpers, deiner Beine wieder auf.

 

 

 

Du riefst im Schwingen:

„Pflück mich doch“!

Und zeigtest im

Vorbeiflug deine nackten Beine, und dein

Rock flog himmelan.

Auf deiner Schaukel konnte nichts

Geschehen.

 

 

 

Doch dann hieltst du an und glittst mir

Langsam in die Arme.

Deine leichten Schuhe hattest du

Längst abgestreift als wir uns, du die

Braunhaar langgelockte Frucht und ich,

Dein Pflücker, sich in einen

Korb aus Buschwerk unter schattendunkle

Wolkenbäume legten.

 

 

 

Mein Unbesitz

 

Du bist mein Unbesitz.

Das wollte ich nur sagen, nicht viel mehr

Und auch nicht weniger.

Du aber sagtest gleich:

„Nein, ich bin deine Frau“.

 

 

 

 

Das konnte und das wollte ich von dir nicht

Hören und ich sagte:

„Du bist dir Besitz und dein.

Du bist nicht mein, nur du hast jedes

Recht auf dich“.

Du aber gabst die Antwort:

„Wenn du mich nicht willst, so wie ich bin

Und wie ich dir gehören möchte,

Dann verzichte doch“.

 

 

 

Der Schattenmann in meinem Rücken

Gab mir Zeichen:

„Lass sie sein, sie ist so wie sie ist“.

Das fiel mir leicht.

Ich nahm dich in die Arme,

Willigte dann ein in dich

Und bin ganz insgeheim dein

Unbesitz.

 

 

 

Vor dem Schlaf im Schlaf

 

Ein letztes Mal ging ich

Zu dir.

Es war schon spät und du lagst

In der Nacht

Und schliefst vielleicht.

Ich kannte mich gut aus an dir

Und legte meine Hand

Auf deine Brust, dann auf den Schoß.

 

 

 

Ich konnte mich nicht, ohne dich

Berührt zu haben, in die

Nacht begeben und entschuldigte mich

Leise mit den Worten, die ich fand,

Doch fand ich keine Worte

Und war still.

 

 

 

 

Du aber sagtest leise:

„Es ist schön für mich, noch vor dem

Schlaf im Schlaf von dir zu träumen.

Deine Hände sind mir Traum und

Inbegriff“.

 

 

 

Hinterher

 

Wir standen in der

Eingangstür, die öffnete in beide

Richtungen und führte links und

Rechts davon in unsre Zimmer,

Die sie trennte, die uns aber auch ins

Freie führen konnten.

Jedes Zimmer war verschlossen

Und zugleich ein Teil von einer

Freiheit, die der andere nicht kannte,

Nicht erkennen konnte.

Unsre Blicke reichten nur von dir zu mir

Und umgekehrt, und würde einer zu dem

Andren gehen, wäre ihm der

Blick zurück für alle Zeit

Genommen.

 

 

 

Ich entschied mich schnell und

Ging zu dir, an dir vorbei und nahm den

Blick aus dir mit mir und baute für uns beide

Eine neue Eingangstür, die führte nur in eine

Richtung, nur in einen Raum,

Der wies die Freiheit, die sich dort verbarg

Stets als die eigne aus.

 

 

 

 

Du hast es gern, wenn ich dir

Hinterher Geschichten, so wie diese hier,

Erzähle.

 

 

 

Baum der Träume

 

Wir gingen in der Nacht in unsre Gärten,

Um das ferne gelb-weiß-rote Schmiedefeuer

Eines Wetterleuchtens über regenschweren

Wolkenwänden, angelehnt an Bergmassive,

Zu erleben.

 

 

 

 

Beide waren wir bei ganz verschiedenen

Gelegenheiten aufgeschreckt und langsam,

Vorsichtig in unsre Nacht gegangen,

Falls dort jemand tief in unsrem Rücken

Auf uns warten würde, denn den hättest du

Die Suche nach Umarmung, Schutz und Zuversicht

Und ich die Sehnsucht nach Berührung

Wissen lassen.

 

 

 

Ich verlangte sehr nach dir.

Wir konnten uns jedoch nicht kennen,

Wussten voneinander nichts

Und lehnten jeder an dem

Baum der Träume.

 

 

 

Zeit genug

 

Sie sagte:

„Ich weiß nicht, wie schnell du bist.

Ich kann mich aber eine Zeitlang,

Zwischen engen Mauern in der

Schwebe halten, dann versag ich allerdings“.

 

Sie tat mir leid.

Sie kannte nicht die kleine Stütze einer

Halterung für ganz besondere Benutzung,

Die war in dem Fahrkorb der nach oben oder

Unten fuhr.

Wir eilten hin, wir waren ganz allein.

 

 

 

Ich schaltete die Haltesteuerung mit einem

Unischlüssel ab, und wir gelangten ohne

Unterbrechung in die oberste Etage.

Dort ließ ich mir Zeit mit dem

Entriegeln.

 

 

 

 

Draußen wartete ein junges Paar, das stieg

Danach mit ein.

Er zischte der Begleiterin empört ins Ohr:

„Es riecht hier irgendwie nach

Sperma“.

Sie dagegen:

„Ach, das bildest du dir ein“

Und schmiete sich,

Als wären wir ihr nicht Beweis genug,

So eng und fest es ging

An ihn.

 

 

 

Eine süße Vorsicht

 

Ich kann es gut verstehn, dass jede

Frau die Schönste ist, und dass man es

Ihr sagen muss, obwohl doch viele

Frauen schöner sind als sie.

 

 

 

 

Sie weiß das und sie weiß, dass ich es weiß

Und dass mir ihre Weiblichkeit weit höher steht als

Jedes Königreich.

Sie hört es deshalb gerne:

„Du bist schön. Für mich bist du die

Allerschönste“.

Das ist die Sekunde, die sie eigenartig

Lächeln lässt, die ihren Augen

Glanz verleiht.

 

 

 

Sie glaubt nun, dass es eine

Wahrheit ist, die sie auch anderen

Erzählen möchte, aber

Eine süße Vorsicht hält sie davon ab.

Es könnte sein….

Genug, das will sie gar nicht hören,

Und es soll kein anderer, doch,

Wenn es sein muss, jede andere

Davon erfahren.

 

 

 

Meine Fee

 

Das Schweben ihrer Arme,

Wenn sie nach mir langte,

War so flügelleicht, so langsam in

Bewegung, Spinnenfäden gleich,

Die mit dem Windhauch trieben,

Dass es bis zur Landung an mir dauerte.

 

Ich spürte kaum den

Druck auf meiner Schulter,

Als ich sagte:

„Du bist meine Fee, die körperlos an meiner

Seite lebt, und ich wünsch mir, was man von

Feen wünschen darf“.

 

 

 

Sie horchte auf und fragte leise:

„Welchen Wunsch hast du an deine Fee?

Du kannst es einfach sagen“.

Darauf flüsterte ich in ihr Ohr,

Doch sie erschrak:

„Du wünschst die Fee an sich

Allein für dich.

Das darfst du nicht!

Dann muss ich sterben.

Wenn ich diesen Wunsch erfüll,

Versagt mein Feensein für alle Zeit,

Das wünsch ich dir nicht und nicht

Mir.

 

 

 

Nimm mich doch bitte wie ich bin

Nur als den Wunsch, dir

Fee zu sein und deine Frau,

Sonst weiter nichts“.

 

 

 

Naturgetränke aller Art

 

Du möchtest, dass ich ein Gedicht voll

Freundlichkeit und Harmonie und Liebe

Und Verständnis schreibe, denn

Wir beide sind schon sehr betagt,

Und viel, viel Schlimmes blieb uns

Vorerst noch erspart.

 

 

 

 

In einem Garten, den wir niemals

Kennenlernen werden, gibt es wirklich

Rotweinbrunnen und Naturgetränke aller Art,

Die Luft ist lau und warm und unweit,

Dass man dahin sehen kann und gehen

Spült sich eine flache Welle nach der anderen

An gelben Strand.

Dort werden wir erwartet und man steht

Ein wenig mit den Füßen in dem Wasser.

Es sind Tische aufgebaut, mit

Üppig, farbenreichem Obst und

Meeresfrüchten, die ich so gern esse,

Und mit Blumen, deren Namen ich nicht weiß.

 

 

 

Man hat uns eine Künstlerin bestellt,

Die singt ein Lied, das uns zum

Träumen bringt und die

Erinnerung an längst

Vergangne, wunderbare Zeit.

Wir waren damals jung und unsre

Liebe, das Verlangen und das Sehnen nacheinander,

Das Begehren und das Wiederfinden,

Unser größtes Abenteuer, unser ganz geheimer

Schatz.

 

Wir trugen jeder als Geschenk vom anderen

Ein goldnes Kettchen, daran hing ein goldner

Fingernagelgroßer Schlüssel, um den Hals.

Das ist uns heute so viel

Wert.

 

 

 

Augenblick der Zauberei

 

In einer Nacht, sie war allein, ihr

Mann würd später kommen, saß sie vor der

Fast ein wenig mädchenhaft erblühten,

Purpurschwarzen Rose, die stand in der Vase

Auf dem Tisch bei dämmerigem Licht.

Die sprach sie an und nahm,

Vorbei an eigentümlichen Gebilden,

Einen tiefen Seufzer mit in ihren

Kelch.

Dort traf er auf die Dunkelheit wie ein

Versprechen.

 

Ja, sie wünschte sich ein Kind,

Und immer noch war sie von ihm

Nicht schwanger.

Das bedrückte sie.

Sie hatte aber keine Angst und war voll

Zuversicht.

 

 

 

Als er nach Hause kam und müde war,

Verstand sie ihn sehr gut und legte sich

Trotzdem ganz vorsichtig, so eng es ging,

An seine Seite.

Ihren Wunsch nahm er wie seinen,

Glaubte auch daran,

Und schlief ihr wieder bei.

Sie blieb jedoch hellwach, und

Schlaf ließ sie

Allein.

 

 

 

Sie stieg noch einmal aus dem Bett

Und ging zurück zu ihrer Rose.

Die verströmte plötzlich einen

Duft, den sie zuvor nicht wahrgenommen hatte,

Schmeckte ihn als Leiblichkeit,

Schloss ihre Augen und genoss den

Augenblick der Zauberei,

Ging dann mit jener Sicherheit, die

Ahnungslose plötzlich überkommt,

Dass das Versprechen sich erfüllen würde,

In ihr Bett zurück

Und tastete mit ihrer Hand nach seinem

Arm wie um ihm

Dank zu sagen.

 

 

 

Du in deiner Welt

 

Du sprachst mich an, dass ich erschrak,

Nicht wegen jener Plötzlichkeit,

Die kannte ich von jeder schnellen

Liebesenge zwischen dir und mir,

Nein, ich erschrak, weil wir in voneinander

Planetarisch weit entfernten

Räumen lebten,

Du in deiner Welt und ich in

Meiner,

Und du heute völlig anders warst.

 

Du kamst zurück von einem Tempel

Fremder Religiosität, den du aus Zufall,

In gewisser Neugier, nur besuchen wolltest,

Und du weintest bitterlich.

 

 

 

Ich konnte dich zuerst nicht trösten.

Dann erzähltest du, dass drinnen eine

Handvoll Menschen säße, die in tiefem

Glauben beteten und sagtest:

„Ich hab dabei nichts empfunden und empfinde

Nichts.

Ich habe keinen Glauben, keine Zuversicht

Wie die.

Warum?

Was mach ich falsch“?

 

 

 

Ich gab dir zu:

„Ich habe keinen Rat.

Gleich neben deinem Tempel gibt es aber eine

Ikebana-Schule.

Dort sind Lehrer, die aus Blumen

Wesen machen, sie zum Leben wecken,

Und aus Menschen Blumen, die die

Liebe lieben lernen.

Wenn du das erkennen kannst und selbst

Ein Blumenwerk geworden bist,

Wirst du bestimmt auch jene

Vase eines Glaubens finden, die uns

Unsre Liebe

Unsre Liebe werden lässt“.

 

 

 

Liebesinsel

 

Sie lebte im Verzicht und wollte

Rechtsanwältin werden.

Geld war reichlich da und auch Gelegenheit.

Für sie war jeder Mann ein Schwert, das sie in

Teile hätte trennen wollen.

Trotzdem sehnte sie sich sehr nach Liebe, aber

Die und Studium vermochte sie nicht

Miteinander zu verbinden.

 

Kurz vor ihrer Prüfung saß sie

Kopflos auf dem Sofa in der Wohnung ihrer

Eltern, die ihr alles überließen,

Auch die prominenten Gäste, deren

Dasein sie beflügeln sollte.

 

 

 

 

Bis auf einen Mann in ihrem Alter

Waren schließlich alle fort.

Sie sprachen schüchtern miteinander,

Und er gab ihr das Gefühl und die

Befriedigung, als er sie wie zum

Abschied in die Arme nahm, dass sie als

Frau begehrenswert und ihm das

Wichtigste auf Erden sei.

Er liebte sie nicht nur mit wenig

Worten sondern auch mit heftigem

Verlangen.

Beides konnten sie auf ihrem Sofa

Miteinander leicht verbinden.

Alles, was sie jemals wollte,

Wusste und sich vorgenommen hatte, war dahin,

Und jede Prüfung war ihr Zeitverschwendung.

 

 

 

Beide wollten fort, so schnell es ging,

Und flohen vor der Prominenz, vor der

Gesellschaft und vor dem Vermögen ihrer Eltern

Auf die Liebesinsel,

Wo sie lebenslang den früheren

Verzicht belächelten und noch im

Hohen Alter Liebe

Miteinander hatten.

 

Gerne hätten sie sich jemand

Mitgeteilt, von sich erzählt,

Doch das verbot sich.

Keiner durfte mit dem eignen Liebesglück

Vor andren

Prahlen.

 

 

 

Im Torkelflug des Schmetterlings

 

Bevor ich zu dir komme,

Schließt du deine Augen und

Verfolgst dahinter, was an dir geschieht.

Du kennst ja jeden

Schritt und alle Wege, die ich gehe,

Gibst mir trotzdem dich als

Märchenlandschaft und lässt mich sie immer wieder

Neu an dir erleben.

 

Dich bedeckt der Hauch von einem

Dünnen, transparenten, gelblichweißen Tuch,

Das zieh ich langsam an die

Seite.

 

 

 

Mit den Fingern und den Lippen reise ich dann über

Weiches, warmes Sonnenland, den Haaransatz,

Den Hals, die leichten

Hügel deiner Schultern,

Fahre, einem Segelschiffchen gleich,

An dir hinab zu den Lagunen,

Darin zu den Zwillingen der köstlichsten

Erhebungen, mit ihren rosabraunen Schätzen,

Liebesinseln zum Entdecken.

Als mein Mund im Torkelflug des

Schmetterlings auf beiden für

Den Bruchteil der Berührung

Ruhen möchte, scheinen sie sich sanft,

Mimosenhaft als falscher Sonnentau, vor mir zu

Schließen.

 

Du verschluckst den Seufzer und sprichst meinen

Kosenamen,

Dann noch einmal, und dazwischen:

„Ja“ und „Ja“.

 

 

 

Die kleine Mannschaft meines

Segelschiffchens sucht schon zwischen

Palmen, die ins Wasser ragen, nach dem

Landeplatz.

 

Du atmest viel zu heftig.

Starke Wellen heben, senken dich, dass ich,

Beinah die Steuerung verlierend, mich im

Riff verloren sehe, hätten deine

Hände mich nicht schnell gefunden,

Festgehalten und

Gerettet.

 

Dann siehst du mir ins Gesicht,

Doch ich schließ meine

Augen.

 

 

 

Voller Lebensfreude

 

Wir lernten uns gerade kennen.

Du erzähltest, dass man dir vor

Ein paar Tagen einen Hirntumor im Krankenhaus

Entfernt, herausgenommen hätte, und

Es hörte sich für mich fast

Unverkrampft und doch so plötzlich an.

Es war mir fremd.

 

Als du erzähltest, sah ich dich von hinten

Auf dem Stuhl.

Mit deinen Armen stütztest du dir links den Kopf

Auf einer Lehne,

Rechts dich auf dem Holztisch ab.

Die langen, blonden Haare breiteten sich

Als ein Tuch vom Kopf in heller Blendung

Über Nacken, Rücken und

Fast bis zur Taille aus.

 

 

 

 

Du drehtest dich mit Absicht nicht zu mir,

Das sollte vielleicht Abstand zeigen oder deine

Krankheit spüren lassen.

Ich litt mit, weil mir die weitere Behandlung,

Deine Therapie, vor Augen stand.

Die Haare würden später sicher wieder

Wachsen,

Aber warum suchtest du in dieser Zeit

Kontakt zu mir, zu einem neuen Mann?

Ich fragte dich, und du gestandst:

„Die Sehnsucht, das Gefühl, von einem

Mann gehalten, aufgefangen und umarmt zu werden,

Nicht durch ihn hindurchzulaufen,

Ist so stark, das kannst du sicher kaum

Verstehen.

Deshalb traue ich mich nicht, mich nach dir

Umzudrehen“.

 

 

 

In der kurzen Zeit der Unterhaltung

Zeichnete ich mit der schwarzen

Tinte eines Schreibers, der zusammen mit

Papier auf einem Tischchen lag, das

Bild der Frau als Rückenakt.

Der rechte Arm ließ dabei einen Lichtblitz frei,

Beleuchtete den Abstand zwischen

Oberarm und Brust,

So dass man nicht entscheiden konnte, ob sie als

Modell gesessen hatte oder angekleidet

Zufallsbildnis war.

Ich schämte mich sofort dafür.

 

Sie stand nun auf und kam, vielleicht

Weil ich so schweigsam war, zu mir und sah sogleich

Die Zeichnung, die ich wie versteckt

Nach hinten hielt, die nahm sie mir noch wortlos ab,

Umarmte mich dann aber voller Lebensfreude:

„Danke, danke!

So etwas hat mir noch nie jemand geschenkt“

Und rollte vorsichtig das Blatt zusammen, hatte gleich ein

Rosa Band zu Hand, womit sie es umschlang:

„Das ist mir mehr wert, als du jemals ahnen kannst“

Und sagte dann:

„Wir sollten uns nicht wieder sehen“

Und verließ den Raum.

 

 

 

Das Sprungbrett ihrer Zunge

 

Ihre Zunge wurde mir zum

Sprungbrett hingehauchter

Liebeslaute, als wir unser erstes

Treffen hatten.

 

Wir erkannten uns sofort, auch das was wir

Zuerst an uns erkannt zu haben glaubten.

 

Sie bewegte ihre Hände als die

Tänzerinnen auf der Bühne, das hielt

Mich zurück, weil ich das

Stück verfolgen wollte,

Sie erreichten fast wie ungewollt, die

Spitzen meiner Haare, bissen sich

Dann fest darin,

Dass ich vor süßem Aufbegehren

Mich von ihnen lenken ließ.

 

Das Stück war lange nicht zu Ende,

Mir wuchs Mut, und ich berührte leicht die

Knöpfe ihrer weiten, weißen Bluse,

Glitt dann köstlich ab von ihnen, auf den

Stoff, und stürzte weiter in den Spalt dazwischen,

Tiefer noch, dass meine Hand weit unter

Allen Stoffen Grund berührte.

 

 

 

Sie schob ihre Hände fest nach hinten,

Stützte sich dort ab und flüsterte

So laut es ging, dass es als

Sommerbrise, die sich in den Birken fing,

Die Ohren nur noch ahnen ließ:

„Du wirst es doch nicht wagen“?

Und sie sank mit einem Seufzen, das sich

Wohlig in ein Schluchzen flüchtete,

Zurück auf weiche Kissen.

 

Ihre Vorhangstoffe waren

Atemleicht, sie hoben und sie senkten sich,

Als ich darunter lag.

Sie dufteten nach Fraulichkeit und

Fraßen meine Sehnsucht auf nach ihrer

Weiblichkeit,

Ich schob sie ungelenk zur Seite,

Traf dann auf die Bühnenbilder und die

Wahre Tänzerin.

 

 

 

Wir tanzten eine lange Nacht,

Und sie gestand:

„Denk morgen noch an heute,

Ich hab dich verführt“.

 

Davor war ich sehr stolz auf mich gewesen,

Denn im Wiegeschritt des Tangos hatte ich mich

Weit, weit über sie gebeugt,

Sie fest im Arm gehalten,

Doch es herrschte hier die Frau.

 

Das Sprungbrett ihrer Zunge

Hielt mir keine Süßigkeiten mehr

Bereit.

 

 

 

 

Wabenbau und Honigernte

 

Die Geschenke deines Mundes waren

Aufbruch und Versprechen in die

Wabenlandschaft, deren flügeliges

Volk sich märchenhaft zum Schutz der

Königin ganz ohne Angriffslust

Zusammenschloss.

Dein Mund war ihr Zuhause.

 

 

 

Ich flog ein und aus wie sie, und jede

Landung auf den beiden rosa Dünen

Brachte mir den süßesten Geschmack.

 

Dein flügeliges Volk, das dir ergeben war,

Verführte ich mit einer neuen Königin und

Lockte es in sommerliche Landschaft,

Weit, weit außerhalb.

 

 

 

Bei dir verstand ich mich von

Anfang an auf

Wabenbau und Honigernte,

Du gabst mir dafür, als die

Erfüllung des Versprechens,

Aus den Kammern, vollgefüllt mit

Dauernder Enthaltsamkeit und dem

Verzicht,

Was dir mit mir nun aufzuholen war.

 

Im Überschwang bisst du mich in die

Unterlippe, in die Hand und in den Rücken,

Das war mir Liebkosung, dafür dankte ich

Mit einem Liebesbiss an gänzlich andrer Stelle.

 

 

 

Liebesvogel

 

Ich kam in deine Nähe.

Du, mit deiner Brust gelehnt an

Einen Zaun aus engen Eisenstäben,

Hattest mich mit einem Seitenblick

Belauscht, du wartetest vielleicht auf

Worte, die ich an dich richten sollte.

So sprach ich dich an als Frau,

Die mir der Zufall in den Weg gestellt,

Auf den ich jahrelang gewartet hatte:

„Tut mir leid, du wartest hier umsonst.

Denn der, auf den du wartest, wird nicht kommen,

Weil es ihn nicht gibt,

Du wartest doch“?

 

Du drehtest deinen Kopf zu mir

Und zogst den Oberkörper dichter an die

Stäbe, nur die Winkel deines Mundes,

Leicht geöffnet, schienen über mich zu staunen

Und mich zu belächeln:

„Das kannst du doch gar nicht wissen,

Aber du hast recht. Ich warte ohne

Grund und halte meine

Hände an die Eisenstäbe dieses

Zaunes und mich daran fest,

Es sollte anders sein“.

 

 

 

Ich kam nah an dein linkes Ohr:

„Es wird dich schmerzen“.

Du:

„Warum sagst du so Eigenartiges“,

Und ich gestand:

„Ich sah den Liebesvogel wie in einem

Nest in deinem Mund verschwinden,

Und das hat mir Mut gemacht.

Ich wäre gern mit dir in jener Landschaft,

Die dem Fluggewohnten Heimat ist und

Nahrung gibt“.

Du sagtest mir:

„Es fällt mir leicht, dir alles das zu zeigen“.

Ich war sicher, dass du ehrlich warst.

 

 

 

Wir gingen Hand in Hand in eine späte Laube.

Dort gebarst du nacheinander mir in meinen

Mund die beiden Köstlichkeiten,

Rundungen mit weichen Blätterzungen mir zur

Sättigung,

Und deine Gitterstäbe blichen schnell an dir,

Sie waren kampfunlustig und verschmolzen.

Deine Worte perlten sinnenweich auf

Samt und bildeten ein Rinnsal zwischen ihnen.

 

Später spielten wir noch mit dem Liebesvogel.

Schon bei leisester Berührung änderten sich seine

Knospe und die Farbe.

 

 

 

Tradition

 

Du kamst zurück aus flammenheißem, eiseskaltem

Wüstenland und suchtest hier nach

Feinstem Sand, der Flüssigkeiten gleich

Durch kleinste Fingerritzen rinnt, weil du dich

In Gewohnheit damit waschen wolltest.

Wasser war dir dafür fremd geworden

Und auch viel zu kostbar.

 

 

 

Ähnlich ging es mir mit dir.

Ich roch den klaren, blassen Duft der

Weiblichkeit.

Weil ich dich gleich nach deiner Ankunft,

Spät am Abend lieben wollte, sagtest du,

Du wärest mein, so lange und so

Oft ich wollte.

Doch ich hätte deine Schönheit nie

Berührt, die hielt ich noch für

Übermenschlich scheu und völlig frei,

Als du dich, nur mit deiner Haut bekleidet

Auf das Lager legtest, dir das

Rohe Holz des Bettes Rahmen

Und das weiche, bunte Leinentuch darunter

Landschaft wurde.

Nein, ich hätte dich nur zeichnen können, um dich

Festzuhalten.

 

 

 

Da erhobst du dich ein wenig,

Stütztest dich, in völliger Verwandlung deiner

Körpersprache in Begehrlichkeit, die mich

Sofort erreichte, mit den Armen seitlich auf

Und sprachst von Tradition in jenem

Fremden Land:

„Nein, mach kein Bild von mir, das müsste mich

Beleidigen und würde mir das Frausein

In dem Spiegel, der mich nennt, zerstören.

Schalte lieber alle Lampen aus, und leg dich her zu mir.

Auf meiner Haut will ich dir nichts von dem,

Was deine Hand, vielleicht dein Herz,

In Dunkelheit von mir begehren und erfahren will,

Verwehren,

Und du möchtest dir nachher, wie ich,

Nur noch mit rotem Wüstenstaub

Den Körper pflegen, dass von dem

Erlebten nichts verloren geht“.

 

 

 

Es geht mir wirklich gut

 

Du fragtest mich, und ich gestand:

„Es geht mir gar nicht gut“.

Ich wusste selber nicht, warum,

Und ging in Flucht vor mir und meinen

Leiden aus dem Haus.

Du warst sehr lieb und

Fragtest weiter nicht.

 

Dann, als ich wieder kam, der

Tag war fast vorbei, verstand ich,

Dass ich dich in Sorge in dem

Haus gelassen hatte, und den

Weg, dir alles zu erklären, auch das

Unerklärliche, nicht fand.

Mit einem weißen Handtuch

Hielt ich mir in meinem Zimmer meine

Augen zu.

Es war, als würde ich dich vor dem

Spiegel, den ich mit dir teilen müsste,

Blutig lieben,

Und ich schämte mich dafür.

 

 

 

Es war sehr dunkel um mich her,

Dann hörte ich dich kommen bis zu mir.

Du nahmst mir langsam meine

Maske ab und standst im Dämmerlicht.

Du hattest deinen Leib entblößt,

Schobst meinen Kopf im federleichten Druck

Der rechten Hand von hinten nah an dich

Und hobst mit deiner linken, ohne

Worte deine Brust an mein Gesicht.

Du hieltst die beiden Botinnen,

Nun mir, Gespielinnen,

An mich gedrückt und blättertest sie auf

Bis ich in Trost und Raserei

Die Sättigung aus ihnen stahl und sie mir fast

Zu eigen machte.

Mit den Händen schienst du ihnen

Eignes Leben zu entfachen,

Ihre braunen Liebesdolden schoben sich

Geschwisterlich und nacheinander

Auf die Lippen, in den Mund und zogen sich

Zurück, dass ich dir folgen musste.

 

 

 

Später fragtest du mich noch einmal,

Und ich gestand:

„Es geht mir wirklich gut“.

 

 

 

Liebestestament

 

„Ich schäm mich nicht, es dir zu sagen.

Auf der Suche nach der köstlichsten, vielleicht

Versteckten Weiblichkeit an dir und dem

Was mir das Finden wert war, wurde ich schnell

Reich:

Du hindertest mich nicht, als ich dir die zwei

Zauberhügel und die beiden purpurbraunen

Burgen mit der Hand, dem Mund

Berührte, mit den Wimpern streichelte,

Und sich die amazonengleichen Wächterinnen

Ohne jeden Widerstand ergaben.

Du beschertest mir ein Liebesglück,

Das möchte ich in meinem Leben

Nie und nimmer missen.

 

 

 

Meine Angst jedoch,

Dass deine Amazonen schnell erwachen,

Um die Herrin zu beschützen,

Und mich nicht mehr zu dir lassen

Ist sehr groß, und ich gesteh dir ein,

Es ist mein schönster Wunsch,

Mir jeden Atemzug mit ihnen zu

Versüßen.

Ach, vergiss das bitte nicht“.

 

Du bist gerührt und sagst:

„Wer weiß denn, ob es dazu kommt.

Vielleicht bist du es, der mir einen

Liebesdienst erweisen muss“.

Ich bin erstaunt, weil ich das nicht

Bedachte:

„Wenn ich wüsste, welcher Dienst der Liebe

Dir bisher noch nicht von mir erwiesen wurde,

Um ihn später und vielleicht zu falscher

Zeit dir zu erweisen, hole ich ihn sofort nach.

Lass mich nur wissen, was es ist“.

 

 

 

Du aber sagst mit abgesenktem Blick:

„Ich wünsche mir von dir, wie du soeben,

Einen Kuss auf jeden

Zauberhügel und die Amazonen,

Doch ich dachte noch bis jetzt,

Das wäre ich dir gar nicht wert.

Verzeih mir bitte meine Lust auf Eigenglück

Und dieses Liebestestament“.