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Harald Birgfeld, Webseite seit 1987/ Website since 1987

 

Aufruf

 

zu Olympia – olympische Spiele!

 

 

 

Die Entdeckung der eigenen Zeit, 2019

 

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Lyrik, Prosa und Ingenieurarbeiten

 

 

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Klappenbild and I said.jpg

 

 

36 Gedichte mit fantastischen Inhalten.

Harald Birgfeld schrieb seine Gedichte, inzwischen mehr als 12.000 Strophen, überwiegend während der Fahrten in der Hamburger S-Bahn zur und von der Arbeit.

 

 

Im Buchhandel und online

 

..and I said to myself

what a wonderful world

 

36 Gedichte mit fantastischen Inhalten

Lyrik

44 Seiten, Format A5

 

Harald Birgfeld

Online bestellen sowie im Buchhandel,

 

€ 4,90 inkl. MwSt.

 

Zum Buchshop

ISBN 9783735739179

 

..and I said to myself what a wonderful world“ ist auch in den USA, Großbritannien und Kanada unter obiger ISBN und bei abweichenden Preisen bestell- und lieferbar.

 

 

Auch als E-Book

 

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ISBN 9783735765666

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Copyright, Urheberrecht 2014 beim Autor, Herausgeber, Redakteur: Harald Birgfeld,

e-mail: Harald.Birgfeld@t-online.de

 

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten).

 

Harald Birgfeld, von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb die meisten seiner Gedichte während der morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur Arbeit. Seine Texte entstanden fast immer bereits in endgültiger Form.

Inhaltsverzeichnis:

 

Inhaltsverzeichnis

 

Abgespeichert

Alinas Traum

Aschenbrödel

 

Chile, 2010, oder „Seht sie an, die Schöne, Neue Welt.“

Cora

 

Das kalte Herz

Das Lächeln der Delfine

Des Kaisers Nachtigall

Der Froschkönig

Der Tag an dem ich den Mont Fuji sah

Die Schneekönigin

Die Spülmaschine

Dornröschen

 

 

 

Eine dünne Schicht aus Staub

Eigentlich bin ich nicht zimperlich

Es ging mir gut, sehr gut

Es war kein Traum

Er war Soldat

 

Hänsel und Gretel 2010

Hans im Glück

Honigweißer Duft

 

Ich bin Mensch

 

König Drosselbart

Kleine Punkerin sucht Seemann Tim

 

 

 

Marianne auf dem Feld

Mauerblümchen

Mein schönster Traum von einem Meer

Mein schönstes Delfingedicht II

Mein schönstes San Remo Gedicht

 

Rattenkönig

 

Schlaraffenland

 

Tanja stirbt

Tausendundeine Nacht

 

Unter dem Wacholderbaum

U.N.

 

Walther von der Vogelweide

 

 

 

Mein schönstes San Remo Gedicht

 

Du musst dir alles aufbewahren,

Was dir lieb und wertvoll ist.

 

Es muss nicht sein, dass ich mit

Teer an meinem blassen Fuß dem Meer entsteige

Und den weißen Strand

Und eine Promenade, ganz aus

Edlem Holz, am Ufer von San Remo

Schmierig mache und veröle.

 

 

 

In dem Chinaladen

Find ich eine Muschel aus Papier.

Die lege ins Wasser meines Zahnputzglases

Und sie öffnet sich und schenkt mir

Zwei, drei Fischlein, die an Fäden hängen,

Und die schwimmen mir vor Augen

Neben einer grünen Wasserpflanze.

 

 

 

Durch das Fenster fällt ein wenig Sonnenschein.

 

 

 

Marianne auf dem Feld

 

Rapunzel war ihr kein Begriff,

Und deutsche Märchen las sie nicht,

Sie kam aus Polen,

Hatte langes, blondes, offnes Haar,

Das trug sie tags zum Zopf.

 

Im kaum mehr grünen Feld, von einem

Ungarn, der in Frankreich lebte,

Kümmerlich bestellt, schnitt sie

Im morgendlichen, kalten Wind

Den Feldsalat von angefrorner

Erde.

 

 

 

 

Manchmal kam jedoch, wenn sie den

Rücken streckte, und den Blick nach vorne hob,

Ein innerliches Glühen über sie,

Dann riss sie ihre Bluse auf und ihren rechten

Arm in Siegesgeste in die Höhe,

War „Marianne“, die sich über

Menschen schwang, und sang in ihrer

Heimatsprache:

„Ich bin jung und frei und schön, die

Schönste hier aus meinem Land,

Und auch die Schönste überhaupt,

Ich reiße alle, alles mit!“

 

 

 

Danach wurd sie im

Bauernhaus zur

Wäscherin der grünen Ernte.

 

 

 

Mein schönstes Delfingedicht II

 

„Ich bin Delfin

Und schwimm im Meer

Dahin.“

 

Das ist ein Kinderreim, den hat sich

Mama für mich ausgedacht,

Sie hat mir auch noch beigebracht,

Dass ich ein wenig anders bin als andere.

 

 

 

Ich habe eine Nylonschnur um meinen

Hals, die hatten wir zu Anfang nicht beachtet,

Doch sie wird mich langsam würgen,

Und sie hindert mich schon jetzt

Zu schwimmen und zu springen

Wie die anderen, und ganz zuletzt

Werd ich, obwohl ich doch

Ein Kind des Wassers bin,

An ihr in meinem Meer,

Ertrinken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht 2008 in

Poesiealbum neu“, der

Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, eV. Leipzig

 

 

 

Das Lächeln der Delfine

 

Heute Morgen

Fand ich in der Tageszeitung

Ein modernes,

Farbenfrohes Foto mit

Tiefrotgetränkter Bucht,

Mit Jägern, die im dunkelblauen

Wasserschutzanzug im

Himmelblau des kleinen, umgebauten

Fischerbootes standen,

 

 

 

Die dort, abgeschirmt von einem Vorhang

Japangrüner Blätterwände,

Silberbäuche lächelnder Delfine in dem Boot

Aufschlitzten,

Alles das vor schönem Felsenhintergrund,

Ein Foto, das dem Fotografen

Alle Ehre machte.

 

 

 

 

Es ging mir gut, sehr gut,

Und auch der

Wurm in mir war satt.

Die Gänge seines Fressens

Hinterließ er hohl.

 

 

In einem letzten Winkel hielt ich die

Erinnerung an die

Berührung mit Vertrautem

Fest.

 

 

Es ging mir wirklich gut,

Sehr gut.

 

 

 

Mein schönster Traum von einem Meer

 

Ich hatte einen Traum von

Einem Meer.

Darin befanden sich in tiefem

Grund, auf Sand aus Gold,

Und eingetaucht in einen Wald

Aus unbewegten Lichtersäulen,

Fast im Sonnenbaden,

Kinder, die ganz ruhig

Und mit Augenleuchten,

Einem ungelesnen, lang verschollnen

Märchen lauschten.

 

 

 

Um sie her ein Wasserhimmel voller

Schmetterlinge, händegroß und riesenhaft,

Grell reflektierend, grün und gelb und rot,

Im Schweben, Gleiten, ohne jeden Flügelschlag,

Ein Stillstand des Erzählten.

Zwischen ihnen und daneben kleine Flügeltiere,

Die, in strengen Farbenmustern, taumelten,

Als Glasstaub schließlich endlos weit verwehten.

 

 

 

Über allem hing ein

Dünner, brauner, zäher, leicht bewegter Film aus Öl

Von Horizont zu Horizont, der brach das Licht in

Dunkelgoldne Streifen und in

Regenbogenfarben, die mit

Niedertropfendem Gewölk

Bis hier in diese Tiefe sanken.

 

 

 

Es war kein Traum.

 

Sie war hinausgegangen auf das Meer,

Sehr weit,

Und hatte ihn getroffen.

Beide schwammen nicht

Und hatten auch kein Boot, nichts

Was sie hätte tragen können,

Und sie flogen nicht und schwebten nicht.

 

 

 

Sie hatte ihn an ihre Hand genommen

Und zu sich nach Hause.

Dort lag er nun neben ihr

Und hatte ihr schon beigewohnt

Und schlief ganz fest.

So konnte sie das erste Mal

Die Andersartigkeit an ihm

Betrachten.

 

 

 

Sie war stolz auf sich.

Wer geht schon so weit auf ein Meer.

 

 

 

Er war Soldat

Und kam zurück aus einer

Andren Welt,

Und niemand lebte dort für ihn,

Für ihn war alles tot.

 

Die Weisungen bekam er aus

Ihm völlig fremder Stadt

Von einer Frau im Halbtagsjob,

Die vor dem Bildschirm saß,

Und ihn in seiner Sprache dirigierte,

Dass er Ausschau hielt nach einem

Etwas.

 

 

Einmal nur in dieser langen Zeit,

Und nur dies eine Mal

Sah er ein lichtdurchflutetes

Und übergroßes, menschenüberragendes und

Rosafarbenes Gebilde, das pulsierte als ein

Herz, das nach Umhüllung suchte,

Und er meldete es gleich.

 

Sonst lag er auf der Lauer,

Bis man ihn zurück nach Hause rief,

Und ihn betraf das alles nicht

Und ging ihn auch nichts an.

 

 

Fast liebevoll erinnert er sich dann daran,

Dass er zuhause heimlich an der Rettung wilder

Tiere teilgenommen hatte

Und an dem Versuch,

Verirrte Meerbewohner neu zu orientieren.

Das war ihm sehr nah gegangen,

Das ging ihn viel an.

 

 

 

Hänsel und Gretel 2010

 

Sie war schon groß,

So groß, dass sie den

Kleinen Bruder auf den

Armen tragen könnte,

Und sie hatte auch gehört,

Dass man sich fern in andren

Ländern täglich wusch

Und traute sich und ihrem

Brüderchen im Übermut

Mit ihrem T-Shirt und dem

Wasser einer Pfütze zwischen

Fernzuggleisen, wo sie beide lebten, schliefen,

Und auf Pappen wohnten,

Hände und die Wangen abzuwaschen.

 

 

 

Sie war glücklich hier und froh,

Und sie empfand es dankbar,

Einer lockenden, maskierten Frau,

Den Weg erst von dem Brüderchen

Und dann von sich so listig abzuschneiden,

Dass sie sie für dieses Mal und

Für die vielen andren Male

Überführen konnte,

Das mit einem kleinen

Stöckchen unter einem Überzug,

Der Blase eines Fisches,

Einem jungen, alten Trick,

Von dem sie wusste.

 

 

 

Sicher käme irgendwann einmal die

Mutter oder gar der Vater

Hier vorbei,

Um sie zu finden.

 

 

 

Chile, 2010, oder

„Seht sie an, die Schöne, Neue Welt.“

 

Ich trage nur zum Schutz

Die schwarze Sonnenbrille.

 

Ich war Bergmann unter Tag

Und kam nicht wieder hoch,

Und ich war nicht allein.

 

Der Weg zum Tageslicht war eingebrochen.

Unumstößlich sperrte uns der

Steinschlag für die nächsten

Tausend Jahre ab vom Oben.

Dort war niemand mehr, der unser

Leben noch erahnen konnte.

Das verbrachten wir, im schwachen Schutzlicht

Und bei Vorratsteilung, als den

Rest der Tage, und der konnte lange, lange

Währen, und wir waren dreiunddreißig hier im Schacht,

Tief unter jeder Denkbarkeit.

 

 

 

 

Wir gaben uns die Täglichkeit und

Nächtlichkeit nach einer Uhr, die musste einer

Führen, und wir hatten reichlich Wasser, Licht und

Luft und Nahrung, die für Jahre reichen könnten,

Wie zum Spott.

 

Dann, eines Tages, kam der schwache Schein von

Hoffnung, unser Klopfen hatte man gehört,

Doch dieser Hoffnungsschein entwickelte sich uns zur

Hoffnungslosigkeit, weil er aus

Undenkbarem und Unmöglichem bestand,

Zu tief war unser Schacht gelegen,

Und zu arm war jeder, der uns hätte helfen

Wollen.

 

 

 

 

Noch ahnte keiner unter uns, dass sich

Ein ganzes Volk dort oben und weit über sich hinaus

Erhoben hatte und den

Langen Finger durch die Erde und Gestein

Bis hier nach unten bohrte

Und auch traf und jeden,

Wie in einem Rettungshalm, damit zu sich

Empor, nach oben, zog und nur das eine wollte:

„Seht sie an, die Schöne, Neue Welt.“

 

 

 

Ich bin Mensch

 

Ich bin Mensch

Und habe Kompetenz.

 

Wenn an den fernen Küsten,

Inseln der Karibik oder der Kanaren, starke Winde,

Fast schon Stürme wehen,

Jette ich mit meinen Freunden hin.

Wir wollen Kiten, Surfen oder uns mit

Andren Kräften messen

Ohne uns zu stressen,

Was wir brauchen sind nur

Meer und Wind.

Der Flug dahin geht schnell und

Kostet uns fast nichts und

Drei, vier Tage reichen da.

 

 

 

Wir sind sehr kompetent und lehnen

Auch das Fleisch von Tieren gänzlich ab,

Nicht nur, weil man sie oft so furchtbar quält,

Bis sie für uns getötet werden;

Nein, wir essen nur noch echten Lachs und Fleisch von

Wirklich jungen Kälbern,

Die in ordentlichen Boxen standen, oder Wild

Und auch Geflügel,

Das man nur im Freiland hielt.

 

 

 

Wir können nicht verstehen,

Dass sich andere nicht danach richten

Und, wie wir, ein ganz klein wenig

Auf ein wenig Mehr verzichten.

 

 

 

 

Aschenbrödel

 

Aschenbrödel geht mit ihrem

Rucksack ins Theater, zum Ballett,

Sitzt dort im Publikum und

Trinkt aus einem Campingbecher Nesseltee.

Sie trägt heut einen kurzen, keuschen Zopf

Und einen roten, selbstgestrickten Pulli

Und darunter gar nichts,

Das fällt auf.

Der Prinz auf ihrer Bühne wird von ihrer

Stieffamilie, Mutter und zwei Schwestern,

Arg bedrängt,

Auch weiß er nichts von ihr.

 

Sie weint.

 

 

 

Von oben lässt man an dem

Seil der Unvernunft ein Kleid und Schuhe

Wie aus Glasstaub nieder.

Die darf sie nun tragen und

Betritt die Bühne, tanzt und nur mit ihrem

Prinzen und bleibt ihm doch fremd.

Sie liebte ihr Zuhause und die Ärmlichkeit,

Litt alle Schmach, die ihre Stieffamilie

Über sie je brachte.

 

Sie ist brav.

 

Um Mitternacht ist ihre Zeit vorbei.

Das Seil zieht alle Habe wieder hoch

Und nur ein Schuh fällt in die

Hand des Prinzen.

Der erkennt die Zuversicht der schönen

Fremden und auch seine Leidenschaft,

Er findet ihren Fuß, dem passt der Schuh.

 

 

 

Die Bühne ist zu klein für so viel Glücklichsein.

Doch noch im Rampenlicht verurteilt sie

Als Strafgericht die

Mutter und die bösen Schwestern.

 

 

 

 

Mauerblümchen

 

Hinten, weit in meinem Garten,

Kündigt sich der Frühling an

Und lässt auf einem Mauervorsprung

Eine Veilchenblüte wachsen,

Die entdecke ich an ihrem Duft

Von Sinnlichkeit und Liebelei

Zuerst.

 

 

 

Ich zögere, sie mir zu pflücken,

Weil sie ganz allein dort steht,

Und ich den violetten Hauch im ersten

Sonnenlicht des nahen Frühlingstages

Lassen und noch weiter

Lieben möchte.

 

 

 

 

 

 

Cora

 

Cora steht als

Weißer Engel,

In der Größe einer jungen Frau,

Auf einem Sockel,

Weithin sichtbar, gleich am

Eingang und an einem guten Platz.

 

 

 

Sie starb, sagt man,  an einer

Brustvergrößerungs-Op.,

War viel zu jung

Und viel zu schön für diesen frühen Tod.

 

Ihr Blick aus Material ist

Frauenweich und menschenfreundlich,

Über ihren Mund huscht leise nur ein

Wort, das kann man kaum

Verstehen.

 

 

 

Sehr viel weiter hinten, im Verborgenen,

Befindet sich der

„Garten der Frauen“.

 

 

 

Schlaraffenland

 

Es ist sehr schwer,

Den Eingang in ein Land zu finden,

Das den Träumer seine Träume leben und

Die Wachen ihre Träume träumen lässt.

Sobald ein Jemand es jedoch erreicht,

Ist er gleich unter

Gleichen.

 

 

 

 

Kleidung, Essen, alles Leben, alles

Denken werden angefüllt und angedient

Mit Köstlichkeiten eigenen Begehrens,

Was man machen möchte,

Ist bereits getan.

 

Es gibt auch keinen Zaun

Und keine Grenze um dies Reich.

 

 

 

 

Nur selten,

Wenn ein Träumer seine Träume nicht mehr

Leben kann und

Wenn ein sonst so Wacher seinen Traum verliert,

Wächst still ein Tunnel in ein wahrhaft

Unbegrenztes Land heran.

Der wird zum eigentlichen Eingang.

 

Dort erst, heißt es, ist man wirklich

Ohnegleichen

Im Schlaraffenland.

 

 

 

Unter dem Wacholderbaum

 

Sie lebte an der Küste.

 

In der Liebe hatte sie schon

Alles hinter sich:

Zu lieben und geliebt zu werden.

 

Nun jedoch hat sie ein Neuland,

Das sich lohnt, entdeckt:

Sie nimmt und gibt

Und gibt und nimmt.

Mit ihrem Körper leiht sie

Mutterschaft an andre aus.

 

 

 

 

 

So hatte sie beim ersten Mal

Den Garten und das Haus erworben.

Doch beim zweiten Mal

Lässt sie die Eltern warten.

 

Sie besinnt sich, wie es war,

Als sie mit fünfzehn Jahren

Schwanger wurde von dem Jungen,

Der hier Urlaub machte,

Den sie damals, als er nicht mehr

Wiederkam, in einem regionalen Wochenblatt,

Als wäre es normal,

Beschrieb und suchen ließ.

Das fanden alle süß,

Sie aber fügte sich den Eltern

Und brach ab.

 

 

 

Jetzt fand sie in dem neuen Haus

Auch einen alten Balken,

Der war hoch genug und fest

Und hielt das Seil.

 

Das Kind war nicht zu retten.

Man begrub es ungeboren in dem Garten

Unter dem Wacholderbaum.

Nur so, das war hier Brauch,

War neues Leben möglich.

 

Plötzlich saß und sang,

Wie aus dem Nichts, ein

Feuervogel in dem Baum,

Der blendete sie alle.

Niemand hatte solches je zuvor

Gesehen:

Unter dem Wacholderbaum

Lag ein gesundes Kind.

 

 

 

U.N.

 

Die Welt, in der sie lebte,

War die beste und die einzige.

Sie sprach nur Suaheli und war schwarz.

Vom Nachbarland war sie in dieses

Reservat geflohen,

Lebte dort im Busch

Und fing sich Fleisch in Fallen.

 

 

 

Mit der linken Brust

Gab sie dem Säugling reichlich Milch,

Die rechte hatte ein Soldat

Ihr einfach wie aus Lust,

Vom Leib getrennt.

Das dunkle Blut und ihre Haut

Ergaben sich, als er sie nahm.

 

Die Pergamenthaut ihrer Narbe

Hielt sie stets bedeckt.

 

 

 

Sie hatte Unterschlupf in einer Höhle,

Und darin, an einer Wand, zwei übergroße Zeichen,

Dass sie nicht die erste war.

Sie konnte lesen

Und verstand doch nicht den Sinn.

 

Das eine war ein Bogen,

Der nach oben öffnete,

Das andere ein Blitz,

Wie U und N.

 

Veröffentlicht 2013 in

Poesiealbum neu“, der

Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, eV. Leipzig

 

 

 

Tausendundeine Nacht

 

Die Kinderschaukel

Stand so seltsam ruhig

Vor dem Mond.

 

Im Garten war es viel zu eng

Für weite Sicht

Und doch glitt er mit

Sehnsuchtsvollen Augen

Über die Gebirge, die er

Auf der weißen Scheibe

Sah.

Die sollte schon einmal ein

Mensch betreten haben.

 

 

 

In das grelle Licht

Stieß eine Stange dieser Schaukel,

Daran hing der Anfang

Ein Seiles.

 

Jetzt war er dort oben

Astronaut an einem Kraterrand,

Zugleich ein Fremdling,

Irgendwo auf einem Blütenfest.

Hier fesselte zuerst

Die schwingende Bewegung einer Körperkünstlerin

Den Blick,

Doch dann verlor der sich in ihrem Rücken

In der Abendsonne,

Die war nah und stand in einem See

Und blendete.

 

 

 

Von seiner Medizin, die er noch

Regelmäßig nahm,

Versprach er sich sehr viel.

 

 

 

Walther von der Vogelweide

 

„Wer schlägt den Löwen, schlägt den Riesen

Wer zwingt jenen und auch diesen…“

 

Es sind nicht die schönen Worte,

Die mir meine Narben glätten können,

Nicht die Medizin, die vielversprechend

Darauf tröpfelt,

Und es ist auch nicht das Rosenblütenblatt,

Das lautlos auf sie schneit.

 

Ja, ich bekenne meine Schuld,

Und ich verlange Strafe,

Doch man sieht sie nicht:

„So, wie du liebst, ist es normal.“

 

Ich liebe nicht normal.

 

 

 

Der dunkle Rand am schwarzen Loch,

Ist mein Zuhause.

Manchmal wird mir federleicht,

Dann schwebe ich dahin,

Dann liebe ich die Welt

Und möchte mich umarmen.

 

Doch mit einem Schlag

Begegne ich mir selbst

Ganz tief in mir

Und in der größten Enge,

Frage nach, nach mir

Und dem Warum

Und drehe mich und wende mich

Und finde keinen Sinn.

 

 

 

Wenn ich mich selber zwänge…

Wüsste ich nur wie.

 

 

 

Des Kaisers Nachtigall

 

Mein großer Garten liegt

Wie heil

In einer Wald- und Wiesenlandschaft.

 

In dem Garten

Finde ich ein kleines Nest

Mit fingernagelgroßen Eiern

Und mit einem Kuckucksei darin,

Das überschattet alle,

Und die Vogeleltern

Ahnen nichts von dem Betrug.

 

 

 

Aus meinem Zimmer, weit in meinem Rücken,

Höre ich vom Bildschirm

Beifall klatschen.

Sicher ist ein großer Sieg

Errungen worden.

 

 

 

Spät, schon in der tiefen Dunkelheit,

Weckt mich aus einem Dämmerschlaf

Das helle Singen einer Nachtigall.

Sie ist mir gleich vertraut, ich kenne sie.

Ihr langes Lied und ihre Melodien, ihr

Schluchzen rühren mich,

Ich gebe gerne mein Versprechen,

Dass ich niemandem auch nur ein

Wort von ihr erzählen

Werde.

 

 

 

Dornröschen

 

Sie zog in den Süden,

Wo die Erde wärmer war,

Und wo das Blühen blühte,

Wo sie Rosen pflanzen, lieben,

Atmen und berühren konnte,

Und sie hatte schnell zwei

Rosengärten, einen vor

Und einen hinter ihrem Reihenhaus.

Sie kannte alle Rosennamen,

Und die Blütenpracht in

Rot und Rosa, Weiß

Und ganz besonders warmem Gelb,

Verwehte sanften Duft,

Ein Schatz, den sie tagaus, tagein

Als leichtes Sommerkleid empfand.

 

 

 

Die Leute nannten es das

Rosenhaus, weil vorne zwei der

Rosen über Fenster und die ganze

Hauswand bis hinauf aufs

Dach gewachsen waren.

 

Ihre Welt stand still.

 

An einem lauen Sonnentag jedoch

Durchbrach ein starker Arm

Den Wall von Dornen bis zu ihr.

Mit seinem ersten Kuss

Schloss er ihr alle Himmel wieder auf

Und sprach von ihren beiden Gärten,

Ihren Rosen,

Und wie lange sie schon

Tief in seinem Herzen wohnte,

Und wie schwer sie aufzufinden war.

 

 

 

Sie aber zog ihn langsam zu sich hin

Und flüsterte ihm in sein Ohr:

„Ich hab noch einen dritten

Rosengarten,

Der steht immer ganz in Blüte,“

Und es wuchsen

Schlanke Ranken ihm um

Leib und Schultern

Und an seinen Mund

Und hatten keine Dornen.

 

 

 

Der Froschkönig

 

Sie war Tochter, jung und reich,

Die Welt hielt sie mit

Goldenen Karten in den Händen.

Ihre Spiele waren neu,

Vom Hubschrauberlandeplatz des

Höchsten Hauses ihrer Kette von Hotels schlug sie

Den Golfball, einen nach dem anderen,

Auf weit entfernte Ziele unter sich ins Wasser,

Aus Versehen aber auch die kleine Silberkugel,

Die mit Engelsharfenklang beim Fallen,

Und dem eingebauten Zufallsgenerator,

Großes Liebeglück verkündete.

 

Die Kugel war ihr Schatz,

Ein Himmel schien mit ihr

Für alle Zeit verloren und sie weinte bitterlich.

Sie schwor, den, der den Schatz ihr wiederbrächte,

Selbst zu ihrem Schatz zu machen.

 

 

 

In der Nähe hielt ein Rapper

Ausschau nach ganz neuen Texten,

Hörte ihren Schwur und

Ließ sie ihn erneuern,

Sich dazu noch einen Kuss

Und eine Nacht in ihrem Bett

Versprechen.

 

Er war Frosch, ein Kind des Wassers.

Seine Haare hatte er als Königskrone hochgestellt

Und war mit Heinrich, seinem Freund,

Dem Stummheit seinetwegen eisern seinen Mund verschloss,

Voll Tatendrang.

Er  hatte ihre Silberkugel schnell entdeckt

Und brachte sie zurück.

 

Als er auf ihren Schwur bestand,

Gab sie ihm schnell den Kuss

Und stieß ihn dann,

Vom Dach des Hauses in sein Element.

Sie wollte nur die Kugel.

 

 

 

Dann jedoch, im letzten Augenblick,

Betört von einem wunderbaren Wandel

Seiner Augen, des Gesichtes, seiner Haut,

Riss sie ihn sich zurück.

Sie fühlte ihm sich plötzlich sehr vertraut

Und war für ihren ganzen Schwur bereit

Und schloss nach Frauenart die Augen.

 

Ganz behutsam spürte sie

Ein Liebesglück erwachen

Und ihr Herz zur Engelsharfe werden.

 

Ihre Silberkugel hielt sie fest an sich gedrückt,

Und dem getreuen Heinrich

Brach bei so viel Glück

Der Eisenring von seinem Mund.

 

 

 

Hans im Glück

 

Ich ging auf eine lange Reise,

Meine Hände hielten einen Barren Gold,

Den hatte ich verdient,

Der sollte mir nun Glück bescheren.

 

Auf der Reise bin ich

Einem Mann begegnet,

Der seit über fünfundvierzig Jahren

Einen Elefantenbullen

Wie sein eignes Leben hütete und pflegte.

Dieser Mann war sehr begabt

Und tauschte

Eine Zeichnung seines Elefanten,

Gegen meinen Barren Gold.

 

 

 

Das war mein Glück,

Denn danach traf ich eine Frau,

Die lebte über zwanzig Jahren schon

Als Leittier einer Elefantenherde,

Und sie tauschte mir

Ein leeres Tagebuch,

In das sie gern geschrieben hätte,

Gegen meine Zeichnung

Von dem Elefantenbullen.

 

Und ich hatte wieder Glück, denn

Schließlich war ich Gast in einer

Kleinen Küche,

Dort erfuhr ich von der Hausfrau,

Wenn sie nur auf diese eine Küchenleiste

Klopft, erscheint,

Seit sie vor drei Jahrzehnten

In dies Haus gezogen sei,

Gleich eine Spinne,

Die lebt dort versteckt.

 

 

 

Die Hausfrau tauschte mir ihr Wissen

Und Geheimnis gegen mein

Noch leeres Tagebuch,

Sie wollte darin

Alles niederschreiben.

 

So traf Glück auf Glück,

Denn als ich endlich heimkam,

War ich unbeschwert und frei

Und dankbar über so viel Glück,

Das ich bei anderen für mich

Gefunden hatte.

 

 

 

Abgespeichert

 

Als wir dich begruben,

Warst du einen Tag verstorben.

Beide großen Kriege hattest du noch miterlebt,

Im zweiten, damals, warst du eine

Reife Frau.

 

Wir waren hier nur Wenige

Und kamen von weit her.

 

Es war sehr kalt,

Der Himmel strahlend blau,

Der Frost stand in der Luft und in dem Boden,

Und man stellte deinen Sarg nun

Ebenerdig neben eine Stelle, die mit einer

Grünen Plane überdeckt war.

Alles andre sollte später folgen,

Wenn die größere Maschine

Für den Erdaushub gekommen wäre.

Das war uns zu spät,

Dann wären wir schon wieder

Abgereist.

 

 

 

Du wolltest keine Reden,

Nur ein schlichtes Kreuz aus Holz

Und auch kein Vaterunser.

Alles mussten wir versprechen.

Ich sprach leise einen

Kinderreim, der war in meinem Kopf.

Wir legten unsre Blumen auf den Sarg

Und sprachen übers Wetter,

Dass wir wegen unsrer Eile

Keine Trauerkleidung trugen,

Dass uns Fremde sehr behilflich waren,

Und verließen uns darauf,

Dass sie dich nachher ohne unser Beisein,

In die Erde lassen würden.

 

 

 

„Mutti“ und den Namen dieses kleinen

Ortes habe ich noch vor der Rückfahrt

Abgespeichert.

 

 

 

Die Schneekönigin

 

Sie erzählte mir die Sache so:

Ich war die Herrin vom Forellenhof

Und er, mein Kai, war damals noch sehr jung.

Er war verliebt in seine Nachbarin,

In Gerda, die war arm wie er

Und wusste nichts von Liebesdingen.

Ich erfüllte ihm die Wünsche, die er hatte,

Und auch meine.

 

Erst war ich die unnahbare Schneeprinzessin.

Dann die „Eisfrau aus dem Baikalsee“.

Denn über diesen See hinweg war er

Die superlangen Trucks gefahren,

Wenn der zugefroren war.

Ich war das Bild in seinem Außenspiegel.

Immer war ich ihm vor Augen, bis der Frost

Den Spiegel abriss und in hunderttausend

Stücke schlug.

Davon traf eines in sein Herz, ein andres in sein Auge.

Nun war ich für ihn die Königin in allen Dingen.

Ja, ich faszinierte ihn.

Ich habe ihn bekommen, nicht die andere.

 

 

 

Er hat für mich den Hof verwaltet

Und war Herr der Fische oben in den Bergen.

Seine Liebe hatte er mir fest versprochen,

Und die zugefrorenen Gewässer tief im Winter

Wurden seine Leidenschaft.

Dann sah er durch das klare Eis,

Weit unten auf dem Grund,

Forellen wie erstarrt, wie tot.

 

Das ging so Jahr für Jahr.

Doch eines Tages las ich in der Zeitung,

Dass er unsren Hof verkaufen wollte,

Und ich wusste nichts davon.

Er schlief auch nicht mehr in den Bergen

Bei den Teichen oder hier bei mir.

Wie ich erfuhr, schlief er seit fast zwei Jahren

Bei der Nachbarin aus alter Zeit.

 

 

 

Er hat mir einen Brief geschrieben,

Dass ihm seine erste Jugendliebe, Gerda,

Neu begegnet ist, dass er zu ihr zurückgefunden hat,

Dass sie ihm Herzenswärme schenkt

Und er in ihren Armen wieder weinen kann.

Das habe ihn von mir befreit.

 

Mit seinem Brief kam ein Geschenk für mich.

Nur eine winzig kleine Spiegelscherbe,

Klein wie Diamantensplitter, als der letzte

Stein im Mosaik des Wortes Ewigkeit.

 

 

 

Alinas Traum

 

Du bist die ersten vierzehn Tage

Deines Lebens auf der Welt

Und heute zeigten uns die

Mama und dein Papa,

Dass du schon wahrhaftig träumst.

Wie schön wär es für uns,

Erahnten wir wovon.

 

Die Webcam schwenkte leicht

An dir vorbei, damit wir dich im Ausland

Besser sehen konnten, und die Mama sagte,

Dass du schon mit deinen Augen

Ihren Weg verfolgst.

 

Wir sehen, dass du deine Händchen

Ganz geschickt vom Mund an

Deine winzig kleine Nase führst,

Dass deine Fingerchen sich gegenseitig suchen

Und auch finden.

 

 

 

Hier, an unsrem Bildschirm streicheln wir dir

Wangen, Ärmchen und die Hand.

 

Ganz sicher ist, dass du die Welt erspürst,

Wenn du auf Papas Bauch ganz ruhig liegst

Und seitlich nachschaust, ob sich etwas regt,

Wenn deine Mama dich auf ihre Schulter legt

Und wenn du atmest, was dich schon dein

Ganzes Leben lang als schönster

Wohlgeruch begleitete.

 

Dann huscht ein Lächeln über dein Gesicht,

Das haben wir, so weit von dir entfernt, genau gesehen,

Und wir fragten fast ein wenig laut:

„Was sie wohl träumt,

Wovon, woran sie jetzt wohl denkt“.

 

 

 

Die kleinen Augen bleiben unverhofft

In unsrem Blickfeld stehen,

Schauen für Sekunden und ganz ruhig in die Kamera

Als wollten sie uns Antwort geben,

Und es muss ein großer Augenblick gewesen sein,

Denn du schläfst ein.

Doch noch im Schlafen scheinst du wach

Und uns ganz nah bei dir zu wissen.

 

Träume deinen Traum.

 

Wir schalten die Verbindung lautlos ab

Und sind doch selbst noch lange

Etwas Traum von deinem

Traum.

 

 

 

Das kalte Herz

 

Ihr Herz lag lange schon

Versteckt im Kleiderschrank

Zuunterst bei den Wintersachen,

Neben Briefen, altem Schmuck und einem Amulett,

Darin war Haar von einem

Abgelegten,

Der war ihr noch ganz in Liebe zugetan,

Die er ihr immer wieder eingestand.

Trotzdem trat er ihr nicht zu nah,

Vielleicht aus Eigenschutz.

 

Sie wusste all das sehr genau.

Sie war Juristin und verdiente äußerst gut

Und lachte laut und oft, wenn Leute

Zwischen Recht und der Gerechtigkeit

Nicht unterscheiden konnten.

Sie erkannte gleich,

Dass es nur eines gab von beiden,

Das war immer Recht,

Das war auch stets auf ihrer Seite,

Dafür lag ihr Herz im Kleiderschrank,

Das hatte zu viel Herz gehabt

Sie hatte es für viele kalte

Paragraphen eingetauscht,

Die schlugen nun in ihrer

Brust.

 

 

 

In einer Laune junger Fraulichkeit,

Ein wenig auch im Übermut,

Gab sie auf dem Designersofa

Ihrer Lust und auch dem Drängen eines Mannes nach,

Der wunderbar erzählen konnte,

Seinen Worten Sinn und tiefes Fühlen gab,

Sie aber eigentlich mit dem Vibrieren seiner Stimme

In ein Liebesland entführte,

Etwas, dem sie nichts entgegensetzen konnte,

Außer sich und eine nie geahnte

Seligkeit, die ihr erwuchs und die

Voll süßer Schmerzen war.

 

 

 

Sie litt das erste Mal in ihrem Leben

Liebesqualen als er sie verließ,

Und sie ihm wenig später in der Stadt

Mit einer anderen begegnete.

Er war sehr freundlich und begrüßte sie

Und schob ihr damit eine Kröte in den Hals.

Sie weinte bitterlich als sie zu Hause war.

Das war ihr neu, sie schämte sich

Und sehnte sich nach ihrem warmen Herz

Als es noch Herz von ihrem Abgelegten war.

Der hatte, wie so oft, mit Blumen bei ihr angeklopft.

 

Als er sie nun erneut in seine Arme nahm,

Lief sie nicht durch ihn durch.

Er hielt sie fest, und sie entließ ihr

Herz aus seinem Winterschlaf

Und nahm es fest in ihre Hand.

 

 

 

König Drosselbart

 

Ihr Vater hätte gern gesehen,

Dass sie sich verloben würde.

Die Gesellschaft fände das als gutes

Zeichen, und sie brauchte ja

Nicht gleich zu heiraten.

Die Firma lief sehr gut, so richtig gut,

Dass es ein Jammer wäre, wenn..

 

Er hatte auch schon Kandidaten für sie

Ausgesucht und wusste, dass das sehr

Gefährlich werden konnte:

Seine Tochter war in alle Richtungen

Verwöhnt und sehr verzogen.

Das war seine Schuld.

Das Risiko schien groß, denn sie nahm seinen Reichtum

Als ganz selbstverständlich hin,

Tat selber nur, was ihr gefiel und allen andren

Zwang sie ihren Willen auf.

Sie sah nicht ein, dass sie sich binden sollte.

Besser könnte sie es nur bei einem wirklich Reichen haben.

Männer waren ihr somit nicht wichtig,

Und sie hatte nur noch Spott und Hohn für sie.

Schon Äußeres, wie Kleidung, und die Sprache

Eines stillen Werbers, zog sie laut ins Lächerliche.

 

 

 

Dann, aus Übermut nahm sie sich einmal einen

Lückenbüßer, einen armen Musikanten.

Der gefiel ihr, weil er sein Gesicht

Versteckt hielt hinter einem Bart.

Trotzdem verspottete sie ihn als König Drosselbart.

Der Vater war darüber sehr erbost und schmiss sie und den

Unbedarften raus und

Setzte sie, zwei Mittellose, einfach auf die Straße.

Das quittierte die Gesellschaft mit viel Schadenfreude.

 

Notgedrungen hielt sie bei ihm aus, zunächst als

Besserwisserin:

„In meines Vaters Haus wär ich jetzt reich“,

Doch willigte sie dann, zum Schluss,

In eine Heirat mit ihm ein,

Die war so ärmlich wie ihr ganzes, neues Leben,

Ohne weißes Kleid und ohne Strauß.

Nach Hause traute sie sich nicht zurück.

 

 

 

Ihr Mann war gut zu ihr und half ihr sehr

Und hatte selber nichts.

So lernte sie den Müllcontainer eines Supermarktes

Sehr zu schätzen.

Doch dann gab sie sich geschlagen und erkannte ihrer beider Not.

Sie floh deshalb von ihm und

Hatte Glück mit einer Arbeit in der Küche eines

Herrschaftlichen Hauses.

Dort bereitete man sich auf eine große Hochzeit vor.

Den Herrn des Hauses hatte sie noch nie gesehen,

Wer das Brautpaar war, blieb allen ein Geheimnis.

Daran war sie aber gar nicht intressiert, sie dachte jetzt

Nur noch in Liebe an den eignen Mann, den sie verlassen

Und wie unrecht sie an ihm gehandelt hatte.

 

An dem Tag der Heirat wurde sie zu ihrem

Herrn gerufen, der sah sehr gut aus und war ihr plötzlich

Wohlbekannt.

Der nahm sie diesmal richtig an die Hand

Als seine Braut im weißen Kleid mit einem Strauß

Aus roten Rosen und Rapunzeln und viel Schleierkraut.

 

 

 

Tanja stirbt

 

Alles, was ich über Tanja weiß, hat man mir

Mitgeteilt auf

Facebook, über E-Mail und per SMS.

 

Sie saß in einem komfortablen Vorstandszimmer

Und war eingestellt als rechte Hand des Chefs.

Sie traute sich zu wenig zu und war doch

Vorgesehen als die Frau, die hinhält, abwehrt,

Bucht, organisiert und immer einen guten

Vorschlag unterbreiten können sollte.

Wer hier Schule machen wollte, musste selbst

Geschult und fest gefügt sein und auch handeln,

Ohne dass der Chef es prüfen musste.

Dafür wurde sie zunächst trainiert.

Der Chef jedoch betrachtete sie gleich als seine

Eng Vertraute.

Sie kam gut voran und nach nur einem Jahr

Stand sie den meisten andren Frauen in der

Direktionsetage vor.

Was sie entscheiden ließ und selbst entschied,

Das wurde unauffällig und mit Spaß getan.

 

 

 

Sie war noch ziemlich jung und wagte,

Weil der Chef es wollte, sich mit ihm zu duzen.

Das war nicht so schlimm und später sogar gut,

Es hatte etwas Familiäres.

Das tat ihr besonders wohl.

 

In ihrer Firma hatte sie Gelegenheit, sich

Regelmäßig einer Ärztin vorzustellen, und im Rahmen,

Und auch weil es möglich war,

Vorsorge zu betreiben.

Dabei stellte man ganz ohne, dass sie klagte

Oder ihr Befinden das begründete, in ihrer

Brust, in ihren Knochen, im Gehirn und in der

Lunge Krebs und dessen Metastasen fest.

Ihr Zustand galt als praktisch unheilbar.

Man gab ihr nur noch eins, zwei Monate.

Der Schock war viel zu groß, als dass sie das

Verstanden hätte.

Sie befragte ihren Chef.

Der hatte sich mit Krankenhaus und Sterben überhaupt

Noch nie befasst und fühlte sich zutiefst betroffen,

Überfordert,

So sehr, dass sie ihm in diesen Tagen den

Trost geben musste, den sie selbst nicht fand.

 

 

 

Mit ihrem Freund zusammen lud sie ihn und seine Frau

Zu einem Freitagabendessen in ein vielbesuchtes

Restaurant.

Dort mussten alle etwas warten, doch dann wurden

Plätze frei.

 

Sie war gepflegt und fröhlich, aß auch gut und

Trank ein wenig.

Auf sie fiel ein Sonnenschein.

Die Gäste atmeten erleichtert auf.

 

Das Wochenende war vergangen, und der

Chef vermisste sie am Montag, weil sie immer

Noch zur Arbeit kam.

In seinen Mails, die er heut selber lesen musste,

Fand er eine schlimme Nachricht von dem Freund, dass sie

Am Sonntag in der Nacht im Krankenhaus verstorben sei,

Schon Dienstagmorgen wäre die Beerdigung.

 

Er stand das erste Mal an einem Grab.

 

Seit diesem Tag verspürten beide Männer

Etwas wie Gemeinsamkeit in einer Art fataler Freundschaft,

Die sie ungelenk zu pflegen suchten.

 

 

 

Die Spülmaschine

 

Eines Abends hatten meine Frau und ich

Besuch von einem Nachbarn, den wir noch von früher

Und nur flüchtig kannten.

 

Er erzählte, wie er damals, selbst im guten Mittelalter,

Eine junge Frau an seiner Seite hatte.

Ihr erschien er ziemlich reich.

Die junge Frau hielt ihren Schönheitsschlaf

Und jeden fern von ihrem Mann.

Sie wollte hoch hinaus

Und redete selbst nur mit Leuten ihrer Wahl.

 

Wir sahen sie trotzdem schon Mutter werden,

Ihre Sorge aber und die ganze Liebe 

Galten nur den Katzen, die sie hatte.

 

 

Einmal sprach sie auch mit uns.

Das hatten wir noch nicht vergessen,

Denn wir sollten uns mit größter

Selbstverständlichkeit um ihre

Tiere kümmern, und sie kam, um

Diese Frage uns wie ein Geschenk zu überbringen.

Als Besucherin in unsrer Wohnung meinte sie,

Wie schön wir es hier hätten, mit dem Zusatz:

„Das macht mich erstaunt, denn das in Ihrem Alter…“.

Damit war die Antwort für uns klar.

 

Nach fast zwei Jahren, fuhr er fort,

Ging alles wieder auseinander.

Es war seine zweite Ehe.

Er verlor das Haus und seine Arbeit

Und verzog in eine andre Stadt zu seiner Tochter.

Die war wegen seiner neuen Ehe noch voll

Hass und nahm ihn nicht in ihrer Wohnung auf.

Er hatte Herzprobleme, schon den dritten Bypass,

Und er rauchte trotzdem viel zu viel.

 

 

Bei Kaffee und ein wenig Kuchen

Sprudelte das alles so aus ihm heraus.

Er hatte große Pläne, wollte noch ins Ausland.

„Leute“, sagte er, „mit meinem Wissen und mit der

Erfahrung, braucht man überall, die sind gefragt“,

Und gab nicht auf.

Das alles hätte er nun endlich einmal

Irgendjemandem erzählen müssen.

 

Er gestand noch in der Tür,

Er hänge sehr an seiner ersten Frau und an der zweiten

Und an seiner Tochter.

Loszulassen fiele ihm so schwer.

 

Als er dann schließlich fortgegangen war,

Betraten wir wie automatisch unsre Küche,

Den benutzten Teller, die benutzte Tasse, den

Benutzten Kaffeelöffel in

Die Spülmaschine einzuräumen und sie

Einzuschalten.

 

 

 

Der Tag an dem ich den Mont Fuji sah

 

Es stellte sich bei mir ein großer

Frieden ein, ein Frieden mit mir

Selbst und dem Erleben um

Mich her.

Jedoch erwachte ich in ungewohnter

Helligkeit, die drang durch

Fenster und in einen Raum, den

Ich nicht kannte.

Niemand außer mir war hier,

Und draußen ließ die

Helligkeit nicht nach.

Es fiel auch auf, dass ich,

Obwohl die Sonne niedrig

Stand, im Zentrum eines Lichtes

War und keine Schatten warf.

 

 

 

Den ganzen Tag, das was ich für den

Tagesablauf hielt,

War Sonne allerseits.

Erst als ich müde wurde, nahm ich diesen

Zustand ernst und sah mich um.

 

 

 

Die Helligkeit, die Schatten

Nicht entstehen ließ, kam von zwei

Sonnen, die zur gleichen Zeit

Sich gegenüber standen.

Das war neu, ich kannte mich

Nicht aus und ging zurück zu meiner

Unterkunft.

Doch die war mir so fremd wie das was ich

Erlebte, fremd und unnatürlich,

Dass ich nicht zurück zu meinem

Frieden finden konnte.

Nach Erklärung wollte

Ich nicht suchen,

Fragen konnte ich nicht stellen,

Weil ich wesenlos geworden war.

Ich fand mich wieder draußen auf dem

Weg.

Mein Frieden wandelte sich in die

Umgestürzte, weiße Marmorstatue des

Engels eines Grabes aus

Vergangenem Geschehen.

 

 

 

Eine dünne Schicht aus Staub

 

Du stehst in unsrem Zimmer, mir im Weg.

 

Es fällt die Abendsonne in den kleinen Garten,

Auf den Sandstein südländischer Platten zwischen

Einer nur halbhohen Felssteinmauer hinten,

Einer hell verputzten Backsteinwand ganz rechts und

Einer grauen Schwedenwand aus Holz zur Linken.

Rundherum entfaltet sich die Blütenfülle,

Aus Amphoren kommend, bis hoch an die Mauerränder,

Und quillt üppig über sie hinweg.

 

Im Zimmer und im Garten ist es

Wolkenstill.

Ich seh in diesem Augenblick

Durch dich hindurch und durch das große Fenster.

Dort entdecke ich den weißen Gartentisch,

Daneben, passend, an zwei Seiten Gartenstühle.

Auf den Sitzen stehen hängende Geranien.

 

 

 

Es ist alles eng, sehr eng und trotzdem weit genug

Für eine Bühne, die auf Auftritt wartet.

 

Du bleibst völlig unbewegt und wirst zum Teil

Des Gartens, wirst zu einer unwirklichen Statue,

Und ich erstarre, möchte mich nicht rühren,

Warte auf Beginn.

 

Es geht kein Wind, kein Blatt, das sich bewegt,

Und hier in unsren Raum

Fällt nur ein wenig von der Abendsonne.

 

Alles dauert sehr, sehr lange.

Ich bezweifel mich und dich

Und werde, um dir nah und gleich zu sein,

Wie du zu einer Steinfigur.

 

 

 

Ich hatte mich getäuscht.

Der Garten, du und ich und auch der Raum

Sind Gegenstände eines Stückes,

Das zu Ende ging.

Wir warten auf Applaus.

Der kam vielleicht und wenn, dann ist er lange schon

Verebbt.

 

Ich kann mich nicht nach hinten drehen,

Meinen Blick nicht in die Tiefe dieses Raumes

Schicken.

Niemand kommt, uns abzuräumen,

Und das Licht im Garten wird nicht

Ausgelöscht,

Und über Gartentisch und Stühle, über die Geranien,

Über dich und mich und alles

Hat sich eine dünne

Schicht aus Staub gelegt.

 

 

 

Kleine Punkerin sucht Seemann Tim

 

Ich heiße Tanja.

Ich bin 14 Jahre alt, sechs Monate

Und dreiundzwanzig Tage.

Jahr für Jahr sind meine Eltern

An der Ostseeküste, hier in Damp, mit mir im Urlaub.

Eigentlich bin ich zu alt dafür.

 

Ich bin schon fast erwachsen,

Und beim ersten Mal war ich gerade

Zwölf.

 

 

 

Ich dachte damals viel darüber nach, doch dies

Ist anders, denn ich lernte einen lieben, süßen

Jungen kennen.

Er heißt Tim, ist etwa 17 Jahre alt und

Seemann auf dem Schiff des Vaters.

Ich war nie so glücklich.

Jeder Tag war eine Ewigkeit

Und dauerte trotzdem nur wenige Sekunden.

Dann, an einem Abend, hatte ich es eilig,

Sagte nur kurz „Tschüss“ zu ihm.

Von da an war er fort.

 

 

 

Ich hoffte jeden Tag, dass er noch einmal kommen würde.

Doch er kam nicht mehr zurück.

Ich bitte Sie sehr herzlich, liebe Redaktion,

Um Hilfe, um Veröffentlichung

Meiner Suchanzeige:

Tim, ich suche dich!

Erinnerst du dich an die „kleine Punkerin“?

Ja, ich vermisse dich so sehr,

Und bitte melde dich bei mir.

Die Redaktion, „Von Mensch zu Mensch“,

Hat meine Anschrift.

 

 

 

Eigentlich bin ich nicht zimperlich

 

Das, was ich heute früh im

Radio hörte, war zu viel.

 

Auf meinem Lieblingssender gab man einer Frau

Gelegenheit von ihrem Aufenthalt im

Kongo zu erzählen.

Sie war Helferin und jung, organisiert, und ohne

Illusion dorthin gegangen.

 

Sie geriet jedoch bei ihrer Ankunft gleich in größte

Schwierigkeiten, denn die

Wellblechhütte, die man ihr und ein paar andren, überlassen hatte,

Stand seit Tagen unter der Bewachung schwer bewaffneter Milizen,

Die sie dort gefangen hielten.

Unter ihnen war ein schwarzes Mädchen, das mit vierzehn

Jahren sicherlich die Jüngste war.

 

 

 

Von der erfuhren sie, wie die Milizen ganz verschiedener

Parteien ständig um die Herrschaft kämpften, und ein

Wechsel innerhalb von Stunden möglich war.

Das Mädchen kam von sehr weit her, es sprach von

Zwanzig Tagesmärschen und berichtete auf Suaheli.

 

Mit noch Jüngeren und ohne Eltern hätten andere

Milizen sie gefangen und verschleppt, bei jeder

Rast und zwischen blutigen Gefechten und in jeder

Pause vergewaltigt.

Noch in ihrem Heimatdorf sei einer jungen Frau das

Baby aus dem Arm gerissen und an eine

Wand geschleudert worden:

„Es hat fürchterlich geschrien und war dann tot.“

 

 

 

Die Mutter habe man dann vor den

Augen der Verwandten vergewaltigt und die

Tante mit zwei Eisenstangen wohl getötet.

Einem Neffen von neun Jahren habe ein

Soldat den linken Arm mit der Machete abgeschlagen.

Von den anfangs fünf verschleppten

Mädchen wären sie nur noch zu zweit:

„Ich weiß nicht, wo die andren drei geblieben sind.“

Das Mädchen war ganz ruhig,

Tränen konnte es nicht weinen.

 

Nein, ich hab das Radio abgeschaltet.

Eigentlich bin ich nicht zimperlich,

Ich hab schon viel gehört.

Doch das versteh ich nicht:

Woher nimmt diese junge

Helferin den Mut und auch die Kraft ihr

Fähnchen: „Ich will helfen“, immer wieder

Hochzuhalten.

 

 

 

Rattenkönig

 

In einem Kinderheim ersannen Kinder eine

Melodie und sie erfanden auch den Text dazu:

„Hier herrscht die Hungersnot,

Wir essen Hundekot,

Und Wasser trinken wir

Aus Kühlturm Nummer vier“.

 

Sie waren oft und tagelang allein und

Ganz auf sich gestellt.

Die Großen hatten wieder mal ein neues

Spiel erdacht, das wurde an den Kleinen ausprobiert.

Die machten gerne mit.

So mussten sie sich auf den Boden eines Saales

Und wie Strahlen eines großen Sternes legen.

Ihre Zappelbeinchen zeigten alle in die Mitte.

Darum schlang ein Großer Seile

Und zog die mit einem Ruck,

Wie Fischer ihre Netze um den Fang,

Zusammen, dass nicht eines mehr entkommen konnte.

Das Geschrei war fürchterlich, denn selbst befreien

Konnten sie sich nicht, die Schlingen hielten sie gefangen.

 

 

 

Von den Großen hörten sie nur das

Gejohle, und dann liefen die davon.

Die Kleinen aber schluchzten laut und weinten und

Umschlangen sich so fest es ging,

Das brachte sie in schwere Not.

Es konnte keines von dem andren lassen,

Niemand konnte fort.

 

Es gab im Land sehr viele Ratten, dass es eine Plage war.

Die Tiere kamen auch nach hier und fielen gleich in

Scharen über diese Kleinen.

Denen blieb vor Schrecken jeder

Laut in ihren Mündern stecken.

Von den Tieren wurden wie in blindem Eifer

Alle Seile durchgenagt und durchgebissen,

Dass die Kinder hätten fliehen können.

Doch sie harrten wie gelähmt und krochen

Selbst nur knapp zur Seite.

 

 

 

Als die Großen schließlich wiederkamen

Und sich um die Kleinen kümmern wollten,

Fanden sie die noch im Stern

Um einen Kreis von toten Ratten sitzen,

Die in ihrer Mitte mit den Schwänzen fest verknotet,

Deren Körper wie verwachsen miteinander waren.

Keine hatte sich von einer anderen entfernen können,

Und sie waren elendig daran gestorben.

 

Bei den Kindern aber herrschte plötzlich mehr als Wiedersehensfreude,

Und die Kleinen wurden nun die Großen,

Und die Großen waren stolz auf sie,

Auch wenn sie sich das alles nicht erklären konnten.

 

Von den großen Mädchen hatte eine eine

Pusteblume mitgebracht.

Von der blies sie die Samen über ihre Kleinen.

 

 

 

Honigweißer Duft

 

In unsrem kleinen Garten

Wächst ein Flieder.

 

Wenn er blüht und seinen Wohlgeruch

Verstreut, verwehen lässt,

Und wir ihn, Jägern gleich,

Erhaschen,

Soll er uns den Frühling bringen.

 

 

 

Jetzt steht seine weiße Pracht

An fingerdünnen Ärmchen seines Stammes,

Der entwächst nur einem Tongeschirr,

Vor einer weißen Wand

Mit einer weißen Leuchte, hoch auf einer

Feldsteinmauer,

Links geschützt von einem weißen Zaun,

Der ist ganz niedrig, weil wir alles

Größer wirken lassen wollen,

Rechts von einer hohen, weißen Mauer.

 

 

 

Honigweißer Duft des Flieders, weitet sich

Nun aus und quillt versteckt aus

Schweren Dolden,

Sinkt dann süßen Wolken gleich

Zu uns herab und bringt

Den ersten Frühlingstag.

Den hatten wir erhofft, erwünscht,

Herbeigesehnt,

Dass er nun kommen

Musste.