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Harald Birgfeld, Webseite seit 1987/ Website since 1987

 

Aufruf

 

zu Olympia – olympische Spiele!

 

 

 

Die Entdeckung der eigenen Zeit, 2019

 

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Gespräche dritter Art

Lyrik

 

Harald Birgfeld

 

 

 

Copyright 2008 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

 

Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald Birgfeld, über e-mail:

                                    *            Harald.Birgfeld@t-online.de

ISBN 3-937264-46-9

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Äquivalenz

Argwohn

Armenstunde

 

Beschleuniger

Bogenflug  

 

Das letzte, was du schriebst

Das Meer aus Holz

Deine Häuser in den Häusern

Deine Herrschaft

Deine Pforte

Deine Rede

Deine Uhren

Der gute Geist

Der Tod der Astronauten

Dich zu stören

Die absolute Trennung

Die Beobachtung eines Problems

Die falsche Zeit

Die Gelassenheit der Steine

Die Grüße, die ich sandte

Die ruhelose Nacht  

Die Schuhe ohne dich

Die Überfahrt war leicht

Die unfassbaren Dinge

 

 

Die wahre Größe

Du irrtest nicht

Du lagst so da

Du suchtest ihre Sprache

Du trautest dich sogar

Du warst betroffen 

Du, du Namenlose

 

Eigenleben

Ein Nichts als Beispiel

Einzeln

Elektronen 

Es ging bergauf

Existenz

 

Fallen

Flucht und Fluchtbewegung

Flug

Fremdheit 

Friedenszeichen

 

Ganz bestimmte Höhen

Gerechtigkeit

Gestern vor der Tür

Getrennt von meinem Leib

Gitter im Weg

Gleichzeitigkeit

Gummimotor

 

 

Heut werd ich mich verlassen

Höchste Wachheit 

 

Ich leerte meinen Raum

Im Acryl    

Im roten Gras

In geplatzter Schale

In dessen Stirn

Irrflug

 

Jagd

 

Konzertantes Spielen

 

Langes Pendel

Leer war auch mein Zimmer

 

Märchenstunde

Meine Haut

Meine Meinung

Mir reichte meine Wahrheit

 

Nachtgeräusche

Nadelstich in deinem Herzen

Naturprodukt

Neu geborne Nacht

Neue Rassen

Nichts vergab dein Tun

Nur eine Dimension

Nur, zu überleben, dienen

 

 

Ohne Schuh

 

Raster

Rosa Klee  

Schluchzen 

Schlüssel

Schwarzer Nebel

Schweiß

Sein, das wolltest du

Spuren

Steine

 

Tageserde

 

Unbewohnbarkeit

 

Welten anderer Welten

Wie versehentlich

Wirklichkeit

Würde

 

Zeugen

 

 

 

Deine Rede

 

Als der Wassertropfen deiner

Rede in das Becken schlug,

Verneigte sich vor deinem

Fenster auch das Krähentier.

 

Ihm, wie mir, begann die

Zeit der Dürre.

 

Ein Tropfen für uns beide,

Mir hier drinnen,

Ihm dort draußen,

War uns nicht genug.

 

Das kurze Echo, das im Becken blieb,

Vermochte uns nicht zu erreichen.

 

 

 

Draußen hörte ich den trocknen

Ruf des Vogels aus der Nähe, und er

Ließ nicht ab, sich zu verneigen.

 

Ich schrie ihn an und

Hieß ihn endlich schweigen,

Sprach noch etliches und auch, dass mich die

Schwärze des Gefieders störe,

Und ich sah zugleich, wie er voll

Zahmheit sich dem übervollen

Troge meiner Gegenwart

Nun näherte und daraus

Trank.

 

Aus dem Zimmer drang die

Wiederholung deiner

Rede bis zu mir.

 

 

 

Doch fiel kein Tropfen

Mehr.

 

Es schien mir beinah leichter, das

Gekrächze hier, als drinnen den verhaltenen

Tropfen deiner ersten

Rede zu verstehen.

 

Meiner Meinung nach, war stets der erste

Schrei das wahre Hologramm.

 

 

 

Friedenszeichen

 

Wenn du vor deine Völker tratst,

War Stille rings umher.

 

Meist überkam dich Nachts die

Lust, der Monarchie, die

Königin zu präsentieren,

Musstest der

Tortur, die um dich war, und vor dir selbst

Besinnung zeigen.

 

Du schufst Realitäten.

 

 

 

Deine Angst vor ungewollten Kompromissen

Ließ dich Herrscherin in deiner

Kammer sein.

 

Die Völker lagen stapelweise in den

Fächern.

 

Du hattest schnell erkannt, selbst

Frieden, den du suchtest, war ein pausenloser

Kampf ums Überleben.

 

 

 

Von einem alten

Richtschwert, das in dem verschlossnen

Glasschrank stand und blank die

Sonnenstrahlen reflektierte,

Wusste man, dass es als

Gastgeschenk, dereinst auf unsrem

Weg zu andren Welten,

Friedenszeichen werden sollte.

 

 

 

Ein Nichts als Beispiel

 

Du warst mein Philosoph,

Der ritt auf Wellenlängen, der schritt in

Akustik durch die Leere,

Der erklärte mir das

Nichts in meinen leeren Händen.

 

"Nichts," so sagtest du "ist das

Erkennen einer Leere."

 

 

 

"Nichts," so sagtest du, "ist auch die

Reise des Planeten

Durch den absoluten Raum."

 

"Nichts," so sagtest du, "ist nur die

Frage nach dem nächsten Schritt."

 

Du wolltest mir ein Beispiel

Geben und verschwandst auf ultrakurzen Wellen.

 

 

 

 

Ich rief dir nach und schrie:

"Hast du die Lichtsignale nicht bedacht, wie sie mir täglich

Tausendfach die nächsten

Schritte hemmen,

Die Gespräche, die ich mit dir führte und den

Abschied immerzu von mir

Und meine infraroten Schreie?

 

War es das, was du in meinen

Händen sahst?"

 

 

 

Beschleuniger

 

Du hattest recht,

Als du den andren sagtest:

"Der dort drüben müsst es wissen,

Der dort drüben kam aus dem Beschleuniger,

Ihn müsst ihr fragen."

 

Man kam zu mir und ich

Gestand, gesehn zu haben,

Wie das Kind, das ihr vermisstet,

Mit den negativen Elektronen spielte,

Und auch, wie das

Weinen eines Positrons das Kind so rührte

Dass es ihm das Elektron zum Spielen gab.

 

 

 

 

Das war allzu gut bekannt.

 

Man konnte kurz darauf in einer

Tageszeitung lesen, dass die

Eltern ebenfalls mit

Positronen voller Absicht

Kollidierten und ihr Kind im

Feld der antimateriellen

Strahlung wieder fanden.

 

 

 

 

Sie blieben voller

Glück im andren Land

Und achteten darauf, dass das, was wir als

Positiv empfanden, schnell in ihrem

Licht und umgekehrt zu sehen war.

 

 

 

Nur eine Dimension

 

Von dir,

Der du in unsrer Nähe lebtest,

Waren wir gewohnt, dich mit gesenktem

Blick zu sehen.

 

Dir, so sagtest du,

Wär jede Perspektive recht

Und auch dabei die eigne Achtung

Zu verletzen.

 

Deine Perspektive wolltest du auf zwei,

Und später dann zur Übung nur auf eine

Dimension verringern.

 

Wie das enden würde,

Könnten wir wohl, eben wegen ausgelassener

Dimensionen, nicht mehr sehen,

Was wir aber fänden, wäre wichtig.

Wir, so batst du,

Sollten dir, so gut es ging, berichten.

 

 

 

Tatsächlich fanden wir dich schon

Nach kurzer Zeit

In zweiter Dimension.

 

Du warst ein schmales Laufband dessen eine Seite

Du belebtest.

 

Worte allerdings von dir behielten beide Enden,

Auf der ganzen Länge

Einmal nur gewendelt, in den Händen.

 

So, versprachen deine Worte,

Könntest du trotzdem noch

Räumlich leben ohne selbst im

Raum zu sein.

 

Wir riefen dich und trugen dir dein

Überleben vor und wussten doch nicht mehr, dich

Zu erreichen und entdeckten nicht den Aufenthalt.

 

 

 

Dann ließ dein

Wort den schmalen Streifen los,

Und was uns blieb, war nur das Wörtliche.

 

Wir konnten deine Wörtlichkeit begreifen,

Aber du und deine Lebensfläche

Schmolzen unsichtbar zu einer Dimension

Und waren frei von jeder Perspektive.

 

Oft strebte man auf ganz verschiedenen

Gebieten die Abstraktheit an, um

Klarheit zu erlangen, und man endete in jeder

Suche immer wieder ungewollt vor absolutem

Nullpunkt tiefster Temp'raturen.

 

 

 

Äquivalenz

 

Es war vergeblich, dich in die

Gepflogenheiten einzukleiden.

 

Vergeblich war es auch für uns zu sagen,

War es, was du tatst, ein

Mehrfaches von dem, was wir erkannten,

Oder hielt dich die Gewohnheit,

Deine Trägheit, auf der Bahn.

 

Wie beiläufig berichtetest du

Einmal von Äquivalenz der

Trägheit und der Schwere.

 

 

 

Kinder, sagtest du, begriffen schneller.

 

Ein Elektron, das im Beschleunigungskanal die

Trägheit überwand, schrieb später in der

Analyse seiner Reise, dass es nur der

Anziehungskraft eines unbekannten Übermagneten

Die enorme Aufschlagskraft verdanke.

 

 

 

Es müsse sich bei dem

Magneten ganz gewiss um einen weiteren

Planeten handeln, der uns im

Vorbeiflug streife, und es bleibe unklar,

Wer an wem vorüber reise,

Flugbahn an dem Elektron, vielleicht auch

Elektron an Flugbahn.

 

 

 

Der Tod der Astronauten

 

Zwischen der

Begrüßung und dem

Abschiednehmen lag nur dein

Entsetzen über die Begegnung.

 

Dein Weg trieb dich direkt in

Kollision dem Unglück in die Arme.

 

 

 

Du erinnertest den Tod der

Astronauten, die am Anfang ihres

Starts ins All,

In reinem Sauerstoff

Verbrannten.

 

 

 

 

Dann zerschoss ein ultravioletter

Strahl, der

Für die Zündung vorgesehen war,

Zugleich das Schloss der Kettenreaktion die dich

Betraf.

 

 

 

Im Acryl

 

Viel zu spät bemerkte ich, dass deine

Kammer, ohne jedes Fenster war.

 

Was ich statt dessen sah, und was mir licht

Und dreidimensional doch Ausblick gab,

War Hologramm, die wunderbare Art, den

Sonnenschein in flüssiges

Acryl zu gießen und noch spät des Nachts,

Des Winters, jederzeit und immerzu die ausgehärteten, die

Unzertrennbaren, die nicht zerstörbaren

Erinnerungen neu zu genießen.

 

 

 

Als du dich mir so fröhlich zeigtest,

Nahm ich deinen Sinn

Für wahr und gab auch nicht mehr

Acht auf deine

Raumverkleidung.

 

Erst als ich merkte, wie die

Steifheit meine Glieder überkam, und deine

Augen mir den Sonnenschein, den ich vorhin

In deinem Fenster sah, vorspiegelten,

Begriff ich, dass ich selbst schon

Inhalt deiner nächsten

Produktion geworden war.

 

 

 

Ganz fein geschliffen trug mein

Hologramm bald jedes

Kind an seinem Arm.

 

Ungewollt verbrachte ich so, hunderttausendfach

Durch dich geteilt, mein völlig

Unbewegtes und von allen

Seiten dreidimensional geprägtes

Leben.

 

 

 

Meine Meinung

 

Du fragtest mich nach meiner

Meinung und nach

Kybernetik und nach einer

Linie, die du nicht zu ziehen wagtest.

 

 

 

Und ich sagte dir, dass einst ein

König arm war, da er viel zu lange nur das

Reich umhegte, und sein Sohn, ganz anders, pflegte

Armut, da er das, was ihm der

Vater hinterließ, das Volk,

Weit über alles liebte.

 

 

 

Später erst, als auf verlorenem Gut,

Der Enkel mit vergangenem Reich

Die Armut in der Linie zog,

Erübrigte sich auch die Frage,

Und er wurd Gelehrter in der Wissenschaft der

Kybernetik.

 

 

 

Elektronen

 

Die Kette leuchtender Dioden

Zeigte uns im Wechselspiel den

Weg durch Elektronik.

 

Gleich nach dem Codieren der

Personen galten wir als integriert.

 

Führung war uns unsichtbar der

Schwarm von Elektronen in der Leiterbahn.

 

 

 

Hier waren wir zu Gast,

Und hier, so fiel uns auf, war Welt allein,

Hier spürten wir das Unbeteiligtsein am Werke,

Hier entstand und war im

Rohbau teils schon fertig, eine absolute

Unabhängigkeit.

 

Mich überkam Begeisterung

Für diese Kälte,

Und ich wollte bleiben.

 

 

 

Die Verwaltungsprozedur, der ich mich

Wochenlang geduldig unterwarf,

Beschied zum Schluss, mir eine Antwort

Zuzuleiten:

 

Vorausgesetzt, ich wär bereit,

Allein schon wegen der Beständigkeit, mich in ein

Elektronenpaar zu teilen,

Dürft ich reisen.

Als ein einzelnes Ion geriete man zu leicht in

Polarisation mit andren

Elektronen.

 

 

 

Fremdheit

 

An fremder Küste standst du lange und hieltst

Ausschau.

 

Vor dir lag das Auf und Ab im

Stöhnen grün bewegter Decke.

 

In den vielen Felsen um dich her,

Auf heißem Strand,

Dem deine Füße nicht entweichen konnten,

Tummelte sich eigenartiges

Getier.

 

 

 

Als wenn es dich nicht gäbe,

Räkelte sich Fremdheit in dem Sand.

 

Sie wendete in Übermut

Den Leib, den Schuppen hüllten.

 

Als eine Windbö in die Wellen fiel

Und Kronen schaumig in den

Himmel zogen,

Sprangst du ohne Frage

In den Kreisel,

Ließt dich steil im Drehen in die höchsten

Höhen tragen.

 

 

 

Schwindel, der dich kurz erfasste,

Ließ dich wieder sein und nun

Erkanntest du auch unter dir das schuppig

Schuppentier und alles,

Was dich schreckte und die

Füße, die in Fremdheit steckten.

 

Du erkanntest eine holographisch aufgebaute

Welt, warst selbst polarisiertes Licht,

Mit deinem Laserstrahl der

Regisseur, der Wanderung

An fremder Küste inszenierte.

 

 

 

Existenz

 

Glas ist nicht

Glas.

 

Ein Laserstrahl berichtete von der

Zerbrechlichkeit und Transparenz und seiner

Farbe und natürlich von der Existenz des

Glases.

 

 

 

Von einem Laserstrahl wär heut die

Schwingung eines gut gespielten Parts

Auf dem Klavier

Von reinem Glas,

Kaum noch zu unterscheiden.

 

 

 

 

Leer war auch mein Zimmer

 

Meine Taschen waren leer.

Leer war auch mein Zimmer

In dem Haus.

 

Tisch und Bett und Stühle

Hattest du schon längst

Entfernt.

 

 

 

 

Ihr Stehen in dem Raum trotzdem,

Sie nah und rundherum in Wirklichkeit zu sehn,

War das Gelingen deiner Wissenschaft,

War Hologramm.

 

Diese Technik, echte Gegenstände

Mir in Wahrheit wahr und doch als

Bild zu zeigen,

Zum Beleben einzuladen und zugleich mir

Mein Ableben aufzuladen,

Traf mich schwer.

 

 

 

Erst, als ich es verstand,

Im Hologramm mich strahlenhaft und dreidimensional

Auch wohnlich einzurichten,

Fiel dir auf,

Wie eng wir in der

Schmiede, glühend in dem Feuer,

Schlag um Schlag und beide,

Form in Form,

Untrennbar aufeinander stießen.

 

 

 

Du irrtest nicht

 

Du irrtest nicht,

Als du in Fremdheit dir bekannte Namen riefst.

Du irrtest nicht,

Du wusstest Fremdheit

War in dir.

 

 

 

 

Du warst uns Bahnsteig, Uhr, Geständnis,

Doch die Fremdheit

War in dir.

 

Rückwärts liefen deine Zeiger,

Stellten Tags die Nacht und

Nachts erwachten deine unsichtbaren

Freunde, Gäste, denen du, der Wirt,

Ein Fremder warst.

 

 

 

Die Sonne, die dem Tag die

Nacht verlieh und Nacht den Tag verhieß,

Bekannte auf Befragen,

Dass sie selbst noch nie den Tag in

Nacht verbracht.

 

 

 

Neu geborne Nacht

 

Ich sagte es schon einmal:

Auf Befragen hat die

Sonne eingestanden, nie den

Tag in Nacht

Verbracht zu haben.

 

 

 

 

Sie, die in verdammter

Hurerei sich jedem jungen Tag

Hingab und dann, im Schoß bereits den

Leib der Dunkelheit verspürte,

Und ein wenig später noch den ersten

Schrei der neu gebornen Nacht erlebte,

Wandte sich mit Grauen ab.

 

 

 

 

Ein Ärzteteam,

Das schrecklich lang dem Körper

Lebenswichtiges Organ

Verpflanzte, gab bekannt, es habe

In dem Leben des Patienten

Nie soviel des Lebensglücks

Gegeben.

 

Man müsste nur noch auf die

Reaktionen warten.

 

 

 

Flug

 

Deinen Flug begleitete in Tiefe

Schwarz dein Schatten,

Schoss durch flaches Wasser

Über Grund und über Stein und stürzend ins

Geröll.

 

Dein Flugbegleiter

Lebte dir in Trennung,

Bis du selbst, als stolzer Reiter,

Auf dem Felsen in ihm Landung nahmst.

 

 

 

Nur so, begriffst du, konnte er

Dir nicht entkommen,

 

Früher, als du noch in großen Scharen deine

Reisen machtest,

Kam es oft zum Streit,

Weil viele Schatten, deckungsgleich,

Den Herrn verloren hatten

Und sich hemmungslos dem nächsten übergaben.

 

 

Ein Satellit,

Der weit im All die Anweisung erhielt,

Sich zu zerstören,

Trennte erst in Sorgfalt

Die Befehlsorgane ab,

Um nach dem Selbsttod

Weiterhin in eigener Regie

Zu operieren.

 

 

 

Ohne Schuh

 

Das blaue Meer der vielen kleinen

Blumen,

Barg viel tausendfach die weißen

Kelche, Tagessterne,

Strahlen,

Augen,

Meerschaumwolken.

 

 

 

Blumenkissen, so wie diese, konnten

Ohne Schuhe bleiben,

Tatenlos im Anblick

Jede Reise machen,

Waren selbst sich Ausflug.

 

 

 

 

Kristalle, die

Im Studium sich leblos gaben, öffneten im

Dünnschliff unter

Laserstrahlen einen Teil der

Neuen Welt.

 

Dreidimensional bespeichert würden sie in

Zukunft ganze Welten

In sich tragen und ein Eigenleben wagen.

 

 

 

Nadelstich in deinem Herzen

 

Deine Dienerschaft bestand aus

Leiterplatten, waren integrierte

Kreise, deren Nadelstich

In deinem Herzen saß.

 

Du warst ganz in ihrer Hand

Und der Erfinder ihres Lebens,

Wusstest, deine Zeit

Wär lange schon vorbei und durftest doch, als

Reisender in unsrer Zeit, ein Fremdling zwar,

In Zukunft weiter reisen.

 

 

 

Wir vergaßen die Verlängerung,

Dein neues Leben,

Hörten auch nicht deinen Schrei,

Als du in Sorgen warst,

Den Anschluss zu verpassen,

Auch nicht deine neue Sprache, die uns ja die

Übersetzung deiner implantierten

Mikroprozessoren war.

 

 

 

 

Das Kristall, das schon nach kurzer

Zeit der Fütterung

Wohl an die tausend Sprachen sprach,

Blieb trotzdem unverständlich,

Weil man es noch nicht verstand,

Sie in die Gegenwart zu

Übersetzen.

 

 

 

Gerechtigkeit

 

Ich dachte mir, ein Sandkorn

Wäre rund und gab ihm

Tag und Nacht.

 

Doch fiel mir auf, schon kurze

Zeit danach,

Dass es in einem Sandbett lag

Und nur zur

Hälfte zu bescheinen war.

 

 

 

Um hier Gerechtigkeit zu üben, nahm ich es in

Meine Hand und

Überall und immerzu, im Drehen,

Mit auf Reisen.

 

In der Elektronik

Löste sich auf andre Weise dies Problem.

 

 

 

 

Ein Rechner

Schmolz den Sandberg ein und schnitt den

Quarz in Superfeine Scheiben, die in

Kleinsten Sonnenzellen eines

Satelliten Mikroprozessor gesteuert, nur im

Tageslicht verweilten.

 

 

 

Nachtgeräusche

 

Die Nachtgeräusche scharten sich um

Kerzenschein,

Der mir die Dunkelheit

Erhellte.

 

Manchmal warf der Duft von

Paraffin, das schwarz der Docht verbrannte,

Warf sein Blaken lange unsichtbare Hände

Über mich.

 

 

 

Zuckend stand ihr Feuerauge

Auf dem Tisch

Und trieb in Argwohn

Streng Kontrolle über

Eindringlinge in die Nacht.

 

Mir war es leicht, euch zu verstehen.

 

 

 

 

Ihr hattet fern von hier die

Leuchtdioden strahlen sehn. 

Sie gaben euch,

Den dunklen Nachtgeräuschen, in dem

Licht der Elektronik flackernd,

Gegen euren Willen,

Sichtbar Leben.

 

Kürzlich fand ich mich im

Niederspannungsfeld, im Kurvenbild, des

Neu-Oszillographen wieder.

 

 

 

Du, du Namenlose

 

Du, du Namenlose,

Warst mir weißer Kieselstein im Sand,

Warst mir ein Tropfen an dem

Rand des Bechers,

Warst mir schneller Flug der Abendschwalbe.

 

Du, du Namenlose warst ein

Teil von mir,

Und doch konnt ich die

Maße, die du gabst,

Nicht messen.

 

 

 

Mein Berühren deines Kieselsteines

Stieß dich hügelab;

Aus Sand ein Trichter wurde Grab.

 

Mein Mund stieß an den

Becherrand,

Und nichts konnt mehr dein Stürzen

Hindern, dein Versinken in dem Ganzen.

 

 

 

 

Und die Abendschwalbe,

Sagte man, begehe Hochzeit in der Luft,

In eng geschmiegtem

Jagen um die Häuserzeilen.

 

In dem Elektronenraster

Bildete sich schnell ein rollendes

Kristall, das über einen Rand im Ganzen

Sich versenkte und zugleich zerbrach

In stürzend schnelle Scheiben.

 

 

 

Höchste Wachheit

 

Ich erschrak, als mir die

Botschaft durch die Fensterscheibe brach.

 

Im leichten Dämmerschlaf berührte meine

Stirn die Kühlung jenes Glases, als mich die

Perfekte Stille traf.

 

Ich horchte auf,

Um zu verstehen; sah wie sie die letzte

Regung eines Lautes unterband und sich bemühte,

Zu erreichen, dass mich nichts erreichte von dem

Treiben.

 

 

 

Höchste Wachheit

Machte sich gleich in mir breit.

Es sollte nichts im angespannten

Horchen mehr geschehen.

 

Es gab die neue Antriebstechnik für

Raketen und zugleich für einen neuen Laser zur

Erzeugung nuklearer Energie.

 

 

 

 

Hier verlangte ab, die Wissenschaft

Vom hocherhitzten, radioaktiven Plasma, dass es

Nirgendwo in seiner Feuerkammer eine

Wand berührte,

Dass es völlig rückstandsfrei zerfalle,

Es in sauerstoffgekühlter Falle,

Einer Sonne gleich, verschwenderisch die

Absolute Kraft entfalte und sie in

Umspülung dem Photonenstrome

Einverleibe.

 

 

 

Schweiß

 

Stumpf war meine

Haut vom Salz des Schweißes.

 

Ich wusste auch, es waren jene

Tropfen, die in Angst um Angst euch auf den

Stirnen standen und aus Achseln

Brachen.

 

Schwestern, Helferinnen, Brüder, Gleichgesinnte

Standen Paten.

 

 

 

 

Ihr, die Unsichtbaren

Wart es, die weltweit mit hohem

Salzgehalt den feuchten Stoff

Vertrieben.

 

Ihr schlepptet ihn auf unbeschriebnen weißen

Pappplakaten vor euch her und scheutet nicht, euch selbst zu

Dienenden zu machen.

 

Eure Handvoll Leben

Warft ihr ungeachtet eines Überlebens

Einem Leben nur zum Überleben

Vor die Füße.

 

 

 

Ungeahnt und weltenweit betrieb ein nuklearer

Antrieb, der als Vagabund und

Zwischen den entfernten Sternen kreiste,

Rätselraten,

Ob er wohl als Bote lang gesuchter

Fremder oder doch als tödliche

Gefahr, wohlmöglich aus dem eignen

Antrieb, reise.

 

 

 

Ich leerte meinen Raum

 

Nahm ich den größten Raum für mich,

Und stand ich eng vor dir,

Verleugnete ich meine

Gegenwart am meisten.

 

Du sprachst mich an, und ich

Gestand, ein Teil der weißen

Wand, gleich hinter mir, zu sein.

 

 

 

 

Du konntest nicht begreifen, was ich meinte,

Auch die andren, die mich sahn,

Erstaunten.

 

Mich in weißer Wand zu sehn, um dort in

Existenz zu überleben, und wodurch,

Berührte euch.

 

Ich leerte meinen Raum nun ganz

Und wurde weit entfernt zum

Teil der weißen Wand.

 

 

 

Als ich verschwand, bemerkte ich im

Rückwärtsschaun, wie euch die

Stummheit in Geschlossenheit

Verband.

 

Die Existenz der Botschaft, die den freien

Raum durchquerte,

Wurde ohne eine Reflexionsstation zur

Frage überhaupt.

 

 

 

In geplatzter Schale

 

In deinem langen Haar,

Das sanft in roten, nein, eichhörnchenroten

Wellen deine Schultern überlief, stand

Pferdefuhrwerk in der Armut.

 

Ähnlich zeigte sich im engen

Blätterdach auch die Kastanie,

Halb im Fallen in geplatzter Schale.

 

 

 

Leer fand ich den Kutschbock und die

Zügel überlang.

 

Sie lief an deinem

Halse hügelan und in den Mund.

 

Deine Lippen und die

Zunge brauchten kein Geschirr.

 

 

 

 

Nein, als ich die Fahrt begann, warn sie es,

Die mich spielend dirigierten.

 

Das Lichtquant war im

Dualismus seiner doppelten

Natur zu gleicher Zeit

Und auch zugleich die Welle und das

Teilchen

 

 

 

Wie versehentlich

 

Du findest keine

Ruhe, Nacht.

 

Bist immerzu noch wach.

 

Du lässt das Katzentier

Sich bucklig um die Häuserecke schieben.

Schwarz und immerwährend Bote,

Tanzt es schnell vorbei auf spitzen

Pfoten.

 

Erschrocken zählt ein blondes Ding

Bis drei, dann ist die Angst vorbei.

 

 

 

Es stampft noch hinten nach den

Fuß aufs Pflaster,

Und zum flach geworfenem Stein,

Der federnd heiße Wellenkämme überspringt, wird die

Begegnung rasend auf dem

Straßenraster bis in äußerste Entfernung.

 

Dich, du blondes Ding,

Nimmt Flutlicht in der absoluten

Menschenleere in die Arme.

 

Wie versehentlich siehst du dem

Katzentier noch nach.

 

 

 

Die Lebensdauer der Mesonen,

Kleinste Teilchen, die uns von der

Sonne zu Millionen jederzeit erreichen,

Währte nur den Bruchteil

Einer Zeit.

 

Sie konnten ihre eigne Lebenszeit

Jedoch vervielfacht überdauern,

Brauchten sie doch nur der rechnerischen

Nachkontrolle unsrer Automaten aufzulauern.

 

Hier fand jedes der Mesonen

Ohne jegliche Bezugspersonen

Absolut und unvergänglich

Sich in seiner Zeit allein.

 

 

 

Die unfassbaren Dinge

 

Langsam drehte sich das

Windrad in dem Garten.

 

Lange stand es schon vor deiner

Tür, und kleine Schaufeln,

Jede an dem Ende dünnen Drahtes, füllte

Die bewegte Luft.

 

Ein Vogeltier versuchte in der

Langsamkeit darauf zu landen,

Doch es gab dann auf.

Es glich die Unwucht der Bewegung

Sich nach seinem Abflug

Wieder aus.

 

 

 

Auch einem Fliegentier

Gelang es nicht hier Halt

Zu finden.

 

Erst als die Abendsonne einen goldnen

Reif um unentwegtes Laufen

Schloss, erlaubtest du das

Angebotne zu gebrauchen.

 

 

 

 

Ich machte mir sofort die Halterung zur

Steuerung und hatte nun Gelegenheit

Mit meinem Schaufelrad

Die unfassbaren Dinge

Einzuladen.

 

Mit Hilfe einer neuen Technik

Sollte es schon möglich sein, die

Negativen Sichtbarkeiten, so zum Beispiel

Infrarote Lebenszeichen, als sehr schöne

Kartengrüße zu verbreiten.

 

 

 

Du warst betroffen

 

Dich luden Richter,

Und du warst betroffen.

Zögernd schlosst du deine

Tür und wartetest.

 

Hinter dir, im Dunkeln

Glaubtest du, würd man ein

Urteil sprechen.

Doch die Zeit verging.

 

Man brachte dir in Regelmäßigkeit

Dein Essen und dein Trinken und

Man sprach auch Trost:

Es würden deine Richter sicher

Milde finden.

 

 

 

 

 

Dann, nach wochenlangem Warten

Brachst du auf, um nachzusehen, wo sich

Für und Wider trafen.

 

Vor deiner Wohnung

Fandst du gleich zwei unbekannte Wachen,

Die sich ihre Zeit mit Kartenspiel

Vertrieben.

 

Keinen Richter und auch keinen

Schreiber konntest du entdecken.

 

So gingst du zurück, vorbei an den Soldaten,

Die dir Meldung machten:

Durchs Verlassen deines Zimmers,

Hättest du auf immer deinen Urteilsspruch

Versäumt.

Sie hätten dich von nun an noch viel strenger

Zu bewachen und sie würden dich

Allein dir selber überlassen.

 

 

 

Es kam auch niemand mehr, der

Essen oder Trinken

Brachte.

 

Das Strömen der Mesonen von der Sonne

War so übermäßig und unendlich groß,

Dass der Verlust durch uns, schon innerhalb des

Schattens unsrer Erde,

Durch das Überlappen aller anderen Mesonen

Ausgeglichen wurde.

 

 

 

Die ruhelose Nacht

 

Am Tag ging oft die ruhelose Nacht in mir

Spazieren,

Trieb vorbei an meinen Tagesgärten, die ein jeder

Scharf vom Hundetier der Kümmernis

Bewacht, die Pforten trotzdem offen stellten und zum

Schlafen luden.

 

Du wusstest auch, dass meine Wächter

Zwar die Nacht im Tag ertrugen,

Aber wehe!

Sollte es dem Tag nach Dunkelheit

Verlangen, rissen sie sich gnadenlos von ihren

Ketten und Behüteten den Ausgang

Fürchterlich.

 

 

 

Viel später, als die Tiere in der Fütterung

Sich lenken ließen, brach mir doch die

Helligkeit, vorbei am unbewachten Durchgang,

In die Nacht.

 

Ich konnte mich nicht wehren

Und gab nach.

 

 

 

 

Die Raumstation, die in der

Lenkung aus der Ferne in den toten

Winkel eines Sternes tauchte,

Hörte auf das Echo

Von der falschen Seite

Und zerbrach im programmierten

Absturz.

 

Im Verglühen sandte sie, den richtigen

Empfang zu haben.

 

 

 

Getrennt von meinem Leib

 

Aus deiner Haut spross Blätterkleid,

Und der Verdacht war falsch, darunter

Dich zu finden.

 

Jedes dieser Blätter war aus Gold.

 

Unzählig viele Spangen

Drangen tief ins Fleisch,

Sie fest auf deinem

Leib zu halten.

 

 

 

Du wurzeltest in fremdem Land,

Und deine Heimat wusstest du nicht anders zu

Gestalten.

 

"Hier," so sagtest du, "Leb ich auf jedem

Blatt von meinem Leib getrennt, und

Nahrung zieh ich doch

Aus mir."

 

 

 

 

Bei dem Zusammentreffen zweier Elektronen,

Negativ und positiv geladen,

Zeichneten sich im Verschwinden

Die entstandenen materiellen Teilchen als

Zerstrahlung ab

Und bildeten in andrem

Raum, in dem sie wieder aufeinander trafen,

Die Materie neu.

 

 

 

Steine

 

Du sandtest die Beherrscher aus,

Die Völker aufzusuchen.

 

Du sagtest ihnen,

Steine seien zu erreichen und nicht

Schaum des Meeres.

 

Die Antwort der Beherrscher war:

"Wir sind schon selber Stein,

Und Schaum des Meeres gibt es nicht und

Völker, die du meinst, sind wir ja sowieso."

 

 

 

Du sahst den Unverstand

Und auch, dass ihre Zeit zerrann nur im

Vergleichen.

 

Da machtest du dich auf

Und wolltest ihre Antwort prüfen.

 

Lange währte deine Reise, du

Fandst keine Völker, keinen

Stein und keinen Schaum des Meeres,

Nichts dergleichen.

 

 

 

Die Zeit zerfloss auf deiner

Suche irgendetwas zu erreichen.

 

Es breitete sich die Erkenntnis aus,

Dass auch das Leben der Protonen

Nicht unendlich sei.

 

 

 

Wirklichkeit

 

Wir erklärten dir den wirklichen

Zusammenhang,

Denn wir verstanden, was geschah.

 

Wir konnten auch erklären, logisch uns die

Wirklichkeit bewegen.

 

 

 

Trotzdem sagtest du,

Die Wände unsrer Räume wären selbst die

Räume,

Und der Zwischenraum,

Den wir behaglich fänden, wäre wahre

Wand und dort, wo unsre Logik endete, begänne der

Zusammenhang zu wachsen.

 

 

 

Durch indirekten Nachweis

Fand die Wissenschaft heraus,

Es gäbe keine Möglichkeit

Für die Materie, also Masse, oberhalb

Der Lichtgeschwindigkeit zu existieren

Und bewies zugleich, dass massereiche

Tachionen hier erst ihre Existenz

Begründen könnten.

 

 

 

Welten anderer Welten

 

Man warf dir vor,

Du suchtest die Begegnung mit den Welten

Andrer Welten, um uns zu entgehen.

 

Deine stete Rückkehr, gabst du zu, war

Suche nach Verzehr,

Den man dir andren Ortes nicht

Gewährte.

 

An deinen wechselhaften Reisen

Nahmen nur die kalten Fische und die

Vögel schwärme weise teil.

 

 

 

Sie bargen sich, wie du, in

Unberührbarkeit.

 

Du jedoch, so hörte ich dich sagen,

Musstest oft im fremden

Land verweilen.

 

Deine Knechtschaft dort hätt nur die

Fische und die Vögel sich zu Zeugen.

 

Die Berichte, die du brachtest, wären

Pfand zum Tauschen gegen Nahrung.

 

 

 

Es beklagte einer der

Berichte