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Harald Birgfeld, Webseite seit 1987/ Website since 1987

 

Aufruf

 

zu Olympia – olympische Spiele!

 

 

 

Die Entdeckung der eigenen Zeit, 2019

 

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Lyrik, Prosa und Ingenieurarbeiten

 

 

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"Auf deiner Reise zum Rande im Rande des Randes der Sonne"..... geschieht Merkwürdiges: Im Innern der Sprache werden Kräfte freigesetzt. Sinn der Operation: eine neue Sprache, die zur adäquaten Darstellung unserer heutigen, von Wissenschaft und Technologie geprägten Welt geeignet ist.

 

 

Im Buchhandel und online:

 

Auf deiner Reise

zum Rande im Rande des Randes

der Sonne

Lyrik.

 

189 Gedichte, darunter 20 Raum-, Zeitgedichte.

3. Auflage, 184 Seiten, Format A5

 

Harald Birgfeld

 

Online bestellen sowie im Buchhandel,

 

€ 11,99 inkl. MwSt.

 

Zum Buchshop

 

ISBN 9783734779770

 

„Auf deiner Reise zum Rande im Rande des Randes der Sonne“ ist auch in den USA, Großbritannien und Kanada unter obiger ISBN und bei abweichenden Preisen bestell- und lieferbar.

 

 

Auch als E-Book

 

€ 6,99

 

Zum Buchshop

ISBN 9783738690538

 

 

Raum-, Zeitgedichte,

Inhaltsverzeichnis nach Stationen und

Inhaltsverzeichnis gesamt.

 

Copyright 2015 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald Birgfeld, e-mail:.  Harald.Birgfeld@t-online.de

 

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennenzulernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten).

Copyright 2009 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

 

 

Inhaltsverzeichnis nach Stationen:

 

Ach, Liebste

 

Abschied

Ach, Liebste

Am Abendsee

Das Lied von einer schönen Frau

Der Magnolienbaum

Die Hagerkeit der Wangen

Eine Frau in Sicherheit

Eine Frau liebt

Enttäuschung

Feuerstoß

Flötenspiel und Saiten

Fremde Gitter

Gedicht in den Farben Raoul Dufy's: Im Blumengarten

Ich schließ' die Augen zu

Im Zwielicht

Jagen nach dem Jäger

Lust

Nacht am See

Nein

Ruf über die Hügel

Spiegelscherben

Verliebt

Was uns trennt

 

Auf deiner Reise zum Rande im Rande des Randes der Sonne 

 

Auf deiner Reise zum Rande im Rande des Randes der Sonne

 

Auf deiner Suche

 

Auf deiner Suche

Dein Gast der Gäste

Dein Plakat

Der Durst der Flammen

Die Asche deiner Feuerlaube

Ein blanker Fisch

Fremdes Gehen

Im Gästezimmer

Im Gedränge

Im Hahnenkampf

Kreidekreise

Schutz im Schutze

 

Ausgeraubt

 

Ahnungslos

Atemlos

Ausgeraubt

 

 

 

Damdadadam

Das Rapsfeld

Das Versteckte im Geheimnis

Dein Nest in meinem Herzen

Der Dieb des Pfeils

Der goldene Schuss

Der Vorhang

Die dünne Decke Gräser

Die Hungernden

Die rote Flut

Durchlass

Ein andermal

Eine gute, vorbildhafte Frau

Endlich

Enges Wurzelwerk

Ertrunken schon im Sand

Fährschiff

Geburtstag

Goldenes Visier

Höchste Sorgfalt

Ihre Brüchigkeit

In der Not

Ins schwarze Rund

Knietief

Lange vor der Flut

Nackte Nerven

Nur im Verzehr

Nur unfreiwillig

Pausenlose Angst

Spiralnebel

Tapferkeiten

Treppen

Tür aus Glas

Unerklärlich Frieren

Unter hellem Fischleib

Warte, greife nicht nach mir

Was mach ich nun

Wohin

Zwei Bilder

 

Das umcodierte Gen

 

Das umcodierte Gen

Der kleine Splitter

Dunkelheit

Eine Morgensonne

Eine Wirklichkeit

Gedanken

Im Leistungsfach

Judaswort: Masse

Keine Abnormität

Landungen

Leises Rufen

Mit bunten Kleidern

Mord im Mord des Mordes

Tag

Traum im Traum

Vielleicht

Voller Worte

 

Das Weiß in deinen Augen

 

Das Weiß in deinen Augen

Die eigenen Worte

Die Lüge

Dürre

Im viel zu engen Kleid

Nach frischem Töten

Nacktheit

Trauer um ein Kind

Tumor

Verderbnis

Vom Krebs in dir 

 

Die Freiheit der Maschine

 

Böse Gedanken

Der Prozess

Die Freiheit der Maschine

In Gefangenschaft

Ohne Hoffnung

Ohnmacht

Verschollen

Wilder Wein

 

Die Zeit der Fütterung

 

Abschied vom Dorf Ebbs

Auf der Brücke

Auf Reisen

Blätter am Baum

Das Meer

Das Urteil

Der Glasbläser

Der neue Tag

Die Zeit der Fütterung

Ein Gruß

Ein kleines Kind

Ein Traum

Es tut sich nichts

Hab keine Zeit

Herbstanfang

Macht und Größe

Madrid

Metall

Moderne Mädchen

Nachtfahrt

Nachtzug

Sieh mich an

Spiegelung

Tanz

 

Ganz im Regenbogen

 

Fluchtverbot'ne Sandbank

Ganz im Regenbogen

Vergessen im Vergessen

Welle Sehnsucht

Worte

Zeitung

 

Karfreitag

 

Besitz

Der Regenbogen

Ein Schrei

Ertrage dich

Gebet

Hoffnung

Karfreitag

Singsang

Weihnacht

Weihnachtszeit

 

Raum-, Zeitgedichte, Nr. 1 bis 20

 

Das Kleinste im Kleinen,

Die einzige Gelegenheit,

Die Rückkehr,

Die Zeit der Zeit,

Die Zeit in einer andren Zeit,

Dir und dir.

Ein Zeitprotokoll,

Eine andere Zeit,

Es ist eine Zeit,

Fremde Wesen,

Gleichzeitige Zeiten,

In amtlichen Büchern,

Kein Eintrag,

Reservoir,

Selbst ein Sonnenstrahl,

Unerreichbar,

Von Zeit zu Zeit,

Zeitenwechsel,

Zeitlose Zeit,

Zeitreisende,

 

Tür aus Glas

 

Damals

Das Weiß des Tellers

Dein leichtes Atmen

Du ahntest wirklich nicht, warum

Ein Abgrund

 

Zeit zu leben

 

Das Paradies auf Erden I

Das Paradies auf Erden II

Glück im Glück

Im Augenblick des Augenblicks

Immer neue Muster

Mitten im Treiben

Puppen in der Poesie

Zeit zu leben

Zwanzig Jahre Kampf

 

 

 

Ach, Liebste

 

Ach, Liebste

 

Ach, Liebste, meine Liebste,

Woher hast du dein weiches Haar?

          Ach, Liebster du, mein Liebster,

          Das ist von meinem Elternpaar.

 

Ach, Liebste, meine Liebste,

Wo sind die schönen Augen her?

          Ach, Liebster du, mein Liebster,

          Die Mutter liebt mich gar zu sehr.

 

Ach, Liebste, meine Liebste,

Woher die roten Wangen sind?

          Ach, Liebster du, mein Liebster,

          Mein Vater küsst mich oft als Kind.

 

Ach, Liebste, meine Liebste,

Warum springt mir das Herz so sehr?

          Ach, Liebster du, mein Liebster,

          In meiner Brust klopft es noch mehr.

 

          Ach, Liebster du, mein Liebster,

          Wie könnt' ich ohne dich je sein?

Ach, Liebste, meine Liebste,

Du bist noch lange Zeit allein.

 

          Ach, Liebster du, mein Liebster,

          Du wirst mich niemals mehr verlassen.

Ach, Liebste, meine Liebste,

Wie könnt' ich deine Liebe lassen.

 

          Ach, Liebster du, mein Liebster,

          Versprich, dass du mich ewig liebst.

Ach, Liebste, meine Liebste,

Ich schwör dir alles, was du willst.

 

          Ach, Liebster du, mein Liebster,

          Leg still den Kopf in meinen Arm.

Ach, Liebste, meine Liebste,

Dein Herz schlägt jetzt ganz ruhig an.

 

 

 

Am Abendsee

 

Langsam sinkt der Sonnenstrahl,

Sendet dunklen Schattenpfahl

Vom Uferrand

Ans Land.

 

Sanfter goldner Wellenschlag

Fließt vom Horizont herab

Und wiegt das Rohr

Im Chor.

 

Schwarzes Segel trägt ein Kahn,

Gleicht in süßem Liebeswahn

Der stillen Wacht der Nacht.

 

 

 

Gedicht in den Farben Raoul Dufy's: Im Blumengarten

 

Ach, du Liebe.

Alles hier trägt deinen Namen.

Blauer Flügelschlag der Lilien, deine Lider

Gehen auf und nieder.

 

Blütenhauch der Rose,

Gläsernes Geplätscher der Libelle

Fließt herab von ihrem Purpurkelch

In Liebesworten

Wie aus deinem Mund.

 

Sperling in den Zweigen

Zwitschert wie der helle Tropfen

Deines Lachens.

 

 

 

Ruf über die Hügel

 

In ruhelosen Schlaf

Trat,

Gleich einem Bild

Verzaubernder Gesänge,

Ein Lächeln wieder ein,

Ein Blick aus halber Höhe,

Als raste er im Flug,

Kehre aus der Ferne,

Traum und Wunsch.

 

Doch gibt es Lichter,

Die der Weite und der Näh

Zugleich

Des Taues Frische senden:

 

Sehnte einst ein Liebender,

Statt im Weibe,

In der Nacht

Sich zu ertränken.

 

 

 

Nacht am See

 

Grüne Fährte Wind,

Streichelst sanft

Das Wellenheben,

Bringst das Klirren

Junger Weiden

Mir zum Lob.

 

Singst ein Schlummerlied

Im Halm des Rohres

Über unsren Leibern.

 

Eine Nacht hast du geklungen,

Deine liebevolle Kühle

Uns gezwungen,

Eng zu schmiegen

Und zu liegen

Tief im Raume,

Eine Nacht.

 

 

 

Abschied

 

Die Träne, die du beim Abschied nicht weintest,

Dein Schmerz, den mir lange Seufzer verrieten,

Und dein Lachen erstarben so schrill ...

Ach, du, halte still.

 

Deine Blicke, die Bleiben anboten ...

Wie du Trotz und Wut in einer Bewegung vereintest,

Unter deinen Händen in fahrigen Strichen

Die Haare von den Schultern wichen ...

 

Auch schlich die Sekunde der Wehmut vorbei,

Da wurde dein Atem schon ruhig und frei.

Es trieb dich beizeiten,

Den Abschied nun selbst zu bereiten.

Nein, nein, dreimal nein,

Halte nicht ein.

 

 

 

Verliebt

 

Verliebt in ihren Schoß,

Der jung vermählt

Sich bot und doch nach

Wiederholung angstvoll spähte,

Spülte Kuss auf Kuss

In ihre hohle Hand

Und ihre Schenkel

Seine Lust hinweg.

 

Ihr feiner, kleiner Leib,

Vom reinsten Garn gewoben,

Nahtlos kupferfarben überzogen,

Rollte über weiße Laken,

Einer Perlenkette gleich,

Und Schnur und Haken

Brachte er herbei.

 

 

 

 

Ich schließ' die Augen zu

 

Blickst du in meine Äugelein,

Soll dir das eine Warnung sein.

In tiefstem Kämmerlein

Findst du dich ganz allein.

      Ich schließ' die Augen zu,

      Und du bist mein im Nu.

 

So warm ist mir dein schöner Mund,

Ganz heimlich ziehn Gedanken rund.

Ein Kuss tut allen kund

Die Lieb in dieser Stund.

      Ich schließ die Augen zu,

      Und du bist mein im Nu.

 

Wie nah ist mir dein weicher Schopf,

Wie drück ich herzlich deinen Kopf.

Vor Freud das Herz mir pocht

Im Leibe, springt und klopft.

      Ich schließ die Augen zu,

      Und du bist mein im Nu.

 

Und lässt du einst mein Herzelein,

Soll mir das eine Warnung sein.

Verschlungen ist das Wegelein,

Lässt keinen aus und keinen ein.

      Ich schließ' die Augen zu,

      Und du bleibst mein im Nu.

 

 

 

 

Eine Frau liebt

 

Ihr Kopf liegt mir im Arm,

Und das Gesicht,

Ein wenig von mir abgewandt,

Horcht still nach innen.

Warm ist ihre Haut,

Und sie lässt zu,

Dass sich mein Mund an ihrem Hals

Und später auf der Brust verliert.

So treibt sie unter mir,

Ein los gebundnes Boot,

Das auf und nieder wogt.

Die leichten krausen Wellen

Ihres weichen Körpers

Glätten meine Hand

Und tastet auch zugleich

Nach ihrem Schoß,

Das Zucken einzudämmen.

 

Durch die geschlossnen Lider

Sieht sie gut

Den tiefen Zug,

Den ich aus ihrem Körper tu.

Randvoll gefüllt

Ist heut der Becher,

Und sie will auch,

Nun schnell erwacht,

Sich ganz darein versenken,

Will baden,

So wie ich,

In diesem Nass

Und drängt und atmet flach

Und hält mich an sich fest.

 

Ihren Mund, die Lippen,

Schmückt ein leichtes, kaltes Rot,

Das ich,

Als ich dann zu mir komm,

Entdeck!

Ihr Haar hatt ich mir

Und den Kopf

Gewaltsam hingezogen,

Hingebogen ihren Leib,

Gewölbt ihn, mir entgegen,

Rücksichtslos sie dann geliebt.

Doch blieb sie willig,

Löste sich von mir danach sogleich.

Was sie noch eben sprengte

War ihr nun ganz einerlei.

Mir schien sie völlig eins und frei,

Und ihre flinken Augen

Stahlen ihrer Umwelt schon

Die nächste Sensation.

 

 

 

Eine Frau in Sicherheit

 

Mich lockt das kleine Stückchen Haut,

Das unter ihrem Träger, der verrutscht,

Von ihrer nackten, runden Schulter,

Zu mir 'rüber schaut.

 

Bräunlich, weiß ich, läuft wie Samt,

So trocken, die Bewegung in den Rücken über,

Jeder Tropfen würde selbst als Perle

Darauf rollen, Kieselstein auf schrägem Sand.

 

 

Und dann verlockt mich noch ihr Blick.

Ihr Haar, gesteckt, gekämmt, mit viel Geschick,

Stell' ich mir vor, es fiele lang herunter;

Meine Stirn an ihrem Ohr, läg ich darunter.

 

So fühlt sie sich, das spürt sie selbst,

Das strahlt sie aus

Als Frau und weiß es wohl auch ganz genau

Und schiebt bewusst den Träger ihres Kleides wieder hoch.

 

Ein Blick von ihr darauf,

Ein Blick voll Sicherheit zu mir:

"Schuld ich dir

Eine Antwort?"

Ich schreck auf,

Dann lächelt sie sofort

Und wendet sich im Nu

Dem Kind in ihrer Nähe zu.

 

 

 

Spiegelscherben

 

Wie oft zerbrachst du den Spiegel,

Der dein Antlitz wiedergab.

Wie oft nahm ich die Scherben,

Ließ nicht den kleinsten Splitter liegen

Und leimte alles neu, am selben Tag.

 

Wie oft bat ich dich,

Mir die Risse zu verzeihn,

Die sichtbar blieben,

Wenn dein Angesicht ihm näher kam.

 

Wie mit Narben, sagst du,

Sähst du darin aus,

Wie im Käfigfenster,

Das dir keine Freiheit ließ.

 

Ein neues goldgerahmtes,

Hochpoliertes Spiegelwerk,

Das ich dir schnell verhieß,

Konnt dich im Augenblick betör'n.

 

Doch schon beim nächsten Spiegel

Sollt dich störn,

Dass er nicht endlos war.

Und wieder warfst du ihn

Mir hin.

 

Da nahm ich wahr,

Wie schön dein Haar

Geschwungen über deine Schultern lief,

Und küsste dir die Stirn

Und küsste dir die Wange,

Leicht das Ohr.

 

Dein Kleid schob ich zurück.

Du wehrtest nicht dem Blick

Und meiner Hand auf deiner Brust.

Ich sagte noch:

"Die Haut passt gut zu deinem Haar,"

Dann nahmst du meine Liebe wahr.

 

Du glaubtest, ich sei ganz und gar,

Der Leib, der Kopf, mit dir im Paar,

Doch sah ich dich vom Boden ganz verstohlen

Eine kleine Scherbe holen,

Um gegen eine dunkle Wand

Zu sehn,

Wie dir die neue Wahrheit stand.

 

 

 

Nein

 

Durch den Klang

Der ständig hämmernden Wirbel,

Dem schrillen Pfeifen in

Meinem Ohr,

Vernahm ich deine Stimme,

Die war rein und sanft.

 

 

Du sprachst nicht mit mir

Und warst mir doch bekannt.

Die eine Frage, die ich hatte,

Last du ab von

Meinem Mund,

Und, abgewandt von mir,

Dann aus der Stille

Kam dein "Nein".

 

Hilflos wolltest du mich sehn,

Es sei zu meinem Guten,

Und zu andren sollt ich auch

Nicht gehn.

 

Dein "Nein" war sanft und gut und rein,

Und für den Bruchteil

Einer Zeit

Sollten Trommeln und das Pfeifen

Meinen Ohren Lieder sein.

 

 

 

Das Lied von einer schönen Frau

 

Mit ihren Augenlidern

Zeigte sie perfekt

Die hohe Kunst

Des Vorhangs.

 

Ihre strahlend blauen

Tänzerinnen

Verneigten sich

Im Augenwinkel noch.

 

Schon wenn die schwarzen

Wimpern fast das ganze

Weiß der Bühne

Hinter sich beließen,

Sah man den letzten Saum

Der schönen Kleider doch.

 

Langsam kamen sie

Erneut hervor,

Der Mond schien auf zu gehn,

Und lange mussten sie auf

Spitzen Schuhen stehn,

Bis dann, blitzschnell,

Das Licht erlosch.

 

Und gleich danach

Erschienen sie mir

Schamhaft neu, gebeugt.

Der Vorhang ging

Nur in die halbe Höhe.

 

Als ich dann ganz

In ihrer Nähe stand,

Mein Atem kaum

Noch Atem fand,

Beherrschte plötzlich

Beide Ränder ihrer Lider

Jenes Heer von

Schlangenzungen.

Die haben mir das Lied

Von einer schönen

Frau gesungen.

 

 

 

Was uns trennt

 

Mich trennt von dir,

Dass ich dich liebe.

Mich trennt von dir

Das Weib, das ich verlang!

Mich trennt von dir,

Dass ich mich nach dir sehne.

Mich trennt von dir,

Dass ich um deine Liebe bang!

 

Dich trennt von mir,

Wenn ich mich zu dir neige.

Dich trennt von mir,

Dass ich dir deinen Leib nicht nur berühr!

Dich trennt von mir

Der Durst, den ich dir zeige.

Dich trennt von mir,

Das, was du Enge nennst.

 

Dass ich die Trennung dulde,

Dass du die Trennung nicht beweinst,

Erlaubt mir im Traum deine Körpermulde

Und dir meine Königin zu sein.

 

 

 

Enttäuschung

 

Worauf soll ich meine Hoffnung setzen,

Auf Vertraun?

Kann ich mit ihm

Über jene Brüstung schaun,

Enttäuschung,

Die mir meinen Weg versperrt?

 

Kann es meine lahmen Glieder

Neu beleben,

Mir die müden Augenlider

Wieder heben,

Wo ich weiß, dass mein Vertrauen schwand,

Als ich dich über seinem Briefe fand,

 

Und du, mit hektisch roten Flecken im Gesicht,

Versuchtest schnell das Schreiben zu verstecken.

Du gabst es auch noch zu, zuletzt.

Mein Gott, auf was hab ich mein Glück gesetzt.

 

 

 

Im Zwielicht

 

Im Zwielicht

Einer Rose,

Verband uns

Grün gerollt das Blatt.

Im langen Kelch

Der unteren Ufer verbarg

Der Stiel den Mund

Für seine Nahrung.

Dennoch glückte

Die Vermählung,

Und Rosenblatt für

Rosenblatt umschlang den Übergang.

 

Die frohe Botschaft

Trank im Fuß

Im Überfluss

Und ließ die

Farbenpracht

In stiller Werbung

Sich nach außen drehn

Und rot den Purpur sehn.

 

Zu hastig nahm die Zeit

Sich dieser Blüte an.

 

 

 

Flötenspiel und Saiten

 

Der Flötenspieler,

Dessen unbekannte Melodie

Dich gleich mit Namen nannte,

Dem du nur im Hinschaun

Töne deiner eignen Melodie

Antrugst,

Er schwieg bei deinem Anblick.

 

Du konntest nicht erkennen,

Was er sah,

Was seinem schnellen Atem

Lautlos Spiel verlieh.

 

Doch du begriffst

In seinem unaufhaltsam

Nehmen seine Hände,

Deren Finger dich im schnellen

Lauf zu seinem

Lieblingsinstrument beriefen.

 

Leis erklang euch beiden

Ein Duett aus

Flötenspiel und Saiten.

 

Dem Hunger, der schon endlos

Tief in mir mit Bissen meinen

Alltag quälte, gab

An hohen Feiertagen noch

Der Spott das Flittchen, Durst,

Dabei.

 

Es strich im frohen Springen

Grässlich seine Saiten an,

Und du, du musstest auf

Der feuchten Hirtenflöte,

Ungestimmt, die Töne

Dazu bringen.

 

Nur bei solchen Festen

Kam die Lust euch an.

 

 

 

Die Hagerkeit der Wangen

 

Längst floh die Zeit

Mir dir

Aus mir

Von meinen Lippen

Und auch verständnislos

Dein Wort zu mir: "Mit meinem Mund

Hast du mich wach geküsst."

 

Damals war ich dein

Und wohnte auch

In dir.

Die Luft war voll mit Süßerem

Doch Honig sog ich

Nur aus deinem Schoß,

Und du warst erst in mir,

Wenn meine Liebe in dich

Überfloss.

 

Doch Hagerkeit befiel dir

Bald die Wangen.

 

Was wir in unsrem dunklen Raum

Nicht ahnten,

Was wir später erst

Erkannten,

War, dass dir der Honigtopf,

Den deine Lippen suchten,

Nur von einer andren Frau

Zu bringen war.

 

Als das geschah,

Begann dein Liebesdienst

Zu wachsen,

Dass mich die Hagerkeit

Der Wangen

Bald gefangen

Nahm.

 

 

 

Feuerstoß

 

Ein weiches, warmes Wasser,

Das sich über unsre

Nacht ergoss,

Das Wachstum regte,

War dein unbedachtes Spielen

An dem Feuerstoß.

 

In offner Hand hieltst

Du die helle Flamme

Über unsren Köpfen

In die Tropfen,

Dann schlugst du,

Verkehrt herum, das kühle Nass

Uns kochend, schnell,

Als Mantel um.

 

Es wurd uns Bad

Zum sengend heißen

Feuersturm,

Und nur, wo deine Nähe

Meinen Körper traf,

Blieb ich verschont.

 

Doch lichterloh brannt

Lange schon

Dein Feuerdorn

In meinem Schoß.

 

Die Nahrung dieser Flamme,

Jener Feuerstoß, jedoch,

Zog triumphierend

Wieder hinter

Festes Schloss.

 

 

 

Jagen nach dem Jäger

 

Aus deinen schräg gestellten Augen

Traten Füchse,

Heftig blinzelnd, in die Morgensonne.

 

Nur das Niederschlagen deiner Lider

Trieb sie wieder in die Höhlen.

Dann verließen sie dich schnell und plötzlich

Im Gepäck des Mannes,

Dem du aufgelauert,

Suchten dort nach Beute.

 

Und er sah, wie du es wünschtest,

Mit den Füchsen auch das Wild.

 

Dein Bild und auch

Die Wohnung deiner Füchse

Wurden ihm Gravur.

 

Im Umfeld der Behausung

Glaubte er

Schon das Revier zu kennen,

Grub im Schatten deiner

Haare, auf den

Kämmen deiner Lippen,

In den weiten Dünen deiner

Wangen heimlich sich Gedanken

An den Sieg in Mulden ein.

 

Kurz nach dem Verschwinden

Deiner Tiere in den Höhlen,

Schnell vor dem Gefangennehmen,

Zogen deine Wimpern

Mandelblüten auf.

Im trippelnden Lauf

Bestrichen deine Finger

Ihm die fiebrig heißen Lippen,

Und in dir brach schrankenlos

Ein Jagen nach dem Jäger aus.

 

 

 

Der Magnolienbaum

 

Im ersten warmen Abendregen

Dieses Frühjahrs

Legte der Magnolienbaum

Das Blütenblätterkleid

Nur zögernd ab.

 

Im Fallen hielten nackte,

Feuchte Arme

Hunderte von Spitzen dieses Umhangs

Federnd auf.

 

Am Boden lag auf sattem Rasen,

Ganz zum Schluss, die Schar

Von rosaweißen Vogelleibern.

Ihre Flügel trug der Wind

In Schiffchen fort.

 

Dem schlanken Baum

Wurd es zum abgestreiften

Nachtgewand, in dessen

Mitte, beim Verlassen schon,

Noch eines seiner Beine stand.

 

Es trug einst eine Frau

Zu später Nacht, als sie,

Aus kurzem Traum erwacht,

Das mondbeschien'ne Abbild

In dem Spiegel fand,

Inmitten ihres abgelegten Kleides

Sich dem Körper an.

 

 

 

Fremde Gitter

 

Deine Speise ist nicht meine Speise,

Und dein Trunk ist nicht mein Trunk, und

Deine Ordnung, die du liebst, ist

Nicht die Ordnung, die ich halte.

 

Deine Freiheit ist nicht meine Freiheit.

Deine Pflicht bestimmt mir nicht mein Tun,

Und der Kampf, für den du stirbst,

Ist mir nicht Tod genug.

 

Die Sonne warf den heißen Überhang

Uns auf die Dächer.

Brütend lud das Flimmern

Der metall'nen

Gegenstände zum Verbrennen ein.

 

Auf spitzen Pfoten zog das

Katzentier sich schmiegend um

Dein nacktes Bein.

 

Du zögertest nur einen Augenblick,

Dich dieser Hitze

Ganz in Hitze hinzugeben,

Und ließt Glut der Stangen fremder Gitter

Glühend, fremd und Gitter sein.

 

 

 

Lust

 

Ist es nicht Lust für dich,

Mich willenlos an deine kalte

Brust zu legen?

Nimmst du nicht zitternd

An den Schmerz, wenn meine

Zunge wärmend dir das Fleisch bewegt,

Dort, wo dein Kind einst

Nahrung trank?

 

Ist es nicht Lust für dich,

Gespannt die Schenkel mir

Zu dehnen, angstvoll

Eingang anzuregen?

 

Ist es nicht Lust für dich,

Im Zittern, Bangen

Mir die Schultern zu umfangen,

Zu gelangen zu dem Biss

Sekundenlang dir

In den Rücken

Deiner eignen Hand?

 

Ein Künstler legte, als ihn

Der Triumph erreichte,

Seinen Hals der Dirne in den Schoß

Und mordete, als sie die Lust

In seiner Demut gierig überkam,

Mit einem harten Gegenstand

Das Weib.

 

 

 

                          Auf deiner Suche

Auf deiner Suche

 

In deinen Augen kreisten

Still die Zeiger einer Uhr

Als du, auf deiner Suche

Nach Empfängnis,

Zu mir kamst.

 

Mein Angebot versprach dir

Heilung und war mild

Und ohne Hinterhalt für dich.

Auch hätt ich ohne dich

Nicht viel verlor'n.  

 

Als ich den Zug, in dem du fuhrst,

Betrat, riss mich die Stufe,

Oder war's der Türenschlag,

Beinahe in die Tiefe.

Viel zu schnell griff deine Hand

In meinen Tag.

 

In deinem Stirnband trugst

Du sichtbar all die feinen Räder

Deiner kunstvoll aufgebauten Uhr.

Die Zeiger dieses Werkes,

Die uns Obdach waren,

Zwangen in der Schere ständig

Mich zur Flucht.

Später klafften sie unendlich,

Trennten Kilometer weit.

 

Bitter und verzweifelt

Sahst du mich entfernt

Am andren Rand.

 

Wie solltest du von mir

Empfangen, wenn,

Trotz aller Mühe,

Keine Stunde uns

Zusammenfand.

 

 

 

Fremdes Gehen

 

Der rote Kreis des Glücks

Zerspringt beim ersten

Anspruch auf Gerechtigkeit.

Auf Gleichheit, Sattheit.

So wie andre leben

Soll die eigne Schaukel

Sich zum Himmel heben.

 

Kleines grünflüg'liges Sonnentier

Verwischt ein Handstreich

Über das Papier,

Und winzig rote Spur

Bleibt nur.

 

Es können auch im Nachhinein

Die Weichheit deiner Brust,

Sanftes Lieben einer

Handbewegung,

Fernweh und der Zufall,

Mir ein fremdes Gehen

Nur bedeuten.

 

 

 

Der Durst der Flammen

 

Der Durst der Flammen

Fand nach heißer Glut

Durch vorgeschützte Wand

Den Brand,

Und ihre sanfte Hand

Lag ruhig in dem Schoß.

Die andere umschloss

Und hob ganz leicht die Brust.

 

Ihr Blick, gesenkt, vergaß

Die Knechtschaft,

Riegel, Kette, Schloss.

 

Es floss mit jedem Atem

Schneller die Bewegung

Ihrer Hände.

 

Ihr Leib verbäumte sich in Rundung,

Zart war gar ihr Lächeln,

Weit entfernt und

Halb im Flug das Angesicht.

 

 

Dann fiel sie starr

Zur Seite in die Kissen.

Die Zähne sperrten ihr den Mund

Mit Bissen in die

Unterlippe.

 

Viel später trug sie sich gelassen aus

Und sorgte sehr, dem Brand in

Naher Zeit nur spärlich

Kohle zu gewähren.

 

 

 

Im Hahnenkampf

 

Im Hahnenkampf

Empfandst du dich,

Um die der Streit entbrannt,

Als Mittelpunkt.

 

Die Frage nach der Richtung

Meines Weges konntst du

Nicht verstehn:

"Geh doch dorthin, oder dort

Entlang. Du musst

Doch sehn, wie ich

Erst sehen muss,

Mit wem ich weiter geh,

Bevor ich dir von deinem

Wege Näheres berichten kann."

 

Im Hahnenkampf entschiedst

Du dich für den Verlierer,

Gegen deinen Willen.

Der Sieger aber nahm dich

Später und verlangte dich

Als Führer.

 

Ich konnte deine Frage nach

Der Richtung deines Weges

Nicht versteh'n. Ich sah doch,

Wie du schlepptest

Am Verlierer und versuchtest

In dem Sieger Sieg zu sehn.

 

 

 

Dein Gast der Gäste

 

Als kalt das Eis

Vom Himmel fiel

Und tausendfaches Weiß

Sich körnte,

Erschrak dein

Sommerlicher Tag.

 

Stein auf Stein

Lag aufgereiht

Im Sonnenschein,

Ein Hagelschlag.

 

Weit vor der Wolkenwand

Erfand der ferne Regen seinen

Bunten Bogen.

 

Ein Lederschild, wie

Kinder jetzt ihr Spielzeug

Häufig tragen,

Lag im Gartengras

Und wies nach oben.

Tanzend kochte dort die

Kälte, prallte ab.

 

Geschmückt und voller

Duft war deine Kammer.

Dein Gast der Gäste

Traf nicht ein.

Noch spät zur Nacht

Bedachtest du in

Hoffnung andre Feste

Und lüdst dich gerne

Zu ihm ein.

 

Rief dich von ihm ein

Wort, nur eine Geste

Seiner Hand,

Du gingest zu ihm hin

Und trügst ihm an

Dein duftgeschmücktes Kämmerlein.

 

 

 

Die Asche deiner Feuerlaube

 

Dem Wind, der deine Haare

Sanft umfing,

Und deinem Mund

Die Lippen strich,

Vertrautest du dich

Ratlos an.

 

Ihm wolltest du die

Abgebrannten Güter

Deiner Seele zeigen.

Und leise hob er auf

Ein wenig von dem Staub,

Der Asche, welche du

Beklagtest,

Trieb sie wolkenartig

Vor sich her.

 

Dich versah er,

Stürmisch erst, dann

Leicht, mit Kühlung.

Wie konntest du ihm traun?

Verrat an dir war ihm das

Liebste Spiel.

Von Mitleid, Treue, hielt er

Gar nichts.

 

Denk nur an die Zeit,

Als Regen seine Peitsche war,

Und denk nur, niemals

Konnt er im Geheimnis

Schweigen.

 

Dünnen Wänden

Ästen, Halmen,

jedem fremden

Hohlen Mund

Verriet er deine Sorgen.

 

Nur denk ich grad,

Dass eben dieser Wind

Die Asche deiner

Feuerlaube dir ins

Haus gestreut,

Und dass gerade er,

In seiner launenhaften

Unschuld,

Dir vertraut.

 

 

 

Kreidekreise

 

Wir zogen mit weißen Kreiden

Auf den uns eigenen

Pflastersteinen

Die großen Ringe.

Sie sollten uns allen

Wohnung, Ruhe und

Hoffnung sein.

 

Kaum wurde von

Unserem Umzug

Gesprochen,

Die ersten zogen

Tatsächlich schon ein,

Da traf uns in

Unsrem entschlossenen Handeln

Deine Frage nach

Weiterer Dimension.

 

Du zogst nicht mit ein.

 

Du kanntest aus unseren

Kreisen auch nicht

Den dauernden Kampf

Ums neue Beschaffen

Von weißen Kreiden.

 

Zu uns sprachst du trotzdem von

Deinem Zuhause,

Das läge nicht weiter entfernt.

Man schlösse

In dessen Fenster,

Auch rund und gezogen

Im weißen Kreidebogen,

Unsre Wohnungen

Einfach mit ein.

 

Wir

Verlangten von dir,

Uns den Eingang zu

Diesem Gebilde zu zeigen.

Wir wollten ja nicht,

Dass andere sich unsre Habe

Einverleiben.

 

Du musstest die Fragen

Wohl nicht verstanden

Haben,

Denn du deutetest uns nur

Die Suche nach dessen

Ausgang an.

 

 

 

Ein blanker Fisch

 

Mein Boot hebt sich

Im letzten Schwung,

Raschelnd,

Durch das Schilfrohr

Auf den Grund

Und knirscht im Kies.

 

Frischer, kalter Wind

Vom offnen See

Schiebt die Wellen,

Furcht die Stellen

Langer Gräser,

Unbestimmt im Ziel.

 

Ich trug dir einst

Zu bleiben an

Und drängte dich

Aus deiner Bahn

Ins kleine Boot,

Zur Fahrt ins Schilf.

 

Du suchtest bang

Nach unsrem Steuermann.

 

Ich konnte deine Suche

Nicht verstehn,

Das Ufer war doch

Rundherum zu sehn.

 

Erst als dein Körper sich

Ins Wasser ließ

Und du, ein blanker Fisch,

Mir aus den Augen kamst,

Trieb ich an Land

Und suchte selbst

Nach einem Steuermann.

 

 

 

Im Gästezimmer

 

Im weißen Schleierkleid

Begingst du deine Flucht.

 

Im schönen Bild warst du

Gerahmt, und auch der

Mensch an deiner Seite

Merkte nichts.

 

Ein Brief aus meiner Hand,

Ich war mir selber Bote,

Kam nicht an.

 

Solange du im Bilderrahmen

Sichtbar warst,

Sprach ich zu dir.

Doch dann ...

 

Den Gitterstäben, die dein

Haus umgaben, trug ich im

Vorbeigehn meine Botschaft an.

Der Brief, in rechter Hand gehalten,

Ratschte an dem Zaun im

Rhythmus einer ausgebrochnen

Fahrradspeiche.

 

Wie konntest du dem Bild

Entspringen, wie kam es, dass

Bis jetzt nicht einer deiner

Lieben dein Verschwinden

Aufgedeckt.

Im Gegenteil, um dich noch

Deutlicher zu sehn und auch

Den Neuen gleich zu zeigen,

Wurde das Gemälde von euch beiden

Nun im Gästezimmer aufgehängt.

Wenn ich nur wüsst'

Um dein Verbleiben.

 

 

 

Dein Plakat

 

Die Stummheit deiner

Sprache war mir neu.

Es überraschte, dass auch

Dein Plakat in Überlebensgröße

Keine Worte hatte,

Weder Farben, noch Symbole,

Keine Zeichen, nichts.

Weiß und nackt trugst du

Den Vorwurf vor dir her.

 

Du weißt, ich hatte nie den

Rednern zugehört.

Vielleicht war das der Grund.

Was nun?

Wie sollte ich erfahren,

Was nur deine Augen sahen?

 

Du gingst an mir vorbei,

Als ob die Zeiten des

Zusammenlebens nie gewesen sein.

Du sahst durch mich hindurch,

Und die dir folgten,

Schwiegen auch betreten.

 

Ich stieg auf größte Höhn

Und konnte sehn, wie sich

Im Felde draußen eure Gruppe

Bald verstreute.

Doch du gabst

Von dem Plakat zuvor

In Sorgfalt jedem deines

Häufleins gleiche

Stückchen ab.

 

 

 

Im Gedränge

 

Im Gedränge auf der Suche

Nach verlor'ner Illusion

Erfuhrst du bitter Schwangerschaft

In Wahrheit,

Festgenagelt in dem

Brautgemach der Nüchternheit. 

 

Deine Nachbarn

Gaben ab genug,

Dich zu beladen mit

Enttäuschung.

Trotzdem hütetest du

Deine Frucht im Leib,

Weil dich in Ahnung streifte

Spätrer Lohn.

 

Die Frage nach dem Vater

Deines Kindes kam dir fremd

Es war doch offenbar,

Dass du auf Suche warst.

 

 

 

Schutz im Schutze

 

Hilflos war sie im Verlangen

Nach dem Schutz im Schutze.

 

Sie ging hinter ihm im Schritt

Mit seinen Schritten.

Ihre Hand lag weich auf seiner Schulter,

Horchend auch ihr Ohr auf seinem Rücken.

 

Schwer ertrug er das Gepäck.

Obwohl sie nicht verlangte das

Getragensein im Tragen,

Ließ sie sein was war

Und mühte sich, ihm

Eng zu folgen.

 

Nicht sah sie den Weg,

Die Stufen, Türen, Gänge,

Freies Feld, das sie betraten.

Sie sah immer nur, was schon gewesen,

Wenn es hinter ihnen lag.

 

Sie erkannte keinen Abschied.

Was vorüber war, fing an

Ihr zu begegnen, weiter im

Entfernten und ganz nah.

 

Sie wagte nicht den Blick

Nach vorne über ihn hinweg

Zu heben in der Angst, der

Herzschlag träfe ihn, und lauschte

So und kontrollierte seinen Atem.

 

Lange blieb sie in dem Schatten.

Auch als er die Wege

Heimwärts lenkte,

Nahm sie das, was sie einst in der

Zukunft hatten,

Als es ihr nun sichtbar wurde,

Für Vergangenheit, und auch

Was nie gewesen

Ohne Abschied in sich auf.

 

 

 

Tür aus Glas

Tür aus Glas

 

Schade, dass

Die Tür aus Glas

Unter uns weilte,

Dass sie deine Worte neu

In Stille fasste.

 

Zu oft vergaß ich in dem

Lärmen deine Neigung,

Die Gedanken in ein Schweigen

Uns zu hüllen.

 

Du hattest bald erfahren aus

Der Stummheit die

Gefahren und verzogst doch

Hinter wortverschluckende

Fassade.

 

Der Zufall hob beim Transportieren

Gelber Rosen die Verdeckung ab.

Das leicht gerollte Blütenblatt

Der einen spendete unwirklich

Duft und ließ die Nähe hölzerner

Transportgefäße sein.

 

Später stand die Rose dann mit

Immergrün und Schleierkraut

In einer Vase.

 

Ein vielbeschäftigter Graveur,

Der sie mit künstlerischen Augen maß,

Schnitt ihre Linien täuschend nach

In eine Tür aus Glas.

 

 

 

Geburtstag

 

Es gibt für mich viel zu bedauern:

Worte, die ich voreilig sprach,

Zuneigung, die ich verstieß,

Und Neigung, die mich nie verließ,

Den Verrat zu erproben.

 

Zu oft sah ich in dir

Das satte Tier.

Den Fettleib trugst

Du nur als Zeichen

Deiner Wollust,

Deiner Gier nach Speisen,

Ausgewählt und wahllos doch

In deiner Sucht.

 

Deine Sattheit

Und die Lust in der Verdauung

Rief die Angst vor dem

Danach

In mir wach.

Auch hattest du mich wissen lassen,

Die nichts hätten,

Trügen selber schuld,

Als du sprachst:

"Sieh zu mir, sieh doch ein,

Ich kann auch

Mit wenig zufrieden sein,

Und steh ich je

Mit leeren Händen hier?"

 

Er sprach wahr.

Die leeren Hände

Blieben stets den andren überlassen.

Auch nahm er an,

Dass ich wohl kaum

Selbst das Geschenkte

In den Händen halten kann.

 

Auch das war wahr.

Nichts konnt ich halten,

Was nicht ganz und gar

Mein Eigen war,

Und das war nichts.

 

Als ich mich dann endlich

Entschlossen,

Den Schritt in mein

Wirkliches Nichts getan,

Sah mich die gähnende Leere

Aus öden, leblosen Augen an.

Mein Nichts war so endlos vollkommen.

Da hab' ich mir selbst meinen

Namen genommen,

Und diesen Tag

Zu meinem Geburtstag ernannt.

 

 

 

Eine gute, vorbildhafte Frau

 

Es gab auch Zeiten,

Als sie beide noch von Wohlstand sprachen,

Einem fremden Land,

Welches zu entdecken,

Zu erobern,

Jeder lohnend fand.

Der Mangel an Besitz

War festes Band

Und Einigkeit.

Man musste außerdem

Nicht gleich alles haben.

Damals konnten sie

In Seligkeiten baden.

 

Die Kinder glaubten später kaum

Jenen Traum,

Als sie Trümmer dieser Zukunft sahn.

 

Das Elternhaus,

Das sie mit ihrem Mann gebaut,

War rundherum mit

Rostig sprödem Draht vertaut.

 

Sie denkt mit Schrecken an die

Ferngespräche,

Wenn er zum Einbruch banger Nächte

Wieder nicht nach Hause kam.

Und sie gestand sich manche

Üble Freiheit ein,

Die sie der besten Freundin kaum

Noch anvertraute.

Sie trieb es mit sich selbst am tollsten.

 

 

 

Sie musste schweigen

Über das Futter ihrer seelischen Leiden,

Alkohol und Nikotin,

Und über lange Tage,

Strenge Disziplin.

Heute war auch dieses Land für sie

Verloren,

Dahin war ihre Lust

Das Wenige zu retten.

Zu alt und zu verbraucht

War bald ihr Glaube

An das Morgen.

 

So ließ sie sich in jungen Jahren

Schon zum Mahlstein

Für die unverdauten Brocken

Ihrer Umwelt machen.

Und alle Welt befand, sie sei

Eine gute, vorbildhafte,

Beinah,

Noch begehrenswerte Frau.

 

 

 

Dein leichtes Atmen

 

Nachts zerbrach kein Traum

Die Ruhe seines Schlafes.

Erst im Morgengrauen

Schlug das Pfauenrad der Phantasie

Mit jeder Feder einzeln,

Schüttelnd sich im Ganzen zeigend,

Seine Wonneträume wach.

 

Frohlockend schritt er ab

Die Flur, bedeckt mit weißem Schnee,

Und neben ihm

Dein leichtes Atmen

Blieb als Spur,

Der ich die Sichtbarkeit verlieh:

Aus meiner Wunde

Tropfte Blut hinein.

 

Behende schwangst du dich

Auf seinen Federrücken,

Und ehe ich's versah,

Entflogt ihr jäh.

 

Du warst auch mit der Zügel,

Jenem Zaumzeug, zu beschäftigt,

Und ihn, ich sah's genau,

Schien wohl zuerst die

Schwere Last zu drücken.

Doch das war Täuschung.

Schon der zweite

Flügelschlag war Auftrieb.

Schnell verlort ihr euch

Am Horizont.

 

Mein eigner Flügelschlag

War lahm,

Und nicht erprobt war ich,

Im Neuschnee aufzufliegen,

Und meiner roten Zeugen

Nahmen andere sich an.

 

In heimlichen schlaflosen Nächten

Hoffte ich auf linde

Wiederkehrende Winde,

Die mir das Rauschen deiner Landung brächten.

 

 

 

Damals

 

Kann nicht vergessen,

Was wir einmal hatten.

Seh noch den Wind der Liebe

Über unsre Felder gehn.

 

In deinem Schoß

Fand ich den Trost,

Als unsre Saat

Nicht auf die Erde fand.

 

Als später dann

Das Wachsen doch begann,

War längst die Zeit der Illusion,

Der Hoffnung und des Glaubens

Auf ein bisschen mehr

Als das,

Was für das Nötigste man fand,

Zerstört.

 

Doch darf ich nicht verhehlen

An deinem Halse die Juwelen

Und an dem Handgelenk

Ein königlich Geschenk.

 

Es kam aus meiner Hand,

Die sich vergeblich

Nach dem Damals wand

Und streckte.

 

 

 

Warte, greife nicht nach mir

 

Im Augenblick, als sich

Dein Bild von mir

Und meine Welt

Einander rieben,

Sagtest du ein falsches

Wort:

"Warte, greife nicht

Nach mir",

Und spannst im

Wort das Netz,

In dem sich meine

Worte, die erschöpften Vögel,

Fingen.

 

Ermattet von dem Wunsch

Nach dir

Und von dem Wunsch, ich könnte

Frei und ohne deine Hilfe

Durch die Maschen fliegen,

Ließ ich ab von dir.

 

Im rosa Bad erkannten

Unsere Rücken,

Wand an Wand,

Die Wohligkeit der Wärme.

 

 

In deiner ausgestreckten Hand

Trugst du die Kanne

Voll mit frischem

Wasser für die Blumen,

Die du liebtest,

Auf der Fensterbank.

 

Mich fand

Der Spiegel nackt.

 

Ein Frösteln wuchs mir

Über Arm' und Leib.

Und durch dein dünnes Morgenkleid

Hob sich

Zum Licht

Die Silhouette

Deines Körpers ab.

 

 

 

Du ahntest wirklich nicht, warum

 

Die Tür zu deinem Blumenhof

Blieb unsichtbar.

Erst spät zur Nacht,

Als deine Gesten

Lange Schatten warfen

Hob sich der Eingang

Herrlich von den

Tagespflanzen ab.

 

Ein schwerer, süßer Duft

Wurd uns zum Pfad.

Die Dinge, die wir bei uns

Hatten, verwarfen wir

Nach kurzer Strecke Wegs

Als Ballast,

Und ich, ein Fremder,

Sollt auf dieser Fährte

Dir im Garten

Führer sein.

 

Es war wohl die Verlockung,

Die mich trug

Und mich betrog,

Denn als du dein Gewand

Verlorst, erreichten wir

Gerade noch den Ort,

Wo dich das ungewollte Wort:

"Wohin",

Aus meinem Mund

Und eine leichte Drehung

Deines Halses in die

Gruppe schöner Tänzer trieb.

 

Man fragte noch,

Wie du den schweren Weg

Gefunden.

 

Dann hat ein Nachtgeräusch

Die Gartentüre zugedreht

Und Tänzerin und Tänzer

In die Dunkelheit verweht.

 

Noch nächtelang,

Wenn ich die langen Schatten

Deiner Gesten wieder fand,

Schritt ich die

Tagespflanzen ab.

 

Du ahntest wirklich nicht,

Warum,

Und welchen Durchgang

Ich zu finden hatt.

 

 

 

Was mach ich nun

 

Bevor ich dir den Handkuss gab

Und meine Augen deine Augen maßen,

Und glitten ab

Und an dem Hals herab,

Dir deine Hand zu fassen,

Vernahm ich deine Ironie.

 

Der Ring, den ich mit deinem

Arme hob,

Trug eingefasst,

Statt eines Edelsteins

Ein Spiegelein aus Glas,

Dass ich erschrak,

In meiner Nähe mir

Den Kuss zu geben.

 

Würdelos entzogst

Du mir den

Untertan,

Er blieb in deiner Hand.

 

Den Ring, den du nach innen

Drehtest, mich im Blick

Drauf hauchtest und

Mit deinem Atem

Trocken wehtest,

Umschloss die Faust.

 

Wie raffiniert hast du mir

Das Gesicht gestohlen.

Und ich, was mach ich nun,

Hatt nie im Leben

So zu leben

Ausprobiert.

 

 

 

Ein Abgrund

 

Als ich an deiner Küste stand

Und du die Füße deiner Flucht

Im seichten Wasser wuschst,

Trieb schon die kleinste Welle

Sand auf Sand in unsre Bucht.

 

Ein schmaler, flacher Fisch

Geriet im Sog ein wenig

Über deine Hand im Meer

Und fiel dann gleich zurück.

Er stand und pendelte

Mit einer Woge hin und her.

 

Wärme brach aus jedem

Sonnenstrahl der blonden Haare,

Die den Rücken dir umgaben. 

 

Ich war versucht, mit meinem Atem

Über deine Haut zu fahren;

Ich war versucht, dir meine Sinne

Als die deinen anzutragen,

Dir ein Wort im Wort zu sagen,

Hätt ich nur gewusst,

Auf welcher Flucht du

Deine Angst verbüßtest.

 

Auch als die Schritte dich

Ins tiefre Wasser lenkten

Und sich die Arme

Hinter deinem Kopf verschränkten,

Blieb ich stumm.

 

Nach kurzer Zeit erschienst du drüben,

Vorgelagert auf dem Dünensand

Und riefst mir zu und winktest,

Dass ich kam.

 

 

Doch wurd' das Wasser

Meinen Füßen tief und tiefer, und

Der Anstieg dir zum Strand

Fing nicht an.

 

Da sagtest du, ich dürfte

Meinen Fuß in deine Hände legen,

Und hobst mich ab vom Grund

Zu dir.

 

Erstaunt gestandst du mir,

Dass eine Reise über deinen Mund,

Dem rosarot gewölbten,

Wegen deiner schneidend weißen

Zähne, dir aus Angst

Um mich bestand.

Schon ein leises Kosewort

Wär ein Abgrund.

 

 

 

Ein andermal

 

Schon in der Morgenfrüh

Spie dein Vulkan

Geröll und Asche der

Verletzten.

 

Den Vorwurf, den ich

Gestern sprach und

Dessen Stachel mir

Nicht dir, im Fleische

Saß,

Nahmst du von Neuem an.

Als ich um Hilfe suchend

Meine Seele dir entblößte,

Sahst du nur den

Übergriff,

Und glühend breit

Floss aus auf mich

Der Lavastrom.

Was blieb, war mir der

Kalte Sprung in

Die Verzeihung. 

 

Das Land stand

Bis zur Küste hin in Flammen,

Und selbst das

Nahe Meer kocht dumpf.

Ich hielt dir zu den Mund

Und nahm dich mit

Gewalt.

 

Du hieltst gesperrt den

Widerstand, vielleicht

Aus Angst, das Land

Könnt unter dir

Versinken.

Ein andres Mal, so war

Dein Schwur, würd dir

Die Sache ganz gelingen.

 

Der Ascheregen schwebte lange

Über heißer Flut

Im Tageslicht

Und stahl die weite Sicht.

Auch Boot und Holz

Und alles, was einst schwamm,

War nun verbrannt

In Glut.

 

 

 

Ertrunken schon im Sand

 

Erschrocken stand ich vor dem

Wohnungseingang.

 

Beim Betreten,

Auf dem Treppenabsatz,

Störte mich das Knirschen wie

Von Zucker unter meinen

Schuh'n, und nun erkannt

Ich erst, dass fein der Wüstensand

Aus halb verschlossner Tür

Durch Ritzen fand.

 

Es konnte doch nicht sein,

Dass hinter dieser Mauer

Trockenheit begann,

Sich Hitze staute.

 

Ich klemmte mich hinein.

 

Ein schmaler Schein von

Grellem Licht fiel durch

Die scheibenlosen Fenster

In die Stube

Auf den Sandberg, der,

Im steilen Anstieg, weiter

Hin nach draußen lief.

 

Zwei Bilder an der Wand,

Fast ganz ertrunken schon

Im Sand,

Und auch die feine Spur

Von einem Tier, das hier

Noch Wohnung nahm,

Bemerkte ich gebückt

Im Fensterausgang.

 

Im Freien packte mich die Dürre.

 

Ich konnt mir euren

Aufbruch lange nicht

Erklärn, bis ich zum

Alten Bahnhof kam

Und sah,

Wie sich die Schienen

In dem Dünensand verliefen.

 

Mir war nicht aufgefalln,

Im Kommen,

Noch entfernt vom Haus,

Die Menge Sand

In eurer Wohnung und

Dahinter.

Auch sagte keiner, dass

Ein Anschlusszug

Nicht zur Verfügung stand.

 

 

 

Ins schwarze Rund

 

Ins schwarze Rund,

Ich sagte es, tiefschwarz,

Versuchte ich den Blick

Zu senken.

 

Zwei Schilde, undurchdringlich,

Waren deine Augen.

 

Ich drehte langsam dich

Zum hellen Licht.

Du fandest darin

Keine Absicht. Doch

Auf dem Pupillenrand

Erkannte ich

Wie nun dein Herz

In Wärme

Zuckte, und

In dunkler Tiefe stand

Ein Bild, mir unbekannt,

Und hinter meinem Rücken

Doch vorhanden.

 

Allzu gern hätt' ich gewusst,

Ob deine Augen sahn,

Was ich in deinen Augen fand.

 

 

 

Das Weiß des Tellers

 

Verschwommen ist das Weiß des Tellers.

Halb im Dünensand versteckt,

Sieht ein Mond hervor.

Gelbe Körner schlägt der Wind

An den Tellerrand.

Dicht dahinter

Fängt ein Berg

Sein Wachstum an,

Verschlingt die Mahlzeit,

Die er selber schafft,

Und gibt dem Wind,

Was er dahingerafft,

Viel zu spät erst wieder frei:

Einen weißen Teller

In der Wüste.

 

Niemand sieht die Speisung,

Einst in Fülle über, um

Und auf dem Teller,

Nun ein Meer

Im Meer.

 

Viele brachtest du vor Langeweile

Um ihr Leben.

Niemand drang im Kampf mit dir

Bis hier,

Das Weiß in seine Hand

Zu nehmen.

 

 

 

In der Not

 

Schrei nicht in der Not!

Denn wer dich hörte, der hörte dich nicht,

Und wer dich sähe, der sähe dich nicht,

Und wer dich kennte, der kennte dich nicht.

Schrei nicht in der Not!

 

Doch, schriest du in der Not,

So würde dich hören, den du nicht hörst,

So würde dich sehen, den du nicht siehst,

So würde dich kennen, den du nicht kennst,

Er würde schreien wie du in der Not.

 

 

 

 

Ganz im Regenbogen

Ganz im Regenbogen

 

Dir war das junge Grün in

Deiner Nähe

Filigran am Halse

Und im Kleid,

Und Dreiecksstäbe, ganz aus Glas,

Hieltst du vor deine Augen,

Auf der Suche nach den

Tausend Farben oft

Versprochner Prismen.

 

Du wurdst belohnt,

Und blendend rot traf

Dich im Kreuz von

Stirn und Nase frei der

Eintritt in das

Breite Spektrum.

 

Neu und unerhört

War, was du fandst,

Ein Ausschnitt nur

Für dich, doch mir

Erschienst du ganz Im Regenbogen.

 

 

 

Fluchtverbot'ne Sandbank

 

Das Wasser der

Verlassnen Ufer

Schlug im Rhythmus

Tag und Nacht

Die fluchtverbot'ne Sandbank,

Und die Kiesel spülte es ins Meer,

Und später warf es diese wieder

Auf den Strand und

Spülte sie ins Meer zurück

Und auf den Strand,

Ins Meer und auf

Den Strand,

Ins Meer

Und auf den Strand.

 

Niemand kam

Und sah die Leere,

Niemand kam

Und nahm sich dieser Leere an.

 

Nur einmal trug ein großer Vogel

Lange Schatten auf die

Grenze zwischen Meer und

Ufer.

Tränenvoll verliebte ich

Mich in den Abschied,

Den wir hatten.

 

 

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