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Harald Birgfeld, Webseite seit 1987/ Website since 1987

 

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Neu, 2020:  Über Poesie der Heilung und Glück. Ein Essay über 16 S.

 

Neu, 2020: Sasel, Geschichte eines Außenlagers, Vers-Epos, 2020. Außenlager KZ Sasel, 140 S.

 

Neu, 2020: David und Batseba. Eine Novelle, 30 S. 

 

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Wenn ich bedenke,

 

neue Gedichte 2019/2020 (im Entstehen)

 

Copyright, Urheberrecht 2019 beim Autor, Herausgeber, Redakteur: Harald Birgfeld,

e-mail: Harald.Birgfeld@t-online.de

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten)

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Als ich entdeckte

Antrag auf ein eignes Kind

Astronomische Entfernungen

Auferstehen

Basilikum

Brief an Julia, Verona

Damals

Das Mädchen

Deine Kammer

Demut ist die Jungfrau

Der Schatten eines Blattes

Der Traum

Die liebe Weihnachtszeit

Die neue Freiheit

Die Wiege unsrer Liebe

Du in meiner Zeit.

Du sagtest „Uns“

Du sprachst von „Wir“.

 

 

 

Ein Liebeslied

Eine Blumenblüte

Erste Liebe

Ich sah den Grund

Ich traf auf meine Zeit.

Ich wollte dich mit mir beschenken

Ich schlaf ja eigentlich

In den Sternen

In der wunderschönen Zeit

In meinem Kopf

Kein tiefer Grund

Kinder

Mädchen bleibt Mädchen

Märchen der Genesung

Margareta unter Camembert Verpackung

Meine Träume

Mich blendete die Schwärze

Mir begegnete ganz unerwartet

 

 

 

Poesie des lieblichen Gesichtes

Poesie der Unzufriedenheit

Sein erster Kuss

Sonntagskind

Spiegelbild

 

Vergängliche Unsterblichkeit

Von Rauch und Nebel

 

Wenn ich bedenke

Wir in meiner Zeit

Wir waren beide damals noch

Wir waren in Beschleunigung

 

 

 

Wenn ich bedenke

 

Wenn ich bedenke, dass ich immer noch

Gedichte schreibe,

Namenloser Rufer am Computer bin,

Und meine Wortgrafittis

An den Pforten der Verlage als

„Das bringt doch gar nichts ein“ herunterrieseln,

Sollt ich lieber schweigen?

Eingestehen, dass ich

Gar auf falscher Seite stehe?

 

 

 

Nein, denn meine Wortgebilde,

Sind mir liebe Kinder, die mit freiem

Blick ins Ungeschehen gehen,

Sich voll Zuversicht

Dem Leser anvertrauen.

 

 

 

Spiegelbild

 

Wir hörten ein

Gedicht, das ging an mir vorbei

Und blieb bei dir, die ich doch lange kannte,

Stehen,

Und es fühlte deinen Puls,

Und später sagtest du einmal,

Es wäre dir, als hätten deine

Worte ein Gedicht geschrieben,

Und es sei doch nur ein lang vermisstes

Schiff am Horizont erschienen

Und vorbei gefahren.

 

 

 

Anderntags sah ich dich dann am

Rand des Wassers sitzen,

Und du schautest in dein

Spiegelbild, das fandst du schön

Und zauberhaft

Und griffst hinein

Und immer wieder schnell nach dir,

Dir nah zu sein.

 

 

 

Als ich entdeckte

 

Als ich entdeckte,

Dass du nur dein

Abbild warst,

Schnitt ich dich aus

Und zündete dich zwischen spitzen

Fingern an

Und hielt dich fest

Und sah dir ins

Gesicht, das änderte sich in den Flammen

Nicht.

 

 

 

 

Ich wollte dich mit mir beschenken

 

Geschenkt nahm ich dich nicht,

Ich wollte dich mit mir beschenken,

Und du nahmst von mir nichts an,

Und in dem

Geld, du hattest viel davon,

Und alles war für mich geplant,

Wär ich ertrunken,

Und, so eng wie ich mit dir verbunden war,

Würd zwischen uns dein

Wunder nicht geschehen können.

 

 

 

 

Ein Liebeslied

 

Du sangst für mich ein

Liebeslied, das klang mir schön und warm,

Und deine

Füße warfen in dem Tanz die

Schuhe ab,

Und sie bewegten sich auf mir,

Ich war aus

Panzerglas, das brach nicht

Und es riss nicht ein

Und hielt dir stand.

 

 

 

 

Eine Blumenblüte

 

Auf dem

Weg lag eine Blumenblüte,

Die ich an mich nahm,

Und wochenlang lag sie ganz frisch

Auf meinem Tisch

Und schien in ihrer

Pracht zu wachsen ohne

Dass ich sie bewässerte,

Sie welkte nicht,

Ich hatte den

Verdacht, dass sie in jeder

Nacht erneuert würde,

Und ich kümmerte mich nicht darum,

Und kannte mich in dem

Betrug nicht aus.

 

 

 

 

Mich blendete die Schwärze

 

Wir waren auf dem

Flur, dort stand nur eine Lampe,

Und dein

Fuß ließ sie verlöschen,

Und es war so plötzlich

Und so völlig dunkel,

Dass ich dich nicht mehr begriff

Und keine

Wand mehr fand,

 

 

 

Mich blendete die

Schwärze tiefer als die

Dunkelheit um mich.

 

 

 

Der Traum

 

Du sagtest nichts zu mir von unsrer letzten

Nacht,

Mir hatte jemand meinen

Angstschweiß abgetupft,

Und morgens gab es nichts,

Das uns erinnerte,

 

 

 

Es mochte auch der

Traum noch nicht zu

Ende sein,

Das wusstest du vielleicht.

 

 

 

Der Schatten eines Blattes

 

Auf deinen

Mund fiel leicht der

Schatten eines Blattes,

Und er legte sich auf meinen letzten

Kuss,

 

 

 

Der stieg in dieses

Schiffchen, und fuhr, als es sich bewegte,

Auf und ab

Und wollte von dem

Boot nicht lassen.

 

 

 

Antrag auf ein eignes Kind

 

Wir teilten alles ein,

Du plantest weit voraus den

Antrag auf ein eignes

Kind, das würde uns erst fremd sein,

Und die

Mutter lebte weit entfernt

Und von dem

Vater wusstest du nur wenig,

Und es gab an dir kein

Zeichen, das Begierde weckte,

Und die Zeit mit dir

Wurd schließlich aufgeteilt von mir in kleine

Winkelfelder,

 

 

 

Keines davon musste ich bestellen,

Und in meinem

Schrank hielt ich noch einen

Frauenrock versteckt.

 

 

 

Ich sah den Grund

 

Du liebtest mich,

Das hattest du gesagt,

Und meine

Antwort hättest du wohl gern gehört

Und sagtest gleich,

Dass ich dir nichts zu sagen brauchte,

Und mit deinen

Händen schöpftest du ein wenig frisches

Wasser, das du mir entgegen hieltst,

 

 

 

Es schwamm kein

Fisch darin,

Ich brauchte es auch nicht zu trinken,

Und es war nur eine liebe

Geste, die du machtest,

Und ich sah den

Grund, der war nicht

Tief.

 

 

 

Deine Kammer

 

In der

Laube fand ich dich auf einer

Bank, die stand im Freien,

Und es schützte dich das

Dach darüber,

Und du ludst mich ein,

Es käme gleich der weiche, warme

Regen, den du allzu gerne mit mir teilen würdest,

 

 

 

Und ich setzte mich, so eng es gehen mochte,

Neben dich,

Und niemand, warst du sicher, würde deine

Kammer jemals finden,

Und sie bliebe auch vor mir

Geheim.

 

 

 

Basilikum

 

Ich roch an dem Gewürz,

Das war Basilikum, und biss

Hinein,

Es war ein Biss der schmerzte in

Erinnerung.

Mein Herz ging auf.

 

 

 

Ich lag auf einem Tisch,

Man operierte mir Erinnerung

Und pflastere die

Wunde mit Basilikum.

Ich lag in einer Notaufnahme.

 

 

 

Du sagtest „Uns“

 

Du sagtest „Uns“

Und meintest

Dich und mich und

Dir und mir und

Raubtest so von meiner Zeit das

„Mein“.

 

 

 

 

Wir waren in Beschleunigung

 

Wir waren in Beschleunigung

Und waren schnell als Licht,

Und hinter uns verschmolzen

Zwischenräume,

Deine Zeit und meine Zeit  zu

Andrer Zeit.

 

 

 

 

Wir waren beide damals noch

 

Wir waren beide damals noch

In Trauer, als wir

Aufeinander trafen.

Außenstehende verstanden nicht,

Dass wir einander völlig

Gleichen mussten.

 

 

 

 

Du sprachst von „Wir“.

 

Du sprachst von „Wir“.

Ich war noch nie

In einer andren Zeit

In deiner Zeit.

 

 

 

 

Mir begegnete ganz unerwartet

 

Mir begegnete ganz unerwartet

Meine Zeit

Am Rand der Kaffeetasse.

Mehr war nicht.

 

 

 

 

Ich traf auf meine Zeit.

 

Ich traf auf meine Zeit.

Sie war in sich gefaltet.

Mich erkannte sie

Nicht mehr.

 

 

 

 

Du in meiner Zeit.

 

Du in meiner Zeit.

Ich glaube dir,

Doch bin ich dir dort nie

Begegnet.

 

 

 

 

Damals

 

Damals fing kein Satz

Mit „damals“ an,

Und heute brennt mir immer noch

Die ungestellte Frage nach der einen

Antwort auf den

Lippen.

 

 

 

 

In der wunderschönen Zeit

 

Ich lebe in der wunderschönen Zeit und Welt,

Der Schalentiere, Krebse, Krabben

Und Gepanzerten in ihren

Rüstungen.

 

Doch wir, die wenigen, die

Übrig blieben,

Horchten auf, als uns ein

Ganz geheimes Wort erreichte,

Das war wohl vertraut und

Irritierte dennoch sehr.

 

 

 

Wie dürfen es nicht

Denken und nicht buchstabieren,

Und es nicht

Aus der Verkalkung lösen.

 

Wir umschreiben es mit

Menschenfreundlichkeit.

 

 

 

Kein tiefer Grund

 

Ich tauchte in dein Herz, 

Es war kein tiefer Grund, 

Und später sagtest du,

Nie wieder wäre jemand 

Dir so nah gewesen,

Niemals wieder hätte jemand dich

So bodenlos berührt.

 

 

 

 

Meine Träume

 

Du hast dich bemüht

Und wolltest deine Zeit verlassen.

Andre hätten dich mit ihrer Zeit berührt

Doch nicht erreicht.

Du wolltest Träumerin in meinen Träumen sein

Und meine Träume träumen.

Das verstand ich nicht,

Ich neidete dir deinen

Freisinn.

 

 

 

Auf den Lippen hattest du dafür Versprechen.

Wenn ich dich gewähren ließe,

Würdest du mir deine Freiheit schenken,

Die wär groß genug für

Zwei.

 

 

 

In den Sternen

 

In den Sternen bleiben die Gesichter unerkannt. 

Ich mein' es so:

In einer Sternennacht, die voller Klarheit ist,

Und ihre Sterne fast aus ihrer Klarheit fallen lässt,

Dass man gespannt nach oben blickt

Und auf die weißen Nadelstiche in der Schwärze achtet,

Die in ihrer Schwärze immer tiefer, immer schwärzer wird,

In einer solchen Sternennacht wird alles hell, was dunkel ist,

Und Dunkelheit wird eingeschränkt auf helle Flächen.

 

 

 

Auf der Brücke über einem stillen, glatten Wasser,

Finde ich mich endlich in den Sternen selbst.

Die ruhen über mir und unter mir,

Und mein Gesicht bleibt unerkannt im Wasser stehen,

Und gleich neben mir, ich wage nicht mich umzudrehen,

Steht ein zweiter Mensch und stellt sich in sein eignes Sternenzelt.

So einfach ist die Welt, und einfach ist es auch,

Ihr etwas anzutun.

Ich bräuchte nur mit einem kleinen Stein

Nach ihr zu werfen und zerbräche ihr Gesicht.

 

 

 

Der Mensch in meiner Nachbarschaft

Steht still und hofft wie ich auf ihn, dass nichts geschieht,

Und beide sehen wir nach unten

Und dabei nach oben in die Kuppel.

Nein, ich höre keinen Atem,

Ja, er muss sehr eng an meiner Seite sein,

Und spüre keine Wärme, die sich überträgt.

Ich sehe in der Tiefe in das Doppelbild,

Ins doppelte Gesichterschwarz und halte meinen Atem an

Und hebe meinen Kopf und wende meinen Blick zur Seite,

Und ich sehe mich hier ganz allein,

Mein Nebenmann ist nicht vorhanden,

Und ich sehe schnell ins Wasser

Und ihn eben aus dem Bild verschwinden,

Und er ist nicht neben mir

Und war und ist nicht über mir,

Und außer mir war nichts in dieser Nacht,

Die mich in ihre Sterne stellte.

 

 

Sein erster Kuss

 

Mit der

Hitze und der Heiligkeit des

Unerwarteten, erfasste ihn

Sein erster Kuss.

Er war nicht vorbereitet

Und verlor dabei, fast unbemerkt,

Den Schlüssel für die

Kammer seines Herzens.

Das schien auszubluten.

 

 

 

Lange Zeit verging, bevor ihm eine

Zufallsliebe Auffang

Wurde.

 

 

 

Sie erschloss ganz neue Kammern,

Das war viel,

Doch unbemerkt trieb

Wildwuchs aus der alten Kammer

In die Nachbarkammern,

Führte dort zu neuen Blüten,

Deren Samen jeden

Neuwuchs heimwärts drängten.

Und die alte Herzenskammer

Überwuchsen.

Schließlich blieb nur noch

Die Ahnung, wie Erinnerung

An einen ganz geheimen Garten.

 

 

Die Wiege unsrer Liebe

 

Ich dachte lange nur für mich.

 

Von da an aber, als ich auf dich traf,

Verstand ich dich und mich und

Mich und dich.

Wir waren Kreise, deren

Mittelpunkte sich mit uns verschmolzen.

 

 

 

Voller Leiden und voll Freuden,

Ganz vertieft in aufmerksamer

Umsicht, schworen wir uns jede

Körperliche Einigkeit und jedes Füreinander

Unzertrennbar zu bewahren.

Unser Ziel war nie, den Rand des Kreises

Zu erreichen.

 

 

 

Heute schauen wir gemeinsam und zugleich

In einen Autospiegel.

 

Ja, es scheint, dass

Sich in ihm die Stirn des Glases

Grau in seiner Wölbung und mit

Selbstgefälligkeit in

Gittern feiner Furchen, schmalster

Risse überzieht

Und gibt,

In leicht verzerrter Weite,

Unsere Gesichter

Als am Rand des Kreises ruhend

Wieder.

 

 

Mädchen bleibt Mädchen

 

Schwalben fliegen über enge Straßen.

Kinder können nicht von ihren Spielen lassen.

Nur ein junges Mädchen steht an eine Wand gelehnt

Und schaut zur Mama

Und zum Papa,

Die sich ausgedehnt

An diesen warmen Sommertagen

An Getränken laben,

Es versteht, wie gut es beide haben.

 

 

 

Dann soll es vom nahen Stand

Noch von den reifen Kirschen holen:

„Trag sie nicht in deiner Hand,

Und nimm die großen, schwarzen, dunkelroten“.

 

 

 

Flink bezahlt das Mädchen eine Schale,

Geht ein Stück zurück mit seiner Ware,

Schaut, dass keiner sieht und schimpft,

Wenn es sich davon was nimmt,

Hat schon alles auserkoren:

Greift nach Zwillingskirschen mit der Hand

Und hängt sie wie zum Bild an einer Wand

Ums linke seiner Ohren.

 

(Ein Sommergedicht für Helga zum Geburtstag 2020)

 

 

Märchen der Genesung

 

Heute ist dein Mond erwacht

Und du in seinem Silberlicht

Bist ihm Bewunderin

Und lässt dich in Gedanken treiben.

 

 

 

 

Bei den Römern, die den Sonnenwein aus

Mondsteingläsern tranken,

War der Mond schon immer weiblich.

„Luna lucet“, heißt,

„Es scheint die Mond“.

 

 

 

Und dir fällt ein,

Der Dichter Claudius beschreibt ihn als vertrauten Freund,

Der ihm im Herzen wohnt

Sobald er aufgegangen.

 

Wunderbar lässt er den Mond auf Erden

Allen Trost und Einkehr werden,

Um die Kranken

Märchen der Genesung ranken.

 

 

Demut ist die Jungfrau

 

Demut ist die Jungfrau, die nach einem

Liebsten Ausschau hält.

Es drängen Labsal sich und Mühsal,

Beide stehen an der Pforte,

Doch sie kann sich nicht entscheiden.

Labsal ist zu ungewiss und

Mühsal zu gefährlich.

Man sagt auch

Die Blindheit lehrt uns Demut.

 

 

 

Das versteh ich so:

Ich denke an die Höhlenmaler

Die, so scheint es,

Sicher nicht allein und heimlich

Nur mit Phantasie und Fleiß begabt

Ihr Werk begannen.

 

Finsternis erschrak die Meister nicht,

Denn Dunkelheit und Stille

War die Wohnung vieler Götter, die sie schützten.

Die erlaubten auch mit Bienenwachs und Harz

Die Schwärze zu erhellen.

Helfer hörten und vertrauten auf den Meister,

Der rief ihnen aus Entfernung zu,

Verlangte Striche, Linien, Farben.

In der Nähe ginge jede

Übersicht verloren.

 

 

 

 

Unter Fackeln durften später

Auserwählte in die Höhlen tauchen.

Beim Betreten aber sprangen Wesen auf sie zu,

Die waren nah und groß,

Und sie erkannten die sofort und wieder nicht.

Sie beteten vor Furcht im

Anblick des zu Sehenden

Und waren selber plötzlich klein, so klein.

Das hatte niemand sich erklären können,

Und sie wähnten sich ganz unerwartet in der

Wohnung eines ihrer Götter.

So verschlossen sie die Augen,

Fürchteten zugleich die Schar der Tiere,

Dass sie ihren Platz auf Stein verlassen könnten,

Und verharrten bis zur letzten Glut,

Die sie zurück ins Freie führte.

 

 

 

Auferstehen

 

Von den lauen, warmen Meereswellen

Hab ich oft geschrieben und erzählt.

Ich liebe es, von ihnen,

Halb im Wasser, halb am Strand,

Umspült zu werden.

Hinterher empfinde ich noch

Tiefe Sehnsucht,

Nach dem Schubsen hin und her,

Wenn meine Hände nach dem Wasser greifen,

Das mich schaukelnd trägt.

So wächst Erinnerung,

Die ist mir Gut und reichliches Geschenk

Und zeigt mir Freisein.

 

 

 

Dann erhielt ich eine Nachricht.

Mir schrieb eine Frau, die mich im Ausland las:

„Wir alle, die in schroffen Bergen

Leben, brauchten deine Zuversicht.

Uns riss ein Beben aus der Mitte,

Drückte uns in seinen Wellen

Als zerstörender Orkan, als Blizzard,

Aufgebaut zum Turm aus Wasser

In die Tiefe.

 

 

 

Deine Worte aber strichen glatt,

Was uns zerrissen schien.

Mich fasste eine Hand und meine packte

Eine andere.

Wir wurden gute Schwimmer,

Tanzen jetzt auf Wellenkämmen,

Feiern Auferstehen“.

 

 

 

Kinder

 

Kinder

Leben oft ganz unbedarft und in den Tag

Wie ich.

Doch fällt mir eins von ihnen auf,

Dem ist nichts einerlei.

Ein Mädchen, das mit seinem kleinen Körper,

Seiner Gestik, seinen Händen, Fingern,

Augen Reden hält.

Schon in sehr jungen Jahren

Und mit sprachlichem Geschick,

Schrieb es sich ohne Not Geschichten.

Es ist eines der Begabten, das

Dann unerwartet mit viel Selbstverständnis

Und in Selbstverständlichkeit

Den Auftritt sucht.

 

 

 

Es singt besonders,

Weil es Melodien in Sprache wandelt

Sich mit leisem fast schon

Angehaltenem Gesang,

In mädchenhafter Scheu,

Dem, der ihr zuhört, anvertraut.

Es singt mit treffender Geduld

Und plötzlichem Verstehen,

Wenn sich etwas in ihm regt.

 

 

 

Doch es bezweifelt sich dabei:

„Ich singe in den hohen Tönen

So wie Enten quaken“.

Das enttäuscht sie sehr von sich.

Ich rede ihr dann zu und sage:

„Das ist das Besondere an dir“,

Und weiß, dass dies

Den Hörer bis zur

Andacht zwingt

Und mich zur Frage:

Womit habe ich dies Glück

Verdient.

 

 

 

Erste Liebe

 

Du warst erste Liebe

Meines Lebens.

Damals war ich noch sehr jung,

Ein Knabe, wie man früher sagte.

Du warst aber Rose unter

Einem Hauch von Blättern aus Chiffon,

Die sollten dich bedecken

Und ein wenig auch entdecken lassen.

Mir gabst du ganz ohne Scheu,

Den Blick auf deine Weiblichkeit.

Das tat dir gut,

Und in dem Zimmer saßen Leute,

Die sich für mich schämten.

Du warst schön und frech zu ihnen,

Und du rauchtest viel.

 

 

 

 

Ich folgte dir, ein Hündchen, das

Auf keinen Fall den

Anschluss missen wollte.

Eines Tages hörte ich die

Leute reden:

„Sie ist schwanger von dem

Sekretär“ und

„Der schwört ihr den

Himmel hier auf Erden“.

Doch du glaubtest nicht daran,

Weil er in einer andren Ehe lebte.

Und ich leckte deine und auch

Meine Wunden.

Traurig warst du nicht.

 

 

 

 

Das alles ist so lange her.

Trotzdem erreichte mich die

Leise Ahnung, und ich suchte

Auf bestimmten Seiten,

Was mit dir geschehen sei

Und finde, dass du schon vor Jahren

Starbst.

Das reißt mir jäh als Prankenhieb den

Mantel schöner Tage voller Sehnsucht

Und Erwartung aus der Hand.

Den trug ich, als du meine

Erste Liebe warst.

 

 

 

Die liebe Weihnachtszeit

 

Eigentlich

Wuchs sie in Zweisamkeit,

Die liebe Weihnachtszeit,

Und wurd in einem Augenblick

Ein Glück

Zu dritt.

 

 

 

 

 

 

Ja, eigentlich

Warn es wohl immer drei,

Dort, in der lieben

Weihnachtszeit:

Mit Vater, Mutter, Kind,

Mit Esel, Schaf und Rind,

Mit Haus und Stadt und Land,

Mit Männern aus dem

Königstand.

 

 

 

 

 

Und eigentlich

Ist man allein

In jeder Weihnachtszeit,

Und insgeheim

Denkt man vielleicht

An jenen Stern,

Der in der Nacht

Am Himmel stand,

Und eigentlich hätt man es gern

Dem Nächsten auch gesagt

Und ihn gefragt nach dem,

Was man dort fand;

Und ruft den Nachbarn laut

Und lädt ihn ein

Und freut sich beim

Zusammensein

Der lieben Weihnachtszeit.

 

 

Von Rauch und Nebel

 

Mit meiner Hand

Verwirbelte ich etwas Nebel.

Der entstand durch eine Räucherkerze.

Dabei biss sie mich in meinen Arm:

„Das mach ich immer so, wenn meine

Liebe nicht mehr weiß wohin“.

 

 

 

Die Räucherkerze war aus Span,

Der Nebel kam von einer

Kräutergarnitur.

 

 

 

Von Rauch und Nebel lass ich mich

Doch nicht betrügen!

 

 

Wir in meiner Zeit

 

Du sprachst von „Wir“.

Ich war noch nie

In einer andren Zeit

In deiner Zeit.

 

 

 

 

Du sagtest „Uns“

Und meintest

Dich und mich und

Dir und mir und

Raubtest so von meiner Zeit das „Mein“.

 

 

 

Du sprachst von dir in meiner Zeit.

Ich glaube dir,

Doch bin ich dir dort nie begegnet.

 

Dann traf ich auf meine Zeit.

Sie war in sich gefaltet.

Mich erkannte sie nicht mehr.

 

 

Sonntagskind

 

Eigentlich bin ich ein

Sonntagskind.

Man sagt, das holt das Glück

Im Schlafen ein.

Ich durfte, konnte, musste

Vier Mal Lebensretter sein.

Erst rettete ich meinen Sohn, dann

Meine Mutter, dann die Tante und dann

Einen fremden Mann.

Der wäre an zu viel und nicht zu wenig

Sauerstoff gestorben.

 

 

 

 

Über alles, was mich sonst bereichert

Schreibe ich Gedichte.

Die liest man in mehr als

Zwanzig Ländern.

Nachts jedoch lieg ich im Bett

Und weine.

 

 

 

Brief an Julia, Verona

 

Alt zu werden

Geht nicht irgendwie,

Man kann es nicht erzwingen.

Alt zu sein dagegen, ist ganz anders.

Eigentlich ist es wie jung zu sein,

Denn beidem scheint das Ende

Ewig offen.

 

Herzschmerz schwingt in

Jugendlichen und in Reifen

Gleichermaßen und in

Alle Richtungen.

 

 

 

Ja, Herzschmerz wird zur Flügeltür,

Die pendelt hin und her.

In Neugier hält sie Ausschau

Voller Furcht in dringender

Erwartung auf Erfüllung,

Und in Sehnsucht nach dem

Wohlbekannten Ankerplatz.

 

Aus Furcht und Sehnsucht werden

Zankende Geschwister,

Werden märchenhafte Zwillinge,

Die lassen sich nicht aus den

Augen.

 

 

 

Kürzlich sah ich eine Reportage über

Die Besucher, die an deiner

Statue aus Bronze, Julia, in Verona standen,

Und mit ihren Händen deine kalte

Brust berührten,

Sie bestrichen sie,

Um so ihr Liebesglück zu zwingen.

 

 

Margareta unter Camembert Verpackung

 

Aldis Camembert-Verpackung

Landete auf meinem Frühstückstisch

Und auf der Tageszeitung.

Dort verdeckte sie den halben Eintrag,

Der begann: Der Papst…

Ich las nun ganz:

Der Papst spricht Frau aus Città di Castello

Heilig.

Das ist sicher mehr als selig, denke ich

Und was bedeutet das?

 

 

 

Beim Weiterlesen werde ich dann aufgeklärt,

Dass diese Frau dereinst verkrüppelt,

Blind geboren und verstoßen von den Eltern,

Dann jedoch von Glaubensfrauen

Aufgenommen worden war.

Sie wurde selber Ordensfrau

Und legte ihrem Schicksal tiefen

Gottesglauben bei.

Das war sehr viel, und sie besaß sonst

Scheinbar nichts.

 

 

 

 

Ihr Leben war nur kurz.

Doch es gelang ihr

Ordensschwestern und auch andere, die suchten,

Von dem Licht in ihrer Dunkelheit

Und der Begabung einer Seherin

Zu überzeugen.

 

Heute nun, nach tausend Jahren, wird sie

Pharaonenhaft in grelle Helligkeit

Gesandt.

Sie lehrte Blinde sehen

Und die Sehenden das Blindsein.

 

Margareta unter Camembert-Verpackung

In der Tageszeitung.

 

 

Ich schlaf ja eigentlich

 

Nachts, wenn ich tief schlafe,

Schleich ich mich an mir vorbei zum

Kühlschrank.

Dort verwahre ich in edlen Dosen

Köstlichkeiten, die mich tief

Erschrecken, die ich aber esse:

Kleine Fischlein, kurz vor deren Schlupf,

Und rohen Laich in Salz.

Ich schlaf ja eigentlich.

 

Der Schlafende hat Lungenkrebs,

Und ich erlaube mir

Noch einen kleinen Schluck aus einer

Flasche.

Das ist nicht erlaubt.

Ich schlaf ja eigentlich.

 

 

 

Vor wenig Wochen starb

Der Sohn des Schlafenden an Krebs.

Der Schwester hat man

In der Brust das gleiche Leiden

Diagnostiziert.

Ein zweiter Bruder und auch sie befinden sich

Nun auf der Suche nach Vererblichkeit.

Ich schlaf ja eigentlich.

 

Im Land und in der Stadt herrscht

Pandemie, mit allen Schrecken und der

Emsigkeit nach Heilungssuche.

Streitlust führt sich dabei

Akademisch auf und spricht von

Regeln,

Die beschreiben Kindergartenschaukelei.

Ich schlaf ja eigentlich.

 

 

 

Doch dann geschieht, dass ich mir

In die Arme laufe,

Mich ertappe.

Das versteh ich nicht.

Ich schlaf ja eigentlich

Und wach nicht auf.

 

 

Vergängliche Unsterblichkeit

 

Spät am Abend, fast schon in der

Nacht, leg ich die Armbanduhr

Aus meiner Hand

Auf einen Tisch,

Der steht in Dunkelheit.

 

Es gibt nur wenige Geräusche,

Abendregen draußen auf dem Dach,

Das Ticken meiner Küchenuhr,

Und ich vernehme noch den Nachbarn,

Der hört Stücke aus dem Internet

Und brennt sie dann auf DVD.

 

 

 

Ich las in meiner Tageszeitung,

Das war gestern,

Was man über Wolfgang Borchert wusste,

Was sein Drama „Draußen vor der Tür“

Bedeutet und was nicht,

Las über wehe Wirklichkeit in jener

Scene mit der Gasmaskenbrille.

Heute lese ich,

Wie wenig von Bob Dylan bis zu uns gedrungen ist,

Dass dieser alles abtut, eifrig sich bemüht

Die Songs, die ihn bedeutend machten, klein zu reden,

Dass sie völlig unerheblich scheinen:

„Das ist Kunst auf Kunststoffplatten,

Weiter nichts“.

 

 

 

Ich aber frage mich,

Was setzt die Gasmaskenbrille

Borcherts mit den

Kunststoffplatten Dylans gleich.

Ist das vergängliche Unsterblichkeit?

 

 

Die neue Freiheit

 

Dies war der erste Tag im Wasser.

Ich beschloss zu tauchen.

Unter Wasser wollte ich die Augen

Offen halten.

 

In der Oberfläche stand die Sonne,

Die war über mir und neben mir.

Darunter war die neue Freiheit,

Der kam ich nur langsam näher.

 

Einmal wagte ich den Blick in ihre Tiefe. 

 

 

 

Ich war völlig ohne Schutz

Und litt und gab sie auf

Und kam nach oben:

Meine eigne Freiheit war zu retten,

Die lag über dieser Oberfläche.

 

 

 

 

Ich versteh seit dem die anderen,

Die von der neuen Freiheit reden,

Als von etwas Dunklem,

Das sie trägt

Und unter ihnen liegt.

 

 

Das Mädchen

 

Mein Blick fällt durch das

Küchenfenster auf den

Innenhof.

Darin befindet sich die große Kiste

Voller Sand zum Spielen für die

Kleinen.

 

Heute steht am Rand ein

Mädchen, das ist zehn, vielleicht auch zwölf,

Das balanciert gelangweilt auf den

Seitenhölzern der Umrandung.

Es erscheint ein Junge, der ist jünger

Und ein wenig kleiner,

Aber hocherfreut spricht es sofort zu ihm

Mit eleganten Krümmungen der Finger

Tänzerischem Schwenken seiner Hand,

Und dann mit beiden Armen.

 

 

 

 

Es ist still bei mir, das Fenster ist geschlossen,

Doch ich sehe, wie das Mädchen ihn zur

Eile treibt, und er läuft fort und kommt

Mit einer Schaufel wieder.

Das scheint gut.

 

Das Mädchen zeigt nun auf den Sand

Und macht ihm Zeichen, dass er den zu einem

Haufen, dann zu einem Berg und dann

Zu einer Burg zusammenschaufeln soll.

Er gibt sein Bestes, und der kleine Hügel

Wächst.

Dann setzt es sich auf die Umrandung an die

Burg und zeigt ihm seinen Platz an ihrer

Seite.

Beide kuscheln eng und haben es geschafft.

 

 

 

 

Sie sind nun Königin und König oder

Punkerin und Rapper oder

Ritter und Prinzessin oder einfach

Zwei, die sich gefunden haben

Und nicht voneinander lassen wollen.

Ohne Eile schiebt das Mädchen mehrmals

Seine schulterlangen Haare, die nach vorne hängen,

Hinter beide Ohren,

Dabei neigt es seinen Kopf gelegentlich

Zur Seite, lässt ihn aber nicht aus seinen Augen.

Von dem vielen Spielzeug in der Nähe

Rühren sie nichts an.

 

 

Astronomische Entfernungen

 

Gesten sah ich dich,

Du knisternd junges Herz, das

Pochend als ein eigenes Gestirn,

Ganz zum Berühren nah, mich

Ansah.

 

Mit deinen tänzerischen Fingern wiest du mich,

Der sich im Alter vor der Ebenmäßigkeit

Des Unnahbaren nur verbeugen mag,

Und jedes Wort sich nicht verzeihen würde,

Aufzustehen, auf dich zu

Zu gehen.

 

 

 

„Komm“ rief mir dein Blick, „komm näher“.

 

 

 

Ach, wie hätte ich einst Liebe lieben mögen,

Doch jetzt halten

Astronomische Entfernungen mein Herz auf

Stillstand.

Das möcht ich dich gern,

Von Stern zu Stern,

In einer Botschaft wissen lassen.

Die wird dich jedoch in vielen Jahren

Erst erreichen.

 

 

In meinem Kopf

 

In der Familie, die mich jetzt betreut,

Erklärt man mir die Kunst:

„Die ist nicht mehr als das,

Was jeder kennt und weiß

So zu empfinden, darzustellen und zu

Zeigen, dass es neu und als zum

Ersten Mal erlebt erscheint“.

 

 

 

 

Ich staune, denn ich stamme selbst

Aus völlig anderen Verhältnissen und bin

So dankbar für Erweiterungen.

Ja, in meinem Kopf sind

Eigenständig Melodien und vieles mehr,

Die ich mir gern und alles festgehalten hätte, und

Ich denk an Kafka,

Dessen Schriften niemand kennen

Oder davon wissen sollte, an

Strawinski, der im Wald mit seinen Fingern

Rhythmen auf den Oberschenkeln spielte,

Und an Mahler, der die

Krähen, wegen des Gekrächzes

Rundherum erschießen ließ.

 

 

 

Ich aber habe endlich eine Schrift für mich

Erfunden.

Damit halte ich die Töne, Pausen,

Bilder, Farben, Tänze und Bewegungen

Auf Schreibpapier mit einem

Bleistift fest.

Das Buch hat nunmehr sechsundneunzig

Seiten, und ich bin sehr stolz darauf,

Weil ich mein eigenes Empfinden

Darzustellen und zu zeigen weiß.

Doch sollte es dereinst von jemandem

Gefunden und zu neuem Leben

Aufgerufen werden,

Tut sich jene Frage nach der

Kunst von neuem auf.

Ich denke nämlich, Kafka, Mahler und Strawinski

Haben ihre Kunst für sich erlebt,

Doch ich erlebe umgekehrt,

Denn Kunst hat mich für sich

Entdeckt.

 

 

Poesie des lieblichen Gesichtes

 

Gestern Abend saß ich lange noch am Strand.

Der Horizont zog seinen flachen Bogen unscharf

Zwischen Land und Meer,

Das war noch etwas blau und auch schon grau,

Und von weit draußen tauchten letzte

Sonnenstrahlen in mein Bild.

 

Ich träumte mich zurück zu einer Frauenstimme,

Die mit kleinen Stolpersteinen in den Sätzen,

Und mit hingehauchter Mundbewegung, mit

Verspieltem, stillem Atemholen mir

Gehör, Beachtung, Neugier abverlangte,

Ohne, dass ich auf sie hören oder sie verstehen

Wollte.

 

 

 

Sie sah ungeschminkt zu mir.

Es war, als käme wie versehentlich

Ein Seufzer über ihre Lippen, der ließ in die

Wangen Grübchen fallen.

Sie schien mich zu fragen:

„Sicher kennen Sie das auch?“

Ich weiß nicht was, doch stimmte ich dem

Zu, ich war so sehr gefangen.

Dann kam ein vergnügter Schluchzer,

Der ließ ihre Augen leuchten,

Zauberte auf ihre Lippen Fröhlichkeit

Und auch ein wenig spöttisches Vergnügen:

“Wenn Sie möchten, kann ich Sie sofort

Verbinden“.

 

 

 

Nein, ich mochte nicht, auch nicht

Verbunden werden.

 

Jetzt, nur jetzt, nur diese wenigen Sekunden

Hatte ich das unverhoffte Glück die

Poesie des lieblichen Gesichtes

Zu erleben

 

 

Poesie der Unzufriedenheit

 

Die Kanzlerin gab grünes Licht an die

Ministerin.

Die wusste nicht warum und

Stellte sich ganz dumm.

Als dann ein Auftrag kam:

„Schick schnell dein größtes Flugzeug

Nach Kabul, das ist doch in Afghanistan,

Und rette, was zu retten ist“,

Verstand sie endlich die Mission

Und sandte die Maschine ab.

Das war noch nicht ihr Grab,

Denn die kam heil zu Boden.

 

Das verkündete auch die Ministerin als

Tapferkeit mit bravem Sinn.

 

 

 

Das Flugzeug traf auf

Tausend, tausend Leute, die

Verzweifelt Rettung brauchten

Und sofort und heute der Gefahr

Mit nichts als ihrem Leben

Zu entrinnen suchten.

 

Die Maschine der Ministerin flog

Eilend wieder heim und nahm statt vielfach

Hundert Passagieren, nur vereinzelt mit

Wer auf dem Zettel, einer Liste, stand,

Die hatte man zuvor dem Kopiloten

Zugeschoben, zugesteckt,

Und nach Minuten war man ausgecheckt.

 

 

 

Statt Freiheit brachte die Maschine nun

Der Kanzlerin und der Ministerin

Und der Besatzung und dem ganzen Land die

Poesie der Unzufriedenheit

Mit heim.