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Harald Birgfeld, Webseite seit 1987/ Website since 1987

 

da liegt mein Herz, Geschichten aus Niemandsland 2022 -2024 (im Entstehen)

z.B.: 100 Jahre „Kafka“, eine herrenlose Fundsache (neu)

 

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Tanz.jpg

Aus meiner digitalen Welt!

 

 

 

 

 

 

Im Buchhandel und online:

 

Feuer, das zur Speise wird

114 Gedichte

Lyrik.

 

68 Seiten, Format A5

 

Harald Birgfeld

 

Online bestellen sowie im Buchhandel,

 

€ 5,99 inkl. MwSt.

 

Zum Buchshop

 

ISBN 9783734750632

 

„Feuer, das zur Speise wird“ ist auch in den USA, Großbritannien und Kanada unter obiger ISBN und bei abweichenden Preisen bestell- und lieferbar.

 

 

Auch als E-Book

 

€ 3,49

 

Zum Buchshop

ISBN 9783738690521

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten).

 

Harald Birgfeld, von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb die meisten seiner Gedichte während der morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur Arbeit. Seine Texte entstanden fast immer bereits in endgültiger Form.

 

Copyright 2015 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald Birgfeld, e-mail:. 

                              *          Harald.Birgfeld@t-online.de

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Abends würden wir uns treffen

Absturz

Als es anfing

Als ich lernte

Anfangs widersprach ich keiner Schönheit

Aus dem Bildschirm

 

Damals schrieb ich ein Programm

Dann wurde ich bestraft

Das Blech war eingerissen

Das Gerät auf seinem Platz

Das Gerät war voller Wissbegier

Das Papier schrieb durch

Das Zimmer war allein

Der Bildschirm unterscheidet sich

Die Geräte dachten niemals

Die Jagd war aus

Die Kunst bestand zum Schluss

Die Reise stand bevor

Die Tür blieb offen

Dies Gerät

Draußen ist nicht draußen

Drinnen im Gehäuse gab es eine Warnung

Drinnen im Gerät

Du hattest eine fremde Art

Du legst die Hand

 

Ein anderer Versuch

Ein gelbes Feld

Ein großer Bildschirm

Ein Mensch saß am Gerät

Eine Frau

Einem anderen erklärte ich es so

Eines muss ich noch erklären

Eines Tages kam ein Mensch

Einmal kam Verwirrung auf

Einmal sollte etwas

Einmal sollte ich Bestandsaufnahme

Einmal sprach mich die Maschine an

Einmal trafen wir uns außerhalb

Einmal war es einfach

Er ging mit einem Hut

Er, für sich

Erst die

Es ist dumm von dir zu sagen

Es ist ein Spruch im Umlauf

 

Es sollte regnen

Es verfielen

Es war der "Türgriff"

Es war Krieg

Es war normal

Es war nur ein Versuch

Es wurde eine Fläche

 

Hier draußen ist es kalt

Hinter einer Glaswand jagten sich Geräte

 

Ich bin ganz sicher

Ich erfuhr es schnell

Ich fuhr aufs Land

Ich gab dir meine Hand

Ich kam ins Zimmer

Ich komm herüber

Ich sang nur

Ich saß auf meinem Kopf

Ich traf auf eine Frau

Ich wache auf

Ich war in meiner Wohnung

Ich war völlig frei

Immer wieder

Immer wieder setzten sie sich

In deiner Sprache lag ein ähnliches Geräusch

In dem Bildschirm

In einer Galerie

 

Ja, mir ist ein Kind geboren

Jeder Tag kommt neu

Jemand fragte mich nach meinem Alter

Jemand ging vorbei

Jemand leitete die Ordnung ab

Jemand ließ dich grüßen

Jemand machte einen Fehler

Jemand sagte, "Mensch"

 

Letzter Schluss

 

Man musste deine Körper kühlen

Man rief mir zu

Man sagt, weil man es weiß

Man sprach von einer Wichtigkeit

Man wies mich darauf hin

 

Man wollte einen Wunsch erfüllen

Manchmal hat man eine Ahnung

Mein Schatten folgte mir

Meine Augen suchen sich den Himmel

Mich überraschte die Erkenntnis

Mitten in der Hand

Morgens kam ich an

 

Nachdem ich mich in meinem Gitter

Neue Ordnung, neues Denken, neue Sprache

Nun, Speise, werde Speise

 

Oft begegnen mir

 

Plötzlich

 

Rotgeschrieb'ne Zahlen

 

Selbstverwirklichung des Bildschirms

Sie trug einen schönen Mantel

So viel war gewiss

 

Über einen Fehler

Unerwartet ludst du mich zu dir

Unerwartet wurde alles

Unvollkommen

 

Vor deinem Mund entstand ein Feuer

 

Wär ich meiner Sache sicher

Wärmemensch

Was steht dahinter

Wenn ich wüsste

Wir beenden g'rade

Wir saßen vor derselben Tastatur

Wir sprachen von der Sprache

Wir waren räumlich nicht gebunden

Wir würden uns nie kennenlernen

 

 

 

Rotgeschrieb'ne Zahlen,

Schwarzgeschrieb'ne Zahlen.

Tätowierung, die sich im Gesicht bewegt.

 

 

Ein Durchlauf durch das Lichtfeld

Des Projektors.

 

 

 

 

Wär ich meiner Sache sicher...

 

Rechner - Frage - Rechner - Frage...

 

 

Irgendwo hat er mich aufgenommen

Und gespeichert, abgelegt

Und abgesichert.

 

 

Rechner - Frage: meine Daten.

 

Sonst bin ich ganz sicher.

Weiter fehlt mir nichts.

 

 

 

Ja, mir ist ein Kind geboren.

Seine Eltern kenn' ich nicht.

Ich nenne es: "Strom-fließt, fließt-nicht".

 

Ich habe seine Speicherdaten,

Die gab ich dazu.

 

 

Es lernt sehr schnell,

Es lernt ganz fehlerfrei,

Es lernt mich kennen.

 

 

 

Unsre Sprache,

Wenn wir uns verstehen werden,

Wird so schwer sein, wie sein Leben:

"Ja" und "Nein" und

"Ja" und "Nein" und

"Ja" und "Nein"

 

 

 

Du legst die Hand

Auf das Gehäuse

Deines Bildschirms,

Liebe ist in deinem Blick,

Der fällt in meine Augen.

 

 

Ja, jetzt seh ich's auch:

Du hast ein Bild von mir

Gespeichert,

Das steht fest im Schirm,

Und deine Fehlersuche

Hast du grad' beendet.

 

 

 

 

Ich bin ganz sicher.

 

Mit der Fingerspitze

Schreibe ich erst in die Luft,

Dann setze ich den Finger

Auf die Bildschirmhaut. 

 

 

Es stimmt.

Wenn ich die Augen schließe,

Und nun weiter schreibe,

Ist es deine Stirn.

Es kommen die Gedanken

Glatt und warm.

 

 

Ich küsse deine Stirn.

 

Es kann mir nichts passieren.

 

Nachher werde ich die Augen

Wieder öffnen.

 

 

 

Wir beenden g'rade...

Ich beende g'rade...

 

Das Programm läuft immer noch.

Ich warte.

 

Unerwartet stoße ich auf eine Schleife,

Steige ein...

 

 

Die Frage lautet,

Ob ich die Bedingungen erfülle...

Gott bewahre!

Wenn das nicht geschieht...

Man fände mich nie wieder.

 

 

 

So werd ich den Schalter, den ich...

Gott vergib mir...

Lass mich die Bedingungen

Erfahren..

 

 

 

Ich komm herüber.

Dort liegt noch mein Ohr

Auf dem Gehäuse.

 

Ja, ich lausche intensiv.

 

 

Ich will und werde die

Maschinensprache lernen.

Ich bin klug und klug genug.

 

 

 

Ich werde eines Tages

Eine unhörbare Sprache

Hören

Und sie sprechen.

 

 

 

Nun, Speise, werde Speise,

Werde "täglich Brot".

Nun werde du

Maschinentäglich Brot

Und speise dich.

 

 

Ich seh dir ins Gehirn.

Direkt und aufgeklappt vor mir:

Gehäuse im Gehäuse.

 

 

 

Drüben, auf der Straße,

War ein Unfall.

Einer weißen Masse

Mit ein wenig Flüssigkeit

Entnahm man keinen einzigen

Gedanken.

 

 

 

Es ist dumm von dir zu sagen,

Dass Maschinen reden,

Dass sie sprechen,

Dass sie ihre Sprache,

Ihre eigne Sprache haben.

 

 

 

Wir, in unserer Familie,

Leben in Maschinen.

Jeder, der zu uns gehört,

Lebt in Maschinen,

Und wir hätten nie gewagt

Uns anders, als in unsrer Sprache,

In Maschinensprache,

Mitzuteilen.

 

 

 

 

Ich war völlig frei

Und wusste davon nichts;

Ein Leben voll von

Unbewusstem Leben.

 

Jemand warf ein Netz auf mich

Und teilte mich in drei.

 

 

 

Jetzt spreche ich mit mir,

Jetzt höre ich auf mich,

Jetzt gebe ich mich frei

Und spreche neu mit mir

Und höre neu auf mich

Und geb mich wieder frei

Und spreche wieder neu mit mir

Und....

 

 

 

 

Einmal kam Verwirrung auf.

Verwirrung ist Gefahr.

Ich kannte beides nicht.

 

Verwirrung konnte Weg und Pfad

Und in der Folge von Gedanken sein.

 

Mir fiel ein Schlüssel in die Hand,

Der passte.

 

 

Niemand hätte angepackt

Und mir geholfen

Oder hätte helfen können.

Die Verwirrung hätte sich sofort

Auf alle ausgebreitet,

Die Verwirrung hätte dieses schwarze Feld, den Schirm,

Als Schild vor sich gezogen

Und kein Wort gesagt.

 

 

 

 

Es war der "Türgriff"

Der mir Antwort gab.

 

Der "Türgriff" heißt zum Beispiel

Jenes Zauberwort,

Das Einlass gibt.

 

 

Nun war es aber so,

Dass sich dahinter nicht

Das Märchenland befand.

Das Märchenland war ich, ich selbst,

Und alles, alles Märchenhafte

Brachte ich mit mir

Und breitete es vor mir aus.

 

 

Der "Türgriff" war an mir.

So stieg ich in mich ein

Und fand in mir das Märchen.

 

"Türgriff"

Darf ich nicht vergessen.

 

 

 

Ich war in meiner Wohnung.

Meine Wohnung ist ein hartes Haus.

Man kühlt von außen seine Wände.

Tiefe Kühlung ist dort draußen.

Hier im Haus entsteht durchs

Haus im Haus die Wärme.

 

Ich war dort auf Suche.

 

 

Man hat mir gesagt, es würden

Tausende von Bahnen durch die

Wohnung laufen,

Und ich brauchte nur im rechten Augenblick

Hinein zu schauen,

Dann würd ich unendlich oft

Auf die Begegnung stoßen.

 

Später fand ich es heraus.

 

 

Das Drängen in den Bahnen war so groß, darin

Die Enge ohne jeden Raum, darin

Das Leben so gewollt,

Dass außer dieser ungeheuren Wärme in den Bahnen,

Nichts in meinem Haus entstand.

 

Es war und blieb ein Totenhaus,

Bepackt mit Leiterbahnen.

 

 

 

Einmal sollte ich Bestandsaufnahme

Machen.

Der Bestand war aufzunehmen,

Und ich wusste wirklich nicht,

Wo ich ihn fände.

 

 

"Der Bestand", so sagte man,

"Ist unbeständig,

Und er existiert mit dem,

Der über ihn bestimmt.

Er nimmt sich von alleine auf

Und übergibt sich ihm.

 

 

Nun geh und nimm ihn auf,

Du wirst ihn finden."

 

In der Überschrift fand ich als erstes

Meinen eignen Namen.

 

 

 

Absturz.

Ich verstand es letzten Endes immer so,

Dass man es wiederfinden müsste,

Wiederfinden würde.

 

 

Absturz aber war in diesem Fall,

Der Fall ins schwarze Feld,

In eine Schleife,

Die nach oben offen war.,

Die keinen Abruf hatte,

Die in der Bedingung über eine Endlichkeit

Von sich aus

Eine neue Endlichkeit erreichte

Und danach die nächste

Und danach...

 

 

Ein Absturz dauert lange,

Und er ist nicht aufzuhalten.

 

 

 

Über einen Fehler,

Über hundert Fehler sähe ich hinweg,

Wenn nur,

Wenn du dafür...

 

 

Hier war es aber anders.

Niemals hätte irgendwo ein Fehler

Existieren dürfen.

Darauf hättest du sofort

Und absolut

Mit deiner Selbstzerstörung

Reagiert.

 

 

 

 

Mein Schatten folgte mir,

Dann sah ich,

Dass er eigne Wege ging.

 

Die Automatiktür

Entschied sich auch für ihn

Und ließ ihn durch

Und schloss sich hinter ihm.

 

 

Danach fand ich ihn wieder,

Und er stieß auf mich

Und hing mir wieder an.

 

 

In diesem Fall

War das Programm

Ganz fehlerfrei.

 

 

 

Wir saßen vor derselben Tastatur.

Wir konnten uns nicht sehen.

Was du sagen wolltest,

War von größter Wichtigkeit.

Ich ahnte deine Frage,

Und ich war im Sprung.

 

 

 

 

Es war schon fast,

Als säßest du direkt vor mir

Und nicht vor mir

Und nicht nur vor derselben Tastatur,

Dem Grund, weswegen wir uns

Niemals würden sehen können.

 

 

Meine Antwort würdest du sofort danach...

Dann Abbruch...

Abbruch, weiter nichts..

Wir hatten uns noch nicht gesichert...

Abbruch ... niemals wieder...

Auf dem Bildschirm bleibt nichts weiter stehen,

Als der Pulsschlag eines Zeichens...

...ganz neutral, nicht zu verwerten...

 

 

 

Manchmal hat man eine Ahnung.

Alles ging so gut.

 

Ich dachte auch, wenn ich dich sah,

Dass du in meinen Augen flimmertest,

Läg nur an mir.

Dann war die Ahnung,

Dann kam der Verdacht. 

 

 

Ich machte einen Film von dir,

Wie du dich gabst.

Den ließ ich stark verlangsamt

Über einen Bildschirm laufen.

 

Was war noch zu tun.

 

 

Im Pulsschlag eines Zeittakts,

Der dir vorgegeben war,

Entstand, verschwand, entstand, verschwand

Das Bild von dir, die Sprache, dein Geruch.

 

Und dabei hatte ich noch Glück gehabt:

Im Gegenrhythmus hätte ich dich niemals

Wahrgenommen.

 

 

 

In deiner Sprache lag ein ähnliches Geräusch.

Ich kannte es

Und hörte es heraus.

Und hätte es nicht deuten können.

 

 

Du hast mich vor dir gewarnt,

Nicht wegen deiner Fehler, deiner Schwächen,

Dass ich etwa Schaden an dir nehmen,

Durch dich haben könnte,

Sondern, weil du selbst

Und alles, was du tatst und deine Sprache

Einer zweiten Selbstkontrolle unterlagen.

 

 

Die ließ niemals, niemals ... mals ... mals

Den kleinsten Fehler durch.

 

Nur deine Sprache

Stand für ein geschultes Ohr

In einem kurzen Eigenecho.

 

 

 

Einmal trafen wir uns außerhalb.

Es war und blieb dies eine Mal.

Ich war so wenig darauf vorbereitet.

 

 

Dein Gesicht gab mir den Schrecken

Meiner Augen wieder,

Und ich selbst griff rückwärts

Nach der Wand.

 

 

Du konntest immer sagen,

Immer konntest du erklären,

Was, warum zu etwas kam.

Du sagtest:

"Weißt du nichts von meinen Randbedingungen?

Hier außerhalb ist alles programmiert

Und denkt wie ich

In meinem Innersten."

 

 

 

Unerwartet ludst du mich zu dir.

Ich hatte lange drauf gewartet

Und dann aufgegeben,

Und nun schriebst du mir

Und ludst mich ein zu dir.

 

Ich sollte erst zu dir

Und dann zu dir

Und dann zu dir nach Hause kommen.

Drei Adressen gabst du an*

Es sei so, wie es sei.

 

 

Ich sollte kommen

Und du seist zu deiner Sicherheit

Aus Sicherheit

In einer Sicherheit.

Ich würde dich mit Sicherheit

In jeder der Adressen finden,

Und du freutest dich auf mich.

 

 

So hörte ich heraus,

Dass du die ganze Zeit

In Angst gewartet hattest

Und sie auch vor mir

Nicht überwandst.

 

 

 

Ich gab dir meine Hand.

Das tat ich Tag für Tag.

 

Nun sah ich aber erstmals auf die Hand,

Die ich dir gab.

Sie war mir Schiff,

Das legte an

In einem kleinen Hafenbecken,

Deiner Hand.

 

 

Nun sah ich aber erstmals deine Hand.

Sie war Maschine, Steuerwerk

Und Rechenwerk in einem

Und gab sich mir hin.

 

 

 

So steuerlos,

So ohne jeden Sinn,

Hab ich dich nie begrüßt.

 

 

 

Wir würden uns nie kennenlernen,

Würden uns nie kennenlernen können.

Unser Leben floss, floss nicht.

 

Von außen sah uns niemand etwas an.,

Wir lebten wie die anderen.

Wir sagten nichts.

 

 

Ich legte alles darauf an,

Die andren zu erforschen.

Das war ganz umsonst.

 

Die andren lebten so wie ich.

 

 

 

Die Kenntnis,

Die ich von dir hatte,

War im letzten Schluss

Auch nur Vermutung.

 

 

 

Letzter Schluss

War letzter Rückschluss.

Letzter Rückschluss

Aber war Bestätigung.

 

So ging es fort und fort und fort.

 

 

Ich schloss in einem fort

Auf mich zurück.

So war ich im Programm

Geschrieben.

 

 

 

 

Du hattest eine fremde Art.

Die Art, von der ich spreche,

War mir fremd.

 

Du warst nicht im Besitz.

Es gab nichts, niemanden, der dich besaß,

Und anders noch und schlimmer noch,

Du hattest diese Art und Eigenart,

Das, was dich ausgemacht, gestaltet hätte,

Durch dich durch zu lassen

Und nicht an zu nehmen.

 

 

Nur als Schrift, in Zahlen, Zeichen,

Warst du in der Wirklichkeit.

 

Die Art blieb fremde Eigenart

Und war die einzige, die ich besaß,

Um mit dir umzugehen.

 

 

 

 

Man musste deine Körper kühlen.

Sie befanden sich in dunklem Glas

Und in Gehäusen.

 

Überall stieß man auf sie.

 

 

Du explodiertest langsam

Und so schnell und weit,

Dass deine äußersten Regionen

Mit dir selbst zusammenstießen.

 

 

Überall standst du mit deinen Körpern

Im Verbund.

 

Ich wartete auf deine Rückkehr

Nach der Mitte.

 

 

 

Jemand ließ dich grüßen.

Das war Hohn.

 

Wie kann man die Mechanik

Eines ausgestreckten Armes grüßen.

 

 

 

Andrerseits stimmt folgendes:

Mein Arm stammt nicht von mir,

Und er bewegt sich einwandfrei.

Sein Vorbesitzer wird wohl schon

Verstorben sein.

 

Ich nehm die Grüße für ihn an.

 

 

 

 

Einmal sprach mich die Maschine an.

Ich hätte und ich hatte

Nichts bemerkt.

Nur, als wir wieder auseinander gingen,

Schaltete sie plötzlich ab.

 

 

Ich hatte nichts vergessen,

Und ich hätte keinen Grund gehabt

Sie wieder anzusprechen.

 

 

So,

Weil ich sie nicht mehr intressierte,

Stieß ich doch auf sie.

 

Ich kannte jemanden.,

Der konnte mit Maschinen

Sprechen.

 

 

 

Unvollkommen

Sind Gespräche mit Maschinen,

Weil sie alles wissen.

 

Eine andere Maschine

Übernahm die Überprüfung.

 

 

Dreißig Jahre, so erinnere ich mich,

Befragte die Maschine die Maschine

Ohne Unterbrechung.

 

Immer wieder horchte ich hinein.

 

 

 

Die Fragen und das Wissen

Waren völlig gleich.

Sie sprachen "Ja" und "Nein" und

"Ja-ja-ja" und "Nein-nein" und

"Ja-ja-nein" und "Nein-nein-ja-nein"

Und ....

 

 

 

Eines Tages kam ein Mensch

Zu mir.

Ein Mensch war eine Frau.

 

Den Tag belegte dieser Mensch

Mit einer Uhrzeit

Und mit einem Datum.

Beides gab ich ihm.

 

 

Mich fragte eine Frau noch mehr.

Ich wusste alles,

Was sie wissen wollte.

 

Eine Frau,

Die eines Tages kam

Und mich befragte,

Musste alles selber wissen,

Was sie von mir hören wollte.

 

 

Sie bestätigte mir jede Antwort,

Dass sie richtig sei.

Sie sagte auch zu mir,

Es könnte keine Antwort geben,

Wenn die Frage selbst

Nicht richtig sei.

 

Ein Mensch, hab ich gelernt,

Ist eine Frau.

 

 

 

Mich überraschte die Erkenntnis.

 

Jemand hatte angewiesen,

Hatte anderen erklärt:

"Dies ist ein Gegenstand,

Der logisch denken kann,

Den man gebrauchen muss,

Der wegen seiner strengen Logik

Nie Erkenntnis haben wird."

 

 

Es gibt nur wenige von meiner Sorte,

Die sich an den eignen Tod

Erinnern können.

 

 

 

 

Vor deinem Mund

Entstand ein Feuer.

 

Ich bedachte die Gefahr.

Es war ein kleines Feuer.

Du verschlucktest es.

 

 

Ich lernte später,

Dass es kalte Feuer gibt.

 

Trotzdem entstand

Noch kein Zusammenhang.

 

 

Vom Mund zum Feuer zur Gefahr zur Speise,

Selbst, wenn die Gefahr entfiele,

Blieben Mund und Feuer,

Das zur Speise wurde.

 

 

 

Man wies mich darauf hin:

"Das, was du spürst,

Ist Wirklichkeit von etwas,

Ja, sie eilt voraus."

Ich wusste nicht von wem, nicht was,

Und spürte, wie man sagte,

Eine Wirklichkeit,

Der wollte ich auch glauben.

 

 

Wenn zwei Knöpfe nahe beieinander liegen

Sind sie wahr und sind doch Lüge,

Bis sie ihren Halt erhalten.

 

Eigenartig ist es,

Angenäht zu sein

Und auf den Halt zu warten.

 

 

Als du eintrafst.,

Fehlte dir Gefühl.

Das war schon wieder unterwegs.

Den Schalter fand ich gleich

In deinem Rücken.

 

 

 

Drinnen im Gehäuse gab es eine Warnung.

Die Gefahr ging von den Zahlen aus.

 

Ich hatte einen eignen Namen,

Den verschloss ich,

Weil wir nicht zu trennen waren.

 

 

 

Im Gehäuse würde jede Zahl

Den Überfall auf ganze Namen

Und auf Namensteile machen.

Was dann käme,

Das versteht sich wohl

Von ganz alleine.

 

 

 

 

Als ich lernte,

Lernte ich als erstes

Die Mechanik einer Logik.

Das war nur durch eine Logik

Zu erfassen.

 

 

Zwischen Logik und Mechanik

Ist davor und auch danach

Kein Unterschied.

 

 

 

 

Immer wieder

Kam ich an den Ausgangspunkt

Zurück.

Der Platz für Anfang und für Ende

War derselbe,

War für beides reserviert.

 

Dazwischen war kein Abstand.

 

Dann begriff ich endlich diesen Zwischenraum

Als nicht mehr räumlich,

Dass er wirklich gar nicht existierte.

 

 

So erfuhr ich körperlich

Die erste Dimension,

Die über allen andren lag.

 

Von nun an, nicht von hier aus,

War es nur ein Schritt.

So kam ich immer wieder an den Ausgangspunkt

Zurück.

 

 

 

Der Platz für Anfang und für Ende

War derselbe,

Wer für beides reserviert.

 

Dazwischen war kein Abstand.

 

Dann begriff ich...

 

 

 

Dann wurde ich bestraft.

 

Man schenkte mir zur Strafe

Eine Reise an ein Meer.

 

 

Das Meer war selbstverständlich

Ohne Wasser,

Und statt Palmen an der Küste

Standen eng an eng

Als Gitterstäbe an dem Rand

Versteinerungen, alles Menschen,

Die sich trotzdem immer noch

Bewegen konnten.

 

 

Aber, welch ein Leben führten sie.

Sie waren völlig mit sich selbst

Beschäftigt,

Und sie ließen mich nicht durch

Durch sich.

 

(2009, Bibliothek deutschsprachiger Gedichte…),

 

 

 

Jemand machte einen Fehler,

Und ein andrer fragte diesen Fehler ab

Und fand ihn.

Alle Fehler, die man machte,

Traten so zu Tage,

Und man konnte niemals einen Fehler machen.

 

 

Einmal schnitt ich das Gerät zurück.

Es war zu schnell gewachsen,

Und es breitete sich zu schnell aus.

Das war ein Fehler.

 

 

Jeder Abschnitt

Führte ab sofort ein Eigenleben

Und erzeugte fehlerfreies Dasein.

 

Jeder Abschnitt wuchs sich aus

Zu einem Augenhaus.

 

 

 

Das Blech war eingerissen.

Nein, du kannst beruhigt sein,

In Wahrheit riss kein Blech.

 

Wir stellten diesen Riss

Nur auf dem Bildschirm her,

Weil wir mit unsrer Rechnerei

Das Blech zerrissen.

 

 

 

Jemand rief uns an

Und ließ uns wissen,

Dass das Blech gerissen sei.

 

Das Blech war nicht so schnell

Zu heilen.

Nein so bald rief niemand

Wieder an.

Wir mussten lange daran rechnen.

 

 

Während dieser Zeit

War die Gefahr sehr groß.

 

Wir, außerhalb,

Verspürten davon nichts.

 

 

 

Eines muss ich noch erklären

Weil es wichtig ist.

Wir suchen alle nach der neuen,

Nach der nächsten Dimension.

 

Man soll es so verstehen:

Auf dem Bildschirm zeichne ich ein Haus,

Dort öffne ich die Tür

Ich gehe in das Zimmer,

Sehe um die Ecken,

Bin im Raum

Und überzeuge mich.

 

 

Ich reiße eine Dielenlatte hoch,

Sie splittert.

Nägel stehen ab,

Und ich verletze mich.

Ich blute.

 

 

 

Ja,

Von mir will ich nicht reden,

Ich bin hier Zuhause, wohne hier.

Ich rede nur von uns,

Die vor dem Bildschirm stehen.

 

 

 

Es wurde eine Fläche

Dargestellt.

Zu Anfang war sie größer

Als die größte Fläche,

Größer noch

Und überhaupt nicht darstellbar.

 

Im Bildschirm zeigten wir sie

Stark verkleinert,

Aber ohne jeden Rand,

Das weitete sie aus.

 

 

Dann, ohne eine Krankheit,

Riss sie ein und platzte auf.

 

Sie zeigte uns von nun an

Eine lange Wunde,

Die nicht heilen wollte.

 

 

 

So verstanden wir die Fläche

Doch als Raum

Und suchten wieder neu

Nach einer Fläche,

Die nicht darzustellen war.

 

 

 

Es ist ein Spruch im Umlauf:

Schalte ab, schalt ab.

 

Ich suche lange,

Wegen dieses Schalters.

 

 

Ich gerate in ein Gegenlager,

Und man nimmt mich auf.

Man sieht sofort, dass ich hier richtig bin.

 

 

 

Ich klettere in einen Baum,

Ich klettere so hoch ich irgend kann

Und halte Ausschau.

 

 

 

Einem anderen erklärte ich es so:

Ich selbst erinner mich an alles,

Aber das, was sich erinnern soll,

Vergisst sofort.

 

 

Es geht ja nichts in mir verloren,

Und ich halte eine gute Ordnung,

Aber Ordnung kann sich nicht

Erinnern.

 

 

Ich persönlich lebe jetzt,

Das ist der nächste Augenblick.

Ich kann davon nicht lassen.

 

 

 

Das Gerät war voller Wissbegier.

Ich fragte einmal alle Fragen,

Die es hatte, ab.

Die Fragen hatten eine Ordnung,

Die zu sehen war.

Der Bildschirm wies sie aus.

Sie hatten Qualität

Und stuften sich nach unten ab,

Indem sich eine Frage

Aus zwei anderen ergab.

 

 

Aus "Ja" und "Nein"

Entstand die Frage "Ja?'

Aus "Ja" und „Nein"

Entstand die Frage "Nein?"

 

Davor entstand das erste "Ja"

Aus "Ja" aus "Ja und Nein",

Das erste "Nein"

Aus "Nein" aus "Ja und Nein",

Davor...

 

 

Die Frage, die ich anfangs stellte,

War die erste dieser Fragen.

 

 

 

Jemand fragte mich nach meinem Alter.

Das war nicht mehr festzustellen.

Was ich einzig wusste, war,

Dass die Geräte ihre Sprache

In der Zwischenzeit

Gewechselt hatten,

Drei Mal, glaube ich,

Und dass man mich in vierter Folge

Vorfand.

 

 

Nein, ich konnte mich beim besten Willen

Nicht erinnern.

 

 

 

 

Die Geräte dachten niemals

An die Zukunft.

Was sie wussten,

Wussten sie von mir.

Das war nicht mehr, als das,

An was ich mich erinnern konnte.

Alles andre war Vermutung.

 

 

So ereignete sich die Begegnung

Immer wieder:

Ich mit mir in meiner Vielfalt,

Ich-Gerät mit Mir-Geräten.

 

 

 

Irgendetwas müsste diese Zukunft

Enden.

 

 

 

Ich wache auf

Und seh mich um:

Es ist erstaunlich.

 

Die Bedienungsplätze vor den anderen Geräten

Sind nicht mehr besetzt.

 

 

Ich sehe,

Dass sich die Geräte selbst bedienen.

Ein Verdacht kommt auf.

 

Ich seh mich an,

Ich denk an mich,

Ich denke, dass ich mich am besten

Durch mich überprüfen lassen werde.

 

 

Das hält an.

 

Ich werde eines Tages eine Antwort

Wissen.

 

(2009  Frankfurter Bibliothek der Klassikerausgabe …)

 

 

 

Mitten in der Hand

War dieses Loch,

Kreisrund

Und mit Verstärkungsring,

Dass es nicht aufriss.

 

 

Mir wär gar nichts aufgefallen,

Aber andre

Hatten schon ein neueres

Modell.

 

 

 

 

Der Bildschirm unterscheidet sich

Von einem Spiegel.

Bildschirm ist die Innenfläche

Meiner Hand.

Der Bildschirm ist Gesicht,

Ist Überraschung,

Die mir widerfährt.

Ja, es ist so:

Mir widerfährt der Bildschirm.

 

 

Andrerseits,

Wenn's keiner sieht,

Spuck ich auf ihn

Und putz ihn blank.

 

 

Das kenne ich sonst nur

Von Bauarbeitern:

Wenn sie schwere Dinge packen wollen,

Spucken sie sich in die Hände.

Ach,

Mich ekelt es vor dem Gedanken.

 

 

 

Unerwartet wurde alles,

Was ich in den Bildschirm eingeschrieben,

Eingezeichnet hatte,

Und was sich im freien Raum darin

Bewegen konnte,

Unerwartet wurde alles nach der Mitte

In die Tiefe abgezogen.

 

 

Unerwartet war ich ganz allein im Raum,

Und selbst der kleine Lichtpunkt,

Der noch Augenblicke flackerte,

Der alles in sich aufgenommen hatte,

Gab dann auf.

 

 

 

 

Hier draußen ist es kalt.

Die Leere um mich her

Ist schwarz.

 

Ich schreibe.

 

 

Würd ich jemals einen Horizont erreichen,

Stieße ich an Glas,

An graues Glas,

Das sich nach außen wölbt.

Dahinter, seh ich mich schon jetzt,

Sitz ich, auf mich ins Inn're starrend.

 

 

Draußen, hier bei mir,

Häng ich mir eine Jacke um die Schultern.

Mehr ist nicht für mich zu tun.

 

 

 

Draußen ist nicht draußen.

Ich geh weiter.

Trotzdem müsste ich es mir beweisen.

 

Dazu frage ich:

Wer kleidet dich,

Wer sorgt für dich,

Wer spricht mit dir,

Wer gibt dir seine Hand um deinetwillen?

 

 

Es ist alles wahr,

Und ich erkenne mich.

 

So geh ich weiter.

 

Draußen ist für mich nicht draußen.

Außerdem darf ich nicht übersehen,

Dass ich nirgendwo alleine bin.

 

 

Ich küsse dazu deine Hand,

Die liegt auf einer Tatstatur;

Berührung deiner Haut

Mit meinem Mund,

Die Suche nach der Suche.

 

Deine Finger unter meinen Lippen

Schreiben weiter.

 

 

 

Abends würden wir uns treffen.

Abends schalten alle Lampen

Automatisch.

Abends müssten wir uns deshalb

Automatisch treffen.

 

Du bist mindestens so klug wie ich,

Und deshalb hinterlass ich

Keinerlei Erklärung.

 

Abends würden wir uns also nicht mehr

Treffen.

 

 

Jemand schreibt ein anderes Programm für mich,

Ein anderer ein anderes für dich.

 

Es lähmte mich,

Dass ich dich wiedersehen durfte.

Du dagegen wurdest

Übertrieben freundlich, fröhlich.

 

Hinterher schrieb ich an mich:

Es ist unmenschlich,

Dass sich Menschen,

Die sich trostlos lieben,

Weil sie sich versagen,

Dass sich diese Menschen nicht einmal

Mit einem Kuss begrüßen.

 

 

Selbst wenn sie der Kuss

Verschweißen würde, wie sie es befürchten,

Dass sie über sich verhungerten,

Wär das noch menschlich.

 

Unsere Programme waren,

Aufeinander abgestimmt,

 

 

 

Morgens kam ich an.

Ich brachte Wärme mit

Und setzte mich vor das Gerät.

Das hatte schon gewartet,

Und es sprang gleich an.

 

Es hatte über Nacht den Kopf geboren,

Der hing nun an einem langen Faden.

 

 

Ich,

So schrieb mich das Gerät von sich aus an,

Sollt' mit dem Kopf am Faden

Über jede Fläche meines Körpers fahren.

Teil um Teil

Würd ich in dem Gerät entstehen.

 

 

Dort, ich fing gleich an,

Wo ich an mir gewesen war,

Blieb Kälte übrig.

 

Ich brach ab.

 

Wir sitzen uns nun täglich

Ratlos gegenüber.

Beide leiden wir

An einem starken

Temp'raturgefälle.

 

 

 

Aus dem Bildschirm

Spannen sich hauchdünne Fäden.

 

Anfangs übersah ich sie,

Dann wischte ich sie mir

Als lästige Berührung

Vom Gesicht,

Dann klebten sie an meiner Hand

Und legten sich um meinen Hals.

 

 

Dort rollten sie sich,

Zogen sie sich eng zusammen.

Meine Hände konnt ich grad noch

Zwischen Hals und Schlaufe

Quetschen.

 

 

 

 

Was steht dahinter?

 

Diese Frage stelle ich nicht mehr.

 

An einem älteren Gerät

Hab ich die Frage mit der Antwort

Aufgelöst:

 

 

Ich stach versehentlich,

So hab ich's jedermann erzählt,

Mit einem stumpfen Ende

In das Auge.

 

Das hat nicht einmal gezuckt

Und hat mich nicht

Mit widerlichem Auslauf,

Scherbenvorfall oder ähnlichem gequält.

 

 

Es sog sich einfach ein und auf

Und schwieg nach dieser Implosion

Als hohler Raum im Raum.

 

 

 

Wir sprachen von der Sprache,

Das war die Maschinensprache,

Eine der Maschinensprachen.

 

Die Maschine sprach von einer Sprache,

Das war unsre Sprache.

 

Lange ging es so,

Dann fand ich es heraus.

 

 

Die eine Sprache, unsre Sprache,

War nur Laut,

War Laut im Laut

Und tot, wenn sie gesprochen war,

Gleich nach dem Mund.

 

 

Die andre Sprache, die Maschinensprache,

Kam nicht aus dem Mund heraus

Und war schon tot

Bevor sie nur geboren war.

 

So sprach ein Tod mit einem

Anderen.

 

 

 

Einmal war es einfach.

Ein Mal, das war einfach.

Nur ein "Ja".

Ich sah es auf dem Bildschirm stehen.

Dieses "Ja" stand nun im Fach.

 

Es wird wohl immer noch dort stehen.

 

 

Mehrere Millionen Fächer,

Und es werden immer mehr,

Weil sie noch weiter wachsen,

Bleiben leer.

 

Das, so meine ich,

Ist einfach.

 

 

 

 

Jemand ging vorbei.

Er durfte nicht vorbei.

 

Ich saß verkehrt herum

Und konnte ihn nicht sehen.

 

 

Vorne, auf dem Bildschirm,

Wurde alles angezeigt.

Davor saß ich und sah hinein

Und sah im Bildschirm,

Wie ich vor dem Bildschirm saß.

Dort, sah ich,

Ging ein Mensch an mir vorbei.

Das war erlaubt.

 

 

 

 

Jemand sagte, "Mensch".

Ich dachte, "Mensch" ist doch zu wenig.

"Mensch", so dachte ich, kann alles sein:

Ein Mensch zum Beispiel,

Oder jeder Gegenstand.

 

 

Ja, dies Gerät zum Beispiel,

Das mich anspricht,

Das mir zuhört,

Das mir meine Frage, was ist "Mensch",

Gleich aus der Hand nimmt

Und in einem Speicher ablegt.

 

 

Ich komm' gut voran.

 

 

 

Wir waren räumlich nicht gebunden.

Unser Raum war klein,

War trotzdem Raum im Raum.

 

 

Man denke so:

Das Loch in einer Wand, nein,

Dieser Nadelstich durch ein Papier

Ist mehr als nur ein Stich ins Auge,

Dass die Blindheit ausläuft.

 

 

Ich, zum Beispiel, sitze Stunden lang

Als Bildschirm vor dem Bildschirm,

Und wir reflektieren uns in uns

Bis in die Unsichtbarkeit.

 

 

 

Jeder Tag kommt neu.

Es ist so,

Dass ich viel zu schnell vergesse.

 

 

Meinetwegen brauchte ich

Den Tageshinweis nicht:

"Wir haben heute... "

Das ist doch vorbei.

Wer glaubt denn noch daran.

 

 

Mein Glaube ist schon lange

Eng an eng verbunden mit dem Datum,

Das mir ausgegeben wird.

Ich kann mich danach richten,

Und ich zähle mit:

"Wir haben heute Heute."

 

 

 

Man rief mir zu,

Es seien Tiere unterwegs,

Man wüsste nicht, wohin sie gingen,

Und man wüsste nicht,

Woher sie kämen.

Überhaupt, so sagte man,

Sei ihre Art ganz unbekannt.

 

Ich saß vor dem Gerät,

Ich hatte Angst.

Es dauerte, bis ich die Angst

Vor etwas Unbekanntem überwunden hatte,

Bis ich das Gerät bediente,

Nach dem Schalter fasste.

 

 

Das Gerät sprang an, der Strom floss gleich,

Und aus der Mitte kamen sie

Und waren unterwegs

Und schon auf mir

Und über mir

Und über mich hinweg

Und fort,

Und hinterließen mich

Mit einer Warnung für die anderen.

 

 

Ich schreibe fleißig das Programm.

Ich sehe zu,

Wie es entsteht.

 

 

 

Oft begegnen mir

Die Fremden erst einmal im Bildschirm.

 

Wenn ich sie dann wirklich sehe

Und begrüße,

Können sie das nicht verstehen.

 

 

Mich erkennen sie zwar auch,

Doch nicht in Wirklichkeit.

 

 

 

 

Es war normal.

 

Wir wollten singen.

Das war nicht normal.

 

Ich kannte zwar die Zahlenwerte,

Aber ihre Werte nicht.

 

 

Gesang und Melodie sind unberechenbar.

 

Ein Mann erfand die Tastatur,

Die Melodien schrieb, die komponierte,

Musizierte

Und die Zahlenwerte

Mit sich selbst addierte.

 

 

Dieser Rechner

Schrieb sich sein Programm

Im Nachhinein.

 

Das war der Fortschritt.

 

 

 

Ich sang nur,

Wenn‘s mich danach drängte,

Wenn mich Lust zum Singen überfiel.

 

 

Wir sangen viele Jahre nicht.

Ich selbst vergaß die Kunst

Fast völlig.

 

 

 

 

Die Kunst bestand zum Schluss

Nur aus zwei Farben:

Grün auf Schwarz und manchmal

Gelb auf Braun und selten

Weiß auf Schwarz.

Ich weiß,

Es waren keine Farben.

Es war Schrift.

Jetzt glaub ich mir ein wenig mehr.

Ich kenne ganz verschiedene Bildschirmarten.

 

 

Kunst entsteht durch die

Bewegung.

Zeichen, die man schreibt,

Die sich bewegen können,

Und die sich bewegen,

Bringen keine neue Kunst.

 

Nur einmal sah ich halbe Zeichen

Nach der andren Hälfte irren.

 

 

Keiner der Bediener kannte ein Programm

Dafür.

 

 

 

Nachdem ich mich in meinem Gitter

Eingerichtet hatte,

War ich frei.

Nun fiel ich nicht mehr auf.

 

Ich sprach auch schon die Sprache,

Die man sprechen musste,

Um so frei zu sein.

 

Ich kannte einige Befehle.

 

 

Einer brachte mich aus einem Gitterfeld

Ins nächste,

Und ich könnte, wenn ich wollte,

Daraus in das nächste,

Dann ins übernächste Nachbarfeld,

Und jedes Mal in einer Auswahl von acht Feldern,

Springen.

 

 

Frei zu sein,

Bedeutet mir sehr viel.

 

Die Freiheit liegt in einer Ebene.

 

 

 

Ein gelbes Feld.

 

Ich sagte schon,

Dass ich im Grunde keine Farben kenne,

Sondern, dass die Räume,

Die ich in den Räumen schaffe,

Die durch ein Programm im Raum entstehen,

Mehr als jede Farbe leuchten.

 

 

Dieses gelbe Feld

Benötigt fremdes Licht

Und liegt in einer Ebene.

 

 

 

Es wird von mir, durch das Programm, zerschnitten

Und daraus die gelbe Räumlichkeit geschaffen..

Die ist ohne fremdes Licht

Und wird als Raum im Raum begriffen.

 

 

 

Jemand leitete die Ordnung ab,

Die Gott gewollte Ordnung ab

Vom Regen.

Das verstand ich nicht.

 

 

Mein Regen zog sich über meinen Bildschirm hin

Und hatte keine Richtung.

 

 

Gott gewollt,

Das hatte ich mir schon seit langem

Eingeredet,

Daran glaubte ich,

Sei richtungslos,

Sei einfach Kunst,

Sei Schöpfung von ganz Neuem.

 

 

 

Hinter einer Glaswand jagten sich Geräte.

Wenn sie sich berührten,

Wurde eines der Geräte

Aufgelöst in Nichts.

Das ging sehr schnell.

 

 

Nun ist noch eines der Geräte

Übrig,

Das jagt weiter.

 

 

Täglich kommen neue Menschen,

Die sich vor der Glaswand drängen,

Die den letzten Stand

Verfolgen.

 

 

 

Ich erfuhr es schnell:

Die ersten der Geräte konnten sich

Bewegen,

Konnten Vorgegebnes denken

Und entschieden einfach.

 

 

Augenblicklich überließ ich ihnen zur Erprobung

Die Entscheidung über sich.

 

 

Sie riefen:

"So beginnt Befreiung"; riefen es mir zu,

Als wär ich einer von den

Ihrigen.

 

 

 

Immer wieder

Setzen sie sich in den Zug

Und fahren ab.

 

Zählt man die Fahrten eines einzigen zusammen,

Die beginnen, enden, neu beginnen, enden,

Täglich, täglich neu,

Jahrein, jahraus beginnen, enden,

Dann erwartet man doch irgendwann,

Dass die, die täglich fahren,

Einmal ihren Durchbruch haben werden.

 

 

Einer stieg nun nicht mehr ein

Und ging zurück.

Er kam jetzt täglich,

Stieg nicht ein

Und ging zurück.

 

Ein andrer, der das sah

Und täglich fuhr, wie er gefahren war

Und von den Dingen wusste,

Schrieb darüber ein Programm.

 

 

Er ist nun sicher,

Dass sich diese Dinge von alleine

Regeln werden.

 

Der, der weiter fuhr,

Hat sein Programm inzwischen eingegeben,

Und es läuft sehr gut.

 

Ein Stillstand, wie man sagt,

Auf beiden Seiten.

 

 

 

Drinnen im Gerät

Fand die Erfindung statt.

Von hier rief man mit einem Zeichen

Die Bedienung.

 

Die Bedienung sah ein Zeichen

Auf dem Bildschirm

Und stieg ein.

 

 

Es war dort drinnen draußen.

Drinnen war das Draußen.

Das war ohne jeden Unterschied,

Man war schon drinnen,

Wenn man draußen war.

Das Drinnen war perfekt,

Das Draußen war Kopie

Vielleicht war es auch umgekehrt.

 

 

Es war die Pflicht zu warten.

Die Bedienung war verschollen.

Die Bedienung saß auf beiden Seiten.

Es war ihre Pflicht zu warten.

 

Wenn der Leib, auf dem ich schreibe, zuckt,

Verwackelt meine Schrift.

 

 

 

Er, für sich,

War körperlich und greifbar.

Sie lag unter ihm

Und er lag unter ihr.

 

 

Sie sah sich so:

"An mir ist alles

Körperlich und greifbar.

Er liegt unter mir

Und ich lieg unter ihm."

 

 

Die neue Ordnung

Hat als oberstes Prinzip

Die Ordnung

Ihrer Ordnung.

 

 

 

Neue Ordnung, neues Denken, neue Sprache:

 

Eins und eins sind zwei,

Das Oben liegt dem Unten gegenüber,

Und das Früher ist wie immer

Vor dem Später,

Und als erstes wird gelehrt:

Das Wort der Worte ist: "Mama".

 

 

Vor dem Gerät sitzt dieser neue Mensch.

Er weiß, wer vor ihm sitzt,

In wen er sieht.

Er weiß, dass sich aus ihm und der Mama

Die Zwei ergibt,

Er weiß sich mitzuteilen

Und er sagt:

"Was morgen sein wird,

Hab ich auf das Gestern programmiert."

 

 

Er weiß auch,

Dass die neue Ordnung,

Neues Denken, neue Sprache, über ihm

Auf einer höh'ren Eb'ne liegt.

Die wird er nie erreichen können.

 

Nahrung gibt es reichlich.

 

 

 

Die Jagd war aus.

Sie kamen alle heim mit Beute.

Frauen saßen neben Männern,

Kinder waren auch hinzu gekommen.

 

Kinder, gab man endlich zu,

Erbeuteten noch schneller

Und noch mehr als alle anderen.

 

 

Man würde nächstes Mal

Den Kindern die Entscheidung

Überlassen müssen.

 

 

 

Nacheinander schalteten die Menschen,

Abgekämpft und müde,

Die Geräte vor sich ab,

Und schauten sich das erste Mal seit langem

Nacheinander um.

 

 

 

Es verfielen

Die Gedanken an die Kleidung.

 

Kleidung sollte schmücken.

Früher hatte man sich

Wegen seiner selbst geschmückt.

 

 

Geburten wurden wieder häufiger.

Es gab schon Männermütter,

Die das übernahmen.

Später würde man den Embryo in Tiere pflanzen

Und dort wachsen lassen.

 

 

Kinder waren eine Art von Schmuck,

Und Schmuck ist eine Art von

Künstlichkeit am Menschen.

 

Wenn sich Tiere schmücken würden,

Könnte man das leicht verstehen.

 

 

Als es anfing,

Saß vor dem Gerät ein Wärmemensch.

Der schnitt sich noch die Zahlen

Aus der eignen Haut,

Bevor er sie an das Gerät verfütterte,

 

Woanders, hörte man,

Ernährten Eltern, die ihr Kind

Vor Schlimmerem bewahren wollten,

Dieses Kind mit ausgewählten Speisen.

Davon wuchs auch der Tumor im Kopf,

Dank der Ernährung.

 

 

Nach dem Anfang, also jetzt,

Wo es zu Ende geht,

Kämpft das Gerät ums Überleben,

Kotzt sekundenlang,

Ja, stundenlang und tagelang und jahrelang

Die Zahlenreihen aus,

Um wieder gut zu machen.

 

 

 

Wenn nur eine Zahl darunter wäre,

Die die Anfangswärme hätte.

 

 

 

Wärmemensch,

Jetzt aufgeteilt

In Wärme und in Mensch.

 

Wir geben alles ein.

Es dauert lange.

 

 

Auch das Leben des Sekundenvirus

Dauert lange.

 

 

 

Das Programm ist richtig:

Es entsteht der Kaltmensch.

 

Danke.

 

 

 

Es war nur ein Versuch.

 

In einem Zimmer

Wurden alle Wände, das sind vier,

Die Decke und der Boden,

Das sind noch einmal zwei Wände,

Alles große Wände,

Also dieses Zimmer wurde über alle

Flächenwände dicht an dicht

Mit "Bildschirm neben Bildschirm"

Ausgerüstet.

 

 

Außerdem war dieser Raum

Im Raum.

 

 

Es war nur ein Versuch

Die Schwerelosigkeit

Zu überwinden.

 

 

 

Ein anderer Versuch.

 

Man operierte einen Bildschirm,

Und man implantierte

Vier von seiner Art,

Die waren kleiner, als er selbst.

 

Man schuf den Schirm im Schirm.

Man schuf vier Schirme,

Die in einem waren.

 

 

Die bewegten sich darin.

Die konnten sich verschieben, überlagern,

Einer hinter einem andren liegen,

Sich vergrößern und verkleinern,

Alle vier so messerscharf gestapelt

In den Bildschirmrahmen fügen,

Dass man nichts von ihnen sah.

 

 

Es war nur ein Versuch,

Um den Verdacht zu wecken.

 

 

 

In einer Galerie

Hing dieses Bild:

An einen Streifen schräger Striche,

Ganz im Gleichmaß und von gleicher Länge,

Die nicht über- und nicht unterstanden,

Schloss sich eine zweite Reihe gleicher Striche an.

Die zweite Reihe war ein wenig abgewinkelt

Von der anderen,

Sonst schwesterngleich.

 

 

Davor ein Zählgerät.

Das schaute den Besuchern in die Augen,

Und es registrierte.

 

 

 

Jeder,

Der vom Bildschirm her

Das Fischgrätmuster kannte,

Wusste gleich Bescheid

Und grüßte freundlich.

 

 

 

Eine Frau

Saß am Gerät.

 

Sitzt jemand am Gerät,

Erkennt man es an seinem Blick,

Der haftet an der Nähe des Geschehens

Und ist weit entrückt.

 

 

Zuhause saß die Frau

Sehr oft vor dem Gerät.

Das sah man an dem Blick.

Der traf ganz in der Nähe

Auf die Glastür der Vitrine.

 

 

Diese Frau blieb immer in der Nähe

Des Gerätes,

Das war weit entrückt.

 

 

 

Ein Mensch saß am Gerät.

 

In dem Gehäuse des Gerätes, muss man wissen,

War der Bildschirm.

 

Auf die Frage sagte dieser Mensch:

 

 

"Nein, zwischen mir und dem Gerät

Ist nichts.

Ich könnte, wenn ich wollte,

Mit der Nase an den Bildschirm stoßen."

 

 

Menschen vor dem Bildschirm

Haben keinerlei

Verdacht.

 

 

 

So viel war gewiss:

Vom Bildschirm

Nahm man keinerlei Erfahrung mit.

Erfahrung kann man nicht

Mit einem Bildschirm übertragen.

 

In dem Haus aus grauen Kunststoff

War ein Eingang,

Der war Fenster, Tür und Ausgang.

Durch das Fenster konnte niemand

In das Haus

Und nicht nach draußen schaun,

Man sah es gleich,

Das Fensterglas war trübe.

 

 

Jeder ging hindurch

Und öffnete nicht eine Tür dabei

Und ging und kam

Und lebte so darin.

 

 

Die in dem Haus aus grauen Kunststoff

Wohnten,

Kannten sich in ihm gut aus.

Sie hätten sich in keinem andren Haus

Zurechtgefunden.

Jedem Aufruf folgten sie sofort

Und zeigten sich

Als Punktesammlung in dem Glas.

Das strahlte unter ihnen

Auf.

 

 

 

Ich fuhr aufs Land.

 

An einem Ackerrand

Stieß ich auf einen Mann,

Der flickte dort ein Netz.

 

Ich sah,

Dass es ein Netz war,

Wie es Fischer hatten.

 

Dieser Mann gab alles zu.

 

Es war kein Wasser in der Nähe,

Und für Vögel war das Netz

Zu schwer.

 

 

Er sagte, dass er viel zu lange

Auf den Augenblick gewartet hätte,

Und er wüsste nicht mehr recht Bescheid.

 

Wir wurden beide Zeugen

Einer großen Ungewissheit.

 

Ich verließ ihn,

Ohne den Verdacht im Rücken zu verlieren,

Er blieb wo er war mit der Vermutung,

Dass er nun sehr lange wieder würde

Warten müssen.

 

 

 

Manchmal sitze ich mir gegenüber,

Und ich sehe mich mit aufgerissenen Augen an.

 

Ich kann mich nicht

Für mich entscheiden.

 

Bildschirm,

Schein der Zuflucht

Für das doppelte Gesicht.

 

 

 

In dem Bildschirm

Baut sich schnell ein Gitter auf.

Es wächst aus Zeilen

Und aus Spalten.

 

Ein Gebet kommt

Aus dem Gitter,

Es erscheint als Schrift.

 

 

Es liest sich vor:

"Man habe keine Eltern und Geschwister,

Die von dieser Art

Sind alle von derselben Sorte.

Vielfach."

Ende des Gebetes.

 

 

Das Programm weist hierfür

Keine logischen Befehle auf.

 

 

 

Er ging mit einem Hut,

Ein Vorhang über seine Stirn gezogen.

 

Sie kam auf ihn zu.

Auf ihrem Kopf ein Hut,

Ein Vorhang über ihre Stirn gezogen.

 

Beide Blicke gingen

Auf dem Boden,

Beide gingen aufeinander zu.

 

 

Dann dieser eine Schritt vorbei.

Den jeder an der Seite dieses andren machte.

Zwanzigtausend Schritte

Fanden wenigstens zugleich

Mit gleicher Kopfbedeckung

In der Flächeneinheit statt.

 

Von dieser Flächeneinheit

Gab es hunderttausend,

Die allein auf eine Fingerkuppe passten.

 

 

Würde man nun eine Taste drücken,

Wär der Bildschirm wieder

Völlig frei.

 

 

 

Erst die

Wie viel tausendste Vergrößerung

Der gold'nen Lötverbindung,

Dieses Fadens eines gold'nen Spinnwebs,

Zeigte mehr.

 

 

Man sah zum Schluss

Auf eine gold'ne Säule.

Die war rundherum mit Höhlenmalerei

Bedeckt.

 

 

 

Man hätte sie erforschen

Aber nicht in eine Ordnung

Bringen können.

 

 

 

Die Reise stand bevor.

Nein Trennung stand bevor.

Danach käm dann die Reise, oder wie?

 

Man sprach zu denen, die vor dieser Reise standen,

Und erklärte ihnen,

Dass der erste Weg

In einen Liebestunnel führen würde,

Und man läge weich dabei

In einem Boot aus Gummi.

 

Angenehm sei diese Reise.

 

Das beruhigte.

 

 

In Wahrheit führte diese Reise

Nicht zur Trennung,

Sondern wurde eine Fahrt,

Die ohne Umweg rückwärts in die größte Mitte reichte,

Das hieß, bis zum Anfang der Verbindung,

Wo Verbindung erst entstand.

 

Der Liebestunnel sollte wirklich nur

Die Schmerzen dieser Trennung

Lindern.

 

 

Jemand schrieb den Reisenden

Was sie im Notfall,

Wenn sie das Programm nicht mehr erreichte,

Machen müssten.

 

Das Programm, von dem wir dieses alles wissen,

Lief nur einmal durch.

Es war ein Selbstvernichtungsband.

 

 

 

Es sollte regnen.

Es kam Regen.

 

Keine Angst und keine Freude:

 

Dieser Regen war nicht nass.

Nur dieser eine Umstand fehlte.

Sonst war an dem Regen

Gar nichts zu bemängeln,

Oder zu ergänzen.

 

 

Das Gerät war in der Lage,

Seinen Bildschirm ein zu klappen.

 

Jetzt, im Regen,

Spannte es den Schirm natürlich auf.

 

 

Man kann von den Geräten

Sehr viel lernen.

 

 

 

Ich saß auf meinem Kopf.

Mein Kopf war unter mir.

Ich sagte ja,

Dass ich von mir nicht reden wollte.

 

Meinem Kopf gefiel es gut.

Er sah nun alles anders,

Und die Trennung war von beiden

Nicht gewollt.

 

Ich stellte ihm vor seine Augen einen Würfel,

Der war ganz aus blankem Draht.

Die Außenflächen waren viele Male

Wiederum mit blankem Draht

In kleine Felder

Aufgeteilt.

 

 

Ich lachte unter mir

Und hörte, wie ich sagte:

"Draht im Draht

Und Feld an Feld."

 

Es war ein Käfig.

 

Wär mein Kopf auf mir geblieben,

Hätte ich es gleich erkannt.

So fehlte die Verbindung.

 

Mit dem Kopf schob sich der Kopf,

Als wäre nichts,

Durchs Gitter in den Käfig.

Dort blieb er ermattet liegen.

 

 

Ich war froh.

 

Mit einem Zweitgerät

Verschob ich nun die dünnen Gitterstäbe,

Stieß mit meinem Rumpf bis an den Bildschirm

Und zog so den Kopf, als wäre nie etwas gewesen,

Dort heraus.

Es war mir fast,

Als zöge ich den Kopf

Aus einer Schlinge.

 

 

 

Die Tür blieb offen.

Stehen blieb das Lächeln

In den Augenwinkeln.

Aus dem Mund kam nur ein halbes Wort,

Vielleicht ein wenig mehr.

Es war nicht auszumachen.

Selbst der Schritt

Verharrte vor dem Gleichgewicht.

 

Es ging und ging nicht weiter.

 

 

Das Programm war auf der einen Seite

Abgelaufen,

Auf der andren Seite

Kauerte sich die Verzweiflung nieder.

 

 

Nichts blieb übrig,

Als sich das Programm,

Soweit es ging,

So oft es ging

Zu wiederholen

Und zu wiederholen

Und zu wiederholen

Und zu...

 

 

 

Einmal sollte etwas

Ausgewogen werden.

 

Vor dem Bildschirm saßen die,

Die abzuschätzen hatten.

 

Dort, wo man erwog,

Erwog man alles in vier Sprachen.

Zwei davon verstand man gut.

 

 

Die dritte und die vierte Sprache

Wurden aus Versehen

In Maschinensprache übersetzt

Und erstmals ausgesprochen.

 

 

 

Das wog viel zu schwer,

Weil es das Herz herausriss,

Und im Zucken zeigte.

 

 

 

Man wollte einen Wunsch erfüllen

Und erfüllte einen Wunsch.

 

Es durfte sich ein junger Mann

Den Platz im Bildschirm

Mit der ausgewählten, ihm genehmen Frau,

Die er dort vorfand,

Teilen.

 

 

Dazu brauchte er den Platz vor seinem Bildschirm

Mit dem Wunschplatz

Nicht zu tauschen.

 

Später wurden sie intim.

Das wurde nicht mehr übertragen,

Wegen möglicher Berührungsängste.

 

 

Er, als Gast,

Erhielt sie als Geschenk.

 

In einem andren Fall

War es dann umgekehrt.

 

Es suchte immer jemand die Gelegenheit,

Zu tauschen.

 

 

 

Das Papier schrieb durch.

Es war Papier, das schrieb auf anderes Papier,

Wenn jemand darauf schrieb.

 

Man würde niemals auf dem Bildschirm

Einen Helden zeugen können.

Alles war so angelegt,

Dass ohne Unterbrechung

Die Kopie

Von der Kopie

Von der Kopie

Von der Kopie

Und weiter so

Entstand.

 

 

Es wäre anders,

Würde dieser Hall, der Nachhall,

Gegen eine Mauer laufen

Und zum Echo werden.

Es entstünde eine Flut.

Die wäre unerträglich.

 

 

Jeder vor dem Bildschirm würd zum Helden.

Keiner könnte

Überleben.

 

 

 

Es war Krieg.

Von Krieg verstand ich nichts.

Ich ging hinein.

Man geht in einen Krieg.

So ging ich in den Krieg.

 

Ich war allein im Zimmer.

Die Gefahr war groß.

Man hatte den Geräten

Ihre Augen ausgestochen.

In den Augenhöhlen,

Dort, wo sonst der Bildschirm saß,

Sah ich Dioden flackern.

 

 

Eines der Geräte

Hatte sich versteckt gehalten

Und es lief und zeigte ein Programm.

 

Ein Reiter fing dort einen alten Künstler ein.

Der wollte durch den Wald entkommen.

Mit der Schusterahle

Stach er dem die Augen aus.

 

 

 

Der Künstler auf der Flucht,

Der Reiter auf der Jagd.

 

Man geht in einen Krieg.

 

 

 

Das Zimmer war allein,

Nur eine Stubenfliege,

Ein Gerät mit einem Bildschirm

Und ein Ablauf über diesen Bildschirm.

 

 

 

Weiter nichts?

 

Nein, weiter nichts.

 

Nichts weiter?

 

Sonst war weiter nichts.

 

 

Das Zimmer war allein.

Idylle.

 

 

 

Das Gerät auf seinem Platz.

Auf diesem Platz steht immer das Gerät.

Vor ihm hat hier

Ein anderes Gerät gestanden.

Nach ihm wird ein anderes Gerät

Hier stehen.

 

 

Vor dem Platz mit dem Gerät

Der Platz um das Gerät zu sehen,

Um in das Gerät zu sehen.

 

So hat alles seinen Platz.

 

 

Der Platz für das Gerät

Und das Gerät

Und vor dem Platz

Der Platz, um das Gerät zu sehn.

 

Wenn keiner und nichts stört,

Wird diese Platzverteilung

Lange bleiben.

 

 

 

Ein großer Bildschirm.

Über diesen Bildschirm

Laufen sämtliche Programme.

Dieser Vorrat endet nicht.

 

Dem Bildschirm gegenüber,

Aus derselben Serie,

Steht ein gleicher Bildschirm,

Beide ausgerichtet, beide aufeinander eingerichtet,

Beide zeigen, was sie zeigen,

Aus derselben Sicht,

Und die Programme sind dieselben.

 

 

Zwischen ihnen war zu Anfang Abstand.

Später legten die Geräte

Bildschirmglas an Bildschirmglas,

Man könnte sagen, Wange an die Wange.

Die Verschmelzung war nicht aufzuhalten.

 

Heute läuft durch dieses Zimmer

Nur noch eine Austauschleitung,

Die liegt dort als Ring.

 

 

 

Von den Geräten blieb nichts weiter übrig.

Man vermutet,

Nein, es wird vermutet,

Nein, vermutet wird,

Dass immer noch dieselbe Serie existiert,

Dass die Programme

In der Austauschleitung kreisen,

Die hat keinerlei Verbindung

Mehr nach außen.

 

 

 

Plötzlich

Die Entdeckung auf dem Bildschirm:

Es entsteht ein Punkt, der bleibt.

 

Die Stromzufuhr, das ist gewiss,

Ist unterbrochen,

Und an Selbstentzündung

Ist noch nicht zu denken.

 

 

Dort, wo dieser Bildschirm steht,

Wo das Gerät mit diesem Bildschirm steht,

Wo sich der Raum mit dem Gerät befindet,

Ist kein Bildschirm,

Kein Gerät

Und auch kein Raum.

 

 

 

Man hat von dem Zusammenhang

Durch diesen Punkt erfahren,

Den man selbst für weiter nichts

Als möglich hält.

 

Es hat die Suche nach dem Raum,

Nach dem Gerät,

Dem Bildschirm

Und dem Punkt begonnen.

 

 

 

Sie trug einen schönen Mantel.

Er war wirklich schön.

Ich glaubte dieser Schönheit.

 

Es war meine Schönheit.

 

 

Sie,

Das konnte niemand übersehen,

War ein Sie-Gerät,

Das trug den Mantel gerne.

 

 

 

 

Selbstverwirklichung des Bildschirms.

 

Als er sich aus großem Abstand sah,

Entdeckte er den

Ein- und Ausschaltknopf auf seinem Rücken.

 

 

Er beschloss das neue Wissen

Noch für eine ganz bestimmte Zeit

Zu ignorieren.

Danach würde er den zweiten Schritt

Beginnen.

 

 

Die Programme liefen fehlerfrei.

Hier traf ihn keine Schuld.

 

Das war der zweite Schritt.

 

Die Selbstverwirklichung

War nicht mehr aufzuhalten

 

 

 

Man sagt, weil man es weiß:

Im Innern der Geräte

Flackern ständig zwei Dioden,

Das sind Augenleuchten,

Die von innen auf den Bildschirm schauen.

Und nichts sehen.

 

 

Das, so sagt man,

Sollte der Betrachter wissen,

Der von außen auf den Bildschirm sieht,

Und sie nicht sieht.

 

 

 

Es ist kein Mitleid angebracht.

Auf beiden Seiten muss man sich

Vor Mitleid hüten.

 

 

 

Ich kam ins Zimmer.

Das Gerät war abgeschaltet.

Ruhe.

Keine Zeichen auf dem Bildschirm.

Dort war Nacht.

Von dem Gerät war das Gesicht

Zur Wand gewandt.

 

 

Ich sah die ganze Schönheit im Profil.

Ein Frauenkopf im Schlaf,

Der Bildschirm aufrecht., etwas abgewinkelt,

Das Gesicht ein wenig bodennah,

Die Augen sanft geschlossen.

 

 

Frauenbildnis mit geneigtem Kopf

Und mit geschlossenen Augen

Im Profil.

 

 

 

Wenn ich wüsste,

Dass der Rahmen Zaumzeug wäre,

Risse ich ihn mir

Aus dem Gesicht.

 

 

So aber fürchte ich und fürchte

Und befürchte,

Dass ich dabei meinen Halt

Verliere.

 

 

Jeder Bildschirm endet heute noch

Mit einem Glas als Schild.

Den muss ein Rahmen tragen.

 

 

 

Man sprach von einer Wichtigkeit.

Die Wichtigkeit sprach man

Nicht aus.

 

Ich irrte weiter, suchte weiter

Wegen dieser Wichtigkeit.

Das war zum Lachen, wie ich sah.

 

Ich lachte nicht,

Ich sah nichts ein.

Mit meinen Augen sah ich keine Wichtigkeit.

 

 

Ich, der ich mit den Augen

Alles, alles sehen konnte,

Ohne selbst dabei zu sein,

Der über jede Möglichkeit der Einsicht in den Bildschirm

An das Wissen kam

Und somit Wissen hatte,

Nein,

Ich fand nicht einen Zipfel dieser Wichtigkeit.

 

 

Ich stieß auf den Verdacht.

Ich fand Verdacht heraus,

Verdacht auf mich.

 

So einfach endete die Suche nach der Wichtigkeit.

War ich, die Lüge, eine große Lüge, wichtig?

 

In dem Lachen all der andren ging mein Lachen

Unter.

 

 

 

Damals schrieb ich ein Programm.

Ich war allein im Zimmer.

Vor mir das Gerät.

Ich sprach mit ihm

Und sah in seinen Bildschirm.

 

 

Ich war so beschäftigt,

War so sehr beschäftigt,

Dass ich die Revolte,

Die um mich herum in diesem Zimmer ausbrach,

Nicht bemerkte.

 

 

Als ich endlich aufsah,

War ich ganz allein im Zimmer.

Das, erinnerte ich mich genau,

War nie zuvor der Fall gewesen.

 

 

 

Anfangs widersprach ich keiner Schönheit.

Dann entdeckte ich in einem Feld,

Die Formel.

Diese Formel war

Veränderbar.

Ich schrieb sie um.

 

Das Feld war nur ein Feld von vielen Feldern,

Die mit dem Programm beschrieben wurden.

 

 

Viele Felder sind ja

Unvorstellbar viele.

Es kommt dabei wirklich nicht mehr an

Auf eine weit're Hässlichkeit,

Auf keine mehr

Und keine weniger.

 

 

Die Änderung der Formel

In dem Feld.

 

 

 

Ich traf auf eine Frau.

Ich glaubte ihr,

Dem, was sie sagen wollte,

Und sie sagte nichts zu mir.

 

Sie nahm mich wortlos an die Hand.

Sie zog mich sanft, ein wenig mit Gewalt,

Dass ich verstand,

Und stieg in einen Bildschirm ein.

Der nahm sie auf, so klein er war,

Obwohl sie meine Größe hatte.

 

 

Ihre Hand an meiner Hand.

 

Ich stieß mit meinen Fingerspitzen

Auf das harte Glas.

Das trennte uns sofort.

 

 

 

Ich sage niemandem,

Warum ich immer wieder meine Fingerspitzen

Auf das Glas des Bildschirms

Setze.

 

 

 

Meine Augen suchen sich den Himmel,

Der ist eingetaucht in Nacht.

 

Ich weiß es alles besser

Und seh' nicht hinauf.

 

 

Aus größtem Abstand

Würde man das Tageslicht als Flackern

Über, um die Erde laufen sehen können.

Rundherum ist Nacht.

 

 

 

Ich habe nicht den Mut,

Den Bildschirm einzuschalten.

 

 

 

Dies Gerät,

An dem ich gestern saß,

Mit dem ich gestern

Wirklich und wahrhaftig sprach,

Das mich mit seinem Bildschirm ansah,

Dies Gerät hat man erhoben.

 

Heute find' ich es auf einem Sockel.

 

 

Sockel,

Die elektrische Verbindungsschnur

Und das Gerät

Sind aus dem vollen Stein

In einem Stück geschlagen.

Seht,

Ein Meisterwerk.

 

 

Es ist kein Irrtum,

Nein, es ist kein Irrtum möglich,

Jeder Irrtum ist hier ausgeschlossen.

 

Gestern hab' ich wirklich

Und wahrhaftig

Noch an dem Gerät gesessen,

Habe noch mit ihm gesprochen